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Interview mit Yongdzin Lopön Tenzin Namdak Rinpoche über die Urform des Buddhismus

Details

Interview mit Yongdzin Lopön Tenzin Namdak Rinpoche
Yongdzin Lopön Tenzin Namdak Rinpoche

»Die Materie ist letztlich leere Form«

Yongdzin Lopön Tenzin Namdak Rinpoche, einer der bekanntesten Lehrer der Tradition des Yungdrung-Bön (der vorherrschenden Religion in Tibet, bevor im 8. Jahrhundert der Buddhismus ins Land gelangte), gab Dorothea Mihm ein Interview im Anschluss an eine Woche Bon Dzogchen Unterweisungen (Lehren, die traditionell in der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus und im tibetischen Bön als Essenz die Lehren Buddhas übertragen) gemäß der weiblichen Übertragungslinie des Yetri Thasel (eines der vier großen Dzogchen-Lehrzyklen des Yungdrung-Bön)...

Worin unterscheidet sich die weibliche Übertragungslinie von den anderen Lehrzyklen?

Im Bereich von Religion und Übung gibt es keine Unterschiede zwischen Mann und Frau, da sind alle Menschen gleich, denn ihr Leben mit seinen Bedingungen ist im Grunde ja gleich: wir werden ins Leben geboren, wir leben, wir leiden, wir sterben. Auch im bewussten Erleben dieser Bedingungen menschlicher Existenz und im Befolgen der religiösen Unterweisungen gibt es keine Unterschiede.

Wir empfinden gleich, und sind darin sogar den Tieren ähnlich. Tiere können natürlich nicht so denken wie wir, aber ihre äußeren Bedingungen und ihre Empfindungen dabei sind ähnlich: wenn Du gut bist zu einem Tier, ist es glücklich und zeigt das auch, wenn Du ihm zu nahe kommst, wird es wütend.

Dann ist auch der Unterschied zwischen der rechten und linken männlichen und weiblichen Körper-Energie in bestimmten tantrischen Übungen nicht so bedeutungsvoll?

In manchen Unterweisungen wird die geistige Reinigung symbolisch als Beatmen der Energiekanäle beschrieben. In Wirklichkeit kann man durch Beatmen zum Beispiel eine Blockade der Nasenlöcher beseitigen, aber von Verirrungen oder negativen Gefühlen kann man sich nicht mit Atmen reinigen.

Heißt das dann zum Beispiel auch, dass es egal ist, ob ich einen Sterbenden auf die rechte oder die linke Seite bette, wenn ich ihn wie in die Meditationshaltung des Schlafenden Löwen lege?

Das hat nun wiederum mit der Körperenergie zu tun. Wir wissen, dass normalerweise die rechte Körperseite der Bereich ist, in dem die gröberen Empfindungen zirkulieren, die linke Seite aber die ruhigere ist  nicht vollkommen beruhigt, das kann nicht sein, aber doch die ruhigere. (Wir sprechen hier von dem, was wir erleben, von unserem Bewusstsein, und nicht rein vom Atem) Und so kommt es, dass manche Texte einen Unterschied machen zwischen männlicher und weiblicher Körperhälfte. Sie meinen damit unser Bewusstsein, die Art, wie wir die Dinge erleben. In Wirklichkeit und von sich aus gibt es auch da keinen wirklichen Unterschied.

In der ursprünglichen Natur unseres Geistes besteht kein Unterschied zwischen rechts und links. Diese Natur umfasst alles, Atmen und Bewusstsein und die Verbindung von beidem. Eigentlich geht es für beide Seiten um den Grad der Vollkommenheit des Aufgehens in dieser Natur des Geistes. Allerdings ist die ursprüngliche Natur des Geistes der rechten Seite, der Seite des gröberen Atmens, nicht dieselbe wie die ursprüngliche Natur des Geistes der linken, ruhigeren Seite. So wie diese beiden Seiten verschieden sind, so ist auch die Natur ihres geistigen Bewusstseins verschieden und nicht dieselbe.

Ich möchte noch eine Frage zum Mann-Frau-Thema stellen: Da nun Frauen wie Männer in gleicher Weise ihren Geist vollkommen reinigen und das letzte Ziel erreichen und Buddha sein können  warum behaupten manche Stimmen aus der buddhistischen Seite, dass man nur als männliche Inkarnation die Erleuchtung erlangen kann?

In keinem einzigen von unseren Texten wird ein Unterscheid zwischen Männern und Frauen gemacht.

Dazu weiß ich nichts zu sagen. Unsere Schriften sagen, dass es in Bezug auf die Übungen keinen Unterschied gibt zwischen Mann und Frau. Für beide gilt: Bei jedem, der ernsthaft übt, wird das Erreichte dem entsprechen, was geübt wurde. Nie ist die Rede von einem Unterschied zwischen Mann und Frau. Wir wissen von vielen weiblichen Praktizierenden oder Dakhinis, die die Lehren hörten, sie ausübten, das höchste Ziel erreichten und Buddha wurden. Da gibt es keinen Unterschied.

In keinem einzigen von unseren Texten wird ein Unterscheid zwischen Männern und Frauen gemacht. Wo es Unterschiede zwischen Lebewesen gibt, fühlen wir doch mit allen und lieben sie. Tiere zum Beispiel haben nicht genug Verstand, um den Lehren zu folgen, aber wir können ihnen doch den Gewinn aus unserer Praxis widmen. Dabei mögen manche mehr bekommen, manche weniger, wir geben einfach weiter, was wir erlangt haben. Mahayana beruht ja eben auf diesem Verständnis von der Gleichwertigkeit von allen, wir beziehen alle ein, Menschen, Tiere, alle Wesen aus allen sechs Ebenen des Seins. Wir helfen allen, so gut wir können, achten sie alle. Wahres Mitgefühl bezieht alle ein und lässt nicht irgendwen aus, weil er rechts oder links oder sonst wo ist. Wir machen keine solchen Unterschiede, es entspricht nicht unserer Tradition, und wir finden auch keine Belege dafür in unseren Schriften. Seht euch doch um: Wie viele Teilnehmer an diesem Seminar sind weiblich, wie viele männlich. Mehr braucht man doch nicht zu sagen. Niemand hat gesagt, die Frauen sollen kommen und die Männer fernbleiben. Sie sind von selber gekommen. Oder gestern: Ein einziger Mann war bei der Zufluchtszeremonie, alles andere waren Frauen.

Interview mit Yongdzin Lopön Tenzin Namdak Rinpoche
Mönche im Triten-Norbutse-Kloster
in Kathmandu/Nepal

Was genau sind Dakinis?

Die Dakinis sind weibliche Wesen mit einem sehr wandelbaren, teils auch wildem Temperament, welche als Inspiration für die spirituelle Praxis agieren. Es gibt vier verschiedene Arten Dakinis: Dakinis der Weisheit zuerst, wie die Gyamma, (deutsch »Liebende Mutter«) oder Sidpaì Gyalmo (deutsch »Herrscherin der Welt«).

Zweitens die Dakinis der Wunder. Wunder nennen wir das, was sie hervorbringen, um den Übenden auf ihrem Pfad zu helfen. Mit »Helfen« ist hier die Unterstützung beim Entwickeln der Praxis gemeint. Dakinis können den Praktizierenden auf vielerlei Weisen zu Einsicht und Erkenntnis verhelfen. Diese Hervorbringungen sind nicht eigentlich Wunder, sondern einfach die Kraft der Dakinis zu helfen, zu befreien und zu beschützen, sozusagen ihre zweite Arbeitsweise.

Drittens die karmischen Dakinis. Sie entstehen aus Weisheitsdakinis oder Wunderdakinis oder sonst jemandem, der sich in Erscheinungen zeigt, der in verschiedenen Formen wirkt, und sie verweisen auf die Zukunft, sie prophezeien, belehren und beraten auf Grund der Zeichen, die ältere Dakinis gesetzt haben und ihrer Weissagungen. Diese Dakinis sind direkt mit dem Praktizierenden verbunden und heißen deshalb bei uns die Dakinis der karmischen Verbindung.

Die vierten sind auch Dakinis, aber solche des alltäglichen Lebens, so etwas wie Azuras oder Halbgötter, und als solche können sie auch Schaden anrichten. Wir betrachten sie als niederere Lebewesen mit einiger Macht, ähnlich den Geistern. Sie üben, aber nicht sehr streng, und sie schützen auch die Lehre, oder doch Teile davon.

Kann es sein, dass die Unterweisungen der Weisheits-Dakinis, die wir in der letzten Woche erhalten haben, überhaupt kürzer und knapper und klarer sind als die Unterweisungen aus den männlichen Übertragungslinien?

Kann sein, dass das Deine Wahrnehmung ist. In Wirklichkeit gibt es bei den Belehrungen keine Unterschiede dieser Art, kein tiefer oder weniger tief, kein weiser oder weniger weise. Ob Unterweisungen von Dakinis und Siddhas detailreicher sind oder mehr überblicksartig, richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen ihrer Hörer. Die Unterweisungen selbst unterscheiden sich nicht, die Unterschiede entstehen im Auge des Betrachters.

Wieso ist der Dark Retreat, die Meditationsübung im Dunkeln, so wichtig für die Dzogchen-Übungen Trekchöd und Thögal?

Letzten Endes zeigt uns diese Erfahrung, wohin diese Übung führt: zum Beweis der Leerheit der Form nicht nur als Erkenntnis, sondern als erfahrbare Realität

Das ist nun eine wirklich wichtige Frage. Die Meditationsübung im Dunkeln kann man aus verschiedenen Gründen machen: Einmal kann man im Dunkeln einfach seine Meditation vertiefen, weil viele Störungen wegfallen, die sonst durch optische oder akustische Wahrnehmungen entstehen. Das hat noch nicht eigentlich mit der Lehre zu tun, es stärkt einfach die Praxis, man übt mit mehr Energie. Vom Gesichtspunkt der Thögal-Übung her betrachtet unterstützt die Dunkelheit die Entwicklung von Visionen, man hat im Dunkeln mehr Visionen als im Raum oder im Sonnenlicht. Wer Sonnenlicht für die Praxis benützt hat zwar strahlendere und klarere, aber dafür weniger Visionen. Thögal üben wir, um im natürlichen Zustand zu bleiben, während sich die Visionen entfalten. Wir streben Vertrautheit mit dem Natürlichen Zustand an und beharrliches Verweilen darin.

Unter den vielen Gründe für einen Dark Retreat ist der wichtigste, dass Thögal mit seinen Visionen dem Praktizierenden aufzeigt und beweist, dass das, was er sieht, nicht von außen kommt. Der Raum ist vollkommen verdunkelt, und doch erscheinen Visionen. Sie kommen nicht von außen sondern von ihm, und da sie nicht von seinem Körper oder seinem Geist oder sonst woher kommen, sollte dies zu der klaren Erkenntnis führen, dass ihr Ursprung nur die Natur des Geistes sein kann. Das ist der Zweck der Übung: die Erkenntnis, dass alle Visionen aus der eigenen Natur unseres Geistes kommen.

Wer diese Erfahrung macht, erlebt sie als Nachweis dafür, dass jede Vision, sei sie gut oder schlecht, eben nichts als eine Vision ist, und dass sie unabhängig von der Person entsteht. Dies wird zur klaren Erkenntnis. Der Übende weiß, dass seine Visionen ohne seinen Einfluss und spontan gekommen sind. Er hat erfahren, dass gar nichts kam, wo er es wollte, und dass spontan vieles auftauchte, wo er sich gar nicht darum bemüht hatte. Er erkennt, dass es die Natur des Geistes ist, woraus das kommt, nicht der Körper, nicht das Herz oder das Hirn. Es kommt rein aus der Natur.

Und darin wiederum sehen wir das Wesen unseres ganzen Lebens und der ganzen Erscheinungswelt, und wie sie mit der einzelnen Person verbunden sind. All dies ist für den Übenden ein ganz großartiger Beweis, aber Außenstehenden oder Praktizierenden anderer Übungsmethoden ist das kaum zu erklären. Sie würden solche Erkenntnisse für falsch halten und ablehnen.

Für uns ist es wunderbar, dass es solch direkte Erfahrungen von der Entstehung allen Lebens gibt und Hinweise darauf, wie alles erschaffen wird. Wie alles wird. Über die Leerheit, die hinter allem ist. Nichts, das aus sich heraus existiert, nichts, gar nichts, das bleibt, das fest oder dauerhaft wäre. Aber: nur wer diese Lehren befolgt, kann das verstehen. Nur wenige werden verstehen und annehmen, was man ihnen zu erklären versucht. Sie werden es nicht befolgen, sie werden es nicht glauben.

Letzten Endes zeigt uns diese Erfahrung, wohin diese Übung führt: zum Beweis der Leerheit der Form nicht nur als Erkenntnis, sondern als erfahrbare Realität. Der Körper des Übenden verschwindet. Er schmilzt nicht, wie manche sagen, es ist nicht der Einfluss der Tummo-Praxis oder der Sommerhitze, die das bewirkt, es ist nicht Zauberei. Es ist die Kraft des Übens in der Natur des Geistes, die den Übenden zum Ziel der Übung führt. Verschwinden bedeutet ja eigentlich: Aufzeigen der Leerheit der äußeren Form. Der Regenbogenkörper. Das Endziel. Nichts Weggeschmolzenes, nichts, wie manche vermuten könnten, von Geisterhand Weggenommenes, kein Zauber, gar nichts dergleichen. Es ist einfach nur der Nachweis der Wirklichkeit durch die Übung, der Beweis, dass Materie letztlich leere Form ist.

Man kann den Regenbogenkörper also zu Lebzeiten als höchstes Ziel der Praxis erlangen, nicht erst nach dem Sterben?

Wir folgen unseren eigenen Vorstellungen, nicht der Wirklichkeit, die hinter allem ist, der Natur des Geistes

Sterben ist dafür nicht notwendig. Es ist jederzeit möglich, siehe Tapihritsa. Aufs Sterben braucht man nicht zu warten. Worauf es ankommt ist der Grad der Erkenntnis, gewonnen durch Übung. Wenn alles vollkommen rein geworden ist und die Weisheit diesen Stand erreicht hat. Jederzeit kann er verschwinden. Danach kann er manchmal sehr sichtbar sein, manchmal unsichtbar, je nachdem, was der Übende will. Der Übende bestimmt, der materielle Körper hat nichts zu sagen, er ist nichts, ist weder ewig noch massiv oder beständig. Er ist wie ein Regenbogen: man kann ihn sehen, aber man kann ihn nicht berühren.

Den jetzigen, materiellen Körper kann man wohl berühren, man kann einiges damit machen und so weiter. Wenn wir das tun, folgen wir nicht der Wirklichkeit, sondern dem Vorübergehenden, dem, was uns unsere eigenen Gefühle und Gedanken eingeben. Unseren Gedanken entsprechend nehmen wir alles wahr, in Gedanken erschaffen wir uns etwas, dass uns wirklich scheint. Wir vertrauen unserem Wissen nicht, obwohl sich die ganze Welt der Erscheinungen als Welt aus leeren Formen erweist. Wir erleben Morgen und Abend, den Wechsel von Worten und Taten, nichts, das bleibt. Alles ändert sich unentwegt, auf nichts, gar nichts kann man bauen, und doch bilden wir uns ein, wir könnten es und zwingen uns dazu und machen alle möglichen langfristigen Pläne. Wir folgen unseren eigenen Vorstellungen, nicht der Wirklichkeit, die hinter allem ist, der Natur des Geistes.

das Interview führte Dorothea Mihm, Buchautorin, Heilpraktikerin und Krankenschwester. Sie begleitet Menschen spirituell beim Sterbeprozess und hat darüber ein Buch geschrieben, dass bei uns im Shop erhältlich ist

S. E. Yongdzin Tenzin Namdak Rinpoche ist der angesehenste Lehrer der Yungdrung Bön Tradition und ein sehr großer Meister des Dzogchen. Er wurde 1926 in Kham in Osttibet geboren und stammt aus einer Familie berühmter Thangka Maler, von denen er diese Kunst erlernte. 1952 beendete er seine Philosophiestudien im Kloster Menri in Zentraltibet mit dem Titel eines Geshe. 2005 wurde das Zentrum Shenten Dargye Ling bei Saumur im Loiretal, Frankreich von Yongdzin Rinpoche gegründet. Unter seiner Leitung sollen dort die Bön-Lehren für zukünftige Generationen bewahrt werden. Das Zentrum soll den Yungdrung Bön-Praktizierenden in Europa eine spirituelle Heimat bieten, sowie ein Ort des internationalen Austauschs für Bön-Forscher und Bön-Wissenschafter sein.

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