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Humor und Heilung

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Humor und Heilung
Foto: Andreas Depping pixelio.de

Der Regenschirm der Weisen

Alle lieben Humor, oder sie tun wenigsten so, als würden sie ihn schätzen. Dabei weiß keiner so recht, worin Humor eigentlich besteht. Auch über die ernsten Angelegenheiten immer nur zu lachen, das ist es ja nicht. Leute, die ständig Witze machen, können ziemlich nerven – kaum jemand würde sie als humorvoll bezeichnen. Humor kann retten, das sicherlich; er kann helfen, in ansonsten unerträglichen Situationen psychisch zu überleben. Erich Kästner hat ihn den »Regenschirm der Weisen« genannt. Humor schützt, insofern ist das durchaus richtig, aber er schirmt einen nicht ab. Es ist doch eher so, dass mit Humor der Regen einem nichts mehr ausmacht. Wer sich vom Leid der Welt abschirmt, wen die spitzen Pfeile seiner Mitmenschen nicht mehr treffen, der gilt als dickfellig oder abgebrüht, nicht als humorvoll.

Das Spiel mit der Identität

Meine Definition von Humor ist eine andere: Humor ist die Fähigkeit, den Standpunkt wechseln zu können, ohne das als Gesichtsverlust zu erleben. Anders gesagt: Humor ist die Fähigkeit, sich über den eigenen Standpunkt, das eigene Ego zu belustigen, ohne dabei jedoch standpunktlos zu sein, charakterlos, ein Fähnchen im Wind (die Klügeren dieser Fähnchen können Heraklit zitieren: Pantha rhei – alles fließt.) Humor hat mit Leichtigkeit zu tun, mit einer Leichtigkeit im Umgang mit der eigenen Identität. Wer bin ich denn? Vielleicht ja doch ein anderer …

Humor ist die Fähigkeit, den Standpunkt wechseln zu können, ohne das als Gesichtsverlust zu erleben.

Insofern hat Humor auch mit einer Ahnung dessen zu tun, was Anatta bedeutet, dieser Kernpunkt der Lehre des Erwachten, der deshalb schon zu Lebzeiten Anattavadin genannt wurde, was übersetzt bedeutet: der den Weg des Nicht-Ich geht. Das Spielen mit Humor erforscht sozusagen nicht nur mentaler Weise, wie die Methode von Ramana Maharshi, sondern in ganzheitlicher, auch den Körper einbeziehender Weise, die eigene Identität. Es spielt mit der Möglichkeit, eventuell doch ein anderer zu sein, als man sich selbst und seinen Zeitgenossen normalerweise vormacht.

Humor kann Leiden beenden

Genau hier setzt auch das ein, was die Heilkraft des Humors ausmacht. Schürfwunden heilen, das kann Humor nicht. Fußpilz, Haarausfall? Auch bei diesen Leiden ist mir von einer Heilkraft des Humors noch nichts zu Ohren gekommen. Wohl aber bei einem Leiden an der Identität ein Kahlköpfiger zu sein, da kann Humor helfen. Er bringt die Haare zwar nicht wieder zum Wachsen, aber er kann das Leiden an ihrer Abwesenheit beenden.

Krankheitsgewinn versus Leidensdruck

Auf die größte Begeisterung über die Heilkraft des Humors bin ich bei Therapeuten gestoßen, die mit psychosomatisch chronisch Kranken arbeiten, denn dort spielt der sogenannte Krankheitsgewinn eine Rolle. Krankheiten, die neben den somatischen Symptomen auch einen psychischen Anteil haben und (auch deshalb) chronisch geworden sind, bei denen spielt fast immer auch der Krankheitsgewinn eine Rolle: Der Leidende hat etwas davon, krank zu sein. Er bekommt Aufmerksamkeit, Zuwendung, Mitgefühl, schwere Arbeiten erspart und hohen Stress oder wird immer wieder ausgiebig bedauert – alles das sind echte Gewinne, und meist gewinnt der Leidende in mehreren dieser Disziplinen zugleich. Wer bei alledem dennoch sein Leiden beenden will, muss schon enorm hohen Leidensdruck haben.

Der Gestus des Leidenden

Meist ist den Leidenden dies allenfalls teilweise bewusst. Wiegt der Krankheitsgewinn wirklich das ganze Ausmaß des Leidens auf, so dass es sich lohnt, damit weiterzumachen? Schwierige Frage. Die Schwierigkeit hierauf eine klare Antwort zu finden, ist die Chance für den Therapeuten: Falls er das Vertrauen des Patienten genießt, kann er hier eingreifen und zum Beispiel in zunächst nur angedeuteter, zarter Weise das Leiden des Patienten nachspielen oder in seiner Anrede betonen: »Oh, das ist wirklich schlimm! Ich kann verstehen, dass es eine große Last ist, mit sowas durchs Leben zu gehen. Da machen Sie wirklich was durch …«.

Was wie pure Empathie beginnt, lässt sich in Dosis und Drastik allmählich steigern. Bis der Patient endlich leicht ins Stutzen kommt oder gar ein Lächeln über sich selbst sein Gesicht überzieht. Operation gelungen! Extrem wichtig ist dabei das feinfühlige Vorgehen des Therapeuten. Ein zu schnelles Aufdrehen der Imitation des Leidensgestus' des zu Heilenden kann Vertrauen zerstören.

Das Leiden am Leiden

Ich habe dies an einzelnen ausprobiert, auch in nicht-therapeutischen Situationen. Wer mir begegnet, riskiert also immer was. Außerdem habe ich es in Seminaren ausprobiert, am erfolgreichsten mit Therapeutinnen, die im Durchschnitt mehr als zwanzig Jahre lang Vollzeit mit überwiegend psychosomatisch chronisch Kranken zu tun hatten. Was für eine Arbeit! Menschen leiden zu sehen und als Vollzeit-Beruf zu versuchen ihnen zu helfen, und das immer wieder mit der Frage: Ist dieses Leiden vermeidbar, heilbar, linderbar? Oder ist es etwas, das zu akzeptieren ist, ein Schicksal, und nur ein tiefes Ja dazu lindert den Schmerz? Meine Antwort ist: Schmerz ist unvermeidlich, aber das Leiden am Schmerz ist vermeidbar. Es gibt sozusagen ein Meta-Leiden oder Sekundär-Leiden, ein Leiden am Leiden, und das hat damit zu tun, dass unsere Identität, unser Ego, sich in das Leiden einnistet und versucht, daraus Vorteile zu ziehen. Diese Art von Leiden ist künstlich, vermeidbar und durch Humor heilbar.

Selbsterkenntnis, Sati, Achtsamkeit

Wie schafft man das? Durch Selbsterkenntnis, Sati, Achtsamkeit. Wer die Tendenzen des Ichs, sich jederzeit in bestehende Strukturen einzunisten, genau genug erkennt und jeweils auf frischer Tat ertappt, kann solches Sekundär-Leiden vermeiden. Und der Therapeut kann, sofern er das bei seinen Patienten erkennt, sie zart und humorvoll darauf hinweisen. Eine gewisse Humorfähigkeit muss dafür beim Patienten allerdings vorhanden sein. Kann man das lernen? Ja! Meditation und die persistierende, stille Frage nach der eigenen Identität sind das beste Humorstudium. Und das zugehörige Praktikum ist das Spielen damit – lebenslang.

Wolf Schneider

Termine mit Wolf Schneider 2014:

Wolf Schneider, Jg. 1952. Autor, Redakteur, Kursleiter. Studium der Naturwiss. und Philosophie (1971-75) in München. 1975-77 in Asien. Seit 1985 Hrsg. der Zeitschrift connection. Seit 2008 Theaterspiel & Kabarett. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Esoterik-Kabarett

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