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Editorial Schamanismus 9

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Steinzeit

Schamanische Steinzeit

War der Schamanismus die Religion der Urzeit? Schwer zu sagen. Die ersten Menschen gab es vor ein oder zwei Millionen Jahren in der Altsteinzeit. Woran glaubten die? Kann man das überhaupt feststellen? Die Archäologen haben kaum Material aus dieser Zeit, auf das sie sich stützen können, außer Knochen, Ablagerungen an Feuerstellen, Teile von Werkzeugen, Tonscherben, aus späterer Zeit auch Statuetten und Höhlenmalereien. Auch aus der Mittelsteinzeit, die Zeit zwischen der letzten Eiszeit bis zum Beginn von Landwirtschaft und Sesshaftigkeit, hat man nur wenige Materialien. Immerhin weiß man, dass zumindest in der Mittelsteinzeit die Menschen ihre Toten begruben und ihnen Beigaben ins Grab legten. Doch wie ihre Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod wirklich aussahen und an welche Götter sie glaubten, das wissen wir nicht. Es gab noch keine Schrift, mit der sie ihre religiösen Ideen hätten niederschreiben können. Man kann die Höhlenmalereien und Statuetten als religiöse Kunst interpretieren, aber leider kann man keinen Steinzeitmenschen fragen, ob man dabei mit der eigenen Deutung richtig liegt. Archäologen halten es für wahrscheinlich, dass sie Fruchtbarkeitsrituale hatten, Regen- und Jagdzauber, Begräbnisriten, Heilzauber und Ähnliches - also das, was im heutigen traditionellen Schamanismus bei den Naturvölkern immer noch Brauch ist.

Von der Jagd zum Ackerbau

Die "neolithische Revolution" am Übergang von der Mittel- zur Jungsteinzeit stellt den Übergang zur Ackerbau- und Viehzucht-Gesellschaft dar. Die Menschen waren nun nicht mehr nur Jäger und Sammler, sondern lebten hauptsächlich von den Früchten ihrer Feldarbeit. Sie waren sesshaft, erste Siedlungen entstanden. Es gibt mehr Funde aus dieser Zeit, und damit auch mehr Material, aus dem Archäologen und Religionswissenschaftler ihre Schlüsse ziehen können. Ackerbau und Viehzucht legten den neuen Lebensschwerpunkt auf die Fruchtbarkeit. Nur wer ausreichend viel erntete, konnte überleben. Weil es nun weniger um Erfolg in der Jagd als um die Fruchtbarkeit der Felder ging, war die Stellung der Frau eine sehr wichtige, und es wurden Fruchtbarkeitsgöttinnen und Muttergottheiten angebetet. Man vermutet außerdem eine animistische Religion, in der alles als beseelt galt, jeder Grashalm, jeder Stein. Viele der Statuetten und Abbildungen aus dieser Zeit zeigen menschlich-tierische Mischwesen - vermutlich Götterdarstellungen. Anders als in den späteren Hochreligionen stand hier anscheinend noch nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern eine Natur voller Magie und Geistwesen. Man vermutet, dass die jungsteinzeitlichen Religionen zyklische Weltbilder hatten, fixiert auf den Zyklus Geburt - Leben - Tod - Wiedergeburt.

Entstehung der Schrift

Die Schrift in Form der Keilschrift in Mesopotamien und der Hieroglyphen der Ägypter hat sich erst seit dem vierten oder dritten Jahrtausend v.u.Z. entwickelt. Die ersten menschlichen Aufzeichnungen sind allerdings nicht religiöser, sondern wirtschaftlicher Natur: Man schrieb auf, wer wann was wogegen eingetauscht hatte. Die Anfänge der Schrift sind also gleichzeitig die Anfänge der Buchführung. Für die Archäologen und Religionswissenschaftler wird die Forschung ab der Erfindung der Schrift einfacher, denn ab da hat man Aufzeichnungen, auf die man sich stützen kann - wenn man sie denn richtig entschlüsselt. Für mich folgt daraus, dass wir nur sicher wissen, dass wir nichts wissen. Aber wir können Vermutungen anstellen über die Religiösität der Urmenschen, basierend auf Forschungsergebnissen. Aufgrund solcher gut begründeten Vermutungen war die Spiritualität der Steinzeit wahrscheinlich eine dem heutigen Schamanismus ähnliche.

Christine Höfig, Redaktion connection Schamanismus

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Aus dem Heft Schamanismus 9

   
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