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Lexikon spiritueller Lehrer

Carlos Castaneda

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Carlos Castaneda
Carlos Castaneda 1962

Bewussheit und Wahrnehmung

Carlos Castaneda ist einer der bekanntesten unbekannten Kultautoren aller Zeiten. Er war Anthropologe an der kalifornischen Universität in Los Angeles. Im Rahmen seiner akademischen Ausbildung führte er Feldforschungen zur Verwendung von Heilpflanzen und dem Gebrauch psychotroper Pflanzen bei den Indianern im Südwesten der USA und im angrenzenden Teil Mexikos durch. International bekannt wurde Castaneda durch mehrere von ihm veröffentlichte Bücher.

In ihnen berichtete er, dass er im Rahmen seiner Studien über die Indianer Mexikos und deren Gebrauch von Heilkräutern und Heiligen Kräutern (beispielsweise Peyote), einen Yaqui-Indianer namens „Don Juan Matus“ kennen lernte.

In den 1970er und -80er Jahren erlangten Castanedas Bücher internationale Popularität. Innerhalb der so genannten New-Age-Bewegung spielten sie eine wichtige Rolle. Inwieweit Castanedas Schilderungen authentisch sind oder die Grenze zur Fiktion überschreiten, wurde seitens des Autors nie genau geklärt. In der Ethnologie wird davon ausgegangen, Castaneda habe seine beschriebenen Erlebnisse erfunden. Castaneda lieferte nie wissenschaftlich haltbare Beweise für die Bestätigung seiner Feldforschungen, sein Werk ist deshalb wissenschaftlich nicht anerkannt.

Castaneda hat mit seinen Büchern eine Lücke im spirituellem Hunger des Westens ausgefüllt. Über 10 Millionen Exemplare wurden weltweit in mehreren Sprachen verkauft (und sie verkaufen sich noch immer gut). Er schöpfte Hoffnung für all jene, die das Vertrauen in die moderne westliche Gesellschaft verloren haben und wie ein Prophet versprach er die Führung zur inneren Spiritualität und zur wahren Erfüllung. Der alte Schamane hatte ihm den Weg gewiesen: gemeint ist Don Juan Matus, sein Lehrmeister, der verschlüsselte Antworten auf Castanedas naive Fragen gibt. Der Leser baut automatisch eine innige Empathie zum dummen und unreifen Zauberlehrling (wie Castaneda sich selbst darstellt). Der Leser reift gemeinsam mit dem Autor/Lehrling, denn jedes Buch verspricht neue Offenbarungen zu gewährleisten.

Außerdem entwickelte er in Zusammenarbeit mit Florinda Donner-Grau und Carol Tiggs ein System von „magische Bewegungen“ genannten Übungen zur Harmonisierung körperlicher Energien, die er in einem weiteren Buch veröffentlichte. Seit 1993 werden hierzu kommerzielle Workshops (Tensegrity) angeboten.

Im Frühjahr 1998 ist Castaneda gestorben, angeblich an Leberkrebs. Bereits in dem darauf folgendem Jahr 1999 verbreiteten sich im Internet mehrere kritische Berichte über Begebenheiten rund um Carlos Castaneda und seine Anhänger. Innerhalb der darauf folgenden Jahre wurde der Mythos vermehrt hinterfragt.

Zentraler Punkt der Lehre: Der Montagepunkt

Nach Vorstellung der toltekischen Schamanen, die vor Jahrtausenden in Mexiko gelebt haben und aus denen die schamanische Linie von Don Juan und Carlos Castaneda hervorgegangen ist, besteht alles im Universum, den menschlichen Körper eingeschlossen, aus reiner Energie. Der menschliche Körper erscheint dem Schamanen, der ihn als Energie wahrnimmt (ein Vorgang der bei Castaneda als Sehen bezeichnet wird), wie ein gewaltiges leuchtendes Ei. Innerhalb dieses leuchtenden Eis befindet sich eine Stelle von noch größerer Leuchtkraft, die die Schamanen als Montagepunkt bezeichneten, weil sie feststellten, dass an dieser Stelle unsere Wahrnehmung der Welt zusammengesetzt oder montiert wird. Am Platz des Montagepunktes werden die Energiefasern des Menschen verknüpft mit der unvorstellbar großen Masse der Energiefasern des Universums und an diesen ausgerichtet.

Das Resultat dieser Verknüpfung ist Wahrnehmung. Je nachdem, welche Energiefasern dabei genutzt werden, ergeben sich unterschiedliche Wahrnehmungen. Bewegt sich daher der Montagepunkt an eine andere Stelle, so führt das dazu, daß eine andere Welt in unserer Wahrnehmung erzeugt wird. Geringfügige Bewegungen des Montagepunktes lassen unsere Alltagswelt noch als solche bestehen, verändern sie jedoch in ihren Stimmungen und Nuancierungen. Werden die Bewegungen größer, so werden die zutage tretenden Phänomene immer fremdartiger, bis sich unsere altbekannte Welt schließlich komplett auflöst und ihr Platz von einer genauso umfassenden unbekannten neuen Welt eingenommen wird. Man kann sich den Montagepunkt also wie die Sendereinstellung eines universalen Radios vorstellen. (Leider hat jemand den Knopf versteckt und wir müssen auf ewig den Sender unserer Eltern hören!?)

Im Falle des Radios werden nur Frequenzen empfangen, zu denen die Resonanzfrequenz der Antenne paßt. Alle anderen Frequenzen scheinen nicht zu existieren und doch ist der Äther voll von ihnen. Mit dem Montagepunkt verhält es sich genauso. Carlos Castaneda fragte Don Juan in Das Feuer von Innen, was geschehen würde, wenn er seinen Montagepunkt in Bewegung brächte, während er sich auf der Straße, mitten im Verkehrsgewimmel von Los Angeles befände. »Los Angeles wird verschwinden wie ein Windhauch [...] Aber du wirst bleiben. Das ist das Wunder, das ich dir zu erklären versuchte. [...]«

   
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