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Marianne Gallen, Torsten Brügge und Wolf Schneider bloggen zu den Themen Spiritualität, Psychologie und Bewusstseinsentwicklung.

Vom Götzen Wirtschaftswachstum zum erleuchteten Wirtschaftswachtum

Veröffentlicht von am in Torsten Brügge
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Wahnsinn Wachstumszwang

Sind wir daran interessiert, wie sich eine erwachte, spirituelle Sichtweise auch auf politische Felder ausdehnen könnte, so gehört die Beleuchtung des Themas „Wirtschaftswachstum“ dazu.

Eine natürliche „spirituelle Intuition“ bestand für mich schon lange Zeit darin, dass hinter der ewigen Forderung des Politik- und Wirtschaftsmainstream nach stetigem Wirtschaftswachstum ein riesengroßes Fragezeichen auftauchte.

Meine inneren spirituellen Erfahrungen zeigten mir, dass es bei der Entdeckung wahrhafter Befriedigung darum geht, aus dem Zwang zum ewigen „mehr, besser, weiter“ auszusteigen. Der Ehrgeiz, immer mehr besitzen und sein zu wollen ist vielmehr Hürde als Hilfe. Die Erkenntnis unserer wahren Natur eröffnet sich eher durch die Demut, alles Wollen hinzugeben. Innere Freiheit offenbart sich durch Loslassen unserer alten Vorstellungen über uns und die Welt – und auch den Ideen darüber, dass uns materieller Wohlstand echtes Glück garantieren könnte. Insofern ist vieles am Erwachen eher Abgeben anstelle von Herholen, Entrümpeln anstelle von Anhäufen, Verringern anstelle von Vermehren, Verlieren anstelle von Gewinnen.

Es stimmt auch, dass mit – oder meinetwegen auch „nach“ – dem Erwachen, wieder inneres Wachstum und natürliches Wollen auftaucht. Hier fühlt sich tatsächlich vieles auf einmal größer, reicher und umfassender an als je zuvor. Das ist wunderbar! Doch dieses „mehr“ ist von gänzlich anderer Art, als das gewohnte Selbstverbesserungs- und Gierprogramm unseres kleinen Ichs. Fülle kommt von alleine. Sie ist ein Geschenk unseres wahren Selbst an uns als Person. Es belohnt unsere Bescheidenheit mit Reichtum – zumindest mit innerem Reichtum.

Ersatzspiritualität Konsum

Wir können dafür dankbar sein, dass wir in einer Kultur leben, die viele der natürlichen Grundbedürfnisse des Menschen, z.B. nach Nahrung, Schutz, Obdach, Zugehörigkeit und relativer individueller Freiheit, zu großen Teilen befriedigt. Sicher gibt es auch auf diesen Feldern zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten. Zugleich scheint es mir – und das wird durch soziologische Forschung bestätigt –, dass eine Steigerung materiellen Wohlstands ab einem bestimmten Niveau das subjektive Wohlbefinden nicht weiter erhöht. Im Gegenteil! In Unkenntnis über unsere wahre Natur, geraten viele in unserer heutigen, westlichen Überflussgesellschaft in die Falle des Konsums. Die Gier nach den neusten oder schicksten Verbrauchsgütern macht uns dann sogar unruhiger, unzufriedener und unglücklicher, als manche Menschen, die mit viel weniger Wohlstand gestraft - oder auch  „gesegnet“ - sind.

Konsum – sowohl materieller, als auch solcher der auf soziales Prestige abzielt – kann man hier als Ersatzbefriedigung für eine fehlende spirituelle Rückverbindung zu unserem wahren Wesenskern verstehen. Die verrückte Überbetonung des Wirtschaftswachstumszwangs ist insofern verständlich, weil die Vertreter des Wachstumsimperatives, aufgrund ihrer mangelnden Rückverbindung zum spirituellen Wesenskern, im Glauben an die Konsumersatzbefriedigung gefangen sind.

Erleuchtetes Wirschaftswachtum

Wachstumskritiker gibt es mittlerweile erfreulich viele. Doch oft dümpeln sie in ihren eigenen kleinen Dunstkreisen vor sich hin. Nur wenige finden Zugang zu den breiten Medien. Hier herrscht immer noch eine abergläubische Wachstumsreligion. Der Götze Wirtschaftswachstum wird angebetet und herbeibeschworen. Droht er, nicht zu kommen, bricht die pure Angst aus. Die meisten Menschen in verantwortlichen Stellen in Politik, Wirtschaft und Medien geraten mit in Panik. Sie wagen es nicht, den blinden Glauben an Wachstum zu hinterfragen.

Es wird Zeit, dass mehr Menschen zu diesem Thema eine wache Sichtweise entwickeln. Wir müssen das Licht erleuchteten Gewahrseins auch in diese verstaubten Ecken selbstverständlicher Wirtschaftsdenkmuster scheinen lassen. Dieses „erleuchtete Wirschaftswachtum“ – ich betone …wachtum … - wird neue Fragen und Sichtweisen auf viele Themengebiete eröffnen: Was ist Geld überhaupt? Wie wirkt sich Zins und Zinseszins auf Wachstumsdruck und Umverteilung von Arm und Reich aus?  Was hat unser Wirtschaftswachstum mit der Einzigartigkeit des Energierausches durch fossile Brennstoffe zu tun? Wie erhält die Forderung nach kontinuierlichem Wirtschaftwachstum den Status quo der Kapitalverteilung aufrecht?  (Anregungen zu weiteren Perspektiven und Fragestellungen finden sich in meinem Blogbeitrag:
"innerer und äußerer Wohlstand – eine spirituelle Perspektive auf Geld- und Wirtschaftssystem)

 

Andere Quellen des Glücks

Ich freue mich immer, wenn Wachstumskritiker auftauchen, die eine gewisse Bekanntheit oder Akzeptanz in breiteren Kreisen haben, zum Beispiel Politiker oder Hochschulprofessoren. In letzter Zeit sind mir in den Medien zwei Personen aufgefallen. In seinem Buch “Hybris: Die überforderte Gesellschaft“  weist Meinhard Miegel auf die schädlichen, gesellschaftlichen Auswirkungen von Größenwahn und Selbstüberschätzung hin. Er lädt zur Kunst der Beschränkung und der Rückkehr zu einem menschlichen Maß an.
In einem Fernseh-Interview sagte Miegel: „… wir müssen andere Quellen des Glückes finden, als unsere gewohnten Konsumgewohnheiten.“ Diesen Satz finde ich sehr treffend. Es ist eine Aufgabe spiritueller Vermittlung, auf diese Quellen hinzuweisen und sie Menschen zugänglich zu machen. Das Erwachen zu unserer wahren Natur und die dadurch eintretende Eröffnung eines nachhaltig erfüllten Lebens ist – meiner Auffassung nach – die verlässlichste Quelle von Glück. Erst wenn wir aus ihr trinken, befreien wir uns individuell und kollektiv aus destruktiver Konsumsucht.

Beachtenswert sind vielleicht auch die Ansätze einer „Postwachstumsökonomie“ von Niko Paech, Gastprofessor an der Uni Oldenburg. Er spricht viel von „Entrümpelung und Entschleunigung“ unserer gewohnten Konsumansprüche und macht andere konkrete Vorschläge, wie eine Ökonomie aussehen kann, die sich nicht mehr vom Wachstumszwang bestimmen lässt.

Ich kenne die Haltungen beider Autoren bisher nur in Ansätzen und es könnte sein, dass sie die hier angeführte „spirituelle Rückbesinnung“ nur wenig oder garnicht erwähnen, dennoch schildern sie wertvolle Sichtweisen.

Für eine Befreiung aus dem Wachstumsimperativ sollten wir alle - individuelle, kollektive, innerliche und äußerliche - Anregungen nutzen. Spirituelle Selbsterforschung und die Entdeckung einer inneren Erfüllung, die nicht an die gewohnten Konsumvorstellungen von nur persönlichem Glück und Wohlstand gebunden sind, spielen dabei eine wichtige Rolle.

 

      Torsten Brügge, Hamburg 25.11.2014

(
Bildquelle: © freshidea - Fotolia.com)

 

 

 

 

 

 

 

 

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