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Expedition zur größten Abfallhalde des Meeres

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Seelöwe mit Plastikring
Seelöwe mit Plastikring © Noaa

»Jute statt Plastik«

Ein Müllteppich von der Größe Westeuropas treibt durch den Nordpazifik nördlich der Hawaii-Inseln. Jetzt unternehmen Wissenschaftler der Meeresforschung eine Expedition und hoffen, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie man das Problem lösen kann.

Das Meer mutiert zur größten Müllkippe der Welt

Eine Gruppe von Meeresforschern und Umweltschützern aus Asien und den USA wollen eine Expedition in den Müllteppich unternehmen, der mittlerweile eine Ausdehnung von der Größe Westeuropas erreicht hat, geschätzte drei Millionen Tonnen wiegt und die regionale Menge des Zooplanktons um das Sechsfache übertrifft: 13.000 Stückchen Plastikmüll finden sich nach Angaben des Vereinten Nationen inzwischen in jedem Quadratkilometer Meer.
Alles, was die Industrie erzeugt, landet irgendwann im Meer: Abwässer, Schweröl, Kunstdünger, Kunststoff, über Bord gegangene Fischernetze, Zahnbürsten, Golfbälle, Kühlschränke, Autoreifen, havarierte Yachten: das Meer mutiert zur größten Müllkippe der Welt. Die Problematik betrifft alle Weltmeere, ist im Nordpazifik jedoch besonders ausgeprägt, weil die Ozeanischen Strömungen alles in einer Art Riesenstrudel nördlich der Hawaii-Inseln gefangen halten, bis das Material durch Sonne und Salzwasser zersetzt wird: Ein Prozess, der Jahrzehnte benötigen kann.

Verendete Schildkröte
Verendete Schildkröte © Noaa

Plastikmüll gelangt auch in den menschlichen Körper

An Bord eines japanischen Forschungsschiffes wird der Müllstrudel zweimal durchquert. Man erhofft sich Erkenntnisse darüber, wie der Plastikmüll geborgen und entsorgt werden kann, denn er gefährdet zunehmend die Meerestiere. Schildkröten, Fische, Seevögel und Wale verwechseln den Müll mit Nahrung oder verenden in den so genannten Geisternetzen, die herrenlos durch den Ozean schwimmen und lange Zeit tödliche Fallen bleiben.
Über die Nahrungskette gelangen die Giftstoffe des Plastikmülls auch in den menschlichen Körper. Welche Gefahr der Plastikmüll für die Tiere darstellt, machte eine Untersuchung eines niederländischen Biologe deutlich, der im Rahmen eines EU-Projekts tote Eisturmvögel untersuchte. Bei nahezu allen Tieren fand er Plastik in den Mägen. Im Schnitt hatte ein Tier 30 Kunststoffpartikel angesammelt.
Die Expedition soll Erkenntnisse über die Menge an Schadstoffen liefern, die durch Auswaschungen aus dem Plastik freigesetzt werden, untersucht werden auch die Ablagerungen auf dem Meeresboden und die Gefahren für Meeresbewohner in großer Tiefe. Es sollen Fangtechniken für die Plastikpartikel erprobt werden, die die Meeresbewohner schonen: »Die Netze müssen engmaschig genug sein, um eine Menge Müll rauszufischen, aber großmaschig genug, um Plankton durchzulassen«, erklärt Expeditionsleiter Doug Woodring. Erprobt werden soll auch, inwieweit der Plastikmüll recycelt oder als Berennmaterial genutzt werden kann.
Die Ursachen des Problems hat man schon erkannt und will Abhilfe schaffen: Ein Fünftel des Drecks stammt von schiffen, die ihn auf offener See über Bord werfen. Das soll nun unter Strafe gestellt werden. Sinnvoller halten Umweltschützer einen anderen Weg. Die kostenpflichtige Entsorgung im Hafen, die sich die Reeder ersparen wollen, soll wegfallen. Die Gebühren sollen entfallen, wenn der Nachweis erbracht wurde, dass die Abfälle tatsächlich im Hafen entsorgt werden. Der Rest des Plastikmülls entsteht an Land, und ist deutlich schwieriger in den griff zu bekommen. Man setzt auf freiwillige Vereinbarungen mit Industrie und Städten, den Plastikmüll in deren Einflussbereich zu verringern. Ohne Mithilfe der Bürger wird sich das jedoch nicht realisieren lassen. Der gute, alte Öko-Spruch »Jute statt Plastik« ist also so zeitgemäß wie nie zuvor.

-Oliver Bartsch (Quelle: spektrumdirekt)

   
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