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Editorial connection extra 3

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Gegensätze befruchten einander

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Christine Höfig

Was lange währt, wird endlich gut: Nun ist es also erschienen, unser Schamanismus extra zum Thema »Schamanismus und Schulmedizin«. Wieder einmal wurden wir mit Artikelangeboten überschüttet – und ich finde, wir haben aus dieser Fülle eine gute Auswahl getroffen. Von wissenschaftlich genau recherchierten Artikeln bis zu lyrischen Gedichten, von eher versöhnlichen Texten, die für eine Verbindung von Schamanismus und Schulmedizin plädieren, bis hin zu Abfassungen, die ihren Frust über unser »Krankheitssystem« in die Welt schreien. Dabei spiegelt auch diesmal wieder nicht jeder Artikel die Meinung der Redaktion wieder. Aber gerade das finde ich spannend: die unterschiedlichen Ansichten zu sehen und auch mal etwas stehen zu lassen, womit ich vielleicht nicht übereinstimme. Ohne verschiedene Sichtweisen gäbe es keine spannenden Kontroversen.

Vielfalt

Immerhin ist es unter anderem auch die Vielfalt, was mich am Schamanismus so fasziniert. Da gibt es den mongolischen Schamanismus, den südamerikanischen Schamanismus, die Weisheit der nordamerikanischen Indianer, moderne Hexen, die sich auf ihre europäischen Wurzeln besinnen, Patchwork-Schamanen, die sich von allem das Beste herauspicken und die Anhänger des Core-Schamanismus, die sich zur Unterscheidung von »echten« Schamanen lieber »Schamanisch Praktizierende« nennen.

Wir haben auch Ärzte ausfindig gemacht, die mit schamanisch Praktizierenden zusammenarbeiten. Einige von ihnen haben selber eine schamanische Zusatzausbildung gemacht. Schön, diese Offenheit anderen Methoden gegenüber!

Gerne hätte ich auch die Meinungen von Schulmedizinern im Heft gehabt, die dem Schamanismus ablehnend gegenüber stehen – dem Spannungsbogen zuliebe. Leider hat sich von denen niemand bereit erklärt, uns gegenüber seine oder ihre Ansichten zu vertreten. Ist auch irgendwie verständlich – wer begibt sich schon freiwillig ins Lager der Gegenseite? Auch ich würde auch nicht unbedingt in einem Hip-Hopper-Magazin schreiben wollen, warum ich diesen Musikstil nicht mag. Andererseits meine ich, dass Gegenspieler einander befruchten können und bleibe auch in den folgenden Ausgaben des Schamanismus extra offen für Gegenmeinungen, sei es in Form von Artikeln oder von Leserbriefen.

Antagonisten?

Schamanen und Schulmediziner müssen sich nicht feindlich gegenüber stehen. Gott (oder den Göttern, der Göttin, dem fliegenden Spaghettimonster) sei Dank müssen sie das nicht. Das beweisen die vielen Beiträge in diesem Heft, die eine gute Zusammenarbeit der beiden Seiten schildern.

Vielleicht deutet sich ja hier die Zukunft der Medizin an: dass wir einerseits weiterhin den wissenschaftlichen Fortschritt nutzen, andererseits uns aber wieder mehr auf das Althergebrachte besinnen. Wünschenswert wäre es. Denn nicht alles Neue ist automatisch gut und nicht alles Alte automatisch schlecht. Oder andersherum: Der wissenschaftliche Fortschritt hat Gutes, aber auch Schlechtes gebracht, und auch Schamanen können sich irren. Man sollte nicht die eine Seite pauschal verdammen und die andere verherrlichen. Schulmedizin und Schamanismus können voneinander lernen und sich gegenseitig befruchten.

Vielleicht wird es schon in einigen Jahren so sein, dass Allgemeinärzte Patienten mit psychosomatischen Beschwerden statt zur Psychotherapie auch mal zum Schamanen überweisen. Eine solche Diagnose könnte dann etwa heißen: »Seelenanteile verloren gegangen«, und die dazu empfohlene Therapie: »Re-Integration mit Hilfe von Traumreisen und Krafftieren«.

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Redaktion connection Schamanismus extra

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Aus dem Heft connection Schamanismus extra 3

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