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Witze können entwürdigen und würdigen

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Wolf Schneider
Wolf Schneider in ekstatischer Trance.
Foto: Susan Klingler

Humor als Würdigung

Humor kann eine Waffe sein, aber auch Balsam, er kann trösten, aber auch Zweifel sähen. Auf jeden Fall ist er eine Versicherung gegen religiösen, politischen und Beziehungs-Fundamentalismus. Deshalb gibt es jetzt neben der Pflege- und Krankenversicherung endlich auch die Humor-Versicherung: Für nur 47 € im Monat (52 € im europ. Ausland) kannst du dich gegen den Fundi in dir versichern: das Abo der zweimonatlich erscheinenden Connection Spirit. Und wer es sofort und hochdosiert braucht, dafür haben wir den Workshop »Alles Theater?«

Auf unserer Webseite ist seit seit langem nach den Tantra-Schulen (Liebe – das uralte Thema Nummer eins) das Juxanzeigenmuseum die meist angeklickte Seite. Ist Jux das Thema Nummer zwei unter dem, was Menschen bewegt? Jedenfalls findet diese Art, mit den Auswüchsen des Spiri-Eso-Psycho-Marktes umzugehen weithin Gefallen. Und was sagen die Anzeigenkunden dazu? Fühlen die sich verspottet? Einige vielleicht schon, antworte ich auf solche Fragen – manchmal etwas verlegen, denn das berührt ja unsere wirtschaftliche Existenz. Die meisten unserer Kunden aber finden das gut. Wer bei bei uns eine Anzeige schaltet, ist oft selbst entsetzt über die Auswüchse des Marktes – manchmal mehr als wir – und hat Humor. Und manchmal darf die Kritik auch namentlich treffen: Z.B. bei »Vorsprung durch Technik«, dort sind Name und Adresse der Firma und auch der Slogen »Keine Kompromisse« nicht erfunden, siehe unter www.heckler-koch.de.

Unwichtige Leute »ignoriert man nicht einmal« (Karl Valentin), wichtige überzeichnet man, um ihre Größe ein bisschen zu stutzen

Humor oder Spott

Wenn jemand mich nachmacht, um mich zu verspotten, dieses Gefühl kenne ich, und ich kenne auch die Gefahr, sich (oder jemand anderen) dabei zu verletzen. Humor kann aggressiv sein, ausgrenzend, entwürdigend. Wenn Humor das ist, nenne ich es Spott: das Lachen über etwas, von dem ich meine, dass es nicht in mir ist, sondern da draußen bei dir oder »den anderen« – wie befremdlich, wie lächerlich. Sage ich in meiner Ignoranz, weil ich diesen Teil in mir noch nicht entdeckt habe.

Ich kenne aber auch die Würdigung, die man erfahren kann, wenn man karikiert wird. Als Gruppenleiter hatte ich manchmal Fans, die meine Art etwas zu sagen oder zu zeigen aus Jux nachmachten – und fühlte mich dabei aufs Angenehmste angegriffen, ja: geliebt. So wie unter Politikern einer als oben angekommen gilt, wenn die Karikaturisten sich über ihn hermachen. Unwichtige Leute »ignoriert man nicht einmal« (Karl Valentin), wichtige überzeichnet man, um ihre Größe ein bisschen zu stutzen, sie auf Menschenmaß zurückzuholen. Wobei das Ego durchaus ein paar Federn lassen darf, die wirkliche Größe wächst durch das Stutzen nur noch mehr.

Missbrauchte Weisheiten

Jede Weisheit lässt sich missbrauchen. Schon eine leichte Kontextverschiebung kann eine am Ort ihres Ursprung brunnentiefe Aussage zur Phrase machen. Spiri-Jargon besteht aus solchen Phrasen: Alles fließt; wie oben, so unten; es ist wie es ist; sei jetzt hier; alles ist Energie; spüre dein Herz; nimm es nach innen … Man könnte damit eine Phrasendreschmaschine bestücken, die uns wie Kaufhausgedudel rund um die Uhr besäuselt. Wir würden dadurch allerdings kein bisschen bewusster oder liebevoller, sondern hätten diesen Spirikram bald so dick, dass wir der Szene den Rücken kehren und nie wieder etwas mit Meditation oder spiritueller Praxis zu tun haben wollen.

Wenn es den Humor nicht gäbe. Denn der bewahrt uns vor dem leichten Glauben an diese naiven Phrasen, und er löst uns von einer zu starken Anhaftung an eine gewählte oder zugewiesene Identität. Anhaftung! Das ist doch genau das, was man als guter Spiri gelernt hat loszulassen! Es kann aber auch zu viel der Loslösung sein – auch hier hilft der Humor wieder, indem er sich nun über die frei Schwebenden, Losgelösten hermacht.

Bei der Zielfindung helfen

Humor ist ganz einfach: Man beobachtet die Form und ahmt sie nach, mit einer gewissen Übertreibung. Mich nervt zum Beispiel das Gerede über »Der Weg ist das Ziel«. Vor allem dann nervt es, wenn die unverbesserlich Ziellosen aus ihrer chronisch gewordenen Midlife-Krise heraus diesen Satz bewusstlos nachplappern. Da liegt es doch nahe, einen Navi zu entwerfen, also ein Gerät, das eigentlich bei der Zielfindung helfen soll, für das Finden der Ziellosigkeit (»Ich bin jetzt schon hier«) zu nutzen. Wenn ich einem dieser im Niemandsland Gestrandeten auf seine Phrase »Der Weg ist das Ziel« hin antworte: »Du verwechselst das Absolute mit den Relativen!«, fühlt er sich womöglich »mit meiner buddhistischen Theorie« belehrt. Wenn ich mir stattdessen einen Navi ausdenke, bei dem nicht nur die Wege, sondern auch die Ziele von einem Zufallsgenerator kreiert werden, während eine freundliche Stimme aus dem Gerät das Mantra »Der Weg ist das Ziel« oder »Es ist, wie es ist« säuselt, habe ich meinen Wink wahrscheinlich wirkungsvoller rüber gebracht – der ziellos Verirrte fühlt sich nicht belehrt, sondern lacht.

Fans und Fundis

So hoffe ich, dass unsere Leser durch das kontinuierliche Humortraining, das wir ihnen mit Connection Spirit zumuten, die richtige Distanz zu ihren Methoden und Heilsfiguren bekommen – nicht zu nah und nicht zu fern davon. Wie ich beim Thema »Heimat« zu zeigen versucht habe, ist ja manchmal auch die zu große Distanz zu den Methoden, Personen und Überzeugungen das Problem. Auch unsere Anzeigenkunden – die wir nicht nur schätzen, weil sie uns mit ihrem Geld unterstützen, sondern die tatsächlich auch des öfteren gute Produkte anzubieten haben!!! – können dabei gewinnen. Mit unseren humorigen Eskapaden werden wir sie nicht wirklich erziehen können (»auf dem zweiten Bildungsweg«, wie Liebespaare das einander so gerne wie erfolglos antun). Unsere Juxanzeigen können sie aber daran erinnern, dass aus einem schönen Wort oder Satz leicht ein Phrase wird. Dass Vielfalt etwas Gutes ist und Fanatismus, zumal im Bereich des Religiösen, immer eine Gefahr: Wir wollen ja Fans haben – auch ich –, aber wir wollen von ihnen nicht gegrillt werden und wollen, bei Licht besehen, auch nicht wirklich, dass aus ihnen Fundis werden.

Die Meta-Ebene

So, wie die weltlichen Menschen, wenn sie sich mal auf den spirituellen Weg begeben haben, nun dort ihre Anhaftungen finden und ihre Claims abstecken, so gehen auch die Anhänger des Humors leicht in die dort auf sie wartenden Fallen: die Verteidigung des Humors gegen die vermeintlich Humorlosen, die Verteidigung der richtigen Art des Humors gegen die falsche, und entwickeln dabei ein neue Art von ernsthafter Selbstbeweihräucherung, wie man sie zum Beispiel von Karnevalsvereinen her kennt.

Da hilft dann nur, auch hier wieder, der Sprung auf die Meta-Ebene: Bin ich meinem Humor gegenüber humorvoll, oder nehme ich ihn zu ernst? Bin ich meiner spirituellen Orientierung gegenüber »verhaftet« oder einfach nur loyal? Humor reicht aus als Weg der Transzendenz, aber er muss auch sich selbst gegenüber humorvoll sein. Wenn ich mich nicht selbst witzig finde in meiner stümperhaften Art der Versuche humorvoll zu sein, habe ich mir damit nur eine neue Grube gegraben.

Ist Humor lernbar? Jaaaaaaaaa!!!!! Sonst hätte ich keine Hoffnung mehr, also muss Humor erlernbar sein. Hier könnt ihr ihn erlernen.

»Humor ist im besten Fall kritisches Mitgefühl. Er deckt einen Missstand niemals auf, ohne ihn im gleichen Atemzug zu vergeben. Humor befreit den fehlerhaften Menschen von der Last unbarmherziger Selbstvorwürfe und macht zugleich jene Verdrängungsmechanismen überflüssig, mit denen er heilsame Selbsterkenntnis abzuwehren suchte.« Roland Rottenfußer

Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jg. 1952, Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie (1971-75). Hrsg. der Zeitschrift connection seit 1985 (www.connection.de). 2005 Gründung der »Schule der Kommunikation«. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Blog: http://www.connection.de/index.php/blog/

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