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Geschichte der Woche

Hotte und Hü

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Auf einem kleinen Bauernhof wohnte Hotte. Es gab ein Bächlein, eine Wiese und einige andere Tiere. Eine Ratte, drei Hühner, ein Schaf. Hotte suhlte sich den ganzen, lieben, langen Tag im Matsch herum. Schon sein Vater tat das, und dessen Vater auch.

Eines Tages jedoch passierte Hotte etwas, von dem er sicher wusste, dass es seinem Vater und seinem Großvater bestimmt nie passiert war. Denn wäre ihnen passiert, was Hotte passiert war, sie hätten keine Dreckschweine mehr sein wollen. Hotte wollte nun nämlich auch kein Dreckschwein mehr sein.

"Was passiert ist?", fragt ihr. Ich sage es euch. Hotte traf einen Schmetterling. Nicht irgendeinen Schmetterling, sondern Hü, den hübschen Schmetterling. Er hieß Hü, weil er so hübsch war. Alle die ihn sahen, staunten so sehr, dass sie nur "hü…" sagen konnten, das "…bsch" vergaßen sie einfach.

Nun war Hotte also Hü begegnet. Das veränderte alles. Hü's nur anzusehen, war für Hotte wie ein Erwachen im schönsten Sonnenstrahl. Aber er hörte auch noch den Gesang des Schmetterlings. Und das war für Hotte geradezu erleuchtend.

Von nun an wollte Hotte sauber sein, nie mehr Schlammsuhle. Er badete im Bächlein und lag nur noch auf der Wiese, roch den Blütenduft und lauschte den summenden Bienen. Schaute den Wolken nach, die da am Himmel schwebten, den sauberen Wolken. Auch sie fliegen, dachte er. Und dann begann er zu singen.

ie dreckige Ratte Fups war bis dahin sein Freund gewesen, doch nun verstanden sie sich nicht mehr. Dort wo Fups lebte, das war kein Ort mehr für Hotte. An den Mülltonnen. Wie konnte man nur im Müll leben. Für die Ratte Fups sah Hotte's Tun sehr merkwürdig aus: Ein sauberes Schwein auf einer Blütenwiese. Fups wusste nicht, warum Hotte plötzlich nicht mehr in seiner Schlammpfütze sein wollte. Niemand verstand das, nicht die Hühner, nicht das Schaf.

Hotte hatte versucht Fups die Sache zu erklären. "Sieh nur den Schmetterling, wie rein und frei er ist!", hatte er gesagt. Fups antwortete: "Aber Hü ist ein Schmetterling und du bist ein Schwein." Hotte schüttelte den Kopf. "Ich bin nun ein Glücksschwein. Ich liege in der Sonne und bin ebenso rein, wie Hü. Der Dreck hielt mich gefangen. Doch nun, wo ich sauber bin, wird es nicht mehr lange dauern und ich werde fliegen, wie ein Schmetterling, wie die sauberen Wolken." "Aber du bist doch ein Schwein. Schweine können nicht fliegen!", sagte Fups. "Na, weil sie alle immerzu im Dreck liegen! Ich werde das erste fliegende Schwein sein und viele werden mir folgen. Und wir alle werden in der Sonne unsere Lieder singen." Was würde er für ein Glücksschwein sein, dachte Hotte.

Fups schüttelte den Kopf und konnte seinen Freund nicht mehr verstehen, also verkroch er sich in seinem Müllhaufen. Ab und zu steckte er die Nase heraus und schaute, ob Hotte immer noch auf der Wiese lag oder schon darüber hinwegschwebte.

Hotte aber lag und lag und schaute dem hübschen Schmetterling zu. Schon fast war der Tag vorüber, da merkte Hotte wie sein Magen knurrte. Aber sein Futtertrog stand im Matsch und dahin würde er niemals zurückkehren. Also begann er die Blüten zu fressen. Sie schmeckten nicht so gut, doch sicher würde er sich daran gewöhnen. Auch der Schmetterling ernährte sich von den Blüten, vom Blütennektar nur, aber ein Schmetterling war ja auch kleiner.

Wie Hotte aber so über die Wiese von Blüte zu Blüte lief, merkte er, dass seine Haut wie Feuer brannte und dann bekam er schreckliche Bauchschmerzen und musste pupsen, das die Heide wackelte. Er pupste soviel, dass es ihm wirklich selber stank. Und seine Haut. Warum brannte nur seine Haut sosehr? Er fühlte sich überhaupt nicht, wie ein Glücksschwein.

Da weinte er bitterlich und so herzzerreißend, dass Hühner und Schaf und die Ratte Fups zu ihm eilten. Und Hotte weinte und weinte und wusste nicht, was er falsch gemacht hatte. Er hatte doch alles so gemacht, wie der Schmetterling. Warum tat ihm nun alles weh? Und Fups erklärte es ihm - Ratten waren nämlich sehr kluge Tiere.

Er sagte: "Der Sonnenbrand lässt dich erkennen,
Schlamm auf der Haut schützt vorm Verbrennen.
Die Blüten sind kein Schweinefutter.
Das wussten dein Vater schon und deine Mutter.
Glücklich bist du, frisst du, was dir schmeckt,
auch wenn sich niemand sonst danach die Finger leckt.
Du bist du, keine Kuh und erstrecht kein Schmetterling."

Alle Tiere nickten, selbst der hübsche Schmetterling, denn es hörte sich sehr weise an. Hotte senkte den Kopf. "Du hast recht Fups! Ich hätte auf dich hören sollen.", murmelte er. "Ach, na ja.", sagte die Ratte bescheiden, "jeder muss durch, wo er durch muss." "Und so bescheiden.", sang der Schmetterling.

Hotte trabte unter Schmerzen in seine Schlammpfütze und wie er sich dort hinein gelegt hatte, spürte er, wie wohl ihm war. Er leckte seinen Futtertrog aus und der Schmerz verging. Hotte fand es toll, er selbst zu sein. Alle Tiere auf dem Bauernhof waren wieder froh, weil ihr Schwein, einfach wieder ein Schwein war, ein echtes Glücksschwein.

Nur Fups ärgerte sich, denn der hübsche Schmetterling Hü wollte nur noch bei ihm im Müll leben. Er wollte nämlich ebenso bescheiden werden, wie die dreckige Ratte.

Peggy Neumann

   
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