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Was lehrt uns Fukushima?

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Was lehrt uns Fukushima?
Das Atomkraftwerk Fukushima

Welt in Aufruhr

Japan, durch Hiroshima längst Mahnmal für den Atombomben-Wahnsinn, wird nun wohl durch Fukushima auch zum Mahnmal für den Atomreaktor-Wahnsinn. Nach dem Erdbeben und dem Tsunami sind drei Blöcke von Fukushima explodiert, ein vierter brennt – alle sind außer Kontrolle. Genau das, was laut Experten und (un)verantwortlichen Atom-Politikern unmöglich ist. Eine beunruhigende Bestandsaufnahme der Welt von Dr. Rüdiger Dahlke

Die Strahlung in den Kontrollräumen ist so hoch, dass das meiste Personal abgezogen werden musste. Die Macher überlassen die Reaktoren, die Japaner und möglicherweise die Welt ihrem Schicksal. Tage nach dem schrecklichen Erdbeben mit folgendem Tsunami hat Fukushima die Illusion von sicheren Atomkraftwerken wohl auch für jene Atombefürwortern beendet, die Tschernobyl einfach verschlafen haben wie viele Christdemokraten dieser Welt. Wenn so etwas in Japan möglich ist, einem der höchstentwickelten Industrieländer, dann ist es überall möglich!

Letztlich scheitert in Fukushima alles am Stromausfall. Gegen Stromausfall aber sind europäische Atomkraftwerke keineswegs besser gesichert. Seit Tagen erleben wir mit, wie unkontrollierbar und wie unbeherrschbar die Situation in einem Land wie Japan ist, wie würde so etwas in Drittweltländern aussehen, in die Atomanlangen so großzügig verkauft wurden?

Von der japanischen Regierung kamen die für Regierungen üblichen Beschwichtigungen. Anfangs sagte Regierungschef Kan, es gäbe keine Gefahr, eine Stunde später wurde der Atomnotstand ausgerufen, und Schlag auf Schlag der Evakuierungsradius ausgeweitet. Jetzt wartet alles hilflos und Kan beschwerte sich öffentlich über die Missinformation durch die Betreiberfirma. Erschütternd auch die Reaktion der deutschen Atom-Parteien CDU und FDP. Sie haben noch immer nicht begriffen. Dabei kann jeder die Bilder der Unbeherrschbarkeit und Hilflosigkeit sehen. Die Atomkanzlerin will ihre ohne Not heraufbeschworene Laufzeitverlängerung der Atommeiler nur aussetzen, bis die Sicherheitslage geklärt sei – und wohl die Landtagswahlen überstanden sind. Letzteres glaubt – laut Fernsehumfrage – die Mehrheit der Deutschen.

Jetzt soll also die Sicherheit Vorrang haben, was war denn bisher um Gottes Willen? Selten hat ein Politiker so offen und unabsichtlich die bittere Wahrheit eingestanden.

Atomtechnologie ist nicht beherrschbar

Wer nach diesen Tagen nicht begriffen hat, dass Atomtechnologie unbeherrschbar ist, wird es wohl nie mehr schaffen. Er ist eigentlich nur zu bedauern. Tragisch wenn so jemand Regierungschef eines großen Landes ist. Das Moratorium, das heißt die Aussetzung der Laufzeitveränderung für drei Monate ist sogar für CDU-Wähler durchschaubar einer der peinlichsten politischen Schachzüge einer (Un)Verantwortlichen zum Zwecke des Machterhalts.

Was mag es bedeuten, wenn der baden-württembergische CDU- Ministerpräsident Mappus, als glühender Anhänger der Kernkraft gerade noch für deutlich längere Laufzeitverlängerungen als die beschlossenen eingetreten, der der Industrie sogar einen uralten Atommeiler mit Steuergeldern abkaufte, wodurch er Besitzer, Betreiber und Kontrolleur in einem wurde, zwei Wochen vor seinem erwarteten wohlverdienten Wahldebakel zu einer Neubewertung ansetzt und nun die Sicherheit der Bevölkerung ganz neu entdeckt?

Was ist von Parteien zu halten, die gestern noch damit drohten, bei schnellem Ausstieg würden uns die Lichter ausgehen, und die jetzt flugs – aus offensichtlich wahltaktischen Gründen – auf 8 Atommeiler verzichten können. Wenn auch nur für 3 Monate – danach gehen dann wohl die Interessen der (un)verantwortlichen Industrie wieder vor die Sicherheit der Bevölkerung...

Wenn in den kommenden 3 Monaten die Lichter an bleiben sollten, was vermutet werden darf, warum sollten sie denn dann danach ausgehen? Vielleicht geht der für so dumm verkauften Bevölkerung endlich ein Licht auf. Ein Moratorium für (Un)Verantwortliche wäre das Gebot der Stunde. Deutschland ist längst auch bei Strom Exportweltmeister. Die jetzt kurzzeitig stillgelegten Meiler machen gerade einmal 7 % des Stromes aus, nicht einmal der Anteil, der exportiert wird.

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der einem erklärt, dass das technisch unmöglich sei

Peinliche Experten

Immerhin können die Deutschen schon bald den Wahl- zum Denkzettel machen und die (Un)Verantwortlichen aus jener Verantwortung entlassen, die sie sowieso nie tragen konnten, da sie keine tragfähigen Antworten fanden. Aber reichen wird das noch nicht.

Kaum weniger peinlich sind die Aussagen der Experten aus der Atomwirtschaft. Man fühlt sich an Peter Ustinovs Ausspruch erinnert: »Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der einem erklärt, dass das technisch unmöglich sei.« Der Chef der deutschen Atombehörde antwortet im Fernsehen schon gar nicht mehr auf Fragen der Reporter, sondern erzählt jeden Tag gebetsmühlenartig, was jeder weiß und dass man keine Fehler gemacht habe, die japanischen Reaktoren seinen eben nur bis zur Stufe 8 abgesichert gewesen und nun sei leider Stufe 9 eingetreten. Hierzulande sind Reaktoren seit 40 Jahren am Netz, die heute nicht einmal mehr in Deutschland die Sicherheitsanforderungen erfüllen. Den Experten der Industrie ist nicht zu trauen, gegenüber den Professoren ist Vorsicht geboten. Der Weg zu Atombomben und Atomkraftwerken ist mit Nobelpreisen gepflastert!

Grundsätzlich ist zu fragen: Wie ist es möglich, dass wir überhaupt auf eine Technologie setzen, für die es weltweit keinen Versicherer mehr gibt, der dieses Risiko noch absichern würde. Wieso akzeptieren wir das? Wir, die wir uns zwingen lassen, jedes Moped zu versichern? Wie kann es sein, dass wir ohne akzeptables Endlager für den Atomabfall einfach weitermachen? Nehmen Politiker wie die deutsche Atom-Kanzlerin und ihr Westerwelle Endlager wie Tschernobyl, Fukushima oder xy einfach in Kauf? Dabei hatten sie vorher gesagt, was sie mit uns und der Welt vorhatten – und sie wurden trotzdem gewählt. Auch jetzt sagen sie es wieder, für drei Monate gibt es ein Moratorium, und dann – nach den Landtagswahlen – sieht man weiter...

Was lehrt uns Fukushima?
Reaktorkatastrophe in Fukushima

Weltweites Umdenken?

Die Schweizer haben sich gerade erst mehrheitlich für den Ausbau eines Atomkraftwerks in der Nähe der Hauptstadt Bern entschieden. Ist das Mut oder einfach Mangel an Phantasie? Wahrscheinlich letzteres und da sei den Journalisten für die ständig wiederholten Bilder im Fernsehen gedankt, die den Mangel an Phantasie beheben. Welchen Sinn sollte es sonst haben, permanent dieselben Grausamkeiten zu übertragen, immer wieder dieselben Atomkraftwerke vor aller Augen explodieren und brennen zu lassen.

Und das scheint Wirkung zu haben, in der Schweiz verzichtet der Betreiber auf den Bau des neuen AKW bei Bern, das Schweizer Bundesamt für Energie prüft den Komplettausstieg innerhalb von Monaten. Die Schweizer haben auch eine direkte Demokratie, die Politiker wissen das und kommen wohl der gewandelten Volksmeinung nur zuvor. Unsere Politiker wissen sich dagegen ziemlich sicher vor der Bevölkerung wie sich an der schwarz-gelben Regierung zeigt, die ihre Atompolitik gegen den erklärten Willen der Mehrheit durchgezogen hat.

Die Atomkraftwerke scheitern in Fukushima an Strommangel – den sie ursprünglich beheben sollten. In Japan gehen nun die Lichter wirklich aus, dabei sollten sie gerade das verhindern, wenn man Experten und Politikern glauben schenkte.

Die tiefere Bedeutung

Die weiblichen Elemente Erde und Wasser sind in Aufruhr und Aufstand, Mutter Erde bebt und entzieht alle Geborgenheit. Das Wasser als Seelenelement wird wild und stürmt das Land, alles mit sich in Tod und Ruin reißend. Pluto, das Prinzip der Wandlung im Steinbock zeigt uns unsere Grenzen (Saturn), unsere Hybris und unsere Machtlosigkeit. Neptun-Poseidon, der Gott des Meeres und der Erderschütterer, ist zuständig für den Tsunami – bezeichnender weise ein japanisches Wort, das »Hafenwelle« heißt, die Welle, die unsere Heimat, unseren Hafen bedroht. Freiwillig opfern wir heute weder Mutter Erde noch dem Meer, im Gegenteil wir pressen sie bis zum letzten aus und so holen sie sich ihre Opfer.

Andererseits kann uns diese wie jede Katastrophe auch zum Umkehrpunkt werden, genau das meint nämlich das griechische Wort. Vom Schicksal geschickt zu unserem Heil, um unsere Gier und unseren Größenwahn zu erkennen, davon zu genesen und heil zu werden. (lat. Salus = Heil) Bezüglich der Resonanz mag manchem dabei die verlogene japanische Walfangpolitik zu wissenschaftlichen Zwecken einfallen oder die jährlich vom Blut unzähliger Delphine rote Bucht von Taichi, die rabiat-rücksichtslosen Fangmethoden japanischer Fischfangflotten und auch so einiges bei uns…. Auf schreckliche Art hat sich das Meer eine Verschnaufpause vor den Japanern verschafft, vielleicht und hoffentlich nutzen sie und wir diese zum Umdenken.

Angesichts der atomaren Bedrohungssituation muss man als langjähriger Atomkraftgegner aufpassen, nicht zynisch zu werden: Das ganze könnte für uns in Europa sogar gut ausgehen. Wir könnten diese Situation, die uns selbst weniger beschädigen wird, nutzen, die Atomreaktoren mitsamt den (Un)Verantwortlichen, die sie immer befürworteten und selbst jetzt nicht definitiv davon lassen wollen, endlich und endgültig loszuwerden. Der Weltwirtschaft könnte das Elend sogar gelegener kommen also so mancher Krieg, ein Wiederaufbau Japans könnte – falls möglich – zum großen Konjunkturprogramm werden. Die deutschen Autobauer werden so traurig nicht sein, wenn die japanischen eine längere Zwangspause machen.

Wer würde so etwas bei uns tun, wer würde sich opfern, um einen Sarkophag für außer Kontrolle geratene Kernkraftwerke zu bauen

Moderne Kamikaze

Gorbatschow hat damals in Tschernobyl tausende Soldaten zu unfreiwilligen Helden der Sowjetunion gemacht und im Atomfeuer verheizt, während sie den Schutzmantel bauten. Werden sich im demokratischen Japan Soldaten finden, die sich für die Sicherheit des Landes und der Welt solcherart brutal verstrahlen lassen – als moderne Kamikaze sozusagen? Wer würde so etwas bei uns tun, wer würde sich opfern, um einen Sarkophag für außer Kontrolle geratene Kernkraftwerke zu bauen und dabei bewusst sein Leben zu lassen? Die befragte Feuerwehr in Deutschland hat schon abgewunken, die Bundeswehrsoldaten werden abwinken. Es ist auch zum Abwinken, und das sollten wir jetzt schleunigst im Hinblick auf Kernkraftwerke und ihre politischen Protagonisten tun. Das ist eine Technologie, die in ihrer letzten Konsequenz Diktatoren braucht, die Menschenleben opfern können.

In diesem jetzt leider nicht mehr undenkbaren Fall würde es zur reinen Zeitfrage, bis auch das Luftelement zum Feind wird und der Wind Tokio zur Geisterstadt und Japan zur Toteninsel macht. Dann würden wohl auch die Chinesen und Russen durch ständige Atomwinde und –wolken in Mitleidenschaft gezogen…. Und die Welt würde langsam aber sicher verstrahlt. Dieses Endszenario ist entsetzlicher Weise aus der Filmwerkstatt Hollywoods ausgebrochen dank (un)verantwortlicher Politiker in der ganzen Welt und ihrer unbewussten Wähler.

Worauf warten wir noch?

Worauf warten wir also noch? Wir könnten jetzt im großen Stil anfangen, die Gesetze des Lebens zu verstehen und die Spielregeln zu beherzigen, wir könnten die Schatten konfrontieren – und jeder für sich und alle zusammen unsere seelische und geistige Energie auf wirkliche Lösungen richten.

Die Menschen, die Bevölkerung sind jetzt gefordert. Österreich könnte zum Modell werden. Schon vor vielen Jahren hat hier die Bevölkerung ihre (un)verantwortlichen Politiker gegen deren erklärten Willen zum Aufgeben des Atomkraftwerks Zwentendorf gezwungen und ein Verbot der Kernenergienutzung in der Verfassung erzwungen – koste es was es wolle. Der Kanzler hatte sogar noch mit Erpressung versucht, sein Atomkraftwerk zu retten und mit seinem Rücktritt gedroht. Die Menschen haben sich aber nicht erpressen lassen, sie waren entschlossen und mussten es nie bereuen. Österreichische Politiker haben bis heute nicht mal eine relevante Förderung für Photovoltaikanlagen geschafft. Es waren allein die Menschen, die schon weiter waren, so wie es sich jetzt auch in Deutschland abzeichnet, wo die Atomkanzlerin gegen eine Bevölkerung regiert, die mit absoluter Mehrheitgegen Atomkraft ist. Es ist an der Zeit, aus Verantwortungsbewusstsein die (Un)Verantwortlichen loszuwerden, zumal es so bequem mit dem Wahl- und Denkzettelsystem geht –und Zeichen zu setzen für eine Versöhnung mit Mutter Erde, mit Mutter Natur, mit dem Meer und dem weiblichen Pol. Und das könnte mit vielen kleinen Aktionen anfangen.

Würden wir nur alle Stand-by-Geräte abschalten, könnten allein in Deutschland zwei Atomkraftwerke eingespart werden.

Würden wir nur alle Stand-by-Geräte abschalten, könnten allein in Deutschland zwei Atomkraftwerke eingespart werden. Wir könnten auf sauberen verantwortlichen Strom umsteigen, statt die Atomstromproduzenten EON, RWE und Co. weiterwurschteln zu lassen. Und vor allem: Strom ließe sich auf vielfältige Weise sparen. In erneuerbare Energie wäre fast beliebig zu investieren. Es ließen sich bevorzugt erdölfreie Produkte verwenden etwa bei Putz-, Waschmitteln. Einheimische Bio-Produkte könnten Vorausdenker unterstützen. Qualität könnte generell Quantität ersetzen. Unerwünschte Zeitschriften, Kataloge lassen sich auch abbestellen statt einfach wegwerfen. Konsequente Mülltrennung spart auch Energie. Wir brauchen nicht immer das neueste Handy, oder?… ich benutze gar keines… Es ließe sich öfter und weniger einkaufen, statt in großen Mengen, die nur den Müllanfall vergrößern.

Spirituelle Aspekte könnten uns insgesamt weiterbringen. Statt das Elend nur draußen an Politikern fest zu machen – könnten wir fragen, wo ist der Westerwelle in uns, der gern bei leichten Erfolgen anderer zum Abstauben kommt, und bei den wirklich wichtigen Dingen bittende Menschen im Stich lässt. Wo haben wir eine Kanzlerin in uns, die Zeitgewinn über Entscheidungen stellt und larviert statt regiert. Gibt es auch in uns Unbelehrbarkeit, selbst bei klarer Lage. Wir könnten viel gewinnen durch Achtsamkeit auch bei den kleinen, unbedeutend erscheinenden Dingen des Alltags. Zen in der Kunst des alltäglichen Lebens.

Dankbarkeit für das wundervolle Geschenk des Lebens auf unserer Erde und die Fragestellung: In welchen Bereichen meines Lebens kann ich mühelos auf vieles verzichten, alleine dadurch, dass ich achtsam und bewusst bin? Die Augen lassen sich wieder für das Wunder der Schöpfung öffnen. Die Entschleunigung des Lebens kann auf vielen Ebenen helfen. Wesentliches wäre von Unwesentlichem zu unterscheiden. Sein statt Haben.

Statt zu denken: Es ist ja nur ein Tropfen auf dem heißen Stein........ Steter Tropfen höhlt den Stein! Wir können die Welt nicht verändern, wenn wir uns nicht ändern.

Rüdiger Dahlke

Rüdiger Dahlke hat zusammen mit Thorwald Dethlefsen das Standardwerk »Krankheit als Weg« veröffentlicht. Er arbeitet als Arzt und Therapeut an dem von ihm und seiner Frau gegründeten Heil-Kunde-Zentrum Johanniskirchen und leitet Seminare zur deutenden Medizin sowie Fasten- und Meditationskurse.

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