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Interview mit Naamleela Free Jones über Adi Da Samraj

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Interview mit Naamleela Free Jones über ihren Vater Adi Da Samraj
Adi Da Samraj. Foto: Naamleela Free Jones
und Da Plastique, USA

Transzendentaler Realismus

In San Franscisco sprach Marcelle De Michiel mit der Musikerin Naamleela Free Jones, einer der drei Töchter des 2008 verstorbenen Crazy-Wisdom-Lehrers Adi Da Samraj, über ihr Leben und die musikalisch-künstlerische Zusammenarbeit mit ihrem Vater...

 

Die Kunst des in New York geborenen Künstlers und spirituellen Lehrers Adi Da Samraj steht für den beharrlichen Ausdruck der Natur der Wirklichkeit und dessen Wahrnehmung in der Kunstwelt. Seine Werke wurden u.a. auf der Biennale Venedig, der Sundaram Tagore Gallery in New York und Los Angeles, im Kemper Museum of Contemporary Art Missouri, bei Louise Stern Fine Arts LA sowie auch in der Saatchi Gallery in London ausgestellt. Vom 24. Mai bis 29. Juni 2014 ist eine umfangreiche Einzelausstellung mit Fotografien der Suite »Quandra Loka« von Adi Da Samraj in der Galerie Pien Rademakers in Amsterdam zu sehen.

Im Kern seiner Kunst befasst sich Adi Da mit Schönheit, Ästhetik und Ekstase. Seine Bilder zeigen den Raum jenseits der eigenen Sichtweise, den Zustand von Einheit im Sinne einer vom Ego befreiten Teilnahme an der Wirklichkeit. Sie drücken die Realität in der grobstofflichen, feinstofflichen, kausalen und transzendentalen Natur des Menschen aus. Die Betrachtung seiner monumentalen Werke und multimedialen Großleinwandinszenierungen führen zu Fragen wie: Was ist die wahre Natur der Wirklichkeit? Was ist der Ursprung des Leidens? Die Kunst wird dabei zum Anstoß, über die Enge und die Begrenztheit der eigenen Sichtweise hinauszugehen.

Die Idee bildende Kunst, Tanz und Musik auf der Bühne miteinander zu vereinen ist vergleichbar mit dem »Balletts Russes« in Paris des 20. Jahrhunderts, von Sergej Diaghilews. Keine andere Ballettcompany der damaligen Zeit stellte derart erfolgreich Tanz der klassischen Musik und den Werken von Künstlern wie Picasso, Coco Chanel oder Miro gegenüber.

Naamleela, du bist ausgebildete Pianistin und Musikerin. Derzeit studierst du an der UC Berkeley in San Francisco Religionswissenschaften. Dein Vater ist der Künstler und spirituelle Lehrer Adi Da Samraj. Aufgewachsen bist du in einem Aschram auf der Insel Naitauba in Fidschi. Du blickst auf ein bewegtes Leben zurück. Wie hast du deine Kindheit in Erinnerung?

Ich habe sehr glückliche Erinnerungen an meine Kindheit, die mich zutiefst das spirituelle Leben schätzen lehrte und mir bis heute Inspiration ist, mein Leben der spirituellen Praxis und Kunst zu widmen. Ein Teil meiner Bildung, die ich während meiner Kindheit und meinen Jugendjahren erhielt, war neben der spirituellen Praxis und den Wissenschaften die Sakrale Kunst. Mit fünf Jahren begann ich Klavier zu spielen und wurde in Gesang und Musikkomposition gefördert. Die Art und Weise wie ich musikalisch ausgebildet wurde, war stets eine Anrufung des Göttlichen. Es ging dabei nicht nur um die bloße Leistung. Mein Vater Adi Da Samraj lehrte mich, dass wahre sakrale Kunst ekstatisch ist.

Deine Musik berührt sehr. Mit deinem Background sehe ich dich als einen Teil der Weltfriedensbewegung. Wie beschreibst du deine Arbeit?

Interview mit Naamleela Free Jones über ihren Vater Adi Da Samraj
Foto: Naamleela Free Jones und Da Plastique, USA

Danke für das Kompliment. In der Musik meiner neuen CD »In The Time of Light« beschäftige ich mich mit dem Thema Non-Dualität. Mein Vater definierte Non-Dualität als »Nicht-Zwei«. Diese Botschaft von ihm über das wichtige spirituelle Prinzip des Einheitsbewusstseins inspiriert mich zutiefst. 2013 hatte ich das Glück, die Musik für die Multimedia-Oper »Not-Two Is Peace« in Florenz zu komponieren, gemeinsam mit dem Florentiner Musiker Andrea Portera. Durch Musik fühle ich, wie die universelle Kraft von Schönheit Grenzen überschreitet und uns mit der Tatsache verbindet, dass im Universum alles Eins ist – jenseits von Worten. Ich werde mich weiterhin bemühen Wege zu finden, Frieden und Einheitserfahrungen durch Kunst auszudrücken, denn ich denke, dass diese Formen von Kommunikation in der heutigen Zeit immer wichtiger werden.

Die Multimedia-Ballettproduktion »Not-Two Is Peace« in Florenz ist einzigartig. Eine Oper im Namen des Friedens begleitet von klassischer Musik, Ballett und der multimedialen Bildkunst von Adi Da projiziert auf Großleinwand, im ältesten Opernhaus Italiens, dem Teatro della Pergola. Wie kam es dazu?

Ja, das stimmt! Ich war sehr glücklich über dieses Konzept und die Vision dieser Aufführungen. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit des Choreographen Keith Ferrone und Marga Nativo der künstlerischen Direktorin des zwanzigköpfigen Ensemble der Florence Dance Company. Das Konzept einer multimedialen Operninszenierung entwickelten mein Vater und Keith im Jahre 2007. Seither fanden über 60 Aufführen statt. Die jüngste Inszenierung»Not-Two Is Peace« fand im März 2013 in einem Opernhaus von großer historischer Bedeutung und Schönheit statt. Auch Mozart debütierte im Teatro della Pergola mit vielen seiner Werke. Als klassisch ausgebildete Pianistin war es extrem spannend für mich, das Orchester zu begleiten, und natürlich war ich sehr stolz, die Suite »Transzendentale Realität« meines Vaters in der multimedialen Großleinwandprojektion zu sehen. Die Aufführung brachte die Zuschauer in einen Prozess vom ursprünglichen Zustand der Einheit, zu den Auswirkungen der Illusion von Getrenntheit und Konflikt, und wieder zurück in den Zustand der Einheit.

Wird es weitere Aufführungen geben?

 

Ja, es sind weitere Produktionen für 2015 geplant. Die genauen Daten werden noch bekannt gegeben.

Interview mit Naamleela Free Jones über ihren Vater Adi Da Samraj
Foto: Naamleela Free Jones und Da Plastique, USA

Adi Da Samraj hat den Begriff »Transzendentaler Realismus« geprägt. Wie sind deine Erfahrungen damit?

Transzendentaler Realismus ist ein Begriff den Adi Da für seinen künstlerischen Prozess prägte. Er kommuniziert damit die Absicht hinter seiner Arbeit. Er benutzte diesen Ausdruck, um die Illusion der Getrenntheit, die Ego-Sichtweise, durch das Medium Kunst zu untergraben und dem Betrachter zu ermöglichen, die Annahme des Getrennt-Seins zu transzendieren, zu erahnen was wirklich wahr und wichtig ist. Viele Erfahrungen mit dem transzendentalen Realismus erlebte ich in meiner Beziehung zu ihm. Manchmal, mitten im Schaffensprozess seiner künstlerischen Arbeit, ließ er mich diese Erfahrung durch die Musik ausdrücken. Erörterten wir musikalische Projekte, stellte er meine Ideen häufig so auf den Kopf, dass ich mich intuitiv diesem Zustand von Bewusstsein öffnen konnte. Dabei ging es um die Entwicklung der Technik, das Ego immer wieder loszulassen – in einer Art Kommunikation mit der Transzendenz, durch Kunst. Um wirklich solche Kunst zu machen, muss man komplett »aus dem Weg gehen«. Man muss die Begrenzung der eigenen Ego-Sichtweise erkennen. Ich hatte das große Glück seine künstlerischen Werke über Spiritualität und Kunst viele Jahre zu erleben. Er zeigte mir, was bedingungslose Liebe wirklich bedeutet. Bis heute beeinflusst er mein Leben, ob persönlich, spirituell oder kreativ. Es existieren noch einige musikalische Projekte die wir zusammen erarbeiteten. Ich hoffe, diese eines Tages zu vervollständigen und tue, was ich kann, um seine Weisheit in meiner Arbeit weiterzugeben.

Interview mit Naamleela Free Jones über ihren Vater Adi Da Samraj
Foto: Naamleela Free Jones
und Da Plastique, USA

Wer inspiriert dich?

Offensichtlich ist die wichtigste Inspirationsquelle in meinem Leben Adi Da und seine Lehre über das Bewusstsein, die Schönheit und den gesamten spirituell-transzendenten Prozess. Musikalisch bin ich von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Philipp Glass und Brian Eno inspiriert. Außerdem liebe ich Menschen, die Schönheit außerhalb des üblichen Rahmens erschaffen durch unerwartete Gegenüberstellungen, wie Björk oder Nitin Sawhney. Ganz aktuell inspiriert es mich in Gesprächen mit den Studenten der UC Berkeley San Francisco über die heutigen Fragen der Spiritualität in der Kunst und der Gesellschaft zu reflektieren und die Welt um uns herum zu hinterfragen.

Das Interview führte Marcelle De Michiel, Journalistin, lebt in Berlin. www.black-production.com

Adi Da Samraj, geboren 1939 in Long Island-New York, hinterließ ein großes künstlerisches, literarisches und spirituelles Gesamtkunstwerk. In monumentalen Bildwerken experimentierte er mit fotografischen und auch digitalen Techniken, durch die er seine Spiritualität und Philosophie ausdrückte. Das Lebenswerk von Adi Da Samraj ist eine Wirklichkeits-Untersuchung sämtlicher menschlicher Lebens- und Erfahrungsbereiche. Von ihm wurden über 60 Bücher publiziert. Sein Einfluss prägte u.a. auch Ken Wilber, den Begründer der Integralen Theorie, und auch den visionären Künstler Alex Grey. Im Jahr 2008 verstarb Adi Da in seinem Ashram in Fidschi im Alter von 69 Jahren.

   
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