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Interview mit Anubuddha und Anasha über Rebalancing

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Anubuddha und Anasha
Anubuddha und Anasha

Bewusste Berührung

Anubuddha und Anasha haben über 30 Jahre Erfahrung in Körpertherapie, Yoga und Meditation. Sie lehren in Indien, Japan, Thailand, Europa und in den USA. Beide vermitteln leidenschaftlich, liebevoll und leicht verständlich die Essenz von Meditation und »Bewusste Berührung«. Anubuddha hat, unter Oshos persönlicher Anleitung, die »Osho Academy for Healing Arts« und »Osho Rebalancing« mit entwickelt und aufgebaut. Osho hat selbst in über 150 Sitzungen Anubuddhas Arbeit am eigenen Körper erlebt. Silvia Merkle-Schmidt sprach mit den beiden Körpertherapeuten über ihre Arbeit...

Du bist als Bodyworker auf der ganzen Welt bekannt und geschätzt. Kannst Du etwas sagen über deinen Werdegang vom kalifornischen Athleten zu Oshos privatem Bodyworker und dann zum Leiter von Berührungs/Meditationsgruppen in der ganzen Welt?

Von frühester Kindheit an war mein Leben immer mit Sport verknüpft - in meiner Erinnerung sind viele schöne Erlebnisse mit irgendeiner Art von Bewegung verbunden. Ich wuchs in Kalifornien auf und liebte die Wellen und das Surfen und wie ich das heute sehe, liebte ich an jeder Art von Bewegung, dass sie mich in den Moment und in meine Energie brachte.
Nach der Schulzeit suchte ich nach einem Weg mit meiner Körperenergie verbunden zu bleiben und meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich fing an Sport zu studieren, aber irgendwie war das nicht so ganz das richtige. Eines Tages, in einer Vorlesung über Yoga, gab uns ein Mann aus Indien eine Demonstration des »Sonnengrußes«. Obwohl er schon ein älterer Herr war, ungefähr 40, (Anubuddha lacht: »ich bin jetzt 57«) bewegte er sich so geschmeidig und ich war sehr beeindruckt.

Ich begann mich nach Yoga zu erkundigen und ein Buch fiel mir in die Hände. Ich fing an, die dort beschriebenen Asanas zu üben und war begeistert davon. Zu dieser Zeit war ich Mitglied im Basketball Team der Uni San Diego und ich nahm die Yogaübungen mit in mein Trainingsprogramm. Yoga gab mir etwas, was die athletischen Übungen mir nicht geben konnten. Ich konnte sehen, wie Yoga mich nach innen brachte und das fand ich außerordentlich interessant.
Einige Jahre lang übte ich Yoga jeden Tag nur alleine, weil damals Yoga noch nicht sehr verbreitet war. Dann gab es in San Diego eine Yoga Einführung von einem Mann, einem Swami. Es war kein Inder, sondern ein rothaariger Amerikaner, 28 Jahre alt und Schüler Oshos. Er unterrichtete Yoga auf eine wunderschöne, eingfühlsame Art und er hatte ein Institut in San Diego, das ich von da an besuchte. Dadurch kam ich in Kontakt mit Baghwan Shree Rajneesh und Oshos aktive Meditationen haben mich vom ersten Moment an gepackt. Ich war tief berührt von dem, was durch den Körper geschehen konnte. Zwar hatte ich gewusst, dass ich mit dem Körper Spaß haben konnte, aber bis dahin hatte ich nie realisiert, dass der Körper die Tür zu meinem Inneren sein konnte.

1973 hatte ich mit Yoga begonnen und nun, zwei Jahre später, wollte ich Osho kennen lernen. Er lebte in Indien und zu der Zeit war noch keiner meiner Freunde je dort gewesen, aber in mir reifte der Wunsch, ihn zu treffen. Zur damaligen Zeit arbeitete ich als Immobilienmakler und einer der Sannyasins, die ich kannte, sprach davon, dass sie ein Stück kaufen wollten. Nachdem das ja mein Gebiet war, konnte ich ein Grundstück in der Wüste außerhalb von Los Angeles vermitteln, das später das »Geetam« wurde, in den Siebzigern das größte Osho-Center in den USA. Sobald alles unter Dach und Fach war und wir ungefähr einen Monat dort gelebt hatten, ging ich nach Indien.

War damals in Pune Bodywork schon populär?

In Pune eröffnete sich mir ein weites Feld von Körperarbeit. Ida Rolf (Rolfing) hatte zu dieser Zeit schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Ebenso kam ich in Berührung mit der Arbeit von Milton Trager, Moshe Feldenkrais, Reflexologie und Polarity, der Arbeit von Randolph Stone, Jack Painter und Postural Integration. Ich war wie hypnotisiert, als ich sah, was durch Berührung alles möglich ist und ich wollte alles darüber lernen. Es war zwar die Zeit der sexuellen Revolution, aber es gab in den Siebzigern nicht wirklich Massagen  all die therapeutische Körperarbeit find gerade erst an sich auszubreiten. Ich könnte stundenlang darüber reden, wie wunderbar es für einen 24 Jahre jungen Kalifornier war, nach Indien zu gehen, in Oshos Ashram. Zur gleichen Zeit lernte ich Yoga mit B.K.S.Iyengar, der auch in Pune war. Dies hat zwar mein Verständnis des Körpers und des Yoga bereichert, aber es berührte mich nicht so stark, wie das, was ich im Ashram erlebte: Energiearbeit, Chakraarbeit, Rolfing, Postural Integration - alles womit ich in Berührung kam, hatte eine starke Wirkung auf mich.

Wahrscheinlich ist es einfach so, dass man das, was man wirklich gut findet, lernen möchte. Jedenfalls ging ich nach drei Monaten in Indien zurück in die USA und schrieb mich sofort in San Francisco bei einem Institut ein, das deep bodywork lehrte. Danach ging ich zurück ins Geetam und begann allen, die da lebten, Sessions zu geben. Für mich war Berührung immer mit Meditation verbunden, da die Leute, die in meine Sessions kamen, ja auch alle meditierten. Sie liebten meine Sessions und sagten, dass sich damit auch ihre Meditation vertiefte und ich erlebte das genauso: wenn mein Körper entspannt und bewusster wurde, dann veränderte sich auch die Meditation. Sogar meine Yogaübungen waren nach einer guten Session anders.

Ich wollte mehr lernen, also ging ich ungefähr zwei Jahre später wieder nach Indien. Dann traf ich einen Mann aus Milton Tragers engstem Kreis von dem ich diese Technik lernte, diese leichte, »flüssige« Art zu berühren, die mich ebenfalls begeisterte. Damals gab es eine große Kontroverse zwischen den Vertretern der tiefen Körperarbeit, die der Meinung waren, dass nur Druck die Körperstruktur verändern könne und dass Traggering zwar angenehm aber wirkungslos sei, während die Gegenpartei behauptete, dass Druck Angst oder Spannung im Körper erzeugt. So war ich mit zwei gegensätzlichen Systemen in Kontakt gekommen und fand beide faszinierend. Dann gab es auch noch die Chakra Arbeit, bei der kaum Druck spürbar war und bei der ich mich danach dennoch sehr verändert fühlte. Auch von den Shiatsu Leuten aus dem fernen Osten, die wieder ganz anders berührten, konnte ich lernen. Und ein bisschen später dann auch Cranio Sacral Therapie. Es gab also eine Vielzahl von Systemen, die jedoch alle nach innen führten.

Abtei Münsterschwarzach
Bewusste Berührung

Wie ist Rebalancing entstanden?

Allmählich begannen sich Ost und West und die verschiedensten Stilrichtungen zu vermischen und 1979 schrieb ich an Osho: »Können wir unsere Arbeit nicht irgendwie anders nennen?« Wir machten schon lange nicht mehr das, was wir ursprünglich gelernt hatten und es war noch nirgends die Rede von dem Körper als organische Einheit, davon, welche Wirkung Berührung mit Liebe auf den Körper hat. Osho antwortete: »Just wait, it is on the way.« Neun Monate später sagte er, wir sollten die Arbeit »Rajneesh Rebalancing« nennen und so entwickelten wir die Trainings und begannen 1980 mit Rebalancing.

Es war die erste wirkliche Verbindung von deep touch, sanfter Berührung, fließender Berührung und Meditation, wobei immer im Vordergrund stand, den Körper zu lieben und sich des Körpers bewusster zu werden. Ich glaube nicht, dass es vor Rebalancing je eine Form gab, die all das absichtlich zusammenführte. So blieb ich also 12 Jahre lang bei Rebalancing und nannte meine Arbeit auch so. In diesen 12 Jahren habe ich ungefähr 10.000 Sessions gegeben und 1000 Rebalancer ausgebildet. Wer damals bei Osho war, weiß, dass wir ohne Ruhetag gearbeitet haben. Die Leute liebten meine Sessions hauptsächlich, weil sie es liebten zu meditieren und in meiner Art zu berühren war Meditation immer ein Teil davon. Es ging nicht nur darum, deine Gefühlswelt zu heilen oder sich um deinen Schmerz zu kümmern, auch wenn all das auch passierte, fast als Nebeneffekt.

Bodywork war also nie Selbstzweck für Dich?

Nein, es war eigentlich nie so was wie Bodywork für mich. Ich habe Probleme mit diesem Wort, weil ich nie ein Body-Worker war. Die Leute beschreiben mich halt so.

Wie hast du Anasha, deine Partnerin, kennen gelernt?

Anasha und ich trafen uns, als Osho die Ranch verließ. Anasha kommt von einem ganz anderen Hintergrund, sehr tief und sehr schön. Als wir zusammen kamen, haben wir uns erst mal verliebt. Das heißt gleich von Anfang an »we were rising in love«. Osho hat über den Unterschied gesprochen von »falling in love« und »rising in love«. Also wir wuchsen miteinander und wir wachsen weiter. Wir sind jetzt seit 24 Jahren zusammen  lange Zeit, hm? Als ich ihr begegnete, änderte auch das wieder meine Art zu berühren. Für sie war Bewusstsein immer das wichtigste beim Berühren.

War das auch die Zeit, in der du anfingst, Osho Sessions zu geben?

Das war, was ich weitergeben wollte - wie eine bewusste Berührung das Bewusstsein wachsen lassen kann.

1988 hatte Osho Schwierigkeiten mit seinem Gleichgewichtssinn. Nachdem er in den USA verhaftet gewesen war, hatte er sich nie wieder völlig wohl in seinem Körper gefühlt. Die Amerikaner hatten ihn 12 Tage, die Hälfte davon wissen wir weder wo er war, noch was sie mit ihm gemacht haben. Osho sagte, sein Gleichgewichtssinn war nie wieder ganz in Ordnung und er hatte immer Schmerzen in seiner rechten Schulter. Er ließ mich für eine Session holen. Und innerhalb von drei Tagen nach der Session war er soweit ok, dass er wieder rauskommen und zu uns sprechen konnte.

Er wollte dann weiterhin Sessions nehmen und dass ich ihm helfe, seinen ganzen Körper zu checken, die Wirkungen der Vergiftung zu entdecken. In den nächsten zwei Monaten gab ich ihm täglich mindestens eine Session und in den folgenden neun Monaten ungefähr 150 Sessions. In dieser Zeit entfernte ich mich allmählich vom Rebalancing und es entwickelte sich das, was ich heute »Arun Conscious Touch« nenne. Während ich mit Osho sein und mit ihm sprechen konnte, musste ich vieles von dem fallen lassen, was ich vorher gelernt hatte und sah anderes in einem völlig neuen Licht. Osho sprach oft über Bewusstsein und über Berührung und diese beiden Begriffe zusammen, das war, was ich weitergeben wollte - wie eine bewusste Berührung das Bewusstsein wachsen lassen kann.
Dann verließ Osho seinen Körper. Ein Jahr später hörte ich auf mit Rebalancing und auch mit Cranio, das ich zu der Zeit ebenfalls unterrichtete. Anasha und ich warteten eine Weile und begannen dann mit dem, was wir damals Osho Conscious Touch nannten. Seit 35 Jahren erforschen wir beide Berührung und Meditation und es geht immer weiter.

Wie unterscheidet sich deine Methode von anderen Bodywork Richtungen?

Wir berühren den Körper, um den Leuten zu helfen, ihren Körper von innen zu sehen.

Als wir beide in der Kommune waren, gab es ein sehr großes Therapieangebot. Aber wer Osho zugehört hat, muß ihn viele Male sagen gehört haben  jedenfalls habe ich das oft so gehört  »ich erlaube Therapie nur soweit sie den Leuten hilft zu Meditation zu kommen«. Aber die Therapieangebote waren halt sehr populär, weil die Leute da die stärksten und eindrücklichsten Erfahrungen gemacht haben. Ich war nach ein paar Gruppen geheilt von Therapie und sah für mich keine Notwendigkeit das weiter zu machen.

Ich denke nicht therapeutisch und ich denke nicht in Systemen. So wie ich von Osho gehört habe »wir nutzen Therapie für Meditation« nutze ich Berührung nicht für Therapie, sondern für Meditation. Das ist das Schöne an Arun: wir berühren den Körper um den Leuten zu helfen, ihren Körper von innen zu sehen. Und wenn Du den Körper von innen sehen kannst, dann fängst Du an ihn mit mehr Bewusstheit zu bewohnen. Und je mehr Bewusstheit Du hast, umso mehr wirst Du ihn lieben  Du kannst ihn nur lieben. Osho sprach immer von den zwei Flügeln, Bewusstsein und Liebe  bei »Conscious Touch« steht »Conscious« für Bewusstsein und »Touch« für Liebe.

Wir beurteilen Leute nie, wenn wir sie berühren. Wir schauen nicht nach Problemen. Wenn im Rebalancing die Körper angeschaut wurden mit Blick auf mögliche Spannungen, Stellen, die nicht im Lot sind, etwas, das nicht ok ist, dann mochte etwas in mir das gar nicht. Ich möchte den Leuten helfen, ihren Körper zu spüren. Und ich hörte nicht nur Osho, sondern ich lernte auch eine Menge vom Taoismus, von Chuang Tsu, Laotse und Georges Gurdjieff. Alle Erleuchteten sprechen über den Körper nie in einer urteilenden Art, sondern es geht immer um Annehmen. Also wenn ich einerseits von Akzeptieren rede und andrerseits darüber, was nicht ok ist, dann ist das ein Widerspruch. Und es könnte den Leuten Schuldgefühle im Bezug auf ihren Körper machen und ich finde es gibt schon genug Schuldgefühle.

Auch Anasha ist alles andere als eine Therapeutin. Sie hat kein Interesse daran, Leute zu verändern. Sie liebt es, Menschen ins Jetzt zu bringen und ihre Türen zur Wahrnehmungsfähigkeit zu öffnen. Alles, was sich dann ändern will  ok. Alles, was Dir nicht gut tut  Du bist intelligent genug, um es bleiben zu lassen. Wir helfen den Leuten, ihre Spannungen zu fühlen. Wir versuchen nicht, sie wegzumachen. Wenn Du Deine Spannung fühlen kannst, kannst Du entscheiden, ob Du sie behalten willst oder ob Du sie loslässt. Wenn Du versuchst sie loszuwerden, bist Du schon in einen Kampf verwickelt - Du akzeptierst sie nicht.

Ist es nicht so, dass die Leute in die Sessions kommen, weil sie ihre Spannungen loswerden wollen?

Zu Anfang ist es manchmal schwierig, weil die Leute einfach möchten, dass das jemand für sie in Ordnung bringt oder dass jemand ihnen sagt, was sie tun sollen, damit sie keinen Schmerz spüren. Berührung hat einen zeitlich begrenzten Effekt - aber was bleibt? Der innere Zeuge. So möchte ich berühren: zeitweilige Erleichterung bringen, aber gleichzeitig auch mehr Bewusstheit. Es gibt einiges bei Arun, was die Body-Work Systeme schwer gelten lassen würden: wir beurteilen nicht, wir verändern nicht und wir analysieren nicht. Wir begegnen der Person da, wo sie ist. Wir berühren mit Sanftheit, mit Druck, mit Bewegung und mit Energie  und immer im Dienste der Meditation, im Dienst der Liebe.

Welche Vorbedingungen braucht man für ein Arun Training?

Es gab die Vorstellung, du kannst »Conscious Touch« nicht lernen ohne zuerst eine Technik zu lernen auf eine methodische, technische Art. Ich habe so etwas sogar Osho sagen hören, aber er sagte auch, noch bevor Rebalancing entstanden war: »Lerne die Technik und vergiss sie dann«. Und ein paar Mal habe ich ihn auch sagen hören, dass man auch durch Fühlen lernen kann, ohne Technik. Leben ist keine Technik. Wahrscheinlich haben viele das gehört, aber kaum einer auf die Art, wie ich es gehört habe: dann sind also nur Methoden nötig und eine Anleitung, um Fühlen zu lernen. Und tatsächlich lernen die Leute bei Arun sehr schnell und ohne festgelegte Abfolge von einzelnen Schritten. Schon während ich noch Rebalancing lehrte, sagte ich immer, dass die Leute kein Rezept benutzen sollten. Aber es lief darauf hinaus, dass die meisten doch so arbeiteten.

Deswegen lieben wir Arun, weil wir die Gruppen wirklich aus dem Geist der Meditation heraus leiten. Das heißt entspannen, nicht beurteilen, nichts erwarten. Berühren ohne, etwas zu erwarten. Du verstehst die Worte, aber vielleicht nicht was es heißt zu berühren, ohne irgendetwas zu erwarten. Dich berühren zu lassen und nichts erwarten, nur einfach beobachten, was geschieht. Und Du kannst nicht einen Moment mit einem anderen vergleichen und nicht eine Berührung mit einer anderen. Wenn Du wirklich aus der Essenz der Meditation heraus berührst, dann öffnen sich viele Türen, die bei der therapeutischen Berührung verschlossen bleiben. Ich will aber der therapeutischen Berührung nicht ihren Wert absprechen. Ich mag therapeutische Berührung, aber es gibt Räume, wo sie nicht hinreicht und sie kann schlimmstenfalls auch zu einem Burnout Syndrom führen. Wenn Du ein Ziel hast, jemanden ändern willst, wenn Du eine Vorstellung davon hast, was geschehen soll, dann bist Du zwangsläufig manchmal frustriert, weil es nicht passiert. Wenn Du aus dem Raum von Meditation heraus berührst, kannst Du nie frustriert sein - was immer geschieht, geschieht.

Ich hab Dich vom Körper als Zen-Garten sprechen hören&

Ich begreife den Körper als lebendigen Garten. So wie du dich fühlst in einem Zen-Garten&. was du nicht siehst ist die große Menge an Energie und sorgfältiger Pflege, die so ein Garten braucht, damit er diese Energie ausstrahlt. Der Körper braucht es, geliebt zu werden. Du musst Dich wie ein Gärtner um ihn kümmern, um die Felsen, die Blätter, die Bäume. Du musst für Wasser sorgen und den Garten gelegentlich säubern. Arun ist sehr umfassend. Für uns ist auch wichtig, wir Du umgehst mit Essen, mit Atem, Bewegung, mit deiner Herzenergie, mit deinen Knochen. Jeder Teil des Körpers ist eine Welt für sich und jeder Teil des menschlichen Energiefeldes ist verbunden mit dem ganzen Feld.
Eines der Dinge, die Anasha und mich verbinden ist, dass wir uns wirklich gut um unsere Körper kümmern. Wir lieben unsere Körper, unsere eigenen Energiefelder. Wir lieben den menschlichen Körper - er ist für uns eine Tür zur Meditation gewesen. Zu Buddhas Zeiten haben sich die Sannyasins in Form gehalten mit guter Nahrung, Massage und Atemübungen. Also aus bewusstem Umgang mit Bewegung, Essen und Atem hat sich Thai Massage entwickelt. Damals waren Meditation und Körper sehr verbunden. Vor Osho war das nicht der Fall. Vieles von dem, was Osho in den Siebzigern gesagt hat, findest du heute in Zeitschriften, aber damals war es ein sehr radikaler Gedanke, dass Du den Körper lieben musst.

Was erwartet mich in einer Session?

Eine Session kann im Sitzen, Stehen oder Liegen gegeben werden. Wir laden dazu ein, nach innen zu sehen. Wir verwenden das ganze Spektrum von Berührung. Wenn Du federleicht berührst und dabei bewusst bist, können viele schöne Dinge geschehen im Energiefeld. Wenn Du Druck verwendest und fühlen kannst, wie der Körper antwortet, dann kann das energetische Störungen einfach wegspülen. Manchmal legen wir einfach die Hände auf. Jede Art von Berührung hat ihr eigenes Potential und jede bringt Dich nach innen. Manchmal bewegen wir die Knochen und Gelenke, schnell oder langsam, mit kleinen oder großen Bewegungen. Manchmal lassen wir die Verbindungen zwischen verschiedenen Körperteilen deutlich werden, manchmal umschließen wir einen Körperteil mit den Händen und von der Oberfläche aus fühlen wir ins Zentrum.

Es ist schwierig eine Arun Session zu beschreiben, weil jede immer ganz unterschiedlich ist und sich nie wiederholt. Wie würdest Du beschreiben, was Du siehst, wenn Du die Augen schließt? Es ist nie dasselbe. Was Du in diesem Augenblick Deines Lebens fühlst, ist nicht dasselbe wie das, was Du letzte Woche gefühlt hast. Es ändert sich dauernd.

Wir berühren den Atem, das Cranio Sacral System. Ich habe keine bestimmte Vorgehensweise, aber wenn jemand mehrere Sessions nimmt, werde ich ziemlich sicher alle 226 Knochen berühren und dafür sorgen, dass sie in Harmonie mit ihren Nachbarn sind. Auch die Energielinien, die wir kennen aus der Thai Massage und dem Ayurveda sind Teil von Arun.

Berührung ist wirklich ein weites Gebiet. Wenn jemand hier diese Worte liest, dann wird er davon entweder berührt oder nicht. Wenn die Worte Dich berühren, kannst Du das spüren. Wenn Du jemanden ansiehst, zu jemandem sprichst, dann berührst Du ihn. Wenn Licht in Deine Augen fällt, dann bist Du berührt von dem, was Du siehst. Wir sprechen also nicht nur von Berührung durch die Hände. Es ist die Energie, die aus dem Inneren eines Organismus kommt und mit einem anderen in Kontakt tritt - das kann durch Augen, Nase, Mund oder Ohren sein. Für uns ist es ein sehr großes Thema. Der menschliche Körper ist ein vibrierendes, elektro-magnetisches Feld. In einer Session klingt all das an: Energielinien, Knochengerüst, Muskeln, Atem, Drüsen, Organe. Wir möchten, dass die Leute ihre Zentren spüren und ihr Herz öffnen und ihren Verstand und im Hara verwurzelt sind.

Kannst Du etwas zu Euren Trainings sagen?

Wir nehmen die Leute mit auf eine Art geführte Reise durch das Energiefeld und wir zeigen, wie jedes Teil berührt werden kann, mit den unterschiedlichen Berührungsarten.

Wir nehmen die Leute mit auf eine Art geführte Reise durch das Energiefeld und wir zeigen, wie jedes Teil berührt werden kann, mit den unterschiedlichen Berührungsarten. Es gibt so viele Arten z.B. die Schulter zu berühren oder das Gesicht, den Nacken, die Füße, den Beckenboden  wir lassen nichts aus. Und es macht viel Spaß. Der Körper ist für uns keine ernste Angelegenheit. Bewusstsein ist nicht ernst. Meditation ist nicht ernst, sondern freudvoll und öffnet Dich für das Jetzt. Also ich fühle mich wirklich gut mit dem Training. Es gibt viele Orte wo Du Berührung lernen kannst oder Meditation, aber ich habe ein wirklich gutes Gefühl mit dem, was wir zusammen aufgebaut haben.

Auch Bewegung ist ein wichtiger Teil eines Arun Trainings. Wir bieten viele verschiedene Arten von Bewegung an, die helfen den Körper zu beobachten. Wir versuchen nicht den Körper zu verändern, sondern die Leute dahin zu bringen, dass sie ihn lieben so wie er ist. Wir wollen nichts ändern aber wir wollen Bewusstheit und Liebe hinzufügen. Bewusstheit und Liebe sind die unsichtbaren Berührungen, die tief in das Energiefeld reichen.

Anasha ist nicht so leicht dazu zu bringen, über unsere Arbeit zu reden, aber sie ist so präsent in den Gruppen und lehrt die Leute auf so eine schöne Art, wie sie die Berührung nutzen können, um nach innen zu schauen. Wir haben eine gute Sonne-Mond-Kombination, sehr ausgeglichen. Ich habe Rebalancing hinter mir gelassen, aber die Idee der inneren Balance ist mir geblieben und ich sehe, dass sie möglich ist. Ich mag Rebalancing immer noch, aber es wurde ein bisschen in ein System gepresst und ich kann nicht in einem System leben. Also obwohl ich Rebalancing mitbegründet habe und vieles dazu beigetragen habe (Gelenklockerung, Yoga, Chua Ka etc.) und der unter den Lehrern war, der am meisten auf Bewusstheit bestanden hat, war ich weiter gewandert in der Richtung, in die Anashas Berührungen zeigte und auch in Richtung Cranio  und da gab es im Rebalancing keinen Raum dafür.

Wir lieben es mit Leuten zu teilen und wir lernen immer dabei. Ich möchte bewusstes Berührung verbreiten und ich mag was passiert, wenn Leute zusammen kommen um etwas über ihren Körper zu lernen und ich mag, was das mit mir macht. Ich lerne in jeder session, die ich gebe und in jedem Training. Für uns beide ist der Körper ein großes Mysterium. Das menschliche Energiefeld ist so ein weites Gebiet und wir wollen das nicht in ein System bringen, sondern sehr offen lassen.

Ihr leitet eine jährliche Gruppe für Bodyworker in Deutschland?

Das ist etwas, was mir im Moment auch sehr gefällt: wir nehmen Leute, die alle möglichen Arten von Körperarbeit gelernt haben, und in 8 bis 10 Tagen versuchen wir ihnen die Essenz von Conscious Touch zu vermitteln. Egal aus welcher Richtung sie kommen, sie können Arun Conscious Touch in ihre Arbeit integrieren. Es ist wie beim Yoga: egal aus welcher spirituellen Richtung Du kommst, kannst Du Yoga praktizieren. Und es ist dasselbe mit Arun. Egal ob Du massierst, Cranio Sessions gibst, Osteopathie praktizierst, Thai Massage, Ayurveda, ob Du Rolfer bist, Rebalancer  Du kannst Conscious Touch integrieren und es wird Deiner Arbeit mehr Tiefe geben.
An dieser Stelle möchte ich nochmal Osho zitieren, der gesagt hat: »Die Menschen glauben, dass ein Erwachter keinen Schmerz spürt. Tatsächlich fühlt er Schmerz und Spannung, aber er ist nicht damit identifiziert. Der Schmerz kann seine Essenz nicht berühren.« Ich konnte oft mit ihm über Berührung sprechen, während ich ihn berührte und einmal sagte er zu mir: »Anubuddha, hilf den Leuten in ihren Schmerz zu gehen und wach zu bleiben«. Spannung ist nur ein anderes Wort für Schmerz und wir helfen den Leuten mit ihrem Körper zu sein und ohne Angst und ohne Besorgnis wach zu bleiben. Da geschieht die Transformation, in der Wachheit, in der Akzeptanz und das ist, was wir teilen möchten.

Ich wünschte mir wirklich, dass mehr Leute, die Sessions geben, mit Conscious Touch in Verbindung kämen. Es verändert die Sessions. Du hilfst immer noch den Menschen, aber auch Dir selbst, Dich tiefer in der Meditation zu verwurzeln. Das was uns entspannt und von Schmerz befreit, ist schlussendlich die Meditation. Es kann nie von außen kommen  es muss von innen kommen.
Conscious Touch hat zwar einen Anfang, aber kein Ende. Auf eine Art bin ich immer noch am Anfang der Reise. Jeden Tag offenbart sich mir mehr davon, was durch Berührung geschehen kann. Ich mag es, das zu teilen und auch, dass wir das auf eine unernste und sehr erdverbundene Art tun. Und ich mag nicht nach den Problemen schauen. Das Leben ist kein Problem, es ist etwas zum Feiern.

Liebe Anasha, in euren Seminaren wird immer wieder deutlich, wie sehr Ihr euch gegenseitig in eurer Arbeit schätzt. Anubuddha hat größtenteils für euch beide gesprochen  gibt es etwas, das du hinzufügen möchtest?

Das was wir beide vermitteln, ist die Essenz, das Wesentliche im Atem und in der Berührung. Wir haben die Fähigkeit, Leute über ein wachsendes Bewusstsein in eine wachsende Einfachheit zu bringen, jenseits von Konzepten und Glaubenssätzen. Im Grunde ist es so einfach zu atmen und zu berühren, so lange das Bewusstsein im Vordergrund steht.
Wenn ich etwas zu teilen habe, dann mich selbst, so wie ich bin. Wenn Du Dir wirklich des Körpers bewusst wirst und anfängst ihn wirklich zu lieben, dann wird alles sehr einfach. Mein Körper ist das Haus meiner Seele. Das weiß jeder, aber es geht darum, es zu erfahren. Der Körper und der Atem sind die einzigen Konstanten auf dieser irdischen Reise. Durch meinen Körper kann ich Gedanken, Gefühle, Glaubenssätze erforschen und beobachten, was in meinem lebendigen Organismus abläuft, wobei ich versuche so ehrlich wie möglich mit mir zu sein. Und mein Körper lügt nicht. Mein Verstand kann lügen.

Ich hatte immer den Drang alles gründlich zu erforschen und der erfahrbare Atem ist eines der besten Mittel dafür. Der Atem ist mein bester Freund, mein ständiger Begleiter und er hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Der Atem berührt das Innere des Körpers und ruft in den Knochen einen Widerhall hervor; das heißt über den Atem wirst du dir auch Deines Knochgerüstes und deiner Organe bewusst. Es gibt drei Arten von Atem: den unbewussten Atem, den willentlich gesteuerten Atem und den »erfahrbaren Atem« (der Ausdruck geht auf Ilse Middendorf zurück), den Du kommen und geschehen lässt ohne Einmischung und der zu Empfinden und Bewusstwerden jedes Atemzuges führt.

Warum hast Du Deiner Arbeit nie in einen Rahmen gegeben?

Von 1973 an bis jetzt hat jede Schule, jedes System das ich kennen lernte zwar immer sehr befreiende Elemente gehabt, aber sobald ein Widerspruch auftauchte, kam es sehr schnell zu deutlichen Grenzen des Systems. Abgeschlossene Systeme finde ich beengend und ich bin allergisch gegen Enge. Wie kannst Du den Atem in ein System zwängen, ihn festhalten? Atem fließt.
Es gibt viele Schulen, die für sich in Anspruch nehmen, die einzig gültigen, richtigen oder wahren zu sein, aber es gibt nur die Ganzheit und jeder einzelne Ansatz sollte Dich dahin führen. Im Middendorf Institut kam es zu einem Punkt, wo ich aufhören musste, obwohl ich Ilse Middendorfs Arbeit als wunderschön und sehr wertvoll schätzte. Ich war der Vipassana Meditation begegnet und empfand es als Wahnsinnsgeschenk, das praktizieren zu können, was ich grade gelernt hatte und wobei Meditation nicht als etwas Abgetrenntes gesehen wurde. Ich hatte die Zeit und die Anregung, mir über jeden einzelnen Atemzug bewusst zu werden und das gab mir die Weite, die ich so vermisst hatte. Wenn Du die Ganzheit zulassen kannst, bleibt lebendig, was Du tust. Wer sagt denn, dass etwas ewig so bleiben muss, wie es zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Gültigkeit gehabt hat? Für mich ist jeder Tag neu in jeder Hinsicht - wie kann ich dann sagen »der Atem ist so oder so«?

Was hat Dich auf den Weg gebracht?

Von Kindheit an bestand ein großes, unbewusstes Interesse an Meditation - so sehe ich das heute. Ich war viel und gerne alleine in der Natur, weil ich mich da bei mir zuhause fühlte, eins mit mir. Mit 21 Jahren ging ich nach Deutschland und mir begegneten Menschen, die einen starken Einfluss auf mich hatten. Ich war auf der Suche und zwischen Dürckheim Institut, Eutonie und Ateminstitut habe ich mich für den »erfahrbaren Atem« entschieden, für das Institut von Ilse Middendorf. Von da an hat sich alles immer wie von selbst weiter entwickelt. Es gibt viele Punkte wo Anubuddhas und meine Arbeit zusammen fließt, aber die stärkste Gemeinsamkeit besteht in der Liebe zum Körper, dem Drang alles gründlich zu erforschen und der Bereitschaft der Bewusstwerdung immer den Vorrang zu geben.

- das Interview führte Silvia Merkle-Schmidt

Anubuddha und Anasha haben die »Arun Conscious Touch« kreiert und leiten Seminare in Spanien, Japan und Deutschland. Anubuddha war Mitbegründer von Rebalancing und hat lange Jahre in Pune auch Cranio und Yoga unterrichtet. Er hat Osho 150 Sessions gegeben und ihm ist wohl kaum eine Art von Bodywork fremd. Beide sind sehr engagiert darin, das weiterzugeben, was sie in über 30 Jahren mit Hingabe und Leidenschaft erforscht haben, auf dem Gebiet von Berührung, Atem und Meditation.

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