Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Editorial 12/11-01/12

Details

Tiefenökologie ist prima. Wie wär's mit einer Tiefenpolitik?

Photo Wolf Schneider
Foto: Aniela Adams

In vielen Ländern der Erde hat die ökologische Bewegung den Mainstream erfasst. Auch wenn dabei ausgiebig geheuchelt wird und die Global Players Greenwashing betreiben: Grün zu denken ist heute politisch korrekt. Neben diesem oberflächlichen Ergrünen gibt es aber auch noch die Tiefenökologie, wie sie etwa die Buddhistin Joanna Macy betreibt. Diese Visionäre einer lebenswerten Zukunft handeln aus einer spirituellen Tiefe heraus und können so viel tiefer ins Politische einsteigen als die nur aus politischer Korrektheit Ergrünten. Deshalb sollte es neben der konventionellen Politik ähnlich der Tiefenökologie auch eine Tiefenpolitik geben. Die spirituell Verankerten, das Leben Liebenden sind imstand, eine Stufe tiefer zu gehen als das Geharke der Alltagspolitik. Lasst uns eine Tiefenpolitik-Bewegung gründen!

Das Größere, das uns trägt

Sie sollte in der Dankbarkeit verankert sein. Damit meine ich mehr als das artige Danke-Sagen, das wir als Kinder gelernt haben. Ich meine eine Haltung, die sehr nahe ist an der christlichen Demut: zu wissen, dass es etwas Größeres gibt als mich und meine kleinen Wünsche und privaten Ziele. Ich bin eingebettet in etwas Größeres, das mich trägt, das ich schätzen, genießen und auch nutzen darf, typischerweise ohne dafür bezahlen zu müssen, ja, ohne dafür bezahlen zu können. Die Geldwirtschaft, der Bereich, wo ich bezahlen muss, ist etwas, das höchste Geschicklichkeit verlangt, um davon nicht erdrückt zu werden und dann all das zu vergessen, was unbezahlbar ist und das uns einfach geschenkt wird, wenn wir dafür offen sind.

Ja sagen und Nein sagen

Naive Spiritualität bedeutet Ja zu sagen zu allem, was uns von Gott oder der Natur geschenkt wird. Sich diesem Ja zur Existenz bedingungslos hinzugeben ist zwar sehr schön und befriedet einigermaßen den unentwegt schnatternden Verstand, das Ergebnis ist dann aber ein Ja-Sager, der alles abnickt, ein Angepasster und Mitläufer - das kann mit dem großen Ja zum Leben, das alle Religionen preisen, doch wohl nicht gemeint sein. Dazu braucht es die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen dem, was wir nicht ändern können (wie die Farbe des Himmels und die Sterblichkeit unseres Körpers) - und dem, was wir ändern können: die sozialen Verhältnisse, unsere gewählten Regierungen, am meisten aber unser privates Leben. Wer das große Ja zum Leben gegeben hat, kann auf der anderen Ebene umso besser werten. Was im einzelnen bedeutet: Ja sagen können und Nein sagen können.

Wählerisch handeln...

Seit 35 Jahren lebe ich vegetarisch. Nun stelle ich auf vegan um. Die Argumente dafür (siehe in diesem Heft auf S. 20 - 24) haben mich überzeugt. Ich tue das mit Genuss und Nachsicht: Von dem starken Assamtee mit einem Schuss Sahne - Kuhsahne - werde ich mich vielleicht nicht so schnell verabschieden können. Mal sehen, ob ich dafür noch einen veganen Ersatz finde. Auf Eier und Käse zu verzichten aber fällt mir leicht, so wie schon der Verzicht darauf, tote Tiere zu essen, für mich immer nur Erleichterung war. Ich sage Ja zu einer Lebensweise und Nein zu einer anderen - aus einem großen Ja zum Leben heraus. So wie ich mir erstmal, so gut es eben geht, alles vorurteilslos anschaue: das Ja des (mystischen) Erkennens, des Wahrnehmens ohne Scheuklappen. Dann erst kommt die Unterscheidung und Bewertung als Basis eines sehr wählerischen Handelns.

... und verschenken

Und auch auf einer nicht ganz so tiefen Ebene wie der mystischen habe ich Grund zu großer Dankbarkeit und fühle mich beschenkt: Seit nun fast 27 Jahren darf ich diese Zeitschrift herausgeben, mein Lebens- und Herzensprojekt, weil ich damit von tausenden von Lesern, Autoren, Anzeigenkunden und anderen Multiplikatoren getragen werde. Danke dafür - und weiter so!
Und jetzt ganz praktisch: Wir leben innerhalb der Geldökonomie, wo wir Euros tauschen müssen, aber auch außerhalb davon. Wir freuen uns über jedes verkaufte Heft, aber auch über jedes als Geschenk weitergegebene: Verschenkt eure Hefte weiter! Und hier unser Weihnachtsgeschenk: Wer bei uns ein Jahresabo hat, darf sich bis zum 31.12.2011 fünf weitere Connection Spirit Hefte (der Monate Oktober bis Dezember) bestellen zum Verschenken!

Wolf Schneider

Heft
bestellen

Aus dem Heft connection spirit 12/11-01/12

   
© Connection AG 2015