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Editorial Schamanismus extra 1

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Christine Höfig

Zurück zu den Wurzeln?

Am Anfang war … die Naturreligion? Vermutlich war der Schamanismus die Urreligion aller Völker. Höhlenbilder und andere Artefakte aus der Zeit von vor 20.000 bis 40.000 Jahren legen das nahe. Die Natur wurde als beseelt angesehen, die Schamanen galten als Träger und Bewahrer des Wissens über die Natur und ihre Zusammenhänge. Als Priester und Heiler hatten sie Zugang zur »Anderswelt« und holten Rat ein von Geistern und Ahnen.

Entwicklungsgeschichtlich kamen dann die polytheistischen Religionen auf. Zunächst wurden Naturkräfte wie Sonne, Mond, Wind als Gottheiten personifiziert. Als die Städte entstanden und die Arbeit in verschiedene Berufe aufgeteilt wurde, erweiterte sich das Pantheon in den verschiedenen Kulturen meist um »modernere« Gottheiten, die nicht nur Naturkräfte darstellten, sondern auch Berufe, so wie Hephaistos der griechische Gott der Schmiede war und Njörd der nordische Gott der Seefahrer und Fischer.

Von Poly zu Mono

Monotheistische Religionen entwickelten sich vor allem in patriarchalen Gesellschaften. Ursprünglich war Jehova nur Stammesgott eines Nomadenvolkes, dann machte er weltweit Karriere. »Du sollst keine andern Götter neben mir anbeten« fordert er im ersten Gebot und beim Auszug aus Ägypten will er beweisen, dass er stärker ist als die ägyptischen Götter (also offenbar doch nicht er einzige ist).

Heute glauben die monotheistischen Gemeinschaften an einen männlichen Schöpfergott, der auf seinem Thron im Himmel sitzt und auf uns Menschen herabblickt. Die irdische und die himmlische Sphäre ist nun streng getrennt. Doch findet man auch dort noch Parallelen zum Schamanismus: Der Priester nimmt Kontakt zu Gott oder den Engeln auf; nun nennt man es Gebet. Wenn Gott antwortet, nennt man es Vision oder Eingebung. Die christliche Messe, vor allem die katholische, ist voller magischer Handlungen: Da wird eine Oblate in den Leib des Herrn verwandelt und Wein in sein Blut.

Die »alte« Religion, der Schamanimus, hat den »jungen« doch einiges voraus, meine ich: Sie sieht die Natur als beseelt an und fühlt sich naturverbunden: Keinem Schamanen würde es einfallen, Mutter Erde auszubeuten und zu zerstören, so wie es jetzt weltweit geschieht. Zudem ist der Schamanismus undogmatisch: Kein »Heiliges Buch« bestimmt, wie etwas zu sein hat. Es werden auch keine Glaubenskriege geführt, und es hat sich auch noch kein Schamane für seine Religion in die Luft gesprengt. Schamanen ziehen auch nicht in andere Länder, um die Völker zu bekehren. In Zeugen-Jehovas-Manier von Haustür zu Haustür zu ziehen, oder sich mit einem »Für Manitu!«-Schrei in die Luft zu jagen, ist für einen Praktiker des Schamanismus unvorstellbar. Schade, dass das nicht auch Anhänger des Christentums und Islams gilt.

Rückbesinnung

Sollen wir nun zurück zu unseren Anfängen? Das wird kaum möglich sein. Die Welt ist heute eine andere. Die meisten von uns würden Strom, fließendes Wasser und das Internet bitter vermissen, wenn sie in Tipis, Jurten oder Hütten im Wald leben müssten. So wie eine Rückkehr zum Matriarchiat nicht möglich ist und auch nicht sinnvoll wäre, so auch die Forderung nach einer Rückkehr zu einem Leben und einer Religion wie im prähistorischen Schamanismus. Es wäre eine Weltflucht, eine Weigerung, erwachsen zu werden und der Versuch, wieder Kind zu sein.

Doch eine Rückbesinnung ist notwendig. Wir müssen uns wieder daran erinnern, dass wir die Natur brauchen und dass Alles mit Allem verbunden ist. Auch sollten wir die Erkenntnisse der Naturwissenschaften nicht generell verwerfen, sondern sie mit Bedacht anwenden. Das schamanische Weltbild kann dazu beitragen, wieder umsichtiger mit der Natur umzugehen.

Auch sollten wir das Wissen der Ahnen nicht ablehnen, nur weil es »alt« ist, sondern das Beste aus Allem nehmen und es integrieren. Für eine neue Religiösität, die die guten Seiten der Religionen übernimmt, und die Irrtümer ablegt.

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