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Grünes Bewusstsein im Internet

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 grünes Bewusstsein
© Tom Kleiner pixelio.de

Wieviel Energie verbraucht »Google«?

Die moderne Gesellschaft ist ungeduldig. Schneller, höher, weiter, so lautet die Devise. Diese Schnelllebigkeit gibt der Informationstechnologie-Branche Nährboden. Die Computer sollen effektiver funktionieren. Das Surfen darf nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Davon haben wir ja bekanntlich so wenig. Surfen kostet aber auch Energie. Connection-Praktikant Martin Heim liefert Daten

»Google« ist Marktführer, weil man über »Google« auf schnellstem Wege die erwünschte Information bekommt. Wie hochwertig diese ist, das sehen wir uns jetzt mal nicht so genau an. Man kann so gut wie alles »googeln«, aber das kostet Energie, und zwar eine ganze Menge. Laut des Bundesumweltamtes (Presse 11/09) braucht eine Suchanfrage beim Internet-Giganten so viel Strom wie eine Energiesparlampe in einer Stunde. Die Internet-Marktforschungsfirma »Comscore« gab bekannt, das weltweit im Monat Juli diesen Jahres rund 77 Milliarden Suchanfragen bei »Google« gestellt worden seien. Das ist eine gewaltige Menge Energie, die zur Verfügung stehen muss. Weltweit sind 14 Kraftwerke nötig, um die Internetnutzung und Kühlung der Rechenzentren zu gewährleisten.

Natürlich verbraucht die Nutzung von Elektronik Energie, sei es nun grüne oder konventionelle Energie. Die Rechenzentren, die als Vermittler zwischen einzelnen Computern fungieren, erzeugen jährlich gigantische Mengen des klimaschädlichen CO2. Wenn der Trend sich fortsetzt, werden die CO2 Emissionen der Rechenzentren in Deutschland bis 2013 um 50 Prozent gestiegen sein. Die Emission von CO2 durch die Informations- und Kommunikationstechnik-Industrie (ITK) ist, auf die gesamte Welt bezogen, in etwa so groß wie die durch den Luftverkehr.

grünes Bewusstsein
© Krümel pixelio.de

Das Umweltbewusstsein ist in den letzten Jahren stark angestiegen, wie die grünen Suchmaschinen »Ecosia«, »Forestle« oder »Znout« beweisen. Teils arbeiten sie mit erneuerbaren Energien und kaufen Regenwald, um ihn zu schützen. Beim Benutzen von »Ecosia« werden die Einnahmen durch Sponsoren zu rund 80 Prozent an den WWF gespendet. Der WWF wiederum kauft Regenwaldanteile, die wertvollen Sauerstoff produzieren. »Znout« kauft Zertifikate für erneuerbare Energien. So kann der Nutzer den Schaden, den er durch das tägliche Surfen verursacht, immerhin ein bisschen wiedergutmachen.

»Für meine persönliche CO2-Bilanz sind grüne Suchmaschinen natürlich höchstens ein Gimmick«, sagt Andreas Grabolle von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft CO2online. Durch Internetsuchen verursacht ein Nutzer pro Jahr zwischen 200 und 400 Gramm CO2. Bei insgesamt rund elf Tonnen CO2-Ausstoß, für die ein Deutscher jährlich verantwortlich ist, fällt das kaum ins Gewicht. »Ich finde die Öko-Suche trotzdem gut, weil Suchmaschinen einen immer stärker wachsenden Anteil an der weltweiten CO2-Produktion haben«, sagt Grabolle, »und weil solche Initiativen Druck auf Google ausüben, auch seine Server grüner zu machen.«

Die ITK folgt dem grünen Trend. Die Industrie sieht darin eine geschäftlich rentable Zukunft. IBM wirbt mit »intelligenten« Stromnetzen. Diese sollen für mehr Effizienz des zirkulierenden Stroms sorgen. Wenn es also gelänge, so »IBM«, das US-amerikanische Stromnetz nur 5 Prozent effizienter zu gestalten, entsprächen die eingesparten Emissionen dem Ausstoß von etwa 53 Millionen Autos. »IBM« zufolge arbeiten »intelligente« Netze auch mit erneuerbaren Energien.

Der expandierende, grüne ITK-Markt ist notwendig. In ihm entfaltet sich Bewusstsein für die Umwelt. Jeder sollte so gut es geht über die Folgen seines Handelns informiert sein und dann entsprechend umweltfreundlicher handeln. Die Industrie folgt nämlich nur der Nachfrage. Das bedeutet, das bewusstere Konsumenten eine bewusstere Industrie erzeugen. Bleibt diese so wie bisher, wird sie von »intelligenten« Verbrauchern durch deren Kaufentscheidungen abgewählt werden.

Martin Heim

Grüne Suchmaschinen

   
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