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Interview mit Niko Paech über die Grenzen des Wachstums

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Interview mit Nico Paech über die Grenzen des Wachstums
© Andreas Sixt pixelio.de

»Weg mit dem Wohlstandsschrott«

Wie erreichen wir ein massenhaftes Umdenken weg von der Konsumideologie hin zu einer nachhaltigen Art des Wirtschaftens? Beate Bockting sprach mit Prof. Niko Paech, Volkswirtschaftler an der Uni Oldenburg über Entschleunigung, Entrümpelung und die Kraft der Imagination

Noch bis in die Achtzigerjahre hinein wurden ökologisch bewusste Menschen als »Müslis« belächelt und von den Mitbürgern und Politikern nur selten wirklich ernst genommen. Jetzt ist »Öko« ein Mainstream-Thema und alle Parteien setzen auf »ökologisches Wachstum«. Warum ist das für dich kein Grund zur Freude?

Die Möglichkeit, systematisch eine Art »ökologisches Wachstum« herbeizuführen und aufrechtzuerhalten, existiert nicht, zumindest wenn sich dieses als Zunahme der in Geld über Märkte gehandelten (auch noch so ökologischen) Waren äußern soll. Eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes ist nie zum ökologischen Nulltarif zu haben, wenn die vermeintlich ökologischen Marktlösungen hinzuaddiert, also die weniger ökologischen Lösungen gar nicht ersetzt werden. Kommt es hingegen zum Ersatz, wächst die Wirtschaft nicht. Also: Entweder Nachhaltigkeit oder Wachstum – beides gleichzeitig ist nicht zu haben. Die dringend überfällige Entlastung der ökologischen Lebensgrundlagen setzt zu allererst voraus, dass der Umfang an arbeitsteiliger Industrieproduktion nicht mehr wächst, für eine Übergangszeit sogar sinkt.

Was bedeutet denn Wachstum überhaupt?

Mir kommt es zunächst auf das BIP (Bruttoinlandsprodukt) an. Damit ist – vereinfacht gesprochen – der Gesamtwert an volkswirtschaftlicher Produktion von Gütern und Dienstleistungen gemeint, die pro Jahr für den Verbrauch bereitgestellt werden. Zusätzlich zu der Bedingung, dass das in Geld gemessene BIP nicht mehr wächst, sind sicherheitshalber auch Grenzen für den Ressourcenverbrauch wichtig. Warum? Ganz einfach: Dass eine Steigerung des BIP nicht ohne Umweltzerstörung zu haben ist, darf nicht zum Umkehrschluss verleiten, dass dessen Senkung automatisch zur Umweltentlastung führt.

Am Beispiel der Billigflüge wird eindrucksvoll deutlich, dass man oder frau mit extrem wenig Geld maximale ökologische Schäden verursachen kann. Insbesondere zwei materielle Grenzen wären deshalb sehr wichtig, nämlich erstens ein Limit für die individuell verursachte Menge an CO2-Emissionen in Höhe von zwei bis drei Tonnen pro Jahr und zweitens ein konsequenter Stopp jeder weiteren Flächenversiegelung. Allein diese Begrenzungen hätten eine immense direkte und indirekte Hebelwirkung gegen weitere materielle Expansionen.

Gibt es denn nicht auch sinnvolles Wachstum? Brauchen wir nicht dringend innovative nachhaltige Technologien? Sind Solaranlagen oder Passivhäuser etwa keine gute Sache?

Solaranlagen sind nur sinnvoll, wenn deren Strom den weniger nachhaltigen ersetzt, also in entsprechendem Umfang atomare und fossile Kraftwerke stillgelegt werden. Passivhäuser tragen nur unter zwei Bedingungen zum Kimaschutz bei: Erstens dürfen keine zusätzlichen Häuser gebaut, sondern nur alte ersetzt werden. Zweitens darf dieser Ersatz nur erfolgen, wenn die Sanierung der alten Häuser nicht vergleichsweise CO2-sparender ist, und zwar unter Einbeziehung der Emissionen, die der Passivhausneubau verursacht. Ein Übergang zu dieser Strategie führt nicht zur Zu-, sondern Abnahme des Bruttoinlandsproduktes. Warum sollen wir dann von Wachstum reden?

Der aktuelle 20. Bericht der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung zeigt ja auch wieder, dass Wirtschaftswachstum nicht alles ist und dass auch ohne stetiges BIP-Wachstum Verbesserungen möglich sind. Sind solche alternativen Wohlstandsindizes, wie sie im Human Development Report verwendet werden, richtungweisend?

Die Menschen und die von ihnen gewählten Politiker wissen sehr wohl, welchen langfristigen sozialen und ökologischen Preis unsere Kultur der gnadenlosen Selbstverwirklichung hat

Diese Diskussion wird unter Wirtschaftswissenschaftlern schon seit über drei Jahrzehnten geführt und bei Bedarf immer wieder – versehen mit neuen Bezeichnungen und leichten Anpassungen – in die Diskussion eingebracht. Dies ist durchaus zu begrüßen. Das BIP enthält ja Komponenten, deren Zunahme sogar als direkter Schaden zu bezeichnen wäre, beispielsweise wenn infolge von Unfällen, bei denen Menschen verletzt werden, die Umsätze der Automobilindustrie, der KFZ-Betriebe und im medizinischen Sektor steigen. Aber die Einführung alternativer Wohlfahrtsindizes löst nicht das Wachstumsproblem, denn die Menschen und die von ihnen gewählten Politiker wissen sehr wohl, welchen langfristigen sozialen und ökologischen Preis unsere Kultur der gnadenlosen Selbstverwirklichung hat. Nun zu meinen, dass diese stillschweigende Übereinkunft plötzlich nur deshalb in Frage gestellt wird, weil ihre Schattenseiten elegant als Index zum Ausdruck gebracht werden, darf wohl als naiv bezeichnet werden.

Außerdem: Lässt sich das Glück der Menschen überhaupt im Sinne einer auch noch so ausgeklügelten Maßgröße über ein bestimmtes Niveau hinaus permanent steigern? Soll also anstelle des BIP lediglich eine bessere Zielgröße ständig wachsen? Geht es nicht eher um die Setzung von Rahmenbedingungen, die Unglück und langfristige Schäden vermeiden helfen, so dass es den Menschen überlassen bleibt, innerhalb dieses Rahmens eigenverantwortlich für das zu sorgen, was sie Glück nennen?

Interview mit Nico Paech über die Grenzen des Wachstums
© Peter Röhl pixelio.de

Würdest du der Erkenntnis aus dem UN-Bericht zustimmen, dass Ungleichverteilung eines der zentralen Hindernisse für menschliche Entwicklung ist?

Diese systematische Mobilisierung von Unzufriedenheit gibt die Entwicklungsrichtung moderner Gesellschaften vor: Wachstum zwecks vermeintlichen sozialen Fortschritts.

Nur bedingt, denn Ungleichheit ist eine relative Größe, die nichts über die absolute Höhe der Versorgung der weniger gut ausgestatteten Personen sagt. Nach Erreichen eines bestimmten Wohlstandsniveaus wird die Unterstellung, dass das Glück, welches ich bei einer bestimmten materiellen und monetären Ausstattung empfinden kann, dadurch geschmälert würde, dass andere über eine noch höhere Quantität dieser Ausstattung verfügen, zu einer sich selbst erfüllenden Erwartung.

Moderne Gesellschaften tendieren dazu, Institutionen und Zuständigkeiten hervorzubringen, deren Daseinsberechtigung darin besteht, permanent neue Ungleichheiten oder »Gerechtigkeitslücken« aufzudecken und medial zu verbreiten. Letztere lassen sich in Missstände umdeuten, deren Beseitigung zum groß angelegten Projekt gesellschaftlichen Fortschritts wird. Nach dieser Logik kann jedes auch noch so hohe und ehemals als hinreichend empfundene Konsumniveau allein dadurch entwertet werden, dass irgendjemand mit noch üppigerer Ausstattung als Beweis dafür ins Feld geführt wird, dass man es besser haben könnte. Diese systematische Mobilisierung von Unzufriedenheit gibt die Entwicklungsrichtung moderner Gesellschaften vor: Wachstum zwecks vermeintlichen sozialen Fortschritts.

...statt Genügsamkeit und ökologischer Nachhaltigkeit?

Ja, genau. Wenn verhindert werden soll, dass durch diese Instrumentalisierung von Ungleichheit soziale gegen ökologische Belange ausgespielt werden, ist das absolute Niveau – und zwar gemessen an Umweltbeanspruchung! – entscheidend, auf dem Gleichheit anzustreben wäre. Also noch mal: zwei bis drei Tonnen CO2 für jede/n pro Jahr!

Auch bei unseren Politikern gewinnt die Einsicht an Fahrt, dass der Wohlstand eines Landes nicht allein über den Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen definiert werden kann. SPD und Grüne haben einen Antrag initiiert, dem sich Union und FDP angeschlossen haben und der die Einsetzung einer Enquete-Kommission mit dem Namen »Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« vorsieht. Auch dieses Gremium soll einen neuen Indikator entwickeln, der das BIP ergänzt. Was hältst du davon?

Sehr viel, denn allein die Thematisierung dieses Problems im Rahmen einer Enquete-Kommission kann einiges bewirken. Allerdings sollten darüber hinaus grundsätzlich die Konturen einer Postwachstumsökonomie behandelt werden.

Wie sieht denn eine solche »Postwachstumsökonomie« in deinen Augen aus?

Warum betrachten wir nicht Einsparungen und Rückbau als positive Leistungen? Wir könnten viele Energiesklaven, Komfortkrücken und Infrastrukturen ausfindig machen, die wir gar nicht nötig haben

Grob vereinfacht sind dazu zwei Stoßrichtungen vonnöten, nämlich erstens ein Zeitalter der Entrümpelung (Suffizienz) und zweitens eine neue Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung (Subsistenz). Die Suffizienzstrategie kehrt das moderne Prinzip der Steigerung von Güterwohlstand ins Gegenteil um: Warum betrachten wir nicht Einsparungen und Rückbau als positive Leistungen? Wir könnten viele Energiesklaven, Komfortkrücken und Infrastrukturen ausfindig machen, die wir gar nicht nötig haben – ganz gleich ob elektrisches Küchengerät, Wellness-Rezeptur, Flugreise oder Tiefseehafen. Von derartigen Belastungen sollten wir unseren Alltag und die Gesellschaft als Ganzes frei machen. So sparen wir Zeit, Geld, Raum und ökologische Ressourcen. Weg mit dem überbordenden Wohlstandsschrott, der nur unser Leben verstopft!

Der zweite Ansatzpunkt zielt darauf, die schicksalhafte Abhängigkeit von geldbasierter Fremdversorgung zu überwinden. Eigenarbeit ist angesagt! Wer unentgeltlich für sich selbst und sein nahes soziales Umfeld tätig ist, schlägt drei Fliegen mit einer Klappe: Erstens ist das der beste Selbstschutz gegenüber zukünftigen Ressourcenknappheiten (Peak Oil, Peak Everything), die das aktuelle Wohlstandsmodell unbezahlbar machen. Zweitens schützen wir direkt die Umwelt. Und drittens mildern wir strukturell Wachstumszwänge, die einem geldbasierten, arbeitsteiligen Industriemodell innewohnen.

In den Medien kommt ein solches Denken höchstens am Rande vor. Wer beschäftigt sich mit diesen Fragen?

Momentan ist das Thema en vogue, wie selten zuvor, das lässt immerhin hoffen! Der Grund liegt auf der Hand. Mit der 2008 ausgelösten Finanzkrise ist der Glaube an die Stabilisierbarkeit unseres Wohlstandsmodells dermaßen erschüttert worden, dass nun die Suche nach neuer Orientierung einsetzt. Orientierungshilfen auf wissenschaftlichem Gebiet gibt es u.a. vom Wuppertal Institut, aus der Subsistenzforschung um Veronika Bennholdt-Thomsen, Christa Müller, Andrea Baier, Adelheid Biesecker, Gerhard Scherhorn oder Elisabeth Meyer-Renschhausen, um nur einige von denen zu nennen, die mir in diesem Moment einfallen. Praktische Ansätze kommen z.B. aus der Tauschring- und Regiogeldbewegung, der ökologischen Landwirtschaft und der nachhaltigen Regionalentwicklung.

In letzter Zeit findet auch die aus Frankreich stammende Décroissance-Bewegung immer mehr Anhänger. Diese Gruppierung um Prof. Serge Latouche strebt an, dass Wachstum und Ökonomie nicht mehr als zentrale Steuerungselemente unseres Lebens fungieren. Unser alltägliches Leben und Denken wird dermaßen vom Wachstumsgedanken gesteuert, dass unsere Gedankenwelt quasi erst einmal »dekolonialisiert« werden muss. Mit den Worten Latouches: »le lien remplace le bien«, die zwischenmenschliche Beziehung ersetzt die Ware, das Gut.

Da ist was dran. Probleme können nicht in dem Denken gelöst werden, in dem sie entstanden sind.

Wie kann sich denn ein neues Denken verbreiten?

Derzeit verzetteln wir uns in einer reizüberfluteten Konsumsphäre, die unsere knappste Ressource aufzehrt, nämlich Zeit und Aufmerksamkeit. Durch den Abwurf von Wohlstandsballast können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, statt im Hamsterrad der käuflichen Selbstverwirklichung zusehends Schwindelanfälle zu bekommen. Wenige Dinge intensiver zu nutzen und zu diesem Zweck bestimmte Dinge einfach souverän zu ignorieren, bedeutet weniger Stress und mehr Glück.

Wenn es eine Voraussetzung ist, »in das materiell Vorhandene neuen Sinn hineinzukonstruieren«, wie du es mal formuliert hast, wie kann das geschehen?

Ganz einfach: Durch Entschleunigung.

Was heißt das in der Praxis?

Worum es geht: Die Kraft der Versenkung, Ausschöpfung und Imagination durch Übung zu steigern, um weniger materielle Stimuli in Form von Mobilität und Konsum zu benötigen.

Die Dinge und Aktivitäten, welche man sich aneignet, sollte man nicht so oft wiederholen, sondern länger wirken lassen, also den Zeitabstand zwischen den (Konsum-) Ereignissen strecken. Beispiel: Wenn jemand eine Reise unternimmt und dort schöne Eindrücke einfängt, können die damit ausgelösten Gefühle immer wieder in Gesprächen, durch gesellige Abende, Diavorträge, Schilderungen usw. reaktiviert, kraft eigener Imagination und Reflexion neu belebt werden. Und plötzlich stehe ich vor der Erkenntnis: Warum muss ich im nächsten Jahr wieder dorthin? Sind Erinnerung und Imagination nicht Ressourcen, die mir dazu verhelfen, aus einem materiellen Erlebnis mehr Genuss zu ziehen, so dass ich die Dosis herabsetzen kann? Worum es geht: Die Kraft der Versenkung, Ausschöpfung und Imagination durch Übung zu steigern, um weniger materielle Stimuli in Form von Mobilität und Konsum zu benötigen.

Aber wir leben nun einmal in einer Konsumgesellschaft. Ist Konsumverweigerung der einzige Ausweg?

Ja.

Und was ist mit der Bio-Branche? Ist es nicht ein Fortschritt, dass diese weiter wächst und Bioprodukte inzwischen auch in Supermärkten zu haben sind?

Die bessere Welt ist nicht käuflich, sondern nur durch eigenes Tun und Üben herzustellen

Supermärkte sind immer Teil des Problems und nicht deren Lösung, weil sie abhängig von Fremdversorgung und Wachstum machen. Ökoprodukte in Supermärkten sind einfach nur weniger schlimm, aber noch keine tragfähige Lösung. Direkt- und Regionalvermarktung, erst recht aber lokale Selbstversorgung sind weitaus nachhaltigere Alternativen. Die bessere Welt ist nicht käuflich, sondern nur durch eigenes Tun und Üben herzustellen. Die vielen Bio-Varianten für Konsumgüter dienen wohl in erster Linie dazu, eine Konsumgesellschaft zu retten, der andernfalls die Eingebungen für neue Wachstumstreiber ausgehen würden.

Es gibt schon eine Menge, auch internationale, Bewegungen, die für soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische Veränderungen eintreten. Doch Politik und Wirtschaft setzen weiterhin auf Wachstum. Wie kann sich da wirklich was bewegen?

Die Politik wird sich erst bewegen, wenn sie sieht, dass die Menschen durch Lebensstilveränderungen die Bereitschaft für echten, nicht nur symbolischen Wandel zeigen, also Fakten schaffen. Demonstrieren gegen Stuttgart 21 oder Schottern gegen Laufzeitverlängerungen reicht allein nicht. Wer die Politik dazu bringen will, das Wachstumsdogma fallen zu lassen, muss zuerst zeigen, dass er so leben kann und will, wie es dann nur noch möglich ist. Wer nicht ohne Auto, Flugzeug, Einfamilienhausvilla etc. auskommt, sollte nicht die Politik für den Wachstumswahn verantwortlich machen.

Connection berichtet immer wieder über Tiefenökologie, eine Philosophierichtung, die davon ausgeht, dass alles Leben auf der Erde miteinander verbunden ist. Sie sieht die Erde als lebendigen Organismus, in dem alles voneinander abhängig ist und jedes Lebewesen seinen Wert hat. Müssen wir nicht alle erst wieder lernen, mit allem Lebendigen in Beziehung zu sein?

Aber selbstverständlich!

Auch im Schamanismus spielt Naturverbundenheit eine wichtige Rolle. Im Heft »Schamanismus und Ökologie« aus unserer Schamanismusreihe wird das thematisiert. Sind aus diesem Bereich Impulse für die Postwachstumsökonomie zu erwarten?

Auch wenn ich eingestehen muss, mich mit Schamanismus nicht sonderlich auszukennen, erlebe ich, dass sich daraus auf verblüffende Weise Haltungen entwickeln können, die einem Lebensstil im Sinne der Postwachstumsökonomie sehr genau entsprechen.

Jede/r Einzelne kann zu einem Kurswechsel beitragen. Aber sind unsere Möglichkeiten nicht zu marginal, wenn sich nicht auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene radikal etwas verändert?

Niemand kann wissen, ob er/sie nicht genau der Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt und damit zur Bildung neuer Strömungen beiträgt. Als Wissenschaftler orientiere ich mich an Formen eines sozialen Interaktionismus. Alles was ich tue und unterlasse, beeinflusst andere. Daraus ergeben sich zugleich eine Verantwortung und Möglichkeiten, wirksam zu sein.

Bist du auch der Meinung, dass das herrschende Geldsystem das Wirtschaftswachstum antreibt und wir nicht um eine Geldreform herumkommen?

Absolut! Ich halte Regiogeld, das nicht per Zins, sondern als »rostende Banknote« umlaufgesichert ist, aber auch andere Ansätze wie etwa das sog. »Vollgeld« für wegweisend.

Das Interview führte Beate Bockting, Redakteurin der INWO-Zeitschrift FAIRCONOMY

Prof. Dr. Niko Paech, geb. 1960, Studium der Volkswirtschaftslehre in Osnabrück; derzeit Vertreter des Lehrstuhls für Produktion und Umwelt (PUM) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Gründungsmitglied und Vorstandssprecher (2006 - 2008) des Oldenburg Center for Sustainability Economics and Management (CENTOS); TV-Moderator im Lokalfernsehen (Oldenburg) im Bereich Nachhaltigkeitskommunikation; Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ); Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von ATTAC, des Fachbeirates des Regiogeld-Verbandes, des PostFossil Instituts (PFI)

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