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Lebenskunst/Weisheit

Das geistige Prinzip

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Das geistige Prinzip
© Angela L. pixelio.de

Danke, fast erleuchtet...

Auf dem Weg der spirituellen Fortentwicklung begegnen uns viele Schulen und Systeme. Sie helfen uns immer, selbst wenn sie uns enttäuschen. Und Armin Rott vermutet, das das daran liegt, dass alles, was uns begegnet, uns auch hilft, weiter nach Hause zu gehen. Denn diese »Enttäuschungen« führen uns weiter, hin zur Wahrheit. Unsere Wege sind so verschieden wie wir Menschen selbst. Keiner gleicht dem anderen. Und die verschiedenen spirituellen Disziplinen gleichen sich ebenso wenig – außer, wenn sie gut sind, in ihrem Ziel. Daher ist es weniger entscheidend, welchen Weg jemand geht, sondern dass er ihn geht, bis zum Ende …

Man wird ihn jedoch nicht zu Ende gehen, wenn man denkt, man sei schon dort. Das ist vermutlich der größte Fehler, den man machen kann. Denn das ist Stillstand, nicht Stille. Doch selbst das ist nicht weiter tragisch, da uns das Leben zeigen wird, wenn wir noch nicht fertig sind. Und wir sind noch nicht fertig, wenn wir nicht glücklich und ohne Angst sind. Ich habe auf meinem Weg oft gesagt, jetzt hast du’s geschafft! Das war dann aber doch nicht so. . Und das war gut so. Und wir sind noch nicht am Ende angelangt, wenn wir nicht alle Menschen lieben (ich tue das noch nicht). Denn ohne Liebe sehen wir die Menschen als von uns verschieden und somit getrennt an. So etwas kann nur in einem »Traum von Wirklichkeit« geschehen.

Der Weg in die eigene Mitte

Nehmen wir ein Bild: Wir befinden uns auf der Felge eine Rades, und jede Bewegung, die wir machen, wird außen, auf dem Kreisbogen stattfinden, solange wir nicht unseren Weg – in Form einer Speiche – zum Mittelpunkt, wo alles eins ist, antreten. Die Bewegung außen ist das Hamsterrad der Welt – viel Bewegung und keine wirkliche Veränderung. Die Bewegung zum Zentrum hingegen, ist der Weg. Hin zum Zentrum, wo alle abgetrennten Fragmente der Einheit hinführen, irgendwann, um sich in der Mitte zu treffen, wo keine Bewegung mehr ist, sondern Stille und Frieden. Das Drehen des Rades jedoch erzeugt Kräfte, die uns daran hindern wollen, nach Innen zu gehen. Wenn wir nach innen, zu Stille hinstre2 ben, werden die Kräfte der rotierenden Welt uns wieder nach außen ziehen. Und diese Kraft, zurück ins Getümmel der Welt, wird unterstützt durch, nennen wir es mal »Die Einsamkeit der einen Speiche«, die wir ertragen müssen, wenn wir der Welt den Rücken kehren.

Doch bevor wir hier klären wollen, dass wir der Welt gar nicht den Rücken kehren wollen – zumindest noch nicht –, möchte ich sagen, dass die Kräfte immer kleiner werden, je weiter wir nach innen vordringen. In anderen Worten heißt das, der Weg wird immer leichter, und das einzig schwere ist eigentlich nur der Anfang, der mit einer Entscheidung ganz neuer Art beginnen muss. Eine Entscheidung ist zwar notwendig aber nicht hinreichend, wie man in der Mathematik so schön sagt. Eine Entscheidung–ganz–neuer–Art muss fallen. Es muss nicht weniger als ein persönlicher Paradigmenwechsel unseres eigenen Geistes stattfinden. Und auf die Entscheidung muss ein Prozess folgen, damit sie wirksam bleibt. Welches nun ist die Entscheidung? Nach Hause zu gehen, in die Einheit.

Und welches ist der Prozess? Einfach jede Entscheidung gegen die Einheit immer wieder zu revidieren! Denn wir trennen uns ständig ab, in unserem Alltag. Nein, von jetzt an treffen wir die Entscheidung–für–die–Einheit und gegen die Trennung. So lange, bis wir uns nie wieder für Trennung entscheiden.

Geist ist Ursache - Form eine Folge

Wir kehren deshalb der Welt noch nicht den Rücken zu, weil wir sie zum Erwachen brauchen. Die Welt, und unser so genanntes Leben in ihr, erinnert uns daran, wenn wir uns gegen die Einheit entschieden haben, weil uns dann wieder die Dinge begegnen, die uns aus der Liebe hauen. Oder besser gesagt, es begegnen uns die Folgen dessen, wenn wir selbst uns aus der Liebe »rausgehauen« haben. In diesem Sinne sind die Welt und unsere Körper neutral – sie tun das, was wir ihnen sagen. Da sie unsere eigenen Einbildungen sind, sind sie das perfekte Wunscherfüllungsprogramm. Wir brauchen das Wünschen gar nicht mehr zu lernen, wir haben es schon zu einer perfiden Perfektion darin gebracht, die zwar mit einigen schönen Dingen gefüllt scheinen, aber auch mit viel Leid und Angst. Manche Schulen würden sogar so weit gehen zu sagen, dass Welt und Körper unsere Gedanken sind. Unsere nicht ganz so erleuchteten Gedanken über uns und unser Wesen.

Die Wörter Spirit und Geist sind beinahe synonym. Wenn wir also über Spiritualität sprechen, müssen wir uns über geistige Prinzipien Klarheit verschaffen – oder besser noch: über das Prinzip des Geistes. Oder sogar noch besser gesagt: dass Geist ein Prinzip und somit Ursache ist, und »alle Form“ nur ein Folge…

Dieser Gedanke geht auf Platon zurück. Die Frage ist nur, ob Form folgen muss. Oder ob Form die Folge eines Geistes ist, der versucht, künstlich eine Wahl herzustellen, wo es doch logisch ist, dass in der Einheit Wahl weder möglich noch nötig ist. Eine Form bedingt die nächste, weil ihr das Prinzip der Verschiedenheit zugrunde liegt. Das zeigt die Quadratur des Kreises, die nie gelungen ist. Mathematisch ja, aber wahrhaftig? Ein Kreis ist ein Kreis, er kann zwar zum Quadrat werden… das hebt die virtuelle Existenz von Kreisen aber nicht auf. Dies ist das Treiben der Welt, das ich vorhin meinte. Denn wenn wir »aus einem Kreis ein Quadrat gemacht haben«, denken wir, wir hätten alles im Griff, dann haben wir die Kontrolle! Dass aber das Quadrat sich unserem bewussten Zugriff entziehen wird, das wollen wir nicht so gerne wahr haben. Damit meine ich, dass unser so genannter Alltag nicht so kreisrund läuft, wie wir uns das bewusst wünschen…

Das geistige Prinzip
© Barbara Schneider pixelio.de

Hinweise über unser Denken

Insofern ist z.B. auch das Konzept von göttlicher Geometrie zweifelhaft, denn Formen entstehen, werden aber auch wieder zerstört. Dass wir uns an die »Beständigkeit des Wandels« gewöhnt haben bedeutet nicht, dass der Wandel gut oder wahr ist. Wandel ist Dualität und die birgt immer ein Risiko für uns – mal läuft es gut, mal nicht. Die Quadratur des Kreises ist wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei – die Frage hält das Denksystem aufrecht! Zuerst war die Idee da, die Idee der Verschiedenheit. Doch Huhn und Ei sind das Gleiche, sie finden auf der gleichen Ebene statt, nämlich auf der Ebene der Zeit, die ihr einziges Unterscheidungsmerkmal ist. Genauso sinnlos ist die Frage, ob Minus– oder Pluspol zuerst da war – da sie einander bedingen und zum gleichen Prinzip gehören. Dem Prinzip der Dualität. Solche Fragen sind nicht dazu da, um beantwortet zu werden, sondern um uns im Spiel genau dieser Dualität gefangen zu halten!

Hier drei Fragen, die Hinweise über unser Denken und über die Funktionsweise unseres Geistes geben könnten:

  • 1. Die Frage nach dem Sinn des Lebens impliziert, dass das Leben einen Sinn hat. Ich will nicht behaupten, dass es keinen hat, aber seinen Sinn in Frage zu stellen kann zu interessanten Schlussfolgerungen führen. Zum Beispiel könnte dann der Tod in Frage gestellt werden! Leben und Tod, duale Medaille…
  • 2. Die Frage danach, was die Geschlechter wollen lenkt von der Frage ab, was die Menschen brauchen, unabhängig vom Geschlecht. Würden wir erkennen, dass die Unterschiede möglicherweise gar nicht so groß sind, wären die Differenzen zwischen ihnen vielleicht auch nicht mehr so groß…
  • 3. Die Frage danach, was man für die Erleuchtung tun muss, lenkt möglicherweise davon ab, was wir unterlassen müssen, um sie zu erfahren. Denn wir müssen es unterlassen, uns von allen anderen abzutrennen, weil Erleuchtung die Erfahrung und die Erkenntnis ist, dass wir nicht getrennt sind. Doch Hand aufs Herz – wie oft unterlassen wir genau das nicht?

Es geht immer nur um uns

Wie oft unterlassen wir das Urteil, die Ablehnung, die Be– und Entwertung anderer, den Groll und das Besserwissen nicht? Und wenn wir es getan haben, wie oft korrigieren wir es nicht, sondern halten am Gegenteil fest? Das ist der Zustand unseres Geistes momentan. Das ist der Zustand meines Geistes, und alles, was ich tun kann ist, die Korrektur immer wieder zuzulassen. Wenn wir uns diesen Zustand nicht ehrlich eingestehen, werden wir ihn nicht ändern können, weil wir viel zu sehr damit beschäftigt sein werden, ihn aufrecht zu erhalten, schön zu reden und zu rechtfertigen… Wir trennen uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit von anderen ab. Wir sehen unsere Interessen als von den ihren verschieden. Wir versuchen unseren fragilen Selbstwert durch das Abwerten anderer zu erhöhen. Ja, wir… es geht sowieso immer nur um uns! Wir nehmen Worte, Blicke, Handlungen anderer sofort–und–für–immer verdammt persönlich. Unser Gemütszustand ist von allen möglichen Dingen im Außen abhängig. Wenn was »Schlimmes« passiert, dann geht es uns schlimm. Wir sind Opfer und Täter, je nach Gelegenheit. Und wir merken nicht, dass die Opferrolle das Quadrat ist, oder das Huhn… und dass die Täterrolle der Kreis ist, oder das Ei – …zwei Seiten einer einzigen, dualen Medaille!

Warum wurde die Trennung erschaffen?

Ich bin nicht erleuchtet, nicht mal »fast«… aber es ist mein Wunsch und mein einziges Ziel, aus diesem Spiel des Leidens und der Angst auszusteigen. Und irgendetwas in mir sagt mir, dass es möglich ist. Auch für mich. Und genau darum geht’s! Es muss für alle möglich sein, sonst macht es gar keinen Sinn. Und es muss auf eine gewisse Art »kontrollierbar“ sein, also man muss irgendwie Einfluss darauf nehmen können. Sonst macht es irgendwie auch keinen Sinn, denke ich mir…

  • 4. eine weitere Frage, die meines Erachtens nicht ganz ehrlich ist, die aber im New Age immer wieder gestellt wird: warum wurde die Trennung überhaupt erschaffen? Damit Gott sich erfahren kann, wird oft gesagt. Damit die Schöpfung sich ausdehnen kann. Damit wird postuliert (behauptet), dass die Trennung tatsächlich stattgefunden hat. Und dass sie irgendwie gut und nützlich und sowieso gewollt sei. Doch warum geht’s uns dann nicht gut?

Warum haben wir dann diesen Schmerz? Und diese unstillbare Sehnsucht nach dem Frieden, den wir gar nicht mehr wirklich kennen? Wir haben uns da in eine scheinbar aussichtslose Lage gebracht:

  • wir wissen nicht mehr, warum wir hier sind
  • oder wer wir echt sind
  • oder wie wir hier wieder rauskommen
  • oder wie es uns hier wenigstens gut gehen könnte…

Individualität scheint unser kleiner großer Schatz zu sein, wir verteidigen sie mit Händen und Füssen. Und wir denken, dass ein grausamer und rachesüchtiger Schöpfer uns verschlingen wird, wenn wir sie aufgeben und zu Einheitsbrei werden. Wir wollen besonders sein! Einzigartig. Und dafür wollen wir die Bewunderung von anderen, von denen wir denken, dass sie nicht eins mit uns sind… Nun, auf der Ebene der Trennung sind wir einzigartig. Aber dafür sind wir auch verdammt einsam.

Wenn man die letzten vier Silben des Wortes betrachtet – Individualität – dann steht da Dualität…!

Ein Kurs in Wundern sagt sinngemäß, du kannst dich nicht alleine an den Himmel erinnern, weil der Himmel die Erinnerung daran ist, dass du nicht alleine bist. Wir haben Angst davor, uns zu verbinden! Weil wir denken, wir gäben dabei etwas auf. Diese Angst vor Verlust der Individualität hält uns auf der »Felge des Weltrades« und hindert uns daran, die Speiche entlang zu gehen, zur Mitte. Zumal wir Angst vor der Einsamkeit haben, wenn wir den Weg gehen, den die Mehrheit der Menschen noch nicht bereit ist, mit uns zu gehen. Und wenn wir gehen, kann ihn niemand für uns gehen … Wenn man die letzten vier Silben des Wortes betrachtet – Individualität – dann steht da Dualität…!

Wovon erwachen?

Erleuchtung wird mit Erwachen gleichgesetzt. Und um zu erwachen müssen wir uns fragen – wovon erwachen? Wir schlafen, ich schlafe? Wer bin ich denn, wenn ich nicht mehr schlafe? Liebe Leser, das kann ich Ihnen auch nicht beantworten. Aber ich kann sagen, dass wir es nur herausfinden werden, wenn wir nach der Antwort suchen. Und vermutlich werden wir sie nicht bei anderen Schlafenden finden, denn diese Traumfiguren werden uns vermutlich nur sagen, dass alles in Ordnung (hier) sei, dass dies unsere wahre Wirklichkeit sei; zumindest die meisten von uns sagen das. Wir befinden uns in einer Matrix von verwirrten und verwirrenden Gedanken. Zumindest meinen wir das. Es wird ja auch vom »Schleier« gesprochen, der gelüftet werden muss. Doch unterdessen dreht sich das Rad mit ungeheurer Drehzahl weiter – die Welt, sie dreht sich immer schneller.

Erleuchtung ist persönlich und zugleich unpersönlich

Für den letzten Teil des Artikels muss ich persönlicher werden, denn ich kann ja nur von mir selbst sprechen, und von meiner Erfahrung. Erleuchtung ist sehr persönlich. Und sie ist andererseits auch sehr unpersönlich, weil sie uns wegbringt von allem was wir bisher für getrennt hielten… und weil wir Erleuchtung zwar unterstützen, suchen und wollen können, aber nicht »selber machen«. Mein Weg ist Ein Kurs in Wundern. Sein Ziel ist die vollständige Befreiung von den Illusionen. Und er ist recht unmissverständlich darin, was alles Illusionen sind – so ziemlich alles, was wir zu erleben meinen!

Hierzu ein Gedankenexperiment: In spirituellen Kreisen wird oft gesagt, dass Zeit eine Illusion sei. Dann lassen Sie uns diesen Gedanken einmal weiter verfolgen: Wenn Zeit Illusion ist, dann muss alles, was mit ihr in Verbindung steht und alles, was sie enthält, auch Illusion sein:

  • Raum
  • Energie
  • Dimensionen
  • Wachstum
  • Licht
  • Schwingung
  • Entwicklung
  • Der Körper
  • aber auch sein Tod
  • und auch seine Geburt
  • Veränderung
  • Angst
  • Gefühle
  • Gefahr
  • und auch Beziehungen…

Die Liste könnte noch viel länger sein. Was sagt uns das in letzter Konsequenz? Dass diese Welt und alles in ihr nicht unsere wahre Wirklichkeit ist. Und ich glaube, Erleuchtung ist die Erkenntnis und die Erfahrung genau davon. Dass dann einiges wegfällt, was wir »liebgewonnen« hatten, das mag sein. Doch der Punkt ist, dass uns sowieso alles wieder genommen wird! Nichts auf dieser Welt ist von Dauer, und sie bietet uns keine Sicherheit. Diese Welt – und wir darin – ist ein selbsterschaffenes, unlösbares Problem. Das sieht man daran, dass alle Probleme, die gelöst worden sind, durch neue, meist noch größere Probleme abgelöst werden. Und sogar die schönen Sachen verhalten sich, wie Wilhelm Busch schon treffend bemerkte: »Ein jeder Wunsch, sobald erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.» Wir kommen nie zur Ruhe, haben nie genug. Und wir wollen es auch gar nicht! Wir lieben das Drama und die Action! Wir haben das sogar zur Kunstform erhoben. Und wir leben das Drama, wann immer möglich.

Denn diese Frucht der Trennung (gut und böse=Dualität) war nicht Gottes Werk, sondern unser Wunsch

Trennung und Rache

Der Kurs sagt zu unseren Problemen, dass sie alle nur eines sind, nur ein Problem – nämlich dass wir glauben, uns von der Einheit (Gottes) getrennt zu haben und uns deshalb schuldig fühlen. Alles Folgende ist nur ein Ausagieren dieses einen, ursprünglichen Trennungsgedankens. Wir agieren ihn aus, weil wir glauben, es verdient zu haben, getrennt und unglücklich zu sein, eben weil wir glauben, die Einheit verraten zu haben. Und dass uns die Einheit – eigentlich Gott – das wieder entreißen würde, was wir daraus gemacht haben – nämlich diese Welt und unsere Identität darin. Daher kommt die Idee eines Rachegottes. Wir denken, er täte uns nun das an, was wir ihm angetan zu haben glauben. Was wäre jedoch, wenn es nicht so wäre? Könnte so etwas überhaupt möglich sein? Beides meine ich: Trennung und Rache? Würde das ein liebender Schöpfer zulassen? Einen Baum mit einer verbotenen Frucht in Reichweite stellen und sich dann daran ergötzen, wenn die dummen Menschen ins offene Messer laufen? Ein möglicher Schlüssel zur Lösung des Problems könnte sein – es war keine verbotene Frucht, es war eine unmögliche!

Denn diese Frucht der Trennung (gut und böse=Dualität) war nicht Gottes Werk, sondern unser Wunsch. Der Wunsch nach Besonderheit… aber da auch dieser Wunsch nur in der Zeit stattfindet, kann er nicht wirklich sein. Die Welt zu spiritualisieren hat das Ziel, sie wahr zu machen und ich kann gar nicht sagen, wie befreiend es für mich war zu erfahren, dass Gott diese Welt nicht erschaffen hat!

Erleuchtung ist somit die Erkenntnis und die Einsicht, dass wir nicht von Gott getrennt sein können, weil wir es in Wahrheit auch gar nicht wollen, in der Illusion allerdings schon

Denken und Wünschen

Also ist diese Welt ein Ausdruck unseres Wunsches nach Trennung. Und wir kommen da nur raus, wenn wir unser Denken und Wünschen verändern – hin zurück zur Einheit. Das ist damit gemeint, dass die Welt ein Spiegel für uns ist – sie ist eigentlich der Ausdruck unseres (getrennten) Geisteszustands! Und »Spiegel« ist nur eine Metapher dafür, was in uns geschieht. Daher gibt es auch kein Resonanzgesetz. Es gibt nur unsere Projektion, und die ist Gott sei dank nicht wahr! Also gilt es, um Erleuchtung zu erlangen, all diese Projektionen aufzugeben – und das ist nicht so einfach, weil wir es eigentlich gar nicht wollen… Das ist auch nicht mit einer einfachen Entscheidung getan, sondern vielmehr mit einem jahrelangen Vergebungsprozess. Sofortige Erleuchtung, wie sie gerne verkauft wird, ist daher eher ein Werbetrick. »Es muss einfach gehen«, sagte mir mal jemand, und fuhr dann einfach fort, andere zu verurteilen…

Ja, es geht einfach, aber es ist alles andere als leicht! Weil wir nicht wollen. Daher lernen wir fast nur durch das Leiden. Wir lernen so lange nicht, bis wir am Boden liegen und aufgeben. Surrender… Und das liegt nicht daran, dass Gott von uns verlangte, dass wir uns unterwerfen sollen. Es liegt daran, dass wir immer noch glauben, uns selbst wie Münchhausen aus dem Dreck ziehen zu können, wo wir doch den Dreck als unser Werk und unser Zuhause haben wollten… Das ist das Problem, was uns vom Erwachen hält: dass wir immer noch glauben und glauben wollen, es besser als Gott machen zu können. Und dass Gottes Wille nicht der unsere sei. Doch wieso sollte es in der Einheit Gottes einen getrennten Willen geben? Erleuchtung ist somit die Erkenntnis und die Einsicht, dass wir nicht von Gott getrennt sein können, weil wir es in Wahrheit auch gar nicht wollen, in der Illusion allerdings schon.

Denn es gibt weder Kreise noch Quadrate, sondern nur Einheit ohne Form

Einheit ohne Form

Ich weiß nicht, wann ich Erleuchtung erlangen werde. Zumal »ich« und Erleuchtung sich widersprechen, denn in ihr gibt es kein »ich« mehr – zumindest kein solches, das ich kenne. . Es ist wie der Tropfen, der Ozean sein wollte und als er zurückkehrte, erkannte, dass er gar kein Tropfen ist, sondern alle Tropfen. Man könnte auch sagen: nur weil wir hin und wieder wie Eiszapfen sind, heißt das nicht, dass unsere Wassernatur aufgehoben ist. Kreise, die Quadrate werden können, existieren nur im Geist–von–Mangel. Denn es gibt weder Kreise noch Quadrate, sondern nur Einheit ohne Form. Also ist die Quadratur des Kreises ein Unterfangen, Form zu kontrollieren (und damit wahr zu machen) – das lenkt von der Frage ab, welcher Inhalt eigentlich wichtig ist… solange der Inhalt nicht Liebe ist, ist die Frage nach der Form völlig sinnlos.

Es ist wie der verlorene Sohn, der sein Heim verließ und zum ersten Mal Mangel erfuhr. Und sich dafür schämte. Schauen Sie sich unsere Welt und all den Mangel an, den wir erleiden – glauben Sie, das hat Gott für uns gewollt?! Ich glaube es nicht, nicht mehr – doch solange ich noch irgendeinen Mangel spüre – vor allem einen solchen an Liebe und Frieden – bin »ich« einfach noch nicht erleuchtet.

Armin Rott

   
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