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Interview mit dem Meditationsmeister Sant Rajinder Singh

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Interview mit dem Meditationsmeister Sant Rajinder Singh
Sant Rajinder Singh

»Wahres Glück liegt im Inneren«

Der indische Mystiker, Wissenschaftler und derzeitige Leiter der Organisation »Wissenschaft der Spiritualität« Sant Rajinder Singh spricht im Interview mit Kirsten Loesch über eine kraftvolle Form der Selbstverwirklichung, wie die innere Harmonie mit Hilfe der Meditation über den Alltagsstress siegt und was dadurch im Leben alles möglich wird.

Als spiritueller Lehrer, Meister der Meditation und Bestseller-Autor von Büchern wie »Heilende Meditation« und »Die Weisheit der erwachten Seele« reisen Sie permanent durch die Welt, um innere Stille zu lehren. Warum tun Sie das?

Es gibt einen wachsenden Hunger nach Antworten in der Welt. Die Menschen möchten den Sinn ihrer Existenz verstehen. Sie wollen wissen, warum sie hier sind, was nach diesem Leben kommt, ob es wirklich eine Seele und Bereiche jenseits dieser Welt gibt. In diesem modernen, wissenschaftlichen Zeitalter reicht es nicht mehr aus, sich auf Informationen aus zweiter Hand zu verlassen und zu glauben, was andere geschrieben haben. Die Menschen suchen heute stattdessen lieber nach einer Möglichkeit, ihre eigenen Erfahrungen zu machen und ihre eigenen Beweise zu finden. Solch ein überzeugendes Erlebnis aus erster Hand wurde zu allen Zeiten durch eine ähnliche Methode erreicht: Mit nach innen gerichtetem Blick in der Stille. Die großen Heiligen, Mystiker und Philosophen aller Zeitalter und aller Kulturen haben in den verschiedensten Erdteilen ihr Wissen durch innere Stille erlangt. Das möchten viele Menschen heutzutage selbst einmal versuchen. Da ich genau solch eine Möglichkeit anbiete, indem ich eine Meditationsform lehre, die zu spirituellem Erwachen führt, laden mich Menschen von überall auf der Welt ein.

Viele Meditationsformen widmen sich der Stressreduzierung und bringen uns körperlich und geistig Frieden. Doch diese spezielle Meditationsform von der ich spreche bringt Frieden und Freude für die Seele. Sie hilft dabei, uns selbst zu beweisen, dass wir Seele sind und dass Gott existiert, dass es etwas gibt, was über dieses Leben hinausgeht und wir somit keine Angst mehr vor dem Tod haben müssen.

Was ist für Sie die größte Belohnung für Ihr weltweites Engagement?

Stellen Sie sich einmal vor, jemand schenkt Ihnen eine Packung mit leckerer Schokolade. Möchten Sie sie alleine essen, oder mit ihren Lieben, der Familie und Freunden teilen? Wenn wir ein gutes Buch lesen oder einen guten Film sehen, wollen wir anderen davon erzählen, in der Hoffnung, sie können das gleiche erleben und sich genauso freuen wie wir. Ähnlich ist es, wenn wir Glück, Friede, Freude und göttliche Liebe spüren, wenn wir Gott und die Pracht des Jenseitigen erfahren, dann möchten wir das natürlich mit unseren Lieben teilen oder eben mit Jemandem, der staunend von diesen Mysterien angezogen wird.

Aus diesem Grund haben die spirituellen Meister, die Heiligen und die Gründer der verschiedenen Religionen ihre göttlichen Enthüllungen nicht für sich behalten, sondern mit den Menschen ihrer Zeit geteilt. Es ist eine schöne Belohnung, zu sehen wie Suchende oder sogar Skeptiker durch ihre Meditationserfahrung Frieden, Freude und Glück bis hin zu ekstatischer Liebe erleben. Wie eine entzündete Lampe erhellen sie dann ihre Umgebung und andere sind inspiriert, auch die spirituelle Dunkelheit zu verlassen. Nach und nach erleuchten immer mehr Lampen, bis die ganze Welt ihr spirituelles Leid überwindet, das durch all die unbeantworteten, herzverzehrenden Fragen entstand. Dieser Welleneffekt vermag die Welt in einen Ort des Lichts, der Freude, der Liebe und des Glücks zu verwandeln.

Sie lehren eine besondere Form der Meditation auf das innere Licht und den inneren Klang. Könnten Sie erklären, worum es dabei geht?

Die Methode der Meditation auf das innere Licht und den inneren Klang wird Jyoti Meditation (auf das innere Licht), Shabd Meditation (auf das innere Licht und den inneren Klang) oder Surat Shabd Yoga genannt. Surat steht für unsere Aufmerksamkeit, Shabd bezeichnet das innere Licht und den inneren Klang, Yoga bedeutet Vereinigung. Es geht also um den Prozess, unsere Aufmerksamkeit, die der äußere Ausdruck unserer Seele ist, mit dem inneren Licht und Klang zu vereinen. Es ist eine einfache Methode, die ohne schwierige Körperhaltungen oder Rituale auskommt, also von Menschen jedes Alters, jeder gesundheitlichen Verfassung und jedes kulturellen oder religiösen Hintergrundes ausgeübt werden kann.

Um es auszuprobieren setzt man sich bequem hin, so dass man die Position lange halten kann. Dann schließen wir sanft die Augen, als würden wir schlafen wollen. Es sollte keine Spannung und kein Druck auf den Augen sein. Die Augen sollten gerade nach vorne schauen. Man schaut in die Mitte dessen, was vor einem liegt. Es sind nicht die physischen Augen, die jetzt sehen. Es ist vielmehr die Seele, oder die Aufmerksamkeit, die wachsam schaut. Um das Denken daran zu hindern, uns mit unerwünschten Gedanken abzulenken, bekommen wir für diese Art der Meditation vom spirituellen Lehrer fünf Namen, die mental wiederholt werden. Die Wiederholung beschäftigt das Denken, so dass es unseren Blick nicht ablenkt.

Wer diese Meditation erst einmal für sich testen will, der kann die Einführungsvariante der Jyoti Meditation versuchen, um einen Eindruck von diesem Prozess zu gewinnen. Dazu wiederholt man einfach irgendeinen Namen Gottes, mit dem man sich vertraut fühlt. Der Begriff wird in Gedanken wiederholt, langsam und mit einer kurzen Pause dazwischen – aber nicht zu langsam, dass das Denken wieder Raum hat, um uns abzulenken – und nicht zu schnell, dass die Wiederholung durcheinander gerät. Wir beginnen Licht im Inneren zu sehen oder können eine Vielfalt von spirituellen Visionen haben. Diese Erlebnisse erfüllen uns mit Freude und Frieden, machen uns unser wahres Selbst als Seele bewusst und uns werden die spirituellen Bereiche in uns klar.

Interview mit dem Meditationsmeister Sant Rajinder Singh
Sant Rajinder Singh

Hat diese Meditationsform auch alltägliche Vorteile für jemanden, der vielleicht gar nicht auf der spirituellen Suche ist?

Die Meditation hat »Nebeneffekte«, die sehr nützlich für die Gesundheit und das Berufsleben sein können.

Die Meditation hat »Nebeneffekte«, die sehr nützlich für die Gesundheit und das Berufsleben sein können. Sie bewirkt eine friedliche Stimmung und beeinflusst die Gehirnwellen positiv. Sie entspannt Körper und Geist. Damit verringert sich das Risiko von stressbedingten Krankheiten, wie beispielsweise Herz- und Atemprobleme, Migräne und Verdauungsprobleme. Außerdem steigert sich die Konzentrationsfähigkeit. Dadurch arbeiten wir fokussierter und effektiver. Mit größerer Gelassenheit und höherer Konzentration kommen wir mit dem Zeitdruck und den hohen Erwartungen in der Arbeitswelt viel besser klar und sind gut gewappnet.

Was sind die größten Hürden für Anfänger und wie kann man sie überwinden?

Ich bin für eine positive Mystik, bei der man sich nicht von der Welt zurückzieht, sondern all seinen täglichen Pflichten nachkommt

Es gibt eigentlich keine Hürden, bis auf die, die wir uns selbst bauen. Da wären zunächst all die Aktivitäten, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dann von der Meditation ablenken. Ich bin für eine positive Mystik, bei der man sich nicht von der Welt zurückzieht, sondern all seinen täglichen Pflichten nachkommt und daneben einen Platz für die Meditation frei hält und sich die Zeit dazu nimmt. Zu einem voll entfalteten Menschen gehört eben nicht nur eine körperliche, emotionale und intellektuelle Entwicklung, sondern auch eine spirituelle.

Wenn wir uns die Zeit für die Meditation tatsächlich nehmen, kommt das zweite Hindernis ins Spiel: Die Ablenkung durch unsere Gedanken. Hier hilft bei der Jyoti Meditation die Wiederholung eines göttlichen Namens. Die Wiederholung fesselt die Aufmerksamkeit, so dass nichts den inneren Blick stört.

Warum spielt für Sie gerade die Meditation eine wichtige Rolle in der heutigen Zeit, in der die Menschen sich mit vielen privaten, sozialen und wirtschaftlichen Problemen auseinandersetzen müssen?

Meditation beruht zwar auf einer sehr alten Tradition, wirkt aber in der modernen von Problemen überladenen Zeit noch immer Wunder. Meditation löst die Probleme nicht auf. Sie erhebt uns vielmehr auf eine andere Position, wo uns die Auswirkungen unserer Probleme nicht mehr so mitnehmen. Während der Meditation erleben wir Liebe, Glück und Freude, so dass unser Leid in diesem Moment vergessen ist. Wenn wir aus der Meditation wieder in den Alltag kommen tragen wir diese Freude mit uns durch den Tag. Wir haben eine neue Perspektive gewonnen und spüren, dass alle Kämpfe nur temporär sind. Wir haben durch die Meditation einen Zufluchtsort des ewigen Friedens gefunden, den wir jederzeit wieder besuchen können.

Sie haben früher als Elektroingenieur in der wissenschaftlichen Forschungsabteilung eines großen amerikanischen Konzerns gearbeitet. Wie passen Wissenschaft und Spiritualität zusammen?

Wissenschaft und Spiritualität wollen beide die großen Mysterien des Lebens klären und benutzen dazu lediglich verschiedene Methoden

Wissenschaft und Spiritualität wollen beide die großen Mysterien des Lebens klären und benutzen dazu lediglich verschiedene Methoden. Die Meditation auf das innere Licht und den inneren Klang ist eine Wissenschaft, in der wir sozusagen im inneren Labor Experimente machen. Jeder kann dieses Experiment für sich selbst überprüfen und entscheiden, ob es für ihn nützlich ist.

Eines Ihrer Anliegen ist der interreligiöse Dialog und Sie haben zu diesem Thema einige Konferenzen geleitet. Außerdem waren Sie Hauptredner mehrere Friedenskonferenzen, darunter der Millennium Weltfriedensgipfel der Vereinten Nationen. Was ist Ihre Einschätzung, wie Frieden in der Welt zu einer Realität werden kann?

Ich glaube daran, dass Friede in jedem Einzelnen beginnt. Der Friede im eigenen Inneren strahlt auf andere aus und hat seine Wirkung. Der eigene Friede inspiriert die anderen, selbst Frieden zu finden, selbst in diesen kraftvollen Zustand der liebevollen Gelassenheit zu kommen. So setzt ein Dominoeffekt ein und immer mehr Menschen genießen Frieden, bis die ganze Welt damit angesteckt ist und neu erblüht.

Die Konferenzen, die Sie angesprochen haben, spielen dabei eine wichtige Rolle. Dort tauschen sich beispielsweise Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen aus und die Einheit hinter der Verschiedenheit wird Ihnen deutlich. Sie verstehen sich gegenseitig besser und tragen diese Erkenntnis als ein Stückchen Frieden in ihr Land.

Was ist in Ihren Augen wahres Glück? Und haben Sie vielleicht drei Empfehlungen, wie man es gewinnt?

Wahres Glück findet man also, indem man sich selbst und Gott erkennt und die Seele sich während dieses Lebens mit Gott wieder vereint

Die meisten Dinge und Aktivitäten machen nur vorübergehend glücklich. Reichtum, Ruhm, Macht, Beziehung – alles kann man wieder verlieren. Spätestens wenn wir diese Welt verlassen. Wahres Glück muss also etwas sein, das bleibt und auch mit dem Tod nicht vergeht. Wir finden es durch Meditation im Inneren. Dann kommen wir in Kontakt mit unserer Seele, mit dem inneren Licht und dem inneren Klang, mit dem Göttlichen. Diese bleibende Essenz ist immer in uns und kann nicht zerstört werden oder verloren gehen. Das kann uns niemand nehmen, egal was im Außen passieren mag.

Wahres Glück findet man also, indem man sich selbst und Gott erkennt und die Seele sich während dieses Lebens mit Gott wieder vereint. Das ist in der Meditation möglich, als eine persönliche, reale Erfahrung. Schon die griechischen Philosophen haben empfohlen »Erkenne Dich selbst«. Sich selbst zu erkennen bedeutet, die wahre Essenz, die Seele als Teil des Göttlichen zu erfahren. Die Seele ist immer in einem Zustand göttlicher Liebe, Freude und Glückseligkeit. Wenn wir in diesen Zustand eintauchen wird unser Leben unbeschreiblich bereichert.

Das Interview führte Kirsten Loesch

Sant Rajinder Singh widmet sein Leben der Meditation, die er in seiner Heimat Indien von dem großen Poeten Sant Darshan Singh und seinem Großvater Sant Kirpal Singh erlernt hat. Der 1946 geborene IT- und Kommunikationswissenschaftler lebt in Neu Delhi, Indien und in Chicago, USA. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als erfolgreicher Buchautor und Meditationslehrer hält er weltweit Vorträge. Seine Bücher und Publikationen sind in über fünfzig Sprachen übersetzt. Sant Rajinder Singh ist Hauptredner bei angesehenen internationalen Konferenzen, wie unter anderem bei der Eröffnungssitzung des Millennium-Weltfriedensgipfels der Vereinten Nationen und der Jubiläumsfeier für das 50jährige Bestehen der Vereinten Nationen in New York. Er ist Vorsitzender der Human Unity Konferenz zur Einheit der Menschen. Innerhalb seines Engagements für die Verständigung unter den Menschen trifft Sant Rajinder Singh mit vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zusammen, so mit Papst Johannes Paul II, dem Dalai Lama und Bill Clinton. Sant Rajinder Singh erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter einen Friedenspreis, der ihm 1997 vom Interfaith Center von New York und dem Temple of Understanding im Rahmen der NGOs der Vereinten Nationen überreicht wurde. Sant Rajinder Singh verdient seinen Lebensunterhalt selbst. Seine Vorträge und Meditationseinführungen sind kostenlos.

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