Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Magazintexte

Die Einheit in der Vielfalt finden

Details

Monos, Solos, Polys – alle haben dasselbe Problem

Stadtpanorama

Integration ist die entscheidende Fähigkeit, in den Therapien ebenso wie auf den religiösen Wegen. Das Viele integrieren können und daraus Eines werden lassen, mein eines Leben, mich! Das könnte man die Aufgabe des Menschen nennen, die Individuation (C.G. Jung) oder Selbstfindung. Wir begegnen dieser Aufgabe insbesondere auch in unseren Liebesbeziehungen. Ob wir dabei wählen solo zu leben, monogam oder polyamor, ist für die Chancen, diese Einheit zu finden, irrrelevant

Von Wolf Schneider

Es gibt Schlüsselszenen, die einen prägen. Das können Ereignisse im realen Leben sein, aber auch Stellen in einem Roman oder Film. Für mich war eine solche die Szene in dem Film »Die Kinder des Olymp«, wo Baptiste und Garance nachts über die Dächer von Paris schauen. Getragen von süßen Erinnerungen an ihre glückliche Kindheit zeigt Garance auf die vielen kleinen Lichter, wo überall Menschen zusammen sind, die einander lieben. Lieben? Baptiste braust auf: »Wenn alle, die zusammen sind, einander lieben würden, dann würde die Erde leuchten wie eine Sonne!« Dem konnte ich nur zustimmen. Ich habe diesen Film mit 16 Jahren zum ersten Mal gesehen, während ich überall Paare sah, eheliche und andere, die sich füreinander entschieden hatten und zusammenlebten, aber doch nicht leuchteten. Das war nicht die Art von Liebe, die ich wollte.

»Wenn alle, die zusammen sind, einander lieben würden, dann würde die Erde leuchten wie eine Sonne!« (Baptiste in »Die Kinder des Olymp«)

Auf der Suche nach dem Leuchten

Wenn das Zusammenleben nicht zu einem solchen Leuchten führt, wie frisch Verliebte es haben, dann wollte ich lieber allein bleiben, sagte ich mir. Meine Eltern haben mehr als sechzig Jahre lang zusammengehalten als festes Paar, bis der Tod meines Vaters meine Mutter allein hinterließ. Sie führten eine in vieler Hinsicht gute Ehe, für mich aber war sie kein Vorbild. Ich wollte das, was Bert Hellinger »das große Glück« nennt und das er dem »kleinen Glück« gegenüberstellt. Das Arrangement im Alltag, das bloße miteinander Auskommen war mir nicht genug. Deshalb habe ich auch in den monogamen Phasen meines Lebens immer den Zauber des Anfangs zu erhalten gesucht, das einander Bestaunen und Beglücken wie beim ersten Mal. Unter diesem Niveau war Liebe für mich nie verhandelbar. Bis heute betrachte ich es nicht als Zeichen menschlicher Reife, auf das große Glück zu verzichten. Der Anspruch ist allerdings tatsächlich ein großer, und er gilt für alle drei Lebensweisen, die hier – in diesem Heft wie im Leben – gegeneinander antreten: solo, mono und poly. Bis heute meine ich, dass dieser Anspruch nur einlösbar ist, wenn man sich für die religiöse, spirituelle oder transpersonale Dimension der Liebe öffnet.

Wer kann den Himmel berühren?

Wer einmal die mystische Ekstase erlebt hat, …

Titelseite connection special 85, Link zum Shop

Den gesamten Artikel findest Du im aktuellen Tantra special 85:


Bücher:

  • Wolf Schneider, Ohne Dich wäre ich ein anderer, Königsfurt 2004, 12,90 €
  • Wolf Schneider, Kleines Lexikon der Irrtümer in der Liebe.
    Im Oktober 2009 soll es in Buchform bei der Connection erscheinen. Vorab stellt sich der Text auf www.connection.de in kommentierbaren Ausschnitten dem Kreuzfeuer der Leser. Wir bitten um rege Teilnahme!
{jcomments on}
   
© Connection AG 2015