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Zur Psychologie der Finanzmarktkrise

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Die Defizite der menschlichen Urteilsbildung

Prof. Dr. Fritz Strack lehrt an der Universität Würzburg Psychologie mit den Forschungsschwerpunkten Soziale Kognition, Emotion und Verhalten. Seine These zu dem Chaos an den internationalen Finanzmärkten: Die Finanzkrise ist auf ein grundlegendes menschliches Defizit zurückzuführen: die Schwierigkeit, Wahrscheinlichkeiten richtig einzuschätzen und bei Entscheidungen angemessen zu berücksichtigen.


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Zum ersten Mal seit vier Jahren ist der DAX unter die 4000-Punkte-Marke gerutscht, die Stimung an der Börse und in der internationalen Wirtschaft ist schlecht, die Zeichen stehen auf Rezession. Der Ifo-Index, der die Erwartungen von 7000 deutschen Wirtschaftsunternehmen zum Verlauf der deutschen Wirtschaft in Zahlen übersetzt, geht auch steil nach unten: Die 7000 befragten Unternehmen schätzten die Lage erneut schlechter ein, bewerteten aber die Aussichten für die kommenden sechs Monate etwas optimistischer. »Die seit Monaten anhaltende Verschlechterung der Geschäftssituation der Unternehmen geht auch im Februar weiter«, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. »Insgesamt deuten die Befragungsergebnisse nicht auf eine konjunkturelle Wende hin.« Ist die Erwartung gut, geht es auch der Wirtschaft gut, ist die Erwartung schlecht, geht es bergab, weil niemand mehr investiert. Sind die Zusammenhänge zwischen menschlichen Erwartungen und konjunkturellen Entwicklungen wirklich so einfach?

Ist die Wirtschaftskrise also nur Ausdruck eines irrationalen menschlichen Verhaltens, auf die »sichtbare« Spitze getriebene Gier nach immer größeren Gewinnen und höherer Profitmaximierung, die mit größeren, nicht mehr einschätzbaren Risiken verbunden ist und die zu unabsehbaren Folgen für die gesamte Weltwirtschaft führt?
Damit machen wir es uns zu einfach, sagt der Psychologe Fritz Strack: »Wenn Wirtschaftswissenschaftler nicht mehr weiter wissen, nehmen sie Zuflucht zu der Ludwig Erhard zugeschriebenen Einsicht, dass 50 Prozent der Ökonomie Psychologie seien. Menschliches Verhalten sei eben emotional bestimmt und könne von den rationalen Wirtschaftswissenschaften nicht mehr erklärt werden.«
Wenn eine Entwicklung nicht mehr vorhersagbar ist, weil sie von so vielen Faktoren bestimmt ist, das kein Experte mehr die Übersicht hat, dann reagiert schnell die Angst, und die Wirtschaftsexperten sehen sich nicht mehr zuständig und rücken das Verhalten von rücksichtslosen Spekulanten in die Nähe der Pathologisierung, dann sind Therapeuten und Seelsorger gefragt und keine Finanzexperten mehr.
»So gelegen diese Einschätzung auch kommen mag, die willkürliche Ausgrenzung eines Verhaltens trägt wenig zu dessen tieferem Verständnis bei, zumal man vom Ergebnis einer Handlung keineswegs auf den zugrunde liegenden Prozess schließen kann. Auch rationale Überlegungen können zu Fehlentscheidungen führen, und eine Schwäche der Vernunft ist nicht zwangsläufig ein Beleg für emotionales Handeln,« so Strack.

Warum Glücksspiele so beliebt sind

Den Nutzen einer Entscheidung messen wir nicht nur am Wert des Ergebnisses, sondern auch an der Wahrscheinlichkeit seines Eintretens: »Der Nutzen wird deshalb als das Produkt aus nd Erwartung definiert, so dass der sichere Gewinn von hundert Euro als genauso nützlich gilt wie der Gewinn von tausend Euro mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent.«
Der Grund, warum Glücksspiele so populär seien, läge daran, das die Wahrscheinlichkeit des Eintretens, das Risiko, viel schwerer greifbar sei: »Es macht für uns kaum einen Unterschied, ob die Gewinnchance bei einem Zehntel oder einem Hundertstel Prozent liegt, obwohl sich der Nutzen um ein Zehnfaches unterscheidet. Deshalb nehmen wir für einen potentiell hohen Gewinn viel mehr Verlust in Kauf, als es auf der Grundlage der Wahrscheinlichkeit seines Eintretens gerechtfertigt wäre. Und aus demselben Grund sind wir bereit, für einen Zinspunkt mehr die Bank zu wechseln, selbst wenn dies eine Vervielfachung der Verlustwahrscheinlichkeit bedeutet.«
Zur Risikoeinschätzung würden meist einfache Faustregeln genommen, wie zum Beispiel ein vermeintlicher Trend bei der Wertentwicklung in der Vergangenheit oder die Einschätzung von Experten. Wenn Risiken aber bewusst verschleiert würden oder die Experten (etwa die Rating-Agenturen) mit den Anbietern unter einer Decke steckten, sei der Kunde natürlich verraten und verkauft. Auch Anreizsysteme und kurzfristige Belohnungssysteme verhindern eine vernünftige Einschätzung des Risikos.
Fritz Stracks vorläufige Analyse zur psychologischen Perspektive der Finanzkrise: »Menschen haben ein grundlegendes Defizit. Sie können Wahrscheinlichkeiten und Risiken nicht richtig einschätzen und diese bei ihren Entscheidungen nicht angemessen berücksichtigen. Diese Schwäche wird noch potenziert durch fehlende Transparenz bei Finanzprodukten und Gewinnstreben.«
Seine Empfehlung: »Die betroffenen Finanzakteure haben versagt. Trotzdem ist es wenig nützlich, ihrem Verhalten einen Sonderstatus zu verleihen. Es ist sinnlos, bei den Betroffenen Reue oder therapeutische Einsicht zu erwarten. Bewusste Täuschung muss bestraft und Fahrlässigkeit sanktioniert werden. Vor allem aber ist es erforderlich, Regeln für wirtschaftliches Handeln vorzugeben, die Defizite der menschlichen Urteilsbildung in Betracht ziehen und die Beteiligten vor der Ausbeutung ihrer Schwächen schützen. Dies gilt für den riskanten Einsatz von Geld nicht nur am Spieltisch, sondern auch am Bankschalter.« Nach Einschätzung des Ifo-Instituts sollte die Konjunktur sich im zweiten Halbjahr 2009 stabilisieren. »Wenn weltweit die Konjunkturprogramme wirken, wird es zumindest eine Stabilisierung geben, wenn auch noch keinen Aufschwung«, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger.

-Oliver Bartsch

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