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Der alternative Nobelpreis 2009

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Jakob von Uexküll
Jakob von Uexküll

Weckrufe, unsere gemeinsame Zukunft zu sichern

Die Träger des alternativen Nobelpreises 2009, der 1980 von dem deutsch-schwedischen Publizisten Jakob von Uexküll ins Leben gerufen wurde, heißen René Ngongo, Alyn Ware und Catherine Hamlin. Den Ehrenpreis erhält David Suzuki. Die Ausgezeichneten im Kurzportrait

Der Ehrenpreis geht an den kanadischen Wissenschaftsjournalisten und Umweltaktivisten David Suzuki zur Würdigung seines langjährigen Einsatzes »für die soziale Verantwortung der Wissenschaft, sowie zur Aufklärung über die Gefahren des Klimawandels und die zu seiner Begrenzung erforderlichen Maßnahmen«. Suzuki, der Nachkomme japanischer Einwanderer wurde 1936 in Vancouver, Kanada, geboren. Er studierte Zoologie an der University of Chicago und lehrte von 1963 bis 2001 als Professor an der University of British Columbia. Er sei zum Ergebnis gekommen, sagte er einst, dass sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse sowohl positiv als auch negativ eingesetzt werden können und die einzige Möglichkeit letzteres zu verhindern, sei eine gut informierte Öffentlichkeit. Und so gab Suzuki die Forschung auf, führte nur die Professur bis zum Jahre 2001 fort, um sich ganz der Aufklärungsarbeit zu widmen.

David Suzuki
David Suzuki

In den späten Siebzigern wurde Suzuki zum wichtigsten Sprecher der Naturwissenschaften. Seit 1979 ist er der Moderator der Sendung The Nature of Things with David Suzuki, eine Wissenschaftssendung zur besten Sendezeit im kanadischen Fernsehen, die in 80 weitere Länder exportiert wurde. Seine Themen blieben die globale Erwärmung und erneuerbare Energien. Suzuki zeigte seinen Zuschauern Möglichkeiten auf, wie sie mit einfachen Änderungen an ihrem Lebensstil zum Umweltschutz und zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen können.

Suzuki erhielt zahlreiche Ehrendoktortitel und Auszeichnungen, darunter den Titel "Companion of the Order of Canada", Kanadas höchste Auszeichnung für Zivilpersonen. Im Jahr 2004 wurde er in der Fernsehsendung The Greatest Canadian zur Wahl des bedeutendsten Kanadiers nominiert und von den Zuschauern auf den fünften Platz gewählt, die beste Platzierung unter den noch lebenden Kandidaten. Suzuki produzierte unzählige weitere TV-Shows und Serien, schrieb 43 Bücher, davon 17 für Kinder.

René Ngongo
René Ngongo

René Ngongo

René Ngongo erhält den mit 50.000 Euro dotierten Alternativen Nobelpreis »für seinen Mut, sich jenen Kräften entgegenzustellen, die die Regenwälder des Kongo zerstören, und für seine Bemühungen, politische Unterstützung für deren Bewahrung und nachhaltige Nutzung zu schaffen«, heißt es in der Begründung der Jury.

Die Regenwälder der Demokratischen Republik Kongo und das kongolesische Becken seien nach der Amazonas-Region die zweite »Lunge der Erde, sagt René Ngongo. Seit 1994 engagiert sich der in Goma geborene Biologe für den "größten Obst- und Gemüseladen der Welt und die beste Apotheke, wie er selbst sagt. Dass sich der zweitgrößte Regenwald der Erde in größter Gefahr befand, war Ngongo bald bewusst geworden. Sowohl die Armut der einfachen Leute, die den Regenwald abholzen, um ihren Bedarf an Lebensmitteln und Feuerholz zu decken als auch die kommerzielle Abholzung bedrohen ihn.

Ngongo startete Kampagnen, gründete 1994 die Nicht-Regierungsorganisation OCEAN (Organisation Concertée des Ecologistes et Amis de la Nature) und wurde ihr Koordinator. Schnell wuchs die Organisation, Freiwillige halfen bei Feldwaldbau, Aufforstung, dem Schutz bedrohter Tierarten und bei der Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere via Fernsehen und Radio. Ngongo entwickelte nachhaltige Landwirtschaftsmodelle, die es der Bevölkerung erlaubten, ihren bedarf an Feuerholz und Lebensmitteln zu decken und gleichzeitig ein besseres Einkommen zu erzielen, ohne den Wald zu zerstören. In Kisangani legte er Vorführ-Felder an, auf denen er den Bauern seine Techniken demonstrierte.

1996 führte Ngongo sein Engagement trotz des sechsjährigen Bürgerkriegs im Kongo fort. Die großen persönlichen Risiken hielten ihn nicht davon ab, als politischer Fürsprecher die Zerstörer des Regenwaldes mit seinem Anliegen zu konfrontieren.

Bald engagierte sich der Umweltaktivist auch in anderen Netzwerken und Organisationen wie Forest Stewardship Council (FSC) und Extractive Industries Transparency Initiative (EITI). Seit 2008 hilft er beim Aufbau einer Greenpeace-Zweigstelle in der Demokratischen Republik Kongo, die Leitung von OCEAN hat er einem jüngeren Kollegen übergeben.

Alyn Ware
Alyn Ware

Alyn Ware

Vom Kindergarten zu den Vereinten Nationen  so ließe sich Alyn Ware Werdegang beschreiben. »Für seinen Einsatz und seine internationalen Initiativen über zwei Jahrzehnte zur Stärkung der Friedenserziehung und zur Schaffung einer atomwaffenfreien Welt«, zeichnet ihn die Jury aus.

Geboren 1962 in Neuseeland, arbeitete Ware 1983 nach seinem Studium als Kindergärtner. Nicht nur an seinem neuen Arbeitsplatz brachte er nach kurzer Zeit den Frieden auf den Stundenplan. Er entwickelte Programme und Unterrichtsformen, die jungen Menschen die Friedensforschung näher bringen, die sich bald im ganzen Land durchsetzten.

Nebenher engagierte sich Ware zudem in verschiedenen Organisationen und Kampagnen mit dem Ziel, Neuseeland zur Abrüstung zu bewegen und vom bestehenden Atomwaffenprogramm Abstand zu nehmen. 1998 reiste er in die USA und nach Russland um seine Erfahrungen mit der erfolgreichen Anti-Atomwaffen-Initiative mit Organisationen in anderen Ländern zu teilen.

In den Vereinten Nationen arbeitete Ware an der jährlich neu vorgelegten Resolutionen zur weltweiten Ächtung und Abschaffung von Atomwaffen mit. "Dahinter stehen immerhin schon 125 Länder, heißt es in Stockholm.

 Catherine Hamlin
Catherine Hamlin

Catherine Hamlin

Catherine Hamlin ist eine 85-jährige Frauenärztin. Den Preis erhält sie, »weil sie sich seit fünfzig Jahren der Behandlung von Patientinnen mit Geburtsfisteln widmet und dabei die Gesundheit, Hoffnung und Würde von Tausenden ärmster afrikanischer Frauen wiederhergestellt hat.« So steht es in der Begründung der Jury.

Die Medizinerin kam 1959 aus ihrer australischen Heimat zusammen mit ihrem Mann Reginald nach Addis Abeba in Äthiopien, um dort als Geburtshelferin und Gynäkologin zu arbeiten. In einem Krankenhaus wurde sie mit Geburtsfisteln, einer typischen Armutskrankheit, konfrontiert. Medizinisch sind Geburtsfisteln leicht zu behandeln, doch vor allem arme Frauen werden durch die Krankheit belastet, deren Langzeitfolge die Inkontinenz ist. Sie drängt die Frauen an den gesellschaftlichen Rand, die Lebensbedingungen verschlechtern sich weiter.

Die Hamlins eröffneten bald ihre eigene Klinik, behandelten Frauen kostenlos. In den regionalen Behandlungszentren nahmen sie Frauen aus dem ganzen Land auf. Catherine Hamlin entwickelte neue Operationstechniken. Noch heute im Alter von 85 Jahren operiert sie einmal die Woche.

Hamlin wurde mit vielen medizinischen und bürgerlichen Ehrenwürden ausgezeichnet, unter anderem 1995 mit dem "Companion of the Order of Australia und 1998 dem "Rotary Award for Understanding and Peace". Ihr Buch The Hospital by the River wurde in Australien zum Best-Seller.

Der Right Livelihood Award wurde 1980 von dem deutsch-schwedischen Publizisten, Philatelisten und späteren Europa-Abgeordneten Jakob von Uexküll ins Leben gerufen. Heute ist er besser bekannt als Alternativer Nobelpreis. Über die Vergabe entscheidet eine internationale Jury. Seit 1985 findet die Verleihung jedes Jahr im schwedischen Reichstag statt  ein bis drei Tage vor der Nobelpreisvergabe am 10. Dezember. Das Preisgeld wird im Jahr 2009 150.000 € betragen. Das Geld dient der Unterstützung der Arbeit der Preisträger und ist nicht für den persönlichen Gebrauch bestimmt. Zusätzlich zu den Geldpreisen wird meist ein undotierter Ehrenpreis vergeben. Der Preis unterstützt die Arbeit der Preisträger finanziell. Darüber hinaus dient er dazu, das Wissen und die praktischen Lösungsansätze seiner Preisträger international zu verbreiten. Die Glaubwürdigkeit und die internationale Aufmerksamkeit, die der Preis bringt, sind dabei genauso wichtig wie die finanzielle Unterstützung.

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