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Wolf Schneider als »Shri Shitananda« im Esoterik-Kabarett

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Shitananda
Shri Shitananda kann aus Scheiße Glückseligkeit machen

Darf man das?

Auf unserem Herbstfest war die Hauptattraktion das Esoterik-Kabarett von Wolf Schneider. Unter den circa 80 Besuchern befand sich auch Rama, der ehemalige Übersetzer und Schüler aus dem inneren Kreis des Satsanglehrers Samarpan (www.samarpan.de), der über seine Jahre (1997-2001) mit Samarpan ein Buch geschrieben hat – nein, gleich zwei: Auf der Suche nach dem Schmetterling und Schmetterlinge überall (zu bestellen auf www.schmetterlinge-ueberall.de). Wolf Schneider hatte ihn zum Herbstfest eingeladen und ihn dann gebeten, über seine Eindrücke, insbesondere die zum letzen Sketch in seinem Esoterik-Kabarett, dem Auftritt als Satsanglehrer »Shitananda« zu berichten

Lieber Sugata (Anm.: Das ist der buddh. Name von Wolf Schneider, den er 1977 von Osho erhalten hat, weil seine spirituelle Reise 1976 im Buddhismus begann), du hattest mich um Feedback zum Herbstfest und insbesondere zu deinem Auftritt als Satsang-Lehrer gebeten. Dazu fällt mir spontan Folgendes ein:

Als ich in eurem Herbstfest-Programm zum ersten Mal von der dort angekündigten Kabarett-Aufführung las, kam mir eine Begebenheit in Erinnerung, die sich vor etwa zehn Jahren im Stuttgarter Osho-Zentrum abspielte.

Eine Bekannte von mir, die ich von zahlreichen Besuchen beim Satsang mit Samarpan kannte (da ich, wie du weißt, seinerzeit als sein Dolmetscher mit ihm umherreiste), wollte Sannyas nehmen, was mich nicht wenig wunderte: Dass ihr offenbar mehr der Sinn danach stand, sich – nicht wie ich – einem lebenden Meister hinzugeben sondern einer »toten Organisation«.

Aber gut, jeder wie er will. Und da ich noch nie bei einer Sannyas-Initiation dabei gewesen war, ging ich aus Neugier hin. Auf Satsang war man dort nicht wirklich gut zu sprechen (sah man in dieser Bewegung, zu der viele Alt-Sannyasins überliefen, eine Konkurrenz?), was insbesondere in einer Satsang-Parodie im Anschluss an die ritualisierte Sannyas-Initiations-Feier zum Ausdruck kam.

Esoterik-Kabarett
Der kosmische Dauerorgasmus:
Wolf Schneider als Swami Mahalingam mit Anne-Mari Reiche

Gar nicht lustig

Ein Darsteller spielte dabei einen Satsang-Lehrer, während andere ihn umtanzende verträumte Schüler mimten, und sich alle miteinander über diesen »Zirkus« lustig machten. Das Ganze gipfelte in der Proklamation, dass ab jetzt an allen Ecken und Enden immer mehr Satsang-Lehrer wie Pilze aus dem Boden schießen und sich ganz schnell um jeden von ihnen willfährige Schüler versammeln würden, mit Hilfe derer man sich auf einfache Art und Weise dumm und dämlich werde verdienen können. Diese Arroganz fand ich damals überhaupt nicht lustig. Denn für mich war meine Beziehung zu Samarpan etwas ganz Heiliges. Und dass andere die Schönheit von Satsang im Allgemeinen und in meinem speziellen Fall von der Person Samarpan offensichtlich nicht in der Lage zu sehen waren, schmerzte mich sehr.

Insofern war ich nun also gespannt, wie deine Kabarett-Einlage als Satsang-Lehrer auf mich wirken würde, nachdem mein Abschied von Samarpan und damit auch von der ganzen Satsang-Szene inzwischen viele Jahre zurückliegt.

Sich über andere stellen

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich in der Vergangenheit mit Kabarett ganz generell nicht viel anfangen konnte, da ich dabei immer das Bild bekomme, dass der Kabarettist sich über seinen Protagonisten lustig macht. Das fällt mir insofern etwas schwer nachzuempfinden, da ich – wenn ich mich in die Rolle des »Opfers« hineinversetze – durchaus verstehe, warum derjenige so handelt, ja, so handeln »muss« und gar nicht anders kann, als sich so zu verhalten, wie er sich eben verhält. Und so stellt sich der Kabarettist in meiner Wahrnehmung quasi »über« die Person, die er parodiert. Unterstellt ihr »dummes« Verhalten und tut so, als würde bzw. könnte er selbst es »besser« machen.

Wie auch immer, ich empfand Kabarett oder Sich-über-andere-stellende- bzw. sich-lustigmachende-Gespräche tendenziell bislang immer eher arrogant und schmerzhaft, insbesondere wenn es um das Thema »Satsang-Lehrer« oder »Meister-Schüler-Beziehung« geht. Das mag damit zu tun haben, dass Samarpan für mich über lange Zeit hinweg im wahrsten Sinne des Wortes der »personifizierte Gott« war. Und meine Beziehung zu ihm das Heiligste, was es im ganzen Universum gab.

Und auch jetzt sehe ich in der Beziehung zum Meister, die ja nichts anderes ist als die »direkte« Beziehung zu Gott bzw. zum Göttlichen, das Heiligste, das Intimste, was es gibt. Denn letzten Endes ist es ja die Beziehung zu niemand anderen als zu mir selbst.

Und trotz der Auseinandersetzungen, die ich mit Samarpan hatte, und trotz des Bauchwehs, das ich bei manch anderen Satsang-Lehrern bekomme (die den Eindruck vermitteln: Ich habe es, kommt alle zu mir, dann bekommt Ihr es auch): Indem ich mich über irgendjemand anderen (sei es nun ein Channel-Medium, ein Motivationslehrer, ein Satsang-Lehrer oder einen der anderen, die von Dir, lieber Sugata, kabarettistisch »auf die Schippe« genommen wurden) lustig mache, stelle ich mich über ihn, und das fühlt sich für mich einfach schmerzhaft an, da ich mich dadurch vom anderen separiere.

Lachend, weinend ...

Mag man am anderen (ob nun Meister, Politiker oder normaler Mit-Mensch) noch so viele Unzulänglichkeiten sehen: Im Grunde fungiert jeder andere lediglich als ein Spiegel von einem selbst. Und genaugenommen sieht man doch nur seine eigenen Projektionen.

Mit diesem Wissen wiederum kann man sich nach meinem Verständnis gar nicht (mehr) über jemand anderen lustig machen. Im Gegenteil, offenbare ich durch ein solches Verhalten nur, dass ich den vorgenannten Zusammenhang noch nicht in seiner ganze Tiefe durchschaut habe.
Soweit, lieber Sugata, die Ausführungen meines Verstandes zum Thema.

Das Esoterik-Kabarett jetzt bei Eurem Herbstfest – und damit komme ich zurück zu deiner Bitte um diesbezügliches Feedback – habe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen. Mit dem weinenden aus den zuvor geschilderten Gründen, und mit dem lachenden, weil offensichtlich war, dass du deine Aufführungen mit nicht nur einem sondern mit gleich zwei zwinkernden Augen dargeboten hast. Insofern konnte ich mich an deinem Auftritt durchaus erfreuen.

Und auch alles andere hat mir sehr gut gefallen. Die wunderbaren Menschen, das leckere Essen, die schöne Umgebung von Niedertaufkirchen, das unterhaltsame Programm, die berührenden Begegnungen: Ich wüsste nicht, wie ich diese Tage genussvoller hätte verbringen können.

Danke, dass ich dabei sein konnte.

Alles Liebe

Rama

Live Mitschnitt Esoterik-Kabarett auf dem Connection Herbstfest 2009 mit Audio Kommentar von Wolf Schneider

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Links

  • Mehr zum Thema »Tabugrenzen des Gelächters« in unserem Novemberschwerpunkt »Darüber lacht man nicht«, ab 11. Oktober im Handel, oder schon jetzt per Abo vorbestellen.
  • Am 23. 9. interviewte Dr. Jeet Liuzzi Wolf Schneider zum Thema »Spiritualität & Humor« (siehe unter www.jeet.tv)
  • »Kleines Lexikon esoterischer Irrtümer« – Wolf Schneiders Rundumschlag gegen die Platituden der Szene, bei uns im Shop für 12.95 €.
  • Dass er dabei auch manchmal zu ernst genommen wird, sieht man an der Kontroverse, dich sich daraufhin mit dem Reiki-Journal entzündete.
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