Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Interviews

Interview mit Ute Stallmeister über Ursache und Folgen des Wachstums der Weltbevölkerung

Details

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
© Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

»Investition in Familienplanung ist wirtschaftlich sinnvoll«

Jede Sekunde wächst die Weltbevölkerung um 2,6 Menschen. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet das, dass in einem Jahr über 80 Millionen Menschen mehr auf der Welt leben. Die Hauptlast dieser rasanten Bevölkerungszunahme tragen die Entwicklungsländer, wo die Zahl der Menschen bis zum Jahr 2050 um 2,3 Milliarden wachsen wird  von heute 5,6 Milliarden auf voraussichtlich 7,9 Milliarden Menschen. Ute Stallmeister von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) über das Wachstum der Weltbevölkerung, die Ursachen und Folgen sowie Möglichkeiten, dieses Wachstum zu verlangsamen.

Welche Aufgaben hat die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)?

Die DSW will Menschen helfen, sich selbst aus der Armut zu befreien. Deshalb unterstützen wir Familienplanungs- und Aufklärungsprojekte in Afrika und Asien. Denn nur, w enn Menschen sich vor ungewollten Schwangerschaften und HIV/Aids schützen können, haben sie die Chance auf ein gesundes und besseres Leben. Jugendliche spielen dabei eine besondere Rolle. Denn sie sind die Eltern von morgen und der Schlüssel zur Entwicklung ihres Landes. In unseren Jugendklubs erfahren die Jugendlichen von geschulten Altersgenossen, wie sie sich vor ungewollten Schwangerschaften und einer Ansteckung mit HIV/Aids schützen können.

Die Bevölkerung Afrikas hat in diesen Tagen die Eine-Milliarde-Marke erreicht und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Bevölkerung des Kontinents voraussichtlich verdoppeln. Was hat das für Konsequenzen?

Das rasante Bevölkerungswachstum erhöht den Druck auf die knappen Ressourcen und auf die oft überlasteten Bildungs- und Gesundheitssysteme in den ärmsten Ländern der Welt. Dadurch verschlechtert sich die Lebenssituation der ohnehin schon in Armut lebenden Menschen. Konflikte um Land, Wasser, Energie und andere Ressourcen nehmen zu. Somit erschwert die schnelle Bevölkerungszunahme in den Entwicklungsländern den Kampf gegen Armut und Hunger.

Warum wächst die Bevölkerung in Afrika und dritte Welt Ländern schneller als in Europa?

Einer der Hauptgründe für das anhaltende Bevölkerungswachstum in Afrika, aber auch in anderen armen Ländern ist der fehlende Zugang zu Familienplanung, insbesondere zu modernen Verhütungsmitteln. 200 Millionen Frauen würden gern verhüten, haben aber keine Möglichkeit dazu. Allein in den Entwicklungsländern werden jedes Jahr 76 Millionen Frauen schwanger – das entspricht in etwa der Zahl, um die die Weltbevölkerung jährlich wächst. Viel wäre erreicht, wenn alle, die verhüten wollen, die Möglichkeit dazu bekämen.

Kondome verteilen und Aufklärungsarbeit leisten reicht anscheinend nicht, um die Bevölkerungsexplosion zu stoppen. Was ist notwendig, um das Wachstum zu verlangsamen oder gar zu stoppen? Wie viel Menschen verkraftet unser Planet?

Logo Deutsche Stiftung Weltbevökerung

Wenn wir das Bevölkerungswachstum verlangsamen und damit Armut und Hunger verringern wollen, müssen Familienplanung, Aufklärung und Gesundheitsfürsorge für Frauen stärker gefördert werden. Denn die Entscheidung von Frauen über die Anzahl ihrer Kinder hat unmittelbare Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum. Investitionen in Familienplanung sind auch wirtschaftlich sinnvoll, weshalb sie sich gerade in Krisenzeiten lohnen. Jeder Euro, der in Familienplanung investiert wird, spart bis zu 31 Euro für die Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen wie Bildung, Abwassersysteme und Wohnraum.

Wie viele Menschen die Erde verkraftet, hängt ganz entscheidend davon ab, wie wir Menschen auf unserem Planeten leben. Eine Welt, in der fast sieben Milliarden Deutsche lebten, wäre schon heute nicht mehr „erträglich“. Fest steht, dass viele natürliche Ressourcen wie Wasser und Land begrenzt sind. Immer mehr Menschen stehen in Zukunft daher immer weniger nicht erneuerbare Ressourcen zur Verfügung. Auf der anderen Seite besteht noch ein immenses Potenzial, natürliche Ressourcen wie Wasser und Energie wirkungsvoller zu nutzen.

- das Gespräch führte Oliver Bartsch

Ute Stallmeister (37) studierte Politikwissenschaft, Publizistik und Wirtschaftspolitik an der Universität Münster; ein Auslandsjahr absolvierte sie am Luther College in Decorah (USA). Nach rund zweijähriger Tätigkeit in einer Düsseldorfer PR-Agentur war sie über vier Jahre lang Zweite Sprecherin im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Anschließend betreute sie mehrere öffentlichkeitswirksame Projekte beim Niedersächsischen Landesamt für Verfassungsschutz. Bei der DSW ist Ute Stallmeister seit Juli 2007 als Pressesprecherin tätig.

Links

   
© Connection AG 2015