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Ist der Schamanismus nur eine Naturheilweise?

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Ist der Schamanismus nur eine Naturheilweise?
Foto: Prem Vidroh

Schamanismus als spirituelle Heilmethode

Trotz der großen Vielfalt der schamanischen Kulturen versucht die Humanbiologin und Psychotherapeutin Kerstin Neumann hier, den Schamanismus in seinen wesentlichen Merkmalen zu kennzeichnen. Im Unterschied zu den anderen Naturheilverfahren begibt sich der Schamane bei seiner Art zu Heilen in die »Anderswelt«. Dort verbindet er sich dort mit Kräften – »Spirits« – die seinen Patienten helfen können. Insofern könnte man ihn als »spirituelle Heilmethode« bezeichnen

Um den Schamanismus genauer greifen zu können und um zu klären, ob es sich bei dieser alten Heilkunde um eine reine Naturheilweise handelt, lohnt sich zunächst ein Blick auf den gängigen Begriff der Naturheilkunde.

Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff »Naturheilkunde« eine Vielfalt verschiedener Methoden, die die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung aktivieren sollen. Dazu bedienen sie sich bevorzugt in der Natur vorkommender Mittel oder Reize wie der Sonne, des Lichts, der Luft, der Bewegung, der Ruhe, der Nahrung, des Wassers, der Kälte, der Erde, der Atmung, der Gedanken, der Gefühle und Willensvorgänge. Wird der Begriff weiter gefasst, werden auch »natürliche« Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen, subsumiert. Zur »klassischen« Naturheilkunde zählen u.a. die folgenden Naturheilverfahren: Phytotherapie (Einsatz von Pflanzenwirkstoffen), Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen), Bewegungstherapie, Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Kost und eine dem Krankheitsbild angepasste Diät) und Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und Einklang mit der Natur).

Als Naturheilkunde werden heutzutage auch oft Bereiche der Alternativmedizin (Homöopathie, Bach-Blütentherapie, Traditionelle Chinesische Medizin, Ayurvedische Medizin) und im engeren Sinne Teile der Komplementärmedizin (wissenschaftlich nicht anerkannte, die Schulmedizin ergänzende Verfahren) bezeichnet. Im Gegensatz zu den alternativmedizinischen Heilmethoden, die auf unterschiedlichen Lehrgebäuden stehen, lässt sich die Wirkungsweise der eigentlichen Naturheilkunde wissenschaftlich belegen und steht mit dem wissenschaftlichen Weltbild im Einklang. Die meisten Naturheil- und alternativen Verfahren haben einen so genannten ganzheitlichen Ansatz, das heißt, sie versuchen, die gestörte Harmonie des gesamten Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wobei sie den Anspruch haben, nicht nur den Körper zu behandeln, sondern Geist und Seele einzubeziehen.

Schamanen können großes naturmedizinisches Wissen haben, aber das alleine reicht nicht aus, um Schamane zu sein

Kennzeichen des Schamanen

Schamanen haben in ihren Stammesgesellschaften Heilerfunktionen. Sie verfügen über ein großes Wirkspektrum, das von Diagnosestellung und Heilungsarbeit in einer Trance, über Rituale und ein großes Wissen über die Heilkräfte der Natur reichen kann. Wenn auch die Techniken der Schamanen in verschiedenen Ländern durchaus variieren können, gibt es Kennzeichen der Schamanen über alle Kulturen hinweg: Der Schamane ist in der Lage, willentlich in veränderte Bewusstseinszustände ein- und auszutreten und erlebt sich als »Reisender« in andere Welten. Schamanen begeben sich auf diese Reise, um Informationen oder Macht zu erhalten mit der Absicht, den Menschen in ihrer Gemeinschaft zu helfen. Idealerweise wurde der Schamane zu seiner Aufgabe durch »die unsichtbare Welt« (auch »Anderswelt« genannt) berufen. Oft zeigt sich dieser Ruf in Krankheiten, Visionen oder Träumen. Manchmal weisen zukünftige Schamanen bereits bei der Geburt besondere Merkmale auf oder erben die Aufgabe. Neben der Fähigkeit, in Trance zu fallen, diese willentlich zu steuern und wieder verlassen zu können, durchlaufen Schamanen meist nach ihrer Berufungskrise eine jahrelange Lehrzeit bei anderen Schamanen, um die Strukturen der unsichtbaren Welt zu verstehen, in die Kosmologie eingeführt zu werden und Diagnose- und Heiltechniken zu erwerben. Nach dieser Lehrzeit demonstrieren sie diese Fähigkeiten oft in einer öffentlichen Prüfung und es schwören, diese Fertigkeiten nicht für eigene Zwecke zu nutzen, sondern sie zum Wohle der Allgemeinheit zu verwenden.

Ein weiteres Kennzeichen des Schamanismus ist die Beherrschung des Feuers. Dabei geht es eher um das »innere Feuer«. Diese innere Hitze dient der Umwandlung für die Herstellung eines inneren Seelenkörpers und der besonderen magischen Kraft.

Vergleicht man Schamanen mit anderen Heilern, so können diese auch großes naturmedizinisches Wissen haben, aber das alleine reicht nicht aus, um Schamane zu sein. Medizinmänner oder Medizinfrauen, wie die Heiler nordamerikanischer Indianer oft genannt werden, verfügen in der Regel über viel naturmedizinisches Wissen, aber das bedeutet nicht, dass jeder Medizinmann Schamane ist.

Afrika, Bali, Brasilien, Haiti

In Afrika spielt Magie eine zentrale Rolle. Hier gibt es viele Orakelpriester und Fetischzauberer, ihre Kenntnisse werden geheim gehalten und die Magie kann sowohl in einem heilenden als auch tödlichen Kontext eingesetzt werden. Verschiedene magische Rituale und Bräuche werden oftmals dem Schamanismus zugeschrieben. Aber meist haben zum Beispiel Fruchtbarkeitsrituale für das Wachstum der Ernte nichts Schamanisches, sondern sind eher im religiös-magischen Kontext zu verstehen.

Wird der Blick auf Balinesen, Brasilianer oder Bewohner von Haiti gerichtet, zeigt sich, dass hier vor allem Tempeltänzer, Medien, oder Voodoo/Candomblé-Priester zu finden sind. Sie können eine Trance nicht unbedingt willentlich herbeiführen, lenken oder verlassen wie es die Schamanen vermögen. Sie werden spontan von einer Gottheit, einem Geist oder einer Macht besessen. Es ist ihnen oft nicht möglich, sich an das Trancegeschehen zu erinnern. Sie werden nicht ausgebildet, und sie setzen ihre Begabung spontan in Trance fallen zu können nicht immer für Heilzwecke ein.

Ist der Schamanismus nur eine Naturheilweise?
Foto: Didi01, pixelio.de

Erfahrungsschätze, aber kein Lehrgebäude

Was ist es, das den Schamanismus im Sinne einer Naturheilweise kennzeichnet? Zunächst lässt sich festhalten, dass er nicht auf einem Lehrgebäude basiert, so wie die Traditionelle Chinesische Medizin, oder auf einem wissenschaftlichen Fundament, so wie die klassische Naturheilkunde. Er gründet sich auf uralten Erfahrungsschätzen. Die schamanischen Heilkunde wird auf mindestens 30.000 Jahre geschätzt, aus ihr gingen Lehren wie die ayurvedische Medizin hervor.

Schamanismus arbeitet mit den Heilkräften der Natur: den Kräften der Pflanzen, der Tiere und der Steine. Hinzu kommen die Elemente »Erde, Feuer, Wasser und Luft« und die Kräfte der Himmelsrichtungen »Norden, Süden, Westen und Osten«. Als ältestes Heilungssystem der Menschheit ermöglicht der Schamanismus, die Heilkräfte der Natur und des Kosmos wahrzunehmen, zu verstehen und zu lenken, um sie zum Wohle aller Wesen einzusetzen.

Schamanische Heilkunde gibt es seit mindestens 30.000 Jahren. Aus ihr gingen Lehren wie die ayurvedische Medizin hervor

Harmonie herstellen

Der Schamanismus hat ebenso wie die Naturheilkunde den Schwerpunkt ein harmonisches Gleichgewicht herzustellen. Schamanen haben die primäre Funktion des Heilers. Unter Heilung wurde »ganz machen« verstanden. Schamanen waren somit Menschen, die »heil und ganz machen« oder alles »in Harmonie bringen«. Heilung wurde nicht ausschließlich darin betrachtet, dass die körperliche Gesundheit wiederhergestellt wird. Der Krankheitszustand war lediglich Symptom einer Disharmonie und wies darauf hin, dass Körper, Geist und Seele nicht mehr miteinander verbunden waren. Wenn der Körper mit der Seele in Harmonie mit dem Geist arbeitet, dann resultiert eine gute Gesundheit. Um die Harmonie zwischen dem Menschen, der Natur und dem Kosmos wieder herzustellen, nutzt der Schamane seine spezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Auch wenn der Schamane manchmal als Psychologe fungiert und sich mit Heilpflanzen auskennt, geht es ihm im Gegensatz zum Naturheilkundler oder auch zu den alternativen Verfahren primär um eine spirituelle Heilarbeit. Er wird in der Regel dem Patienten nicht etwas verschreiben, das er dann einzunehmen hat, wie etwa ein Heilkraut oder Globuli. Er arbeitet mit dem Geist der Pflanze. Das ist seine Hauptaufgabe: die Vermittlung heilender, spiritueller Kräfte, um negative Energien in positive umzuwandeln.

Das Weltbild des Schamanismus

Aus der Sicht der Schamanen ist alles lebendig und beseelt. Menschen, Tiere, Pflanzen und auch Steine pulsieren in Schwingungen; sie haben einen »Spirit«, eine Seele, eine unsichtbare Schöpferintelligenz. Es gibt eine Höchste Intelligenz, die hinter allen existierenden Dingen steht und auch im Inneren der Schöpfung zu finden ist. Alles hat seine eigene, individuelle Ausdrucksform, es dient einem spezifischen Zweck, zu dem es erschaffen wurde und hat ein spezifisches »Bewusstsein«. Alles, was existiert, ist mit allem anderen innerhalb eines großen universalen Energienetzes verbunden. Dies ermöglicht die Verbindung mit allen Dingen und auch die Kenntnis von allen Dingen. Dieses Wissen ist für den Schamanen in veränderten Bewusstseinszuständen erfahrbar. Als »Wanderer zwischen den Welten« bzw. als Mittler zwischen der Gemeinschaft, der er angehört, und den jenseitigen Mächten, tritt der Schamane mit verschiedenen Wirklichkeiten in Kontakt, mit unterschiedlichen Welten, die neben unserer Welt, auf unterschiedlichen Ebenen und Energiefrequenzen existieren und die sich durchdringen. Er beobachtet das, was jenseits oder innerhalb der äußerlichen Erscheinungsformen unserer Welt liegt.

Das Universum des Schamanen wird in drei Welten aufgeteilt. Es wird auch von dem sogenannten Weltenbaum gesprochen. Dieser teilt sich in eine obere, eine mittlere und eine untere Welt. In der oberen Welt kann der Schamane seinen Lehrer oder Führer finden und in der unteren Welt sein Krafttier und andere Verbündete, die ihn während seiner Heiltätigkeiten unterstützen. Die mittlere Welt entspricht unserer Erde.

Für die Schamanen im Amazonasgebiet ist Ayahuasca die »Madre«, die Mutter aller Pflanzen; ihre Pflanzenseele offenbart sich dem Menschen als mächtige Lehrmeisterin

Die Heilarbeit des Schamanen

Der Schamane nutzt seine Fähigkeit in Trance zu gehen, um auf der sogenannten schamanischen Reise Kontakt zu seinen Geisthelfern, seinen Verbündeten, den »Spirits« aufzunehmen und Informationen einzuholen, die er für die Behandlung eines Patienten benötigt. Ebenso ist es möglich, Diagnosen ohne technische Hilfsmittel zu stellen und Heilarbeiten durchzuführen. Der Schamane heilt mit Hilfe seiner Spirits. Er bittet diese um Hilfe für seine Klienten. Beispielsweise reist ein Schamane in die »anderen Welten«, um für einen Patienten einen Hinweis auf die Heilung seiner Krankheit zu erhalten. Dort erfährt er dann, dass ihm eine bestimmte Pflanze helfen könnte und kann nun auf seiner schamanischen Reise zu dem spirituellen Feld der Pflanze reisen und dieses mit Unterstützung von Geisthelfern aus der »Parallelwelt« in unsere alltägliche Welt transportieren. Der Patient bekommt die spirituellen Heilkräfte der Pflanze übertragen. Dabei bedient sich der Schamane unter anderem der Möglichkeit des Einblasens der Heilkräfte in den Körper, oder er überträgt sie mit Hilfe einer Trommel oder Rassel, oder über Gesänge oder Berührungen. Der Schamane ist also Mittler und aktiviert als Kanal für die göttlichen Kräfte die Selbstheilungskräfte des Patienten.

Im Schamanismus gibt es weitere Möglichkeiten, mit denen das Gleichgewicht eines Patienten wieder hergestellt werden kann, zum Beispiel Reinigungs- und Balancierungsrituale, Aufstellungsarbeit, Krafttier-Medizin, Seelenrückholungen, die alle sehr effektiv bei der Behandlung von Patienten eingesetzt werden. Da ich in diesem Artikel nicht alle Heilverfahren vertiefen kann, möchte ich hier exemplarisch das Räucherritual näher erläutern, um weiter zu verdeutlichen, wie die Heilkräfte der Natur in die Heilkunst des Schamanismus einfließen.

Das Räucherritual

Räucherrituale dienen der Reinigung und Ausbalancierung negativer Energiefelder. Dafür wird benötigt: eine Schale, vorzugsweise eine größere Muschel, sie steht für das Element »Wasser«; Räucherwerk, zum Beispiel Salbei, steht für das Element »Erde«; eine Feder, beispielsweise eine Adlerfeder, steht für das Element »Luft«; das Feuer selbst steht für das Element »Feuer«.

Somit sind alle vier Elemente bei dem Räucherritual enthalten. Der Schamane verbindet sich mit den jeweiligen »Kräften« der Elemente und führt dann das Räucherritual durch. Als Räucherwerk wählt er geeignete Kräuter und Harze, die er selber gesammelt hat.

Das Räucherwerk wird in der Schale entzündet. Dann wir die Flamme nicht ausgeblasen, sondern mit der Feder »gelöscht«, indem man darüber fächelt, so dass das Räucherwerk nur glimmt und nicht mehr brennt. Mit der Feder und dem Rauch wird auf besondere Art und Weise der jeweilige Patient behandelt oder vor einer schamanischen Tätigkeit der Ort oder die Menschen gereinigt. Ebenso können beispielsweise Wohnräume, in denen Streit stattgefunden hat, von negativ anhaftender Energie befreit werden. Im Weltbild des Schamanismus wirkt der Rauch sowohl auf der geistigen, der emotionalen wie auch der körperlichen Ebene. Die Zellen nehmen die heilenden Informationen auf, die im Rauch enthalten sind. Im geistigen Bereich können die Gedanken zur Ruhe kommen, im Emotionsbereich äußert sich die Wirkung dieses Rituals beispielsweise durch eine ausgeglichene Stimmung, und im körperlichen Bereich in Form einer Genesung. Dieses Ritual ermöglicht, wie auch viele andere Rituale im Schamanismus, einen Selbstheilungsprozess in Gang zu setzen. Dieser spielt sich zunächst auf der spirituellen Ebene ab, er manifestiert sich aber weiter auch auf der psychischen und schließlich auf der physischen Ebene des Menschen.

Meisterpflanzen

In der Regel arbeiten Schamanen mit dem Geist, dem »Spirit« der Pflanzen, nicht mit der Pflanze selbst. Eine Ausnahme von dieser Regel bilden die sogenannten »Meisterpflanzen«. Sie dienen dem Schamanen, um in eine andere Bewusstseinsebene zu gelangen und dort beispielsweise dem Krankheitsgeist des Patienten zu begegnen; hierfür wird die Pflanze selber eingenommen. Vor allem in Südamerika ist die Verwendung der Liane Ayahuasca als Meisterpflanze weit verbreitet. Aus der Rinde dieser Dschungel-Liane und dem Chacruna-Kraut wird ein psychoaktiver Trank traditionell zubereitet und oft auch zusammen mit den Patienten eingenommen, um eine Reise in die »wahre Wirklichkeit« zu unternehmen; das heißt, man begibt sich in einen veränderten Bewusstseinszustand, in dem es möglich ist, Krankheitsursachen zu ergründen, in die Zukunft zu sehen, mit Ahnen und Geistwesen zu kommunizieren und generell Heilungen durchzuführen. Für die Schamanen ist die Wirkung des Tranks nicht auf den pharmakologischen Wirkstoff zurückzuführen. Für sie ist Ayahuasca die »Madre«, die Mutter aller Pflanzen, und diese Pflanzenseele offenbart sich dem Menschen unter Ayahuasca-Einfluss als mächtige Lehrmeisterin. Bei den Indianern Mexikos und Nordamerikas spielt der Peyote-Kaktus eine große Rolle, der ebenfalls als Substanz eingenommen wird. In unseren Breitengraden wäre die Mistel als Meisterpflanze anzusehen.

Der Schamanismus bewegt sich innerhalb naturgegebener und kosmischer Gesetze und ist Teil der Natur mit ihren jahreszeitlichen und zyklischen Energiemustern

Schamanismus und Wissenschaft

Dass es sich beim Schamanismus um keine Scharlatanerie handelt, zeigt auch, dass diese Methode über die Zeiten hinweg als effektive Heilmethode Bestand hatte. Bereits 1980 wurde ihr von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) in der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen dieselbe Bedeutung zuerkannt wie der westlichen Medizin. Derzeit erfährt diese Methode eine große Renaissance. In letzter Zeit wird der Schamanismus verstärkt naturwissenschaftlich unter die Lupe genommen, um Erklärungsansätze für die Wirksamkeit dieser Heilverfahren zu liefern. Erste Ansätze sind in dem noch jungen, interdisziplinären Forschungsbereich der Psychoneuroimmunologie zu sehen, die der Wechselwirkung zwischen dem Nervensystem, dem Hormon- und Immunsystem auf die Spur kommt, sowie in der Biokommunikation und der Quantenphysik.

Wenn versucht wird, den Schamanismus einzuordnen, kann er wohl als das naturhafteste aller metaphysischen Systeme bezeichnet werden. Er bewegt sich innerhalb naturgegebener und kosmischer Gesetze und ist Teil der Natur mit ihren jahreszeitlichen und zyklischen Energiemustern.

In diesem Artikel wurde der Fokus auf den Aspekt des Heilens gelegt, in dem der Schamane Herausragendes zu leisten vermag. Letztlich wird man dem Schamanen mit der ausschließlichen Betrachtung auf einen Heiler jedoch nicht gerecht, denn er vereint oft noch wesentlich mehr Qualitäten: Er kann zum Beispiel Künstler sein, Bewahrer und Vermittler von traditionellem Wissen oder Zukunftsdeuter. Die jeweilige Berufung des einzelnen Schamanen mag verschiedene Gewichtungen seiner Fähigkeiten mit sich bringen. Diese bringt er in seine Gemeinschaft ein, um so seinen Mitmenschen wohlwollend zu dienen.

Alles ist belebt

Der Schamanismus stellt eine Verbindung zwischen dem Individuum und der Natur sowie mit anderen Existenzebenen her. Er beutet nicht aus, manipuliert nicht und kontrolliert nicht, sondern ist bestrebt, die freiwillige Kooperation und aktive Unterstützung aller Lebensformen im wechselseitigen Bemühen um Selbstentfaltung und Wachstum anzuregen. Wie bereits erwähnt, wird im Schamanismus gesagt, dass alles belebt ist. Native Völker glauben, dass man seinen Teil dazu beitragen muss, die Erde am Leben zu erhalten. Es ist erforderlich, eine gegenseitige Beziehung mit der Umwelt aufrecht zu erhalten. Wenn ich die Natur pflege, unterstützt sie mich dafür, indem sie mir Energie und Gesundheit verleiht. So kann der Schamanismus uns an das ganzheitliche Verständnis von der Lebendigkeit und Schönheit der Natur in uns und um uns herum erinnern.

Er kann die Gesundheit stärken und das Leben und die Lebendigkeit fördern.

Dr. Kerstin Neumann

Kerstin Neumann, Dr. rer. biol. hum., Dipl. Psych., Arzthelferin. Als approbierte Psychotherapeutin in eigener Praxis in München tätig mit Schwerpunkt Tiefenpsychologie, med. und psychotherap. Hypnose und Transpersonale Psychotherapie sowie als Dozentin und Kursleiterin für Ethnomed. Heilverfahren (v.a. nordamerikanischer und südamerikanischer Schamanismus). www.achtsamkeits-praxis.de

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