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Öko-Suchmaschinen

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Regenwaldrettung per Internet
© Michaela Schöllhorn pixelio.de

Regenwaldrettung per Internet

Wer auch nur ein bisschen im Internet unterwegs ist, arbeitet mit Suchmaschinen, allen voran mit Google, Yahoo und Bing. Ein paar Suchanfragen sind schnell eingegeben, und die Zahl der Funde ist - jedenfalls bei Google - meist unüberschaubar groß. Aber so ist das eben. Googeln ist längst zur Internet-Gewohnheit geworden. Seit Dezember 2009 ist ein kleiner Konkurrent mit einem großen Versprechen an den Start getreten: ecosia. Wer die neue Öko-Suchmaschine unter www.ecosia.de ansteuert, bekommt zu lesen: »Jede Websuche schützt kostenlos circa 2 m² Regenwald.« Eine beeindruckende Aussage. »Kann das sein?«, ist unwillkürlich die nächste Frage. Die Antwort nach einiger Recherche: Vermutlich ja. Dafür gibt es einige plausible Gründe.

Zwei Quadratmeter Urwald pro Klick

Zunächst einmal: Zwei Quadratmeter sind wirklich nicht viel (im Vergleich zu Null Quadratmetern allerdings eine gigantische Zahl), sowohl was den Platz als auch was die Kosten anbelangt. Und beide Faktoren hängen eng zusammen. Das Regenwald-Schutzprojekt, auf das sich Ecosia bezieht, liegt im Juruena Nationalpark im Amazonas und wird vom WWF (mit dem die Suchmaschine direkt zusammenarbeitet) betreut. Der Schutz eines Hektars Wald kostet dort 7,50 US-Dollar, und ein Hektar sind 10.000 Quadratmeter. Mit anderen Worten: 2 Quadratmeter kosten 7,50 Dollar geteilt durch 5.000. Der winzige Betrag lässt sich aus 80 Prozent der Werbeeinnahmen von Ecosia finanzieren. Die restlichen 20 Prozent fließen in die eigene Arbeit und die Zusammenarbeit mit Yahoo und Bing.

Regenrettung per Internet
© Cornerstone pixelio.de

Das alles klingt nachvollziehbar und wurde von etlichen kritischen Medien wie der taz, dem focus oder dem Wissenschaftsmagazin nano überprüft und akzeptiert. Teil der Glaubwürdigkeit ist die Zusammenarbeit mit dem WWF. Dieser würde sich nicht vor einen falschen Karren spannen lassen. Kritischer wird die Sache bei der Ecosia-Behauptung, sie sei die »umweltfreundlichste Suchmaschine«, denn über die Regenwaldspende hinaus »laufen unsere Server mit Ökostrom«. Das ist zwar richtig (und wurde ebenfalls geprüft), aber doch irreführend. Die Server der Ecosia-Webseite liegen zwar auf Servern, die mit Ökostrom betrieben werden, nicht aber die von Yahoo und Bing, über die letztlich die Suchanfrage abgewickelt wird.

Unabhängig davon ist es also sinnvoll, mit Hilfe von ecosia das Netz zu durchsuchen. Wenn Ecosia-Gründer Christian Kroll sein Ziel erreicht, nämlich ein Prozent Marktanteil weltweit, dann ist er nicht nur ein gemachter Mann, sondern er hätte dann mit Hilfe umweltbewusster Surfer auch dazu beigetragen, dass jährlich die Finanzierung einer Schutzfläche von 41.285 Quadratkilometern gesichert werden kann. Das entspricht der Größe der Schweiz. Dass die Richtung stimmt, zeigt die Meldung des WWF, Internetuser aus aller Welt hätten in den ersten hundert Ecosia-Tagen bereits 40 km² des Nationalparks geschützt. »Aus aller Welt bedeutet laut WWF: »rund ein Drittel der Ecosia-Nutzer kommt aus Deutschland; dahinter folgen die Schweiz, Italien und Frankreich«. Wem ecosia nicht gefällt, der kann auf andere »grüne« Suchmaschinen ausweichen: Forestle.org, GoodSearch.com, Ecosearch.org, Greenmaven.com, Umlu.de oder Znout.de. Zumindest bei Forestle und Znout landet er allerdings wieder bei Christian Kroll. Sie sind Vorläuferprojekte von Ecosia.

Bobby Langer

   
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