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Protest- und Solidaritätsaktion von Rettet den Regenwald e.V.

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Überreste eines früher intakten Regenwaldes
Überreste eines früher intakten Regenwaldes
© Karl Ammann

Viele Tote in Peru: Konflikt um Ausbeutung von Rohstoffen eskaliert

Bei der gewaltsamen Auflösung einer Straßenblockade der Ureinwohner nahe dem Ort Bagua in der Region Amazonas im Norden Perus sind Anfang Juni diesen Jahres nach unterschiedlichen Angaben und von neutraler Seite unbestätigten Aussagen elf Polizisten und bis zu 27 Zivilisten ums Leben gekommen. Weitere 179 Menschen, 155 Indios und 24 Polizisten, seien verletzt worden, sagte Ministerpräsident Yehude Simon. Der seit fast zwei Monaten andauernde und bisher weitgehend friedliche Protest von Amazonas-Indios und Kleinbauern vor allem gegen die Erdölförderung war schlagartig eskaliert.

Die Sicherheitskräfte gehen in der Amazonasregion etwa 1000 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Lima offenbar sehr brutal vor. So berichtete etwa der nationale Radiosender CNR unter Berufung auf den lokalen Radiosender »La Voz«, Polizisten seien in der Stadt Utcubamba in Krankenhäuser eingedrungen. Sie hätten verletzte Indios herausgeschleppt und seien mit ihnen mit unbekanntem Ziel davon gefahren. Vor den Krankenhäusern wartende Angehörige seien mit Schüssen verjagt worden. Zudem sei eine Demonstration auf dem zentralen Platz der Stadt von einem Hubschrauber aus unter Beschuss genommen worden. Dabei seien zwei Menschen getötet und vier Kinder verletzt worden.
Die zunehmend selbstbewusster auftretenden Ureinwohner und Kleinbauern der peruanischen Amazonasregionen wehren sich gegen Regierungsdekrete, mit denen Bestimmungen eines neuen Freihandelsabkommens mit den USA durchgesetzt werden sollen. Nach Ansicht der Indios verletzen diese Bestimmungen ihre angestammten Rechte an Grund und Boden und bedrohen ihre Lebensgrundlagen. Dabei geht es vor allem um die Erdöl- und Erdgasförderung durch ausländische Konzerne.

»Es ist wichtig zu erkennen, dass unser exzessiver Konsum in den reichen und Schwellenländern die Wurzel dieser für die Ureinwohner und den Regenwald tödlichen Konflikte ist«, erklärt Reinhard Behrend, Vereinsvorsitzender von Rettet den Regenwald. »Wir bitten die Menschen, keine Hölzer aus industriellem Holzeinschlag zu nutzen, kein Erdöl und Mineralien aus Regenwaldgebieten einzusetzen und bei den peruanischen Botschaften in aller Welt gegen die sinnlose Gewalt zu protestieren.«

Die Gesetze wurden im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen verabschiedet, das Peru mit den Vereinigten Staaten unterzeichnet hat. Diese ermöglichen vor allem ausländischen Öl- und Bergbaukonzernen sowie Investoren den Zugriff auf die Ressourcen des südamerikanischen Landes. Die Indianergemeinschaften beklagen, dass bereits jetzt rund 70 Prozent des peruanischen Amazonasgebiets für die Öl- und Gas-Exploration konzessioniert ist, die Holzindustrie die letzten intakten Regenwaldgebiete plündere und Firmen Ölpalmplantagen zur Produktion von »Biodiesel« im Urwald roden. Diese Aktivitäten gefährden das Leben der Menschen und die Artenvielfalt des Amazonasgebiets.

»Wir fordern die peruanische Regierung auf, die Proteste friedlich auf dem Verhandlungsweg zu lösen«, erklärt Klaus Schenck, Waldcampaigner und Lateinamerikaexperte von »Rettet den Regenwald«.

»Die anerkannten Rechte der Indigenen müssen eingehalten, ihre angestammten Territorien und der Regenwald geschützt werden. Sie dürfen nicht den Motorsägen, Baggern und Bohrtürmen der Industriefirmen zum Opfer fallen. Der Amazonasregenwald ist ein unersetzlicher Schatz der gesamten Menschheit und die grüne Lunge der Erde.«

Bereits am 9. Mai hatte die peruanische Regierung den Notstand für 60 Tage für mehrere Provinzen im Amazonasgebiet ausgerufen. Militär- und Sondereinheiten der Polizei wurden entsendet, um die friedlichen Proteste gewaltsam zu unterdrücken und die Interessen der überwiegend großen Unternehmen aus dem Ausland zu schützen. Mehrere Fälle von Gewalt gegen indigene Demonstranten waren zu verzeichnen.

Seit dem 28. Mai läuft die Protest- und Solidaritätsaktion von »Rettet den Regenwald e.V.«: Schreibe auf www.regenwald.organ den peruanischen Präsidenten Alan Garcia und fordere einen Stopp der Zerstörung der Indianer- und Regenwaldgebiete sowie die Rückkehr zum friedlichen Dialog.

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