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Connection-Blog

Marianne Gallen, Torsten Brügge und Wolf Schneider bloggen zu den Themen Spiritualität, Psychologie und Bewusstseinsentwicklung.

Oliver Bartsch

Oliver Bartsch

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Veröffentlicht von am in Torsten Brügge

Subkultursprache
Jede Subkultur hat ihre eigene Sprache. Sie ist Ausdruck und Funktion dessen, was vermittelt werden soll. In der Satsang- und Advaita-Szene gibt es manchmal interessante neue Sprachformen. Zu Zeiten arten diese aber auch in abstrakte Worthülsen aus. Dann haben sie nur noch wenig mit der unmittelbaren Erfahrung zu tun, sondern führen in neue Starre und Unechtheit.
In Veranstaltungen, bei denen ich in der Rolle eines spirituellen Lehrers zur Verfügung stehe, werde ich von Teilnehmern manchmal gefragt: „Wie ist es denn bei Dir: Hast Du noch Gedanken?“ oder „Denkst Du überhaupt noch?“ Hinter solchen Fragen stecken oft vorgefertigte Modelle darüber, was Erwachen oder Erleuchtung für einen Menschen bedeuten würde. Eine sich hartnäckig haltende Vorstellung besteht darin zu glauben, dass ein Mensch, der zu seiner wahren Natur erwacht ist, überhaupt nicht mehr denken würde. Hier wird „Freiheit vom Denken“ mit „Abwesenheit von Gedanken“ verwechselt.

Spirituell korrekt
In meiner Anfangszeit in der Rolle eines Satsang-Lehrers habe ich solche Fragen oft in einer typischen und damals für mich stimmigen Weise „spirituell korrekt“ beantwortet. Tatsächlich entsprachen diese Antworten damals meiner direkten Erfahrung. Und auch heute gibt es verschiedene Ebenen auf der ich die Frage „Denke ich noch?“ für mich selbst – und dann auch für andere – beantworte. Auf einer tieferen Ebene würde ich mein Erleben so beschreiben: Denken findet manchmal statt. Oder: Gedanken tauchen zeitweise auf, ohne dass ich das Gefühl hätte, dass sie von einem Ich oder gar „meinem Ich“ erzeugt werden würden. Doch jetzt gerade taucht beim Schreiben dieser Antworten auch das Gefühl auf, dass solche Formulierungen für mich im Kontext der heutigen Satsang-Szene oft schon abgegriffen erscheinen.
Besonders deutlich wurden mir diese Merkwürdigkeiten einer „spirituelle Sprache“ als ich zufällig ein Youtube-Video von einem recht bekannten Advaita-Lehrer sah. Dieser Lehrer gehört zu denjenigen, die sehr die absolute Ebene des Unpersönlichen betonen - mit Botschaften wie „Es gibt kein Ich“ oder „Niemand handelt“ usw.
Der Interviewer stellte im Video eine Reihe von ähnlichen Fragen. Sie wurden vom Lehrer auf ähnliche Weise beantwortet. Das lief in etwa so:

Interviewer: „Wie ist es denn jetzt für Dich: Hast Du noch Ängste?“
Lehrer: „Angst taucht auf. Aber es gibt kein Ich, das diese Angst hat?“
Interviewer: „Hmmmh, und wie ist es mit Wut: Wirst Du manchmal so richtig wütend?“
Lehrer: „Wut taucht auf. Aber es gibt niemanden, der sie hat.“
In der Art ging es noch etwas weiter. Dann machte der Interviewer irgendeinen Scherz. Die Atmosphäre lockerte sich. Beide begannen öfters zu lachen. So drehte sich das Gespräch zunächst in eine andere Richtung. Doch plötzlich viel dem Interviewer wieder eine Frage ein: „Was ich eigentlich auch noch wissen wollte: Träumst Du eigentlich noch?“ Der Lehrer antwortete im heiteren Gesprächsfluss spontan: „Ja natürlich träume ic…“ Dann spürte man förmlich, wie sich der Lehrer innerlich auf die Zunge biss. Mitten in der Formulierung von „ich“ rief er sich selbst zur Ordnung und stoppte. Dann antwortete er ernst: „Träume tauchen auf, aber es ist keiner da, der träumt“.
An dieser Stelle musste ich herzlich lachen. Mir wurde noch mal um einiges deutlicher, wie ich selbst in der Vergangenheit wohl auch einer ähnlichen Künstlichkeit - getreu dem Advaitasprech - verfallen war. Bloß nicht von der absoluten Wahrheit abweichen! Bloß dem Ich-Gedanken kein Gewicht geben! Immer sofort auf das transzendente Sein schauen! Das war die damalige Maxime.

Sprache ohne Ich-Gedanken?
Ich erinnere mich daran, wie ich damals dachte: „Wir sollten eigentlich eine ganz andere Sprache sprechen, in der der Ich-Gedanke nicht mehr gebraucht wird.“ Diese Intention hatte eine gute Absicht und auch eine hilfreiche Funktion. Es ist offensichtlich, wie stark die Fehl-Identifikation mit unserer Person Leiden erschafft. Auf der gedanklichen Ebene wird dieses Leiden durch den Ich-Gedanken eingeleitet.  Die Begrenzungen und Einschränkungen, die ihm oft folgen, verlocken uns in eine Leidens-Trance: „Ich bin… nicht gut genug …hässlich …dumm … traurig“ „Ich… schaffe es nicht“ „Ich …muss das tun, obwohl ich es eigentlich nicht will …brauche, dass Andere mich lieben.“ All diese Leidensmuster beginnen mit und knüpfen sich an den Gedanken „Ich“. Deshalb ist es tatsächlich äußerst hilfreich – und ich würde sagen ein „Muss“ echter Selbsterforschung –, wachsam für den Ich-Gedanken zu sein. Erst wenn wir ihn als Gedanken entlarven, wird uns klar, dass wir ihm und seinen Anhängseln nicht zwanghaft folgen müssen. Dann werden wir darauf neugierig zu erforschen, was das eigentliche Seinsempfinden des ICH BIN ist, bevor sich unsere Aufmerksamkeit in der Fehl-Identifikation mit „Ich bin…“-Gedanken verliert.
Insofern ist es ein spannendes Experiment, wenn wir uns vorstellen, vielleicht einen ganzen Tag konsequent auf den Ich-Gedanken zu verzichten. Natürlich wird er trotzdem auftauchen. Aber wie wäre es, wenn wir jeden Gedanken in dem „ich“ vorkommt nutzen um zur reinen Präsenz aufzuwachen. Wie ein Meditationsgong der uns zum Innehalten einlädt: „Ich…“ –Goooooonnnnng – Stille.

Lass Zwergnase denken
Wem das zu radikal erscheint könnte einen lustigen Zwischenschritt ausprobieren: Wie wäre es, den Ich-Gedanken durch einen anderen Gedanken zu ersetzen. Anstatt „Ich“ könnten wir den Namen einer netten Märchen- oder Fabelgestalt einsetzen. Die Auswahl ist groß: Zwerg Nase. Hans im Glück. Die Prinzessin auf der Erbse. Puh der Bär. Auch Gestalten aus Fernsehserien eignen sich: Graf Zahl, Biene Maja oder der rosarote Panther. Das mag sich albern anhören, bis wir es tatsächlich ausprobieren. Ein stressiger Gedanken am Morgen wie „Jetzt muss ich schon wieder so früh aufstehen!“ fühlt sich ganz anders an, wenn wir ihn mit „Jetzt muss Zwergnase schon wieder so früh aufstehen!“ ersetzen. Im Badezimmer schauen wir in den Spiegel und denken: „Biene Maja sieht ja ganz verquollen aus.“ Am Frühstückstisch macht es uns wenig aus, wenn bloß die Prinzessin auf der Erbse so morgenmuffelig dreinschaut, während wir schon über diese Idee schmunzeln. Und unser Kontostand macht – Gott sei Dank - nur Graf Zahl sorgen. Solches „Gedanken-Ersetzen“ ist kein Allheilmittel. Doch es macht deutlich, wie leicht und spielerisch wir die Muster von Fehlidentifikation aufbrechen können.
Auch eher abstrakte Advaita-Sprache erfüllt diesen Zweck:  „Hier wird gerade Wut erlebt“ kann sich sehr viel leichter anfühlen als „Ich bin wütend“. „Nachdenken geschieht“ ist auf eine Art wahrer und müheloser als „Ich denke nach“. Allerdings sollten wir auch wachsam dafür sein, wenn solche Sprachmuster zu einer neuen starren Gewohnheit werden. Dann enden sie manchmal in einer kaum zu überbietenden Künstlichkeit. „Hier ist niemand da, der jemals etwas getan oder gelassen hat“. Stimmt! Aber dieser Niemand könnte das doch besser in edlem Schweigen kommunizieren. Und meist ist der Einzige, der andere von seinem Niemand-Sein überzeugen muss, ein fetter Jemand.

Wieder normal werden
Nachdem ich selbst solch eine Phase des Advaitasprechs durchlaufen habe, bin ich langsam wieder auf den Geschmack des Normalen gekommen. Ich finde es mittlerweile viel spannender eine Sprache zu benutzen, die sich natürlicher anfühlt. Das spricht vielleicht auch an, die noch nicht in Kontakt mit Advaita- und Satsangideen gekommen sind, aber sich sehr wohl nach Freiheit sehnen und reif für ein tiefes Verständnis sind.
Dabei gönne ich mir immer mal wieder ein wenig Advaitasprech, eben weil es auch so gut  Wahrheit ausdrückt. Aber wer die Keiner-ist-hier-Sprache nicht versteht kann bei mir gerne nachfragen. Im Gegensatz zu dem oben erwähnten Lehrer. Von ihm habe ich noch eine vielsagende Geschichte gehört: Eine Teilnehmerin einer seiner Vorträge rief den Lehrer am Tag nach der Veranstaltung an. Ihr hatte der Vortrag gut gefallen, sie hatte allerdings noch eine dringende Frage. Der Lehrer ging ans Telefon. Die Frau begann: „Also ich habe da noch ein Frage…“ Weiter kam sie nicht. Sie hörte aus der Leitung nur noch ein genervtes „Es gibt kein Ich!“ und schon hatte der Lehrer schon aufgelegt. Das mag man „radikale Lehre“ oder „absolute Arroganz“ nennen.

Denke ich noch?
Zurück zur Frage „Denke ich noch?“. Heutzutage neige ich oft zu einer verdammt normalen Antwort: „Ja klar denke ich noch! Ich bin doch nicht zu einem hirnlosen Deppen geworden.“ Und während diese Antwort gedacht, gesagt oder geschrieben wird, ist im Hintergrund trotzdem die Gewissheit da, dass es tatsächlich kein Ich gibt, welches diesen Gedanken eigenständig hervorbringt; dass nichts anderes als das allumfassende SEIN genau diesen Gedanken gerade jetzt denkt; und dass auf einer noch tieferen Ebene selbst der Gedanke „Gedanke“ ein substanzloses Phänomen ist, das niemals existiert hat - im Sinne von „aus sich selbst heraus bestehend“.
Und hier fällt mir banaler Weise der alte Schlager von Juliane Werding ein: „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst…“. Wenn wir das erkennen, haben wir ein leichtes Spiel – mit oder ohne Advaitasprech.

Torsten Brügge, Hamburg 3.12.2013



 


 

 
 




 



 





 

 

 

 

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Lasst uns Rettungsflugzeugträger bauen!

Die schreckliche Naturkatastrophe auf den Philippinen zeigt wie verletzlich die Menschheit ist und offenbart Abgründe von Hilflosigkeit, Schmerz und Leid. Das bricht mir manchmal das Herz - noch weiter auf.

Zugleich finde ich es berührend, welche Betroffenheit sich in großen Teilen der Weltbevölkerung und auch auf der Ebene der nationalen Regierungen zeigt und dass daraus auch echte Hilfshandlung folgen. Ermutigend ist für mich, dass die USA ihren Flugzeugträger "USS George Washington" mit 5000 Marinesoldaten und 80 Flugzeugen an Bord zu humanitären Hilfsarbeiten in das Katastrophengebiet schickt. War das früher schon so, dass nationale Katastrophen weltweit so viel und "so schnell" breite Betroffenheit und konkrete Hilfsangebote auslösten? Ich möchte hoffen: Globale Anteilnahme und Mitgefühl haben zugenommen und finden zunehmend auch Ausdruck in politischer und ganz praktischer Handlung.

Heute Nacht um 3:30 Uhr kam mir die naive Idee: "Lasst uns Rettungsflugzeugträger bauen!" Ein moderner Flugzeugträger kostet einen Anschaffungspreis zwischen 2 und 12 Milliarden Euro. Der Unterhalt schlägt mit ca. 800 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Das kann sich eine Weltgemeinschaft locker leisten!

Flugzeugträger stellen heute mit die Spitze der militärischen Machtinstrumente dar. Sie können auf dem ganzen Planeten flexibel und autonom operieren. Es gibt weltweit ca. 40 aktive Flugzeugträger. Doch was bringen Flugzeugträger bisher in die entlegendsten Ecken der Welt? Militär, Waffen, Bomben, Gewalt und Tod.

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Anmerkung vorweg: Ich hätte mir gewünscht, den Inhalt dieses Blogbeitrages kürzer fassen zu können. Doch nach vielfacher Überarbeitung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Komplexität dieses Thema auch einen entsprechenden Raum braucht. Ich mute dem Leser hier eine gewisse Überlänge zu. Aber auch manch guter Kinofilm wäre ohne Überlänge nur ein Flop geworden. Wer trotzdem gerne ohne genauere Vorerklärungen zu dem Kernpunkt diese Beitrages "Die Wichtigkeit relativer Wahrheiten“ springen will, kann auch ab der Überschrift „Spirituelle Bezeichner" anfangen zu lesen.

 

 

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Veröffentlicht von am in Torsten Brügge

Der Weise kann mich mal!

- Erleuchtungsstress abschütteln

 

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Veröffentlicht von am in Torsten Brügge

Dieser Blogbeitrag entstand durch die Erwiderung auf einen Kommentar zu einem meiner vorherigen Blogbeiträge.

Da es sich hier um eine  Erläuterung eines – wie ich finde – sehr grundlegenden Themas, über das eigentlich alle spirituellen Sucher/Finder informiert sein sollten, handelt, habe ich ihm eine ausführlichere Betrachtung eingeräumt. Es dreht sich dabei um das paradoxe Nebeneinander der absoluten und relativen Dimension der Wirklichkeit.

 

Hallo Alfred,

danke für Deinen Kommentar zum meinem vorherigen Blogbeitrag:

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Der folgende Text von Astronaut Sultan Ben Salman Al-Saud aus Saudi-Arabien inspirierte mich, ihn fortzusetzen.

„Am ersten Tag deutete jeder auf sein Land. Am dritten oder vierten Tag zeigte jeder auf seinen Kontinent. Ab dem fünften Tag achteten wir auch nicht mehr auf die Kontinente. Wir sahen nur noch die Erde als den einen, ganzen Planeten.“

Fortsetzung:

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Veröffentlicht von am in Wolf Schneider

 

Morgen früh beginnt in Berlin das 3-Tages-Event »Forum Erleuchtung«, auf dem sich etwa 35 aufgewachte spirituelle Lehrer vor Publikum treffen, wie es dort auf der Webseite heißt. Ich kenne die Veranstalter ein bisschen – soweit sehr sympathische Menschen – und viele der dort auftretenden spirituellen Lehrer, und ich schätze die Demontage des Erleuchtung-Begriffs, die dort betrieben wird. Auch scheint mir szeneweit ein gewisser Demokratisierungsprozess des einst so elitären Status der Erleuchtung bzw. des Erwachtseins im Gange zu sein, den dieses Forum fördert: Erleuchtung für alle!

 

»Die Erleuchtungsfalle«

Solche Demontagen des Erleuchtungsbegriffs gibt es seit es diesen Begriff und die damit verbundenen Mythen gibt. Das Buch »Die Erleuchtungsfalle« von Klaus-Peter Horn, das ich Mitte der 90er Jahre herausgegeben habe, knüpfte daran an, in damals noch nur für sehr wenige verständlicher Weise. Heute ist das anders. Nicht nur streben heute viel mehr Menschen nach Erleuchtung und Erwachen, es erwachen auch immer mehr aus diesem Streben. Das Buch »Erleuchtung – Phänomen und Mythos«, das vom Forum Erleuchtung 2012 herausgegeben wurde, stellt die heutige Haltung dieses Forums zu diesem Thema recht gut dar. Katharina Ceming hat es in unserer Zeitschrift Connection Spirit sehr positiv rezenziert.

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Veröffentlicht von am in Torsten Brügge

Manche Begriffe haben die Kraft, als frische Fingerzeige auf die nicht-begriffliche Wahrheit unseres innersten Wesens zu deuten: SEIN, STILLE, GEWAHRSEIN, GEIST, TAO, BUDDHA-NATUR, GÖTTLICHER URGRUND…

Für mich galt das eine Zeit lang auch für den Begriff "ERWACHEN". Erwachen wir aus einem schlechten Traum zum Wachbewusstsein, ist das eine Befreiung. Wir erkennen, dass alles, was im Traum geschah, unwirklich war. Das Drama und Leiden des Traumes ist zu Ende. Uns wird klar, dass uns das leidvolle Traumgeschehen in Wahrheit nie berührt hat.

Ganz ähnlich können wir vom Leiden der Identifikation mit einem begrenzten persönlichen Ich und dessen schwankender Lebensgeschichte von Schmerz und Vergnügen zu der Weite und Reglosigkeit unseres wahren Selbst erwachen. In dieser Hinsicht macht "Erwachen" für mich immer noch Sinn.

Auf eine andere Weise scheint der Begriff "Erwachen" mehr und mehr konzeptualisiert und korrumpiert zu werden - vor allem dann, wenn er als die Eigenschaft einer Person interpretiert wird. "Hast Du schon gehört? Person X ist erwacht." "Nein, der ist doch noch nicht erwacht. Person Y vielleicht schon, aber X, nee." Oder wir beziehen ihn auf uns selbst "Oh nein, ich bin immer noch nicht erwacht." oder "Ah, weil ich jetzt diesen Einblick in Stille, Ewigkeit und Ich-Losigkeit gehabt habe, bin ich erwacht. Nun gehöre ich endlich zur Gruppe der 'Erwachten'."

Verstehen wir "erwacht" als eine eindimensionale Eigenschaft einer Person, ergeben sich daraus spirituelle Missverständnisse und Verzerrungen. Entweder wir verfallen in Minderwertigkeitsgefühle, weil wir uns nicht erwacht fühlen und machen uns "Erwachens"-Druck, der unser Leiden noch verstärkt. Oder wir überhöhen uns selbst. Wir glauben vielleicht, nur weil wir erste Einblicke in die  Wahrheit unseres Selbst erhascht haben, bedeuten dies, dass alles, was wir sagen und tun, nun Ausdruck reiner erwachter Wahrheit wäre. Daraus kann sich eine Arroganz entwickeln, in der wir eher wieder einschlafen, als endlos weiter zu erwachen.

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Liebe Leser,

vorweg: Ich bin wahrhaftig kein Geld- und Wirtschaftsexperte und werde es wohl auch nie werden. Dennoch möchte ich mit diesem Blogeintrag dazu einladen, das Thema "Wirtschafts- und Geldsystem" aus verschiedenen (spirituellen) Perspektiven  zu beleuchten. Dies passt auch zur gerade aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Connection spirit mit dem Titel "Wachstum ohne Ende? Nein: Werde, der du bist!". Dort gibt es viele interessante Stimmen dazu. Der Entwurf für diesen Blogbeitrag, entstand aber schon früher.

Mir scheint die Beschäftigung mit  unserer aktuellen westlichen Wirtschaftsordnung, deren Dynamiken und Folgen, ein wichtiges Thema zu sein. Gerade Menschen mit einer spirituellen Ausrichtung, die die Bereitwilligkeit haben Altgewohntes zu hinterfragen, können hier neue Sichtweisen entdecken und zu einer „Aufklärung“ in diesem Bereich beitragen, die vielleicht auch Auswirkungen auf breitere gesellschaftlichen Schichten haben könnte. 

Bei dieser Hinterfragung gibt es (mindestens) zwei grundsätzliche Perspektiven: Die innere und die äußere. Erstere beschäftigt sich mit dem unmittelbaren Erleben von Glaubensmustern, Einstellung, Identitätsempfinden, Gefühlen, Motivation -  also all dem was "innerlich abgeht". Letztere befasst sich mit äußeren Faktoren: Systemen, Gesellschaftsstrukturen, Wirtschaftsordnungen, Geldsystemen, Institutionen und der Wechselwirkung all jener Elemente.

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Auf meinen letzten Blogeintrag über "Wert und Gefahr von Typologien in der psycho-spirituellen Entwicklung", auf den ich auch in der Facebook-Gruppe "Satsang - erwachte Begegnungen" hinwies, gab es dort von Jemandem den kurzen Kommentar: "WAS?????".

Natürlich weiß ich nicht, was mit diesem eigentlich nichts-sagenden Kommentar gemeint ist, hatte aber eine Ahnung, was er meinen könnte, nämlich die Überraschung oder das Entsetzen, dass man sich in Satsang-Kreisen überhaupt mit Typologien beschäftigt. Um das zu erläutern, gab es dann von mir folgende Antwort auf den Kommentar:

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Leere und Fülle – die beiden Geschmäcker des einen Seins
Ein kleiner Reisebericht aus der Höhle des heiligen Vashishta


Wie auch mit unseren vorigen Retreat-Gruppen besuchten wir auf unserer Indienreise an den Ganges im Februar dieses Jahreseinen sehr besonderen Ort in der wilden Natur nördlich von Rishikesh. Dabei handelt es sich um die „Vashishta Cave“, die Höhle des Vashishta (ausgesprochen: „Waschischta“). Ihren Namen trägt die Höhle, weil der Sage nach hier auch der heilige Vashishta gelebt haben soll. Er wird in der berühmten hinduistischen Schrift „Yoga Vashishta“ erwähnt. Darin unterweist der Vashishta seinen Schüler, den Prinzen Rama, in der Philosophie des Advaita Vedanta, welche die illusorische Natur der manifesten Welt und das Prinzip der Nicht-Zweiheit betont.

Ganga Vashishta Cave
Tatsächlich bietet allein die Beschaffenheit der Höhle und ihrer Umgebung ein vorzügliches Lehrstück spiritueller Erkenntnis. Für mich werden hier jene Polaritäten auf besonders eindrucksvolle Weise bewusst, die in beinahe jeder mystischen Tradition Erwähnung finden: Leere und Fülle. Und vor allem wird an diesem Platz deutlich, wie beide Pole als Ausdruck desselben Seins erfahren werden können.
Da gibt es einmal die eigentliche Vasishta-Höhle. Im steil aufragenden Fels nahe dem Gangesstrand sieht man den dunklen Eingang zur Höhle. Ungefähr so hoch, dass man leicht geduckt darin stehen kann, und etwa gleich breit führt ein schmaler Gang 30 Meter tief ins Gestein hinein. Erst ganz am Ende dehnt sich die Höhle in eine nur wenig breitere und höhere Arena  aus.
In die Höhle hineinzugehen ist ein kleines Abenteuer. Man zieht die Schuhe aus und stapft in die totale Finsternis. Licht von Taschenlampen, Kameras und Handydisplays ist unerwünscht, deshalb bleibt es zunächst rabenschwarz. Man ist sich nicht ganz sicher, ob der nächste kleine Schmerz in der Fußsohle bloß von einem spitzen Steinchen oder einem giftigen Skorpion herrührt oder ob man durch einen ungeschickten Schritt vielleicht gleich einer Gruppe in der Höhle still Meditierender auf die Füße tritt oder in sie hineinstürzt. Erst ganz hinten in der Höhle zeigt sich gedämpftes Licht. Wenige leuchtende Öllämpchen bescheinen schwach ein paar kleine Heiligen-Statuen und eine bizarr geformte, grauschwarze Felswand. Im Rachen eines Tigers könnte es ähnlich aussehen.
Noch interessanter aber ist die spirituelle Atmosphäre, die dieser Ort ausströmt. Und in deren Bann man gezogen wird, sobald man stehen bleibt und die Höhle auf sich wirken lässt. In der buddhistischen Meditationspraxis wird empfohlen, „die Tore der Sinne zu verschließen“, um sich in tiefe, innere  Versenkung zu begeben. Genau das scheint in der Höhle ganz von allein zu geschehen. Der massive Fels rundherum gewährleistet eine komplette Abschottung von der Außenwelt. Licht fällt hier nicht herein. Geräusche von Menschen oder Natur werden abgedämpft. Alles verstummt hier. Setzt man sich dann noch hin, um ganz in die Stimmung dieses Ortes abzutauchen, scheint es, als würden auch alle anderen Sinnesempfindungen weiter ausgelöscht werden. Das gilt auch für das Denken – welches übrigens in der buddhistischen Psychologie tatsächlich zu den Sinnesempfindungen gerechnet wird. Es ist, als ob unser sonst so schnell laufender und umherspringender Verstand hier in schwarzen, zähen Asphalt tappt. Er kann nicht anders: Er wird ausgebremst. Er wird langsamer. Er kommt zur Ruhe. Er hält an. Und mit dem Denken verschwinden auch sämtliche Eindrücke des Körpers und der Welt.
Was bleibt noch übrig, wenn weder Sinne noch Denken aktiv sind, wenn es nichts gibt, das gefühlt, gespürt oder über das nachgedacht werden könnte? Im Sanskrit wird dies als Nirvikalpa Samadhi (formlose Versenkung) bezeichnet und als ein für spirituelle Selbsterkenntnis äußerst wertvoller Bewusstseinszustand erachtet. Ein meditativer Zustand der inneren, sich frei anfühlenden vollkommenen Leere. Doch „innere Leere“ stimmt hier nicht ganz. Denn auch die gedankliche Trennung von „innen und außen“ fällt in diesem Zustand weg. Es handelt sich also um ein bewusstes, grenzenloses Nichts.
Worte bleiben letztlich unzulänglich, um die Tiefe solch einer „Leerheits-Erfahrung“, die auch eine „Nicht-Erfahrung“ ist, genau zu erfassen. Ein Teilnehmer des Retreats muss allerdings einen Geschmack davon bekommen haben. Er berichtete später: „Es war erstaunlich. In der Höhle fühlte sich alles leer und zugleich vollkommen durchlässig an. So als existiere auch der Fels, der uns umgab, in Wirklichkeit gar nicht.“
Im Kontrast zu der Leere im Inneren der Höhle entfaltete sich beim Verlassen des Dunkels überschwängliche Fülle. Nur ein paar Schritte, und man befindet sich an einem der zauberhaften Strände des Ganges (siehe Fotos). Hier, nördlich von Rishikesh, zeigt sich der Fluss noch mit seinem ursprünglichen, naturbelassenen Gesicht. Sein Bett und seine Ufer haben einen ganz eigenen Zauber. Der Sand an den Stränden ist feinkörnig, wie an einem perfekten Badestrand, ganz weiß und zusätzlich mit winzigen, silbern glitzernden Körnchen versehen. An den Ufern findet man Gestein jeder Größe. Angefangen von riesigen über mannsgroße Felsblöcke bis hin zu winzigen Kieseln. Die meisten Steine sind durch das Wasser feingeschliffen und haben handschmeichelnde Oberflächen. Steinestreicheln könnte hier zu einem genussvollen Hobby werden.
Durch die regelmäßigen kraftvollen Überschwemmungen während der Schneeschmelze in den höheren Regionen des Himalaya ordnen die Fluten des Ganges jedes Jahr die Strände und Steinhaufen auf neue Weise an – jedes Mal mit dem perfekten Schwung von Wildheit und Weichheit, die natürliche Wassermassen auftragen. Am Ufer ragen steile Hügel in die Höhe. Begrünt mit allerlei Bäumen und Sträuchern. Aber nur so hoch, dass man fast den ganzen Tag die Sonne Indiens direkt am Strand genießen kann.
Durch all das zieht die heilige Ganga (der Gangesfluss) ihre mäandernden Bahnen. Unglaubliche Wassermassen strömen aus dem Himalaya mit beachtlicher Geschwindigkeit und unberechenbaren Strömungen bergab. Manchmal ohne jedes Geräusch. Manchmal über Stromschnellen mit einem solchen Getöse, dass man in ihrer Nähe kein anderes Geräusch als das Donnern und Grollen der wild auf Stein stoßenden Wassermassen hören kann.
Meist zeigt sich der Fluss in türkisen Tönen, welche unter manchen Lichtverhältnissen wie außerirdisch wirken. Zu anderen Zeiten, wenn sich die ausgeschwemmten Erden und Gesteine aus unterschiedlichen Zuflüssen verschiedenartig mischen, färben sich die Fluten aus der Ferne betrachtet in ein sanftes Braun. Geht man nah heran, wirkt das Wasser aber immer glasklar. Der Fluss ist so sauber, dass man in dieser Gegend – auch als Westler – sorgenfrei baden kann. Es ist eine wunderbare Erfrischung und ein Segen nach dem Aufenthalt unter der heißen Sonne Indiens, ein Bad in dem kalten Wasser von Ganga zu nehmen und sich auf einem der glatt geschmirgelten Steine wieder trocknen und wärmen zu lassen. Vielleicht lässt sich dann noch einer der vielen Fischreiher ein paar Steine weiter nieder. Mit vollkommener Geduld und Konzentration beobachtet er reglos die vorbeischwimmende Beute. Und mit einem pfeilgenauen, blitzschnellen Zustechen seines Schnabels hat er sie schon erlegt und genießt das Festmahl. In so einem Augenblick könnte meinen, man wäre in der Urzeit gelandet .
Der heilige Vashishta muss auch die Fülle der Natur geliebt haben, wenn er aus seiner Höhle trat und seine innere Versenkung im Nirvikalpa Samadhi in einen Genuss der Erscheinungen im Savikalpa Samadhi überging. Savikalpa Samadhi ist eine meditative Versenkung „mit Formen“ (Kalpas). Sie tritt zum Beispiel bei der intensiven Betrachtung eines Steines, einer Pflanze oder eines Tieres in Erscheinung – oder in der andächtigen Betrachtung des stetig dahinfließenden Ganges. Dabei richtet sich der Geist so sehr auf ein Objekt aus, dass es keinen Raum für Grübeleien, Sorgen, Erinnerungen oder Pläne gibt. Geht diese Versenkung tief, verliert sich der Eindruck von Betrachter, Betrachtung und Betrachtetem. Was bleibt, ist das reine, ichlose Bewusstsein mit dem jeweiligen Inhalt. In dieser Qualität kann sämtliche Vielfältigkeit der Erscheinungen mit gleichmütiger Glückseligkeit gekostet werden.
An Vashishtas Gangesstrand zeigt sich die unbeschreibliche Vielfältigkeit und Schönheit der Erscheinungswelt deutlich. Man kann die Fülle nicht übersehen. Man wird von ihr ergriffen. Die Fülle ist genauso ein Zugang zu spiritueller Tiefe wie die Leere. In den spirituellen Traditionen des Ostens wird das am deutlichsten bei den diesseitsbejahenden tantrischen Ausrichtungen von Hinduismus und Buddhismus. Hier wird gerade das unmittelbare sinnliche Erleben als Zugang zu spirituellem Erleben genutzt. Man könnte sagen, hier geht es darum, „die Tore der Sinne vollständig zu öffnen“, um sich von der göttlichen Energie der Welt ganz durchströmen zu lassen. Auch auf diese Weise wird deutlich, dass es kein Ich innerhalb der Sinnestore gibt, sondern nur reines Gewahrsein, welches alle Erfahrungen hervorbringt, um sie selbst kosten zu dürfen.
Am Anfang unserer Entdeckung spiritueller Tiefe scheinen Leere und Fülle, Sinnesverzicht und Sinnesgenuss, selige Dunkelheit und strahlendes Licht wie Widersprüche daherzukommen. Bis wir merken, dass beide Pole gleichrangige Spielarten des Seins sind. Wir können uns in beiden verlieren und wir dürfen uns in beiden selbst wiedererkennen. Je umfassender unsere Erkenntnis wird, desto mehr wird uns die Gleichwertigkeit und Gleichzeitigkeit beider Aspekte bewusst. Und dann dürfen wir sogar diese letzte Unterscheidung in „Leere und Fülle“ beiseitelassen und sie als „Eins ohne ein Zweites“ kosten.
So eröffnet sich uns, was Sri Ramana Maharshi „Sahaja Samadhi“ genannt hat. Das ist die „natürliche Versenkung“, die als unsere wahre Natur immer gegenwärtig ist. Im Vordergrund mögen Formen und Zustände der Fülle auftauchen. Sie wechseln sich mit Formlosigkeit und Zuständen der Leere ab. Im Hintergrund bleibt das absolute Bewusstsein als natürlicher Frieden unangetastet. Hört sich das nach etwas Besonderem an? In Wirklichkeit ist es das Einfachste und Natürlichste überhaupt. Es ist das stille Bewusstsein, welches als der Zeuge aller Denkaktivität immer in uns ruht und nichts zu verstehen braucht. Es ist der natürliche Frieden des Seins, der  – egal wie oft wir uns im emotionalen Drama unseres kleinen Ichs verloren haben – geduldig auf seine Wiederentdeckung wartet. Es ist das große Nicht-Tun, das schon immer anwesend ist und uns endlich wieder von aller Anstrengung der Erreichens oder Vermeidens entspannt.
Eine dritte Tormetapher beschreibt die ungewöhnliche Entdeckung dieser Natürlichkeit. Die Buddhisten sprechen davon, durch „das torlose Tor“ zu gehen. Am Anfang denken wir, es gäbe ein Außen und ein Innen. Meist haben wir uns in einer nach außen gerichteten Bewegung unseres Geistes verloren. Wir gierten nach der Erscheinungswelt, hielten Teile von ihr fest oder wollten andere Teile loswerden. Dann ist es ganz natürlich, dass wir zurück nach innen wollten. Wir ahnen, dass es in unserem „Innersten“ die Ruhe einer unantastbaren Leere zu entdecken gibt. Betreten wir aber dieses Tor zum Inneren und sehen wir uns von innen her um, merken wir, dass das Tor niemals existiert hat. Jede Abgrenzung war nur eingebildet und jedes Tun, um ins Innere zu gelangen, ebenso. Jetzt fallen alle illusorischen Wände weg. Wir haben freien Blick. Es gibt nichts mehr zu tun. Nirgendwo hinzukommen. Wir sind zuhause in der Weite des Seins. Nichts wird gebraucht. Alles kann genossen werden. Und wir erkennen: Alles war schon immer aus Nichts gemacht.     

Torsten Brügge - www.bodhisat.de

 

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Veröffentlicht von am in Wolf Schneider

Die Vorhut der Ökos, der Grünen war ausgebrannt. Diese Pioniere wollten eine Veränderung in der Außenwelt, in der Politik; sie wollten, dass die Naturzerstörung endlich aufhört. Dabei vergaßen sie, dass auch ihre Innenwelt wichtig ist: Wenn Menschen ihre eigene, innere Natur missachten, um die äußere Natur zu retten, dann muss das schief gehen. Dann verbittern sie und werden gewalttätig oder depressiv. Es musste in der Ökobwegung etwas Neues geben, so etwas wie die Tiefenökologie. Diese von Vorreitern wie Joanna Macy und Thich Nhat Hanh vertretene Richtung des Natur- und Weltbegzugs bezieht das Innere mit ein; sie weiß um den Bezug zwischen innen und außen. Sie erkennt den Organismus der Erde – Gaia – als ein Ganzes und ebenso die Innen/außen-Ganzheit jedes einzelnen Wesens, das dort lebt, fühlt und wahrnimmt. 

 

Gemeinplätze der Popspiritualität

Da nun ein Großteil der »Meme« – der sich ausbreitenden Denk- und Fühlweisen – von Psychos, Spiris und Esos in den Mainstream hineindriften, muss jetzt auch die spirituelle Bewegung eine »Tiefenspiritualität« entwickeln. Was im Mainstream unter dem Begriff »spirituell« angekommen ist, das sind die am leichtesten verdaulichen Gemeinplätze der spirituellen Bewegung, das Anpassbare. Das, was man verkaufen kann. Das, womit der Bürger dieser Konsumgesellschaft seine Komfortzone nicht zu verlassen braucht. Dazu gehören das positive Denken, das Resonanzgesetz, die Bevorzugung einer Kischversion des Herzens gegenüber dem geschmähten Kopf, die Sinnfindung auf Teufel komm raus (»Es gibt keine Zufälle«); das psychoanalysierende Überinterpretieren von Ereignissen, die ganz profane Gründe haben können; die umfassende Akzeptanz, ja Verehrung jeder Art von innerer Stimme oder Eingebung; die Künstlichkeit eines Selbstes, das meint, sich vom Ego absetzen zu können ohne dabei werten zu müssen – und vieles andere mehr. 

 

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Rettungsaktion wegen starker Resonanz verlängert bis zum 15. Mai:

 

Liebe Leser,

ich möchte hier auch an dieser Stelle - in meinem Connection-Blog - noch mal auf die "Rettungsaktion" für die Printversion der Zeitschrift Connection spirit hinweisen.

Im folgenden findet Ihr die Grafik und unten den Text, den meine Partnerin Padma Wollf und Ich dazu, auf Facebook gepostet haben.

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Veröffentlicht von am in Torsten Brügge

 Liebe Leser,

wem meine Blogbeiträge hier auf connection.de gefallen, mag vielleicht auch die Kurztexte auf meinem Twitterkanal anschauen:
 
https://twitter.com/TorstenBruegge

Ich habe vor, in den nächsten Wochen und Monaten wieder regelmäßig zu "tweeten" und die meisten der Kurztexte auch gleichzeitig als ansprechende Grafiken zu gestalten (siehe Bildbeispiele).

Twitter Torsten Brügge

Die Texte verstehe ich vor Allem als kleine, komprimierte "Erinnerungshilfen" (im Sinne eines Er"innerns" als eines Nach-"Innen"-Gehens), welche zum Innehalten und der Entdeckung spiritueller Tiefe einladen - immer wieder frisch, immer wieder weiter, tiefer und klarer.
Bei Gefallen kann man sich diese Grafiken auch herunterladen, ausdrucken, sich irgendwo anheften, als Lesezeichen verwenden, auf dem Smartphone als Hintergrundbild einspielen - oder schlicht verbrennen und sich so für die nächste Offenbarung von Wahrheit öffnen ;-) .

 herzlichen Gruß

Torsten

 https://twitter.com/TorstenBruegge

 

 

 

 

 

 

 

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Bei unserem Besuch in Lucknow/Indien, der hauptsächlichen „Wirkstätte“ Sri Poonjajis (genannt Papaji, 1910-1997) mit unseren Lehrern Gangaji und Eli Jaxon-Bear, ergab sich die Gelegenheit, die Wohnung, in der Papaji lebte und die noch heute von seiner Familie genutzt wird, zu besuchen. Ich war zuletzt 1996 in Lucknow und erlebte Papaji noch „live“. Allerdings besuchte ich damals nur den „Satsang-Bhavan“, eine Art Veranstaltungshalle, in der Papaji damals - für 300 bis 400 Menschen - für Satsang zur Verfügung stand.


Vor allem Papajis Fähigkeit, die radikale Selbsterforschung, in die er von seinem Meister Sri Ramana Maharshi eingeweiht wurde, auf wunderbar verständliche Weise zu vermitteln, und seine Kraft, Menschen oft sehr schnell zu einem direkten Einblick in die natürliche Stille und Einfachheit des Seins zu führen, beeindruckten mich zutiefst.


Im Schlafzimmer seines privaten Wohnhauses empfing er in den 80ziger Jahren die ersten kleinen Gruppen westlicher Schüler, darunter auch Gangaji und Eli Jaxon-Bear. Dieses Mal durfte ich dort am Fußende seines Bettes eine halbe Stunde in Meditation verbringen. Es ist immer wieder ein interessantes Phänomen: Obwohl die tiefste Ebene innerer Stille für mich mittlerweile überall zugänglich ist, bzw. ich sie ganz klar als den allgegenwärtigen Urgrund meines Seins weiß und erlebe, entdecke ich auf der relativen Ebene Orte, an denen diese Stille noch mal mit besonders eindringlicher Kraft präsent zu sein scheint. Papajis Schlafzimmer ist für mich einer dieser Plätze. Hier scheint – mysteriöser Weise - Stille noch stiller, Mühelosigkeit noch müheloser, die Klarheit reinen Bewusstseins noch klarer und bewusster.

 


Dieses vermeintliche Paradox von „schon überall gegenwärtiger Stille“ und „doch noch besonders stillen Orten“ hat mich am nächsten Tag zu folgendem Text inspiriert:

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Obwohl schon tausendmal gesehen beeindrucken mich die Bilder von Ramana immer wieder aufs Neue. Oft wirken sie so lebendig, als wäre es kein Bild, sondern seine direkte gegenwärtige Präsenz. Und die ist ja tatsächlich auch in unseren Herzen gegenwärtig.
Auch hier in Lucknow/Indien im Restaurant auf der Dachterrasse des Satsang-Bhavans hängt ein wunderbares Foto. Unten in der Halle des Gebäudes stand Sri Poonjaji (genannt Papaji) bis 1997 für Satsang zur Verfügung. Wir verbringen hier etwas Zeit auf dem Retreat „Return to Lucknow“ mit unseren Lehrern Gangaji und Eli.
Durch das Palmendach des Restaurants fallen die Sonnenstrahlen auf das Bild, wie um die überweltliche Schönheit des Weisen Sri Ramana Maharshi noch mehr herauszukristallisieren.



Wer die „Lehre“ Ramanas (1879-1950) nicht kennt, „sollte“ es nachholen, sich damit zu beschäftigen. Es ist eine der radikalsten Ansätze, unsere begrenzte Ich-Identität in Frage zu stellen und die Freiheit zu entdecken, die jenseits der Fehl-Identifikation mit einem persönlichen Ich auf ihre Entdeckung wartet.
Manchmal reicht es aber auch, sich einfach in den Blick dieses Meisters fallen zu lassen und sich zu erlauben, sich darin vollständig selbst zu vergessen.

Jai Jai Ramana Satguru Ki Jai

Herzliche Grüße an Alle

Torsten

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Während unseres Aufenthalts am Ganges im Norden von Indien besuchten wir vor ein paar Tagen einen bekannten Ashram in einem Dorf nördlich von Rishikesh. Hier werden jeden Abend von Schülern einer Sanskrit Schule und ihrem Guru hingebungsvoll Bhajans (spirituelle Lieder) zu Ehren der Göttin Ganga direkt am Fluss gesungen. Dem Gesang zu lauschen und der Hingabe sowohl der Inder, als auch der westlichen Besucher des Ashrams zuzusehen, ist ein Genuss.

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Seit vier Tagen sind wir (meine Partnerin Padma und unsere kleine Retreat-Gruppe) wieder in Indien. Wir genießen die wunderschöne Natur direkt am heiligen Fluss Ganges nördlich der  Pilgerstadt Rishikesh. Hier in den ersten hügeligen Ausläufern des Himalaya zeigt sich der Ganges (oder besser: die Ganga, als weiblicher Gottesaspekt) mit Stromschnellen und atemberaubenden weißen Sandstränden noch so naturbelassen und sauber, dass auch Westler gefahrlos in seinen/ihren Wassern baden können. Es ist ein sinnlicher und spiritueller Genuss, in das kühle Nass zu steigen und noch mal mehr alles belastende Denken von der göttlichen Energie in Form eines Flusses wegspülen zu lassen.

Ganges - Torsten und Padma Retreat 2013
Das ist vielleicht das Wunderbarste an Indien: Es ist hier erlaubt, spirituell zu schwelgen. Wir dürfen staunen über das Göttliche. Es ist willkommen, uns der mystischen Dimension des Lebens hinzugeben, in dem sich unser kleines Ich verliert.
Sicher: Ken Wilbers Integralem Modell nach betrachtet, ist das meiste der religiös-spirtuellen Atmosphäre Indiens durch prä-rationale Energien geprägt. Aus der rationalen Sicht zeigt sich hier naiver Glauben an die Wortwörtlichkeit von Mythen, an die Wirksamkeit von Ritualen und an die „wirkliche Wirklichkeit“ von eigentlich symbolischen Göttergestalten. Dies muss und wird durch die Entwicklung der Vernunft kritisch hinterfragt werden – das scheint mir der Evolution nach auch in Indien zu geschehen. Doch im Prärationalen liegt auch noch die Unschuld des unverfälschten Erahnens unserer Göttlichkeit. Das Staunen über das Mysterium  - Gott dankt es – ist noch nicht wegrationalisiert.
Das ist vermutlich der Grund, warum auch der Raum für transrationale, echte mystische Erkenntnis hier manchmal größer zu sein scheint, als in "höher entwickelten" aufgeklärten Kulturen. Diese neigen dazu, jeden Geschmack von Spiritualität, in der guten Absicht, naiven Aberglauben mit kritischer Vernunft  zu transzendieren, wegzudiskutieren. Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.
Es würde mich freuen, wenn sich dieser sprituelle Charakter Indiens noch lange so erhält oder vor allem durch immer mehr transrationale Spiritualität ersetzt wird.
Manchmal schmerzt es fast, wenn wir am Ganges über die Jahre mitbekommen, wie immer mehr neureiche und rational aufgeklärte Inder massenhaft in Rafting-Touren in ihren Gummibooten über die göttlich schönen Stromschnellen von Ganga sausen und nach eher oberflächlichem Vergnügen suchen. Ihr Jauchzen und Johlen bei diesem Abenteuer ist eigentlich ein schöner Klang. Aber wenn es zum Massentourismus wird und man während des stillen Sitzens am Gangesstrand zwei Stunden lang nur noch Jauchzen und Johlen hört ändert sich das spontan. Da kommt kurzzeitig schon mal der Wunsch auf, die Zeit ein wenig zur alten Ursprünglichkeit zurückzudrehen oder sogar der fiese Gedanke, Ganga möge mit ihrer Kraft ein paar von den Grölenden mal schön unterdukern und ihre Suche nach Glück auf Wesentlicheres lenken - was sie sicher manchmal mit Vergnügen tut.
Dann aber entspannt sich der Geist von jenen gemeinen Ideen, genießt das Krächzen der Raben, das rollende Getöse der Stromschnellen und genauso das Jauchzen der Rafter als den perfekten einen Klang des Göttlichen. Wieder mal wird überdeutlich: Es könnte und sollte nicht anders sein. Es ist vollkommen, genauso wie es sich gerade zeigt. Jetzt und immer.

herzliche Grüsse an alle Leser auf connection.de – und vielleicht ein paar prärationale Segnungen  (für die, die’s glauben oder annehmen wollen) – auf jeden Fall transrationale Dankbarkeit

Torsten
 

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