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„Greenpeace“ protestiert gegen Betonruine mit Verhüllungsaktion

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Verhüllungsaktion. Bild: greenpeace

Naturpark ohne illegales Hotel

Im spanischen Naturpark Cabo de Gata staunen die Touristen nicht schlecht: Aus Protest gegen eine Bauruine an der spanischen Küste haben 60 Umweltaktivisten von Greenpeace ein Hotel mit einer 18.000 Quadratmeter großen grünen Plane umhüllt – ganz im Geiste von Verpackungskünstler Christo.


Bild: greenpeace

Den Umweltschützern geht es dabei aber nicht vornehmlich um Kunst, sondern um die Belange des Umweltschutzes. »Die illegal errichtete Bettenburg steht für die zunehmende Einbetonierung der spanischen Küste, um dort den Massentourismus anzusiedeln. Fast 30 Prozent der spanischen Küste ist mit Betonburgen zersiedelt, da hat die Natur keine Chance,« erklärt Greenpeace.
Die spanische Bauwut macht dabei nicht einmal vor geschützten Gebieten halt: Direkt am Strand des Nationalparks Cabo de Gata setzte ein Hotelbesitzer vor drei Jahren unerlaubt sein Gästehaus hin - seitdem steht das Gebäude leer und beherbergt höchstens Mäusefamilien. Mehrere Gerichte hatten auf Abriss entschieden - doch das Hotel »Algarrobico« steht noch immer.
Laut einer von der spanischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie sind aufgrund des Baubooms inzwischen 27, 5 Prozent der spanischen Küste zubetoniert, im Jahre 1987 waren es nur knapp 16 Prozent.
Die Umweltschützer wollen mit ihrer Verhüllungsaktion jetzt den spanischen Behörden Dampf machen. Als Erinnerungshilfe steht auf dem Banner »Naturpark ohne illegales Hotel - eigentlich eine Selbstverständlichkeit«.
Das ist aber beileibe nicht das einzige Problem der Mittelmeerküste. Neben den Bauruinen mindern auch Urbanisierung, Wassermangel, Umweltprobleme und Überfischung die Lebensqualität am Mittelmeer. Mindestens 174 Millionen Menschen leben nach der 430 Seiten dicken Bilanz und Prognose »Blauer Plan“ (Studie des Regionalzentrum der UN- Umweltorganisation UNEP) im Jahr 2025 an den Küsten des Mittelmeeres (2005: etwa 150 Millionen). Demographen nennen das, was auf die Region zukommt, einen galoppierenden Bevölkerungszuwachs.
Weitere 4000 Küstenkilometer werden, wenn alles so weiter geht, in zwei Jahrzehnten zubetoniert sein - die Hälfte der Küste wird dann der Urbanisierung und der Infrastruktur geopfert worden sein, darunter 1,5 Millionen Hektar Agrarland. Wasser wird immer knapper, gerade am südlichen Rand des Meeres, dessen 46 000 Kilometer Küste sich 21 Länder teilen. Mehr Fabriken, Transportstrukturen, Abwassersorgen, eine um Millionen und Abermillionen steigende Touristenzahl, während sich die Schiffsfracht auf dem Mittelmeer fast vervierfacht - diese sich abzeichnenden Belastungen treffen besonders den ärmeren Süden.

Quelle: Greenpeace

   
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