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Einweihung

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Dschungel
Bild: pixelio.de, © Joujou

Ausbruch, Initiation und die Entdeckung der Frühzeit von Individuen und Kulturen

Einweihung in was denn? In einen Kult? Verborgenes Wissen? Die Geheimnisse des Lebens? Wolf Schneider brach aus seiner angestammten Kultur aus, um all das ausfindig zu machen, kehrte zurück und versteht nun besser, was es mit Religion, Kultur, den Geheimnissen des Lebens, der Welt und den Anderswelten auf sich hat

Als Jugendlicher habe ich mich nicht für Religion interessiert; auch nicht für Schamanismus, ich kannte das Wort nicht einmal. Ich wollte nur immer »in der Natur« sein, unter Tieren und Pflanzen. Ich träumte davon wie ein Tier sein zu können, das in der Natur zu Hause ist, eingebunden, sorglos. Fressen, fliehen oder angreifen, sich fortpflanzen, sterben, was für ein schönes, einfaches Leben! Nicht grübeln müssen als Heimatloser in einer fremden Umgebung: Warum bin ich hier?

Gute Freunde hatte ich nicht, jedenfalls nicht unter den Menschen. In der Schule versuchte ich, so unauffällig zu sein wie möglich. Nach der Schule ging ich in den Wald, zu den Vögeln, Rehen und Hasen, den Molchen und Krebsen in dem kleinen Bach, den ich staute, um die versumpfte Fläche zu vergrößern. Legte mich ins Moos und schaute zwischen den Kiefern hindurch in den Himmel. Tauchen oder fliegen können, das wär's! Aber ich hatte keine Flügel und keine Flossen, konnte unter Wasser die Luft höchstens eine Minute lang anhalten, und an Land war ich viel langsamer als die Rehe, außerdem fror ich so leicht, dass ich es die meiste Zeit des Jahres ohne Kleidung im Wald nicht lange ausgehalten hätte.

Als in dem Waldstück hinter unserem Haus ein großer Parkplatz gebaut wurde für ein Badegelände (das sie auch noch das »Paradies« nannten), war ich schockiert und fühlte mich persönlich so verletzt, als hätte man in mich hineingeschnitten und nicht nur in diesen Wald, der an so vielen Stellen doch noch so viel Unberührtes hatte. Forst statt Wald, die Verwendung des Waldes als Holzplantage, lernte ich erst später so richtig kennen und hassen.

Ich hatte von anderen Abenteurern gehört, die dort untergetaucht waren, und wollte nun selbst in den Dschungel gehen und nicht mehr zurückkehren müssen

Zurück zur Natur

Als ich 1975 im Alter von 22 Jahren auf einer großen Asienreise nach Singapur geraten war und von dort aus ein Schiff nach Sarawak nahm, brach die Sehnsucht nach einem Aufgehen und Verschwinden in der Natur nochmal so richtig durch. Ich hatte von anderen Abenteurern aus meinem Kulturkreis gehört, die dort untergetaucht waren, und wollte nun selbst in den Dschungel gehen und nicht mehr zurückkehren müssen. Dass mein Visum nur für vier Wochen galt, was soll's, ich würde in den Wald gehen und dort leben!

Mann umarmt Baum
Bild: photocase.com, © Wickelbär

So brach ich eines Tages auf, mitten in der Regenzeit, und wanderte einfach auf einem Pfad der Einheimischen hinein in den Wald. Nach ein paar Stunden kam ich zu einem Langhaus der dort siedelnden Iban. Sie luden mich auf ihre Plattform ein – eine langgetreckte Struktur auf Stelzen, die Haus und Dorf zugleich ist, mit einzelnen Räumen, einem Gemeinschaftsraum und davor einer Terrasse. Mein Malaiisch reichte aus, um mich ein bisschen mit den Iban zu verständigen: Hast du Hunger, willst du Wasser trinken, woher kommst du, wohin gehst du? Viel mehr war erstmal nicht nötig. Das Schönste bei diesem Empfang war, wie mich diese Menschen anfassten, auch die Kinder. Sie bestaunten meine helle Hautfarbe, betasteten zart die Haut meiner Arme und konnten sich nicht sattsehen an den golden glitzernden Härchen darauf, die ich selbst bis zu dem Zeitpunkt kaum zur Kenntnis genommen hatte. Ich aß mit ihnen, übernachtete und zog am nächsten Tag weiter, tiefer in den Wald hinein. Würde ich dort auf Stämme treffen, die mich aufnehmen würden? Noch vor zwei Generation hatte es hier Kopfjagd gegeben, sagte man mir, und in einigen Häusern sah man noch die Köpfe erbeuteter Feinde von der Decke hängen.

Auf sumpfigen Wegen, gelegentlich auf Baumstämmen reißende Bäche überquerend, war ich zwei Tagesreisen später über die grüne Grenze in Kalimantan angekommen, das zu Indonesien gehört. Der Teil von mir, der die Zivilisation doch noch nicht ganz loslassen wollte, hatte die Oberhand gewonnen. Ich hörte Menschenstimmen, näherte mich ihnen und ließ mich von einem Außenposten des indonesischen Militärs festnehmen.

Ein anderer sein

Mit meinem heutigen Wissen um Psychologie, Erwachsenwerden und Initiation sage ich: Meine Reisen waren nicht nur Aufbruch, Flucht und Mutproben, sondern ich habe mich damit auch selbst initiiert, weil meine Kultur es nicht getan hat. Sie ist sich dieses Defizits nicht einmal bewusst. Mit 16 hatte ich begonnen zu trampen und auf meinen Reisen gelegentlich draußen zu schlafen. Dann wechselte ich zu einer Schule in einem Land, das ich nicht kannte (Frankreich), und an der niemand Deutsch sprach. Mit 17 trampte ich allein nach Spanien, dann nach Marokko, schlief in Felsenhöhlen am Strand und in den ostspanischen Bergen auch dort nachts draußen, wo die Einheimischen mich vor Wölfen gewarnt hatten. Ich fühlte mich noch nass hinter den Ohren, grün, unreif, dem Leben nicht gewachsen. Wie unter eine Käse-Glocke, die mich vor »dem richtigen Leben« hatte schützen sollen, war ich aufgewachsen. Unter dieser Glocke aber war ich verkümmert, und so wollte ich hinaus, ohne so recht zu wissen wohin.

Erst nach zwei Jahren allein und fast ohne Geld in Asien fühlte ich mich einigermaßen reif. Meinen Eltern und den anderen Auslösern meiner Flucht konnte ich nun gegenübertreten ohne Wut und Scham, sie konnten mich nun nicht mehr manipulieren und herumschubsen – ich war frei. Dem vorausgegangen waren mehrere Neugeburten, Todesnähe, Kulturwechsel bis ins Innerste. Ich hatte in einer anderen Sprache als den europäischen geträumt, hatte geliebt und war geliebt und verlassen worden. Ich war ein anderer geworden als der, der da einst ausgezogen war.

Was wäre, wenn …

Heute frage ich mich manchmal: Was wäre gewesen, wenn meine eigene Kultur mich initiiert hätte? Was, wenn reife, freie Männer, die sich ihrer Freiheit und Würde bewusst sind, mich aufgenommen hätten in ihre Welt der Erwachsenen? Was, wenn mein Vater stolz darauf gewesen wäre, dass ich mit 23 erst in den Urwald von Borneo ging und dann buddhistischer Mönch wurde? Stattdessen war er wütend, weil ich mein Studium nicht beendet und mich dann auch noch einer so primitiven Weltanschauung wie dem Buddhismus angeschlossen hatte (er war Wissenschaftler). Die Uni war für mich ein unpersönlicher, geistloser Massenbetrieb, das »Reifezeugnis«, das ist am Gymnasium erhalten hatte, ein Witz. Der Tanzkurs, den ich mit ungefähr 15 mitgemacht hatte, war nur peinlich. Ansonsten gab es keine Kandidaten für eine Initiation. Sexuelle Aufklärung? Meine Eltern erledigten das, in dem sie uns Kindern Bücher gaben, darüber sprechen konnten sie kaum und vermieden es jedenfalls. Sexuell initiiert wurde ich erst kurz vor meinem 19. Geburtstag, und ich hatte großes Glück dabei: Die Frau, die mir diese Phase meines Lebens eröffnete, war ein Geschenk des Himmels. Andere Männer hatten da meist weniger Glück, wie ich aus Erzählungen jenseits der männlichen Prahlerei erfuhr.

Gab es für mich spirituelle Initiationen? Ja, als buddhistischer Samanera. Dann als Sannyasin in Pune, Indien. Aber das waren formelle Einweihungen, die mich nicht so tief berührten, wie manch Anderes. Letztlich bin ich ein selbsternannter … nein, nicht Guru (das ist das Sanskrit- und Hindi-Wort für »Lehrer«, das bei uns allerdings nur als Schmähwort der Medien im Gebrauch ist, die damit ihren Kult der Experten, der Gurus des Westens verdrängen), sondern ein selbsternannter Schüler des Lebens. Ich bin Autodidakt, Lernender und lehrend Lernender und habe mich selbst initiiert – oder genauer: Das Leben hat es getan, nicht ich.

Ökologie als Religion?

Mit dem Wiedereinzug des Schamanismus in unsere religiös verwirrte Welt kommen auch schamanoide Praktiken der Naturvölker zu uns, darunter die Jugendinitiation. Der Schamanismus beinhaltet das nicht zwingend, aber die auslösenden Bedürfnisse für diesen Kulturimport sind ähnliche: Unsere Kultur vernachlässigt den Bezug zur Natur; sie enthält keinen Konsens über rituelle Übergänge zwischen den Lebensphasen; das Religiöse verdrängt sie ins Private und überlässt es weitgehend der individuellen Lebensgestaltung, so dass die Gemeinschaftsbildung, die ja traditionell eine Funktion des Religiösen ist, zu kurz kommt.

In dieser sozial und religiös so defizitären, weitgehend von der Natur entfremdeten Single- und Kleinfamiliengesellschaft aber wächst nun seit ein paar Jahrzehnten eine Bewegung heran, die wenigstens politisch-wirtschaftlich diese Mängel beheben will: die ökologische Bewegung. Die aber hat im geistig-religiösen Bereich ein riesiges Defizit. Sie versteht sich überwiegend als säkular, diesseitig, oft als areligiös und stürzt dementsprechend oft in Sinnkrisen und Burnouts. Gut, dass hier keine naive Akzeptanz irgendeiner prärationalen Religiosität vorherrscht, aber es fehlt andererseits doch etwas. Hier könnte ein aufgeklärter Schamanismus, besser noch eine spirituelle Ökologie oder Tiefenökologie weiterhelfen, die durchaus einiges von den Weisheiten der Naturvölker mitbringt. Ökologie birgt als Wissenschaft von den Kreisläufen und Interdependenzen schon ein ganzheitliches Denken in sich; von hier aus ist der Schritt zu einer aufgeklärten, transrationalen Mystik, die um unsere Beheimatung in der Natur weiß, nicht mehr weit.

Es gibt einen Freizeit-Schamanismus als Gegenwelt gegen den Stress der Arbeitswelt, das Wohnen in zubetonierten Städten und die Künstlichkeit unserer heutigen Dienstleistungs-Kultur

Naiver und reifer Schamanismus

Damals, früher, war es doch so schön! Wirklich? Bei der Wiedereinführung schamanischer Denkweisen, Heilmethoden und Praktiken der Lebensführung ist man gut beraten, nicht einfach dem Wunsch nachzugeben, in ein prähistorisches, vor den oder jenseits der Hochkulturen liegendes vermeintliches Paradies zu regredieren. Viele der heute angebotenen »schamanischen« Methoden huldigen einem solchen Bedürfnis. Die Folge ist ein Freizeit-Schamanismus als Gegenwelt gegen den Stress der Arbeitswelt, das Wohnen in zubetonierten Städten, die Künstlichkeit unserer heutigen Dienstleistungs-Kultur und unseres Umgangs miteinander. Ein solcher Schamanismus mag einen gewissen Bedarf an Erholung oder Ergänzung erfüllen, auf »echte« Schamanen aber wirkt er lächerlich und wie ein Verrat an unserer eigenen Kultur. Und er befriedigt auch nicht wirklich, so wenig wie ein Sonntags-Christentum oder die übliche Freizeit-Esoterik.

Auf Inseln in der Wohlstandsgesellschaft unserer »Zivilisation« kann ein solcher naiver Schamanismus gedeihen, so lange der Mittelstand dazu die nötige Knete hat und eine ausreichend starke Sehnsucht danach, neben den normalen auch »Anderswelten« zu bereisen. Aber es gibt auch einen intelligenten, reifen Schamanismus. Der verpflanzt nicht einfach Praktiken, Denkweisen und Rituale von einer Kultur in die andere, sondern versucht erst, sie zu verstehen. Erst dann kann sich herausstellen, welche für uns heute geeignet sind. Die meisten passen bei uns nämlich nicht. Und das Verstehen, das ist gar nicht so leicht. Das ist die uralte Forderung nach Transzendenz, nach Einsicht, nach einem tiefen Begreifen des Menschseins. Dazu müsste man selbst Schamane sein, Weiser, Erleuchteter, also mit einem Bein jenseits aller Formen stehen, drüben, in der Anderswelt.

Kindheit ist Frühzeit

Naivität ist aber nicht den Freizeitschamanen vorbehalten. Die meisten religiösen Formen, ja die meisten Kulturformen sind in ihrer angewandten Praxis naiv. Auch die Psychotherapie. Als Seelsorge der säkularen, postindustriellen Gesellschaft steht sie dem Schamanismus gegenüber, der einst die Seelsorge der Jäger- und Sammlerkulturen war. Dazwischen liegt (historisch, aber auch soziologisch) der Absolutismus der großen Religionen. So verbindet sich in den modernen Formen der Synthese von Schamanismus und Psychotherapie die Neuzeit wieder mit der ganz frühen Zeit – wie eine große Brücke über die Zeit und über die Starre, Dogmatik und den Größenwahn der so genannten »Hochkulturen« hinweg.

Unsere Wurzeln liegen in der Frühzeit. Das gilt für das Individuum mit seinen Wurzeln in der Kindheit ebenso wie für die Kulturen mit ihren Wurzeln in der Frühzeit. Die Psychotherapie, die schon immer ein großes Interesse an der Kindheit des Individuums hatte, beginnt nun, sich auch für die Kindheit der Kulturen zu interessieren – und die ist vermutlich schamanisch.

Die allerersten Anfänge liegen allerdings noch vor der Altsteinzeit: bei der Menschwerdung des sich aufrichtenden Affen. Deshalb haben hier nicht nur Ethnologie und prähistorische Forschung ein Wörtchen mitzureden, sondern auch die Evolutionsbiologie: Seit wann hat der Mensch eine Sprache? Seit wann Kunst, Religion, Feuer, den aufrechten Gang? Seit wann gebraucht er Werkzeuge? Seit wann hat er Mitgefühl? Seit wann macht er Musik und tanzt, seit wann heilt er? Sogar Selbsterkenntnis – die Fähigkeit, sich selbst im Spiegel (z.B. eines Teichs) zu erkennen – hat man bei allen Menschenaffen vorgefunden, nicht jedoch bei den nah verwandten Gibbons; sie beginnt also vor schätzungsweise 12 bis 18 Millionen Jahren.

Religion und Heilkunst in Europa

Europa und Amerika ist christlich, Asien hinduistisch und buddhistisch, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika herrscht der Islam, in Schwarzafrika der Animismus und das konvertierte Christentum, den Schamanismus gibt's in Sibirien, der Mongolei und bei den Naturvölkern? Nein, so einfach ist es nicht. Europa war vor der christlichen Missionierung ungefähr so schamanisch wie das, was sibirische und brasilianische Schamanen gemeinsam haben, ebenso Nordamerika. Tibet ist ein gutes Beispiel für eine Fusion eines einheimischen Schamanismus (Bön) mit der importierten Hochreligion (Buddhismus). Lateinamerika und Afrika ist geprägt von zahllosen Fusionen aus christlichen und prächristlich-schamanischen Kulten. Die wichtigsten Feste des Christentums sind aus prächristlichen Kulten entstanden, die man heute schamanisch oder animistisch nennen würde. Auch zentrale Elemente des Islam, wie etwa das Pilgern zur Kaaba sind vorislamisch-heidnischen Ursprungs (die Kaaba ist ein Steinheiligtum, vergleichbar mit Stonehenge).

Ist der Schamanismus eine Religion oder eine Heilkunst? Wie auch bei den anderen Heilkünsten und Religionen, geht auch hier beides ineinander über. Im europäischen Mittelalter waren die Heilkundigen überwiegend Frauen. Erst als mit dem Christentum und der Schulmedizin das Patriarchat sich voll durchsetzte, durften weder die körperlich Heilenden (die Ärzte) noch die Seelsorger Frauen sein – in den Hexenverdächtigungen und -verbrennungen des 15. bis ins 19. Jahrhunderts fand dieser Sieg des Patriarchats seinen grausamen Abschluss. Der Arztberuf war Männern vorbehalten, ebenso der Priesterberuf. Noch heute sind Ärzte überwiegend Männer (sogar in der Gynäkologie: In der österreichischen Landeshauptstadt Graz etwa kommen auf 19 Gynäkologen zwei Gynäkologinnen), das Hilfspersonal ist weiblich. Ebenso im Pfarrhaus, und das katholische Priesteramt ist nach wie vor Männern vorbehalten. Die Rehabilitierung der vorchristlichen europäischen Heilkunst ist also auch ein Wiedergewinnen von Frauenrechten im Bereich von Religion und Heilkunde.

Kulturrevolutionen und -fusionen damals und heute

Andere Kontinente haben ähnliche Kulturrevolutionen (paradigm shifts) erlebt wie die europäische Hexenvernichtung, als so genannte »Hochreligionen« Elemente einer alten, schamanischen Kultur in sich aufnahmen und integrierten, oder aber zurückdrängten bis hin zur Auslöschung: in Australien die Aborigines, in Neuseeland die Maoris, in den Anden u.a. die Inkas, im Amazonas-Tiefland viele einzelne, sehr verschiedene Stämme, in Afrika diverse Formen des Animismus, in Nordamerika die dortigen Indianer und Eskimos, und im islamischen Kulturraum wurde etwa der Glaube an Geister (Dschinn) aus präislamisch-schamanischen Kulten übernommen. In Japan ist der Shinto-Glaube eine gewisse Fusion mit dem Zen eingegangen. In Korea und der Mongolei sind Buddhismus und Schamanismus zu vielfach sehr fruchtbaren Synthesen zusammengewachsen, und in China waren Fangshi genannte Zauberpriester unter den Vorläufer des Daoismus, der dann mit dem aus Indien herüber gekommenen Buddhismus in die Blütezeit des Chan mündete, der wiederum die Grundlage des Zen ist. Vieles andere wäre da auch noch aufzuzählen, wie etwa die Marienkulte im christlichen Kulturraum, insbesondere die um die schwarze Madonna, und auch die christlichen Feste Weihnachten und Ostern, die ihre wichtigsten Kultformen aus dem prächristlichen Heidentum (dem europäischen Schamanismus) beziehen.

Vielleicht können wir die heutige Wirtschafts-, Glaubens- und Vertrauenskrise sogar nur mit Hilfe von wirkungsvollen Übergangsriten meistern

Den Wandel rituell gestalten

Viele Menschen sehen sich gerade jetzt nach einem grundlegenden gesellschaftlichen Wandel, einer kulturellen Revolution. Vielleicht können wir die Wirtschafts-, Glaubens- und Vertrauenskrise, die sich momentan weltweit ausbreitet, und die noch viel tiefer einschneiden wird, als die meisten von uns sich heute eingestehen wollen, sogar nur mit Hilfe wirkungsvoller Übergangsriten meistern. Eine Einbeziehung schamanischer Praktiken in unser modernes Leben kann uns wieder mehr mit der Natur in Verbindung zu bringen und mit unseren Mitmenschen. Wenn wir sie nicht naiv anwenden, sondern mit aufgeklärtem Bewusstsein, können schamanische Séancen wie Seelenrückholungen und Reisen in die Anderswelt uns Einsichten und Kraft für den nötigen Wandel bringen. Initiationen können diesem Wandel bindende soziale Formen geben, die wirksam sind und gültig. Als zugleich aufgeklärte und eingeweihte Individuen könnten wir heimkehren in eine reifere Gesellschaft.

Von Wolf Schneider

Wolf Schneider, Jg. 1952, Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie (1971-75). Hrsg. der Zeitschrift connection seit 1985. 2005 Gründung der »Schule der Kommunikation«. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Blog: www.schreibkunst.com


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