Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Neue Kommentare  

   

Wer ist online?  

Aktuell sind 312 Gäste und keine Mitglieder online

   

Unsere Partner  

FlowBirthing

Mystica TV

Reiki-land

   

Ökodörfer in Afrika

Details

Ökodörfer in Afrika

Hilfe zur Selbsthilfe

In Afrika entstehen Hunderte von Ökodörfern aus Eigeninitiative: Menschen schließen sich zusammen und organisieren Selbsthilfeprojekte für Frauen, Verdienstmöglichkeiten für Kleinbauern, Unterkünfte für Straßenkinder und Naturschutzaktionen. Die Bewegung sieht sich als mögliche Lösung für das immense Problem der Landflucht. Mit Erfolg: In Senegal beschloss die Regierung, 14.000 Dörfer in Ökodörfer umzuwandeln.

»Zurück aufs Dorf? Nie wieder«, sagt Isaac Kazungu, 26. Der junge Anwalt sitzt im Bus nach Nairobi, Weihnachten bei der Familie liegt hinter ihm. »Dörfer sind rückständig, meine Eltern leben noch in einer Lehmhütte. In der Stadt gibt es Supermärkte, Krankenhäuser, Universitäten. Außerdem habe ich eine Freundin, mit der ich nachts auf Parties gehe«, fügt er stolz hinzu. »Zu Hause hätten sich unsere Familien längst getroffen, und wir hätten heiraten müssen.«

Parties, Einkaufszentren und Industrieanlagen: Afrika folgt dem Traum der westlichen Zivilisation mit allen zerstörerischen Folgen: Isaac ist einer von 14 Millionen Afrikanern, die jedes Jahr vom Land in die Stadt ziehen. Spätestens 2030, so schätzt die UN Habitat, werden mehr Afrikaner in der Stadt leben als auf dem Land. Schon heute sind 67 Prozent aller Bauern in Kenia Frauen, die ihre Kinder allein durchbringen müssen, während ihre Männer in Städte abwanderten. Vom Ertrag von nur einigen Dutzend Quadratmetern Land müssen sie die Kinder ernähren, zur Schule schicken, einkleiden. Der demographische Wandel Afrikas ist eine Zeitbombe, die in Raten hochgeht - im zunehmenden Alkoholismus der Frauen, in der Drogensucht von Kindern, in häuslicher Gewalt und in den wachsenden Slums, in denen 70 Prozent aller Landflüchtlinge landen.

Einer von ihnen ist Gabriel Songoro aus Kitale an der Grenze zu Uganda. »Meine Eltern erzählten zu Hause stolz, unser Sohn arbeitet in Nairobi«, erzählt der stämmige Dreißigjährige mit der stoischen Ausstrahlung. Was er dort genau tat, wollten sie lieber nicht wissen. Gabriel hielt sich im berüchtigten Slum Kibera mit Drogenverkauf und Kleinkriminalität über Wasser. Vor zwei Jahren holte sein bester Freund Philip Munyasia ihn zurück nach Hause. Seitdem lebt er in dessen Ökodorfprojekt OTEPIC, betreut die Solarkocher und die Straßenkinder und Jugendlichen, die dort Zuflucht finden. Philip: »Seine Eltern sind enttäuscht, aber alle anderen wissen, dass ein gutmütiger Mensch wie Gabriel nicht lange in Kibera überlebt hätte.«

Ökodörfer sind sind gewachsene Dorfgemeinschaften, die durch bewusste Mitwirkung all ihrer Bewohner und Bewohnerinnen gestaltet werden

200 Ökodorf-Projekte

OTEPIC ist eines von etwa 200 Ökodorf-Projekten in ganz Afrika. Von Ägypten bis Südafrika, von Ghana bis Äthiopien tun sich Menschen zusammen, um ihre soziale und ökologische Situation aus eigener Kraft zu verändern. Ob sie in Eigeninitiative Job- und Ausbildungs-Perspektiven für Frauen und Jugendliche schaffen, ob sie in Slums und Dörfern Baumpflanzaktionen, Brunnen- oder Toilettenbau organisieren oder gemeinsamen für Straßenkinder sorgen, ob sie die Natur am Rande von Nationalparks verteidigen: Alle nennen sich Ökodorf. Sie schaffen Alternativen zur Flucht in die Großstadt - aber auch zur Armut in den Dörfern. In Thika, Kenia trafen sich nun 120 Delegierte aus Ökodörfern, eingeladen von GEN Africa, dem Global Ecovillage Network.

»Ökodörfer sind sind gewachsene Dorfgemeinschaften, die durch bewusste Mitwirkung all ihrer Bewohner und Bewohnerinnen gestaltet werden«, erklärt Dr. Ousmane Pame aus Senegal, Präsident von GEN Afrika und Bürgermeister vom Guéde Chantier, einer Ökostadt mit 3000 Einwohnern im Norden Senegals, die vor 60 Jahren gegründet wurde. »Ökodörfer sind keine neue Erscheinung in Afrika. Neu ist nur, dass wir uns in einem panafrikanischen Netzwerk zusammenschließen, unsere Interessen gemeinsam vertreten und voneinander lernen.«

»GEN Afrika« ist der jüngste Zweig der fünf Kontinente umspannenden GEN Organisation. Kosha Joubert, Präsidentin von GEN International: »Ein Ökodorf trägt dazu bei, die umliegende Natur nicht nur zu schützen, sondern sogar zu regenerieren, und es verbessert gleichzeitig die Lebensqualität der Menschen. Ökologie, Wirtschaft, Soziales und Kultur sind zu einem ganzheitlichen Ansatz integriert.«

In Afrika findet die gebürtige Südafrikanerin diese Strategie besonders vielversprechend: »Wenn Graswurzel-Initiativen sich mit weltweitem Knowhow verbinden, könnten diese gemeinde-orientierten Organisationen ein Beitrag zur Lösung von Landflucht, Armut und Umweltzerstörung sein.« Eine Perspektive, die auch die ersten Regierungen mittlerweile teilen. In Senegal formulierte das Umweltministerium im Jahr 2008 das Ziel, jedes zweite Dorf des Landes zu einem Ökodorf zu machen. Das wären 14.000 Dörfer, die sich nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten verbessern.

Ökodörfer in Afrika

Togo: Intellektuelle zurück aufs Land

Wie das aussehen könnte, zeigt Tiyeda Abalah, 56, aus Togo. Vor fast 30 Jahren zog sie nach ihrem Literaturstudium an der Pariser Sorbonne mit ihrem Mann Séda in dessen Heimatdorf Baga. »Mein Mann wollte nach seinem Wirtschaftsstudium wieder Erde in seinen Händen fühlen. Er wollte Familie und Nachbarn zeigen, dass ein würdevolles Leben auf dem Land möglich ist.« Bagas Bewohner empfingen sie keineswegs mit offenen Armen. Das Dorf war am Aussterben, die Böden ausgelaugt, sogar alte Leute wanderten in die Städte ab. Die Entscheidung der jungen Familie befremdete die Nachbarn. Sie wollten sie lieber in der Stadt sehen, als Beispiel für ein besseres Leben.

Doch Tiyeda und Séda erwarben einige Morgen unfruchtbares Land und machten es urbar - in Mischkultur, mit Obstbäumen, Kuhdung und ohne Kunstdünger. Die Frauen der Nachbarschaft konnten nicht mitansehen, wie der verehrte Herr Doktor sich abplagte, und halfen mit. So begann die Geschichte einer Kooperation, an deren Ende das Projekt CIDAP steht: eine Frauenkooperative mit über tausend Frauen, eine selbstorganisierten Schule für organische Landwirtschaft, Landtechnik und Buchhaltung und eine Gemeinde-Bank für den neuen Reichtum des Dorfes.

Tiyeda: »Die Frauen von Baga haben gelernt, besser zu wirtschaften. Sie haben Erfolg, und ihre Männer sind stolz auf sie. Auf dem Markt wehren sie sich gemeinsam gegen die Benachteiligungen, denen sie vorher ausgesetzt waren. Sie können etwas Geld beiseite legen und ihre Kinder zur Schule schicken. Absolventen der CIDAP-Schule wandern nicht in die Stadt ab, sondern bleiben hier.«

Betrachtete die Regierung von Togo CIDAP anfangs eher misstrauisch, so richtete sie inzwischen zahlreiche Schulen nach ihrem Vorbild im ganzen Land ein. Heute sagt Tiyeda: »Wenn die Intellektuellen Afrikas aufs Land zurückgehen und das Leben der einfachen Menschen teilen, dann hat der Kontinent eine Chance.«

Philip Munyasias Ziel ist ein Modelldorf und eine Schule für organische Landwirtschaft und Technologien in Slums.

Kenia: Perspektiven für Kinder und Jugendliche im Slum

Philip Munyasia, 30, aus Kitale in Kenia ist vor allem interessiert daran, sich mit anderen jungen Protagonisten der neuen pan-afrikanischen Bewegung auszutauschen. Als Jüngster von acht Brüdern wuchs er in Mitume auf, einem Stadtteil, von dem jeder sagt: Von dort kann nichts Gutes kommen. Auf engen Gassen zwischen Lehmhütten fließt die Kloake. Es riecht nach verbranntem Müll. Kinder in zerlumpten Schuluniformen spielen im Schlamm. Philips Weg schien vorgezeichnet, an einem solchen Ort haben junge Menschen kaum Perspektiven. Doch er schuf das Wunder, mit Hilfe seiner Freunde. »Ich wollte den Menschen zeigen, dass wir mit eigener Kraft etwas verändern können«, sagt er.

Er gründete OTEPIC, eine gemeindegetragene Selbsthilfe-Organisation. Beharrlich bearbeitete er alle Kontakte in Europa, bis sie ihm Gelder zur Verfügung stellten, um zu starten. Inzwischen treffen sich im OTEPIC Zentrum jeden Morgen zwischen 20 und 30 Jugendliche, Kinder und junge Erwachsene und verteilen die Arbeiten unter sich: im Garten, in der Küche, im Bau von Gewächshäusern und Hühnerställen gibt es immer viel zu tun und zu lernen. Für die Ziegel des neuen Seminarhauses muss Lehm gegraben werden. Gabriel steht wie ein Fels in der Brandung, während die Kleinen um ihn herum mit dem Fußball spielen, den sie aus den überall herumliegenden Plastikfetzen genäht haben. Frauen und Kinder aus der Nachbarschaft schrubben am solar-betriebenen Brunnen ihre Wäsche und schöpfen Trinkwasser. Philip: »Sauberes Wasser ist ein großes Problem in Kitale. Wer sich das Wasser vom Wasser-Kiosk nicht leisten kann, holt Wasser vom Fluss, obwohl es schwer kontaminiert ist. Bei uns können alle kommen und so viel Wasser holen, wie sie wollen, ganz umsonst. Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht, und manchmal müssen wir uns selbst um unsere Rechte kümmern.«

Der Brunnen ist auch Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Wer bei OTEPIC Wasser schöpft, sieht die anderen Einrichtungen und wird neugierig: Kochen ganz ohne Brennholz; Anbau in Mischkultur und ohne Kunstdünger, über das ganze Jahr hinweg; Artemisia-Hecken als Kräutermedizin gegen Malaria; Pilzzucht, ein Fischteich - viele Anregungen, sich auch in einem armen Ortsteil Kitales zu ernähren und ein kleines Geschäft aufzubauen.

Philip Munyasias Ziel ist ein Modelldorf und eine Schule für organische Landwirtschaft und Technologien in Slums. Für Esther Najala ist OTEPIC bereits heute eine Lebensrettung. Die 27-jährige, deren Mann verschwand, war mit ihren drei Kindern von der Familie auf die Straße gesetzt worden. Ihr ältester Junge Djomba wurde mit 6 Jahren zum »Kleber-Kind« - eines der vielen zerlumpten, Leim-schnüffelnden Betteljungen Kitales. Die Jugendlichen von OTEPIC nahmen ihn mit, ließen ihn bei sich wohnen, gaben ihm zu essen und neue Hosen und schickten ihn zur Schule, bevor sie herausfanden, dass es da auch noch eine Mutter gab. Inzwischen lebt Esther mit ihren Kindern auf dem Nachbargrundstück und arbeitet bei OTEPIC mit.

»Es gibt noch viele offene Fragen und ungelöste Probleme. Aber allein dass wir hier zusammenkommen und niemanden mit seinen Problemen allein lassen, ist für viele schon eine neue Lebensperspektive«, sagt Philip. Heute wird erst einmal ausgiebig gefeiert: Die Theatergruppe von OTEPIC mit ihren wilden Tänzen zu Techno-Rhythmen gewann am Wochenende einen Kreativitätspreis. Die Party würde vielleicht sogar Isaac Kazungu überzeugen: Auch auf dem Land kann ein Leben für junge Menschen attraktiv sein.

Philip Munyasia ist im September in Deutschland. Er wird an vielen verschiedenen Orten seine Arbeit mit einem neuen Video und Dias präsentieren, auf englisch mit deutscher Übersetzung. Auch das Global Ecovillage Network und die Initiative Globaler Campus werden vorgestellt. Mit Möglichkeiten zu Fragen und Gespräch.

Die Termine:
5.9., 19 Uhr, Witten, Johanniszentrum, Bonhoefferstraße 10, Innenstadt,
Facebook: https://www.facebook.com/events/677385905679832/?ref_dashboard_filter=calendar
8.9., 19 Uhr, Aachen, Sitzungssaal des Fachbereichs Umwelt Reumontstr. 3 52064 Aachen,
Facebook: https://www.facebook.com/events/1463760500544167/?ref_dashboard_filter=calendar
9.9., 19:30 Uhr, Köln, Allerweltshaus e.V. Körnerstraße 77-79 50823 Köln,
Facebook: https://www.facebook.com/events/268004466729844/?ref_dashboard_filter=calendar
10.9. 19 Uhr, Marburg, Netzwerkbüro für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit, Am Plan 3, 35037 Marburg,
Facebook: https://www.facebook.com/events/839750976059447/?ref_dashboard_filter=calendar 
11.9. 19 Uhr, Spangenberg bei Kassel, genaue Adresse bitte erfragen bei: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!">Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
14.9., 20 Uhr, ZEGG, Rosa-Luxemburg-Str. 89, 14806 Bad Belzig,
Facebook: https://www.facebook.com/events/1460468247564833/?context=create&source=49
15.9., 19 Uhr, Berlin, "Raum der Sonne" im "Spirit Berlin" in der Schererstr. 3a, 13347 Berlin-Wedding,
Facebook: https://www.facebook.com/events/342307159265669/?ref_dashboard_filter=calendar
16.9., Ökodorf Schloss Tempelhof
17.9., Weilheim, Adresse bitte erfragen bei: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
18.9., Schlehdorf Project Peace, Adresse bitte erfragen bei: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
19.9. München, Eine Welt Haus, Schwanthaler Straße 80, 80336 München,
Facebook: https://www.facebook.com/events/589278861180657/?ref_dashboard_filter=calendar
20.9. Mühldorf, genaue Adresse erfragen bei: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
22.9. Freiburg, Einlass 18 Uhr, Bürgerhaus Zähringen Lameystraße 2 79108 Freiburg,
Facebook: https://www.facebook.com/events/1681544305403556/?ref_dashboard_filter=calendar
Außerdem wird Philip vom 8.-12. Oktober am Green Phoenix Kongress auf der Schweibenalp in der Schweiz mitmachen: http://www.greenphoenixglobally.org/index.php/de/component/content/article/10-beitrag/56-green-phoenix-2014-neu

Leila Dregger

Leila Dregger ist Journalistin und Schriftstellerin, sie war Herausgeberin der Zeitschrift »Die weibliche Stimme« und arbeitet am Aufbau eines Hauses und Heimatplatzes für »Writers for Peace«, das in Portugal, im Friedensforschungszentrum Tamera entstehen soll. Zu ihren ersten journalistischen Berufserfahrungen gehört ein Praktikum bei der connection vor fast zwanzig Jahren.

Diesen Beitrag teilen

Bei Wer kennt wen teilen
0
Webnews einstellen
0
0


Social Sharing powered by flodji.de
   

Ich suche  


   

Top 10 des Monats  

   

Connection Networks  

   

Werbung  

   

Unsere Partner  

Satsangfestival

Medizin und Bewusstsein

Bodhisattva Schule

Bewusstseinspraxis

zur Website von Ladeva

zur Website von Find Your Nose

zur Website von Die Kunst zu Leben

Weltinnenraum

LotusCafe - Forum für ganzheitliche Partnersuche

Spirituelles Portal

KGS Berlin

menschenklang

Periplaneta

   
© Connection AG 2015