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Portrait Stanislav Grof

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Portrait Stanislav Grof
flickr.com © Agsandrew

Der Begründer des Holotropen Atmens und Erforscher der pränatalen Psychologie

Der aus Prag stammende Mediziner Stanislav Grof hat im Bereich der pränatalen und transpersonalen Psychologie bahnbrechende Entdeckungen gemacht, darunter die vier »perinatalen Matrizen«, die Zustände vor, während und nach dem Geburtsvorgang. Er hat mit psychoaktiven Substanzen geforscht und Jahrzehnte lang mit tausenden von Menschen therapeutisch gearbeitet. Ist er ein wissenschaftlicher Pionier, ein Galileo Galilei der Psyche?

»Galilei: Ich habe das unvorstellbare Glück gehabt, ein neues Instrument in die Hand zu bekommen, mit dem man ein Zipfelchen des Universums etwas, nicht viel, näher besehen kann. Benützen Sie es« (B. Brecht in Leben des Galilei)

»Von diesem Augenblick an begann ich LSD als Werkzeug zu sehen, welches die gleiche Bedeutung für die Psychiatrie hat, die das Mikroskop für die Biologie oder das Teleskop für die Astronomie hat.« Stanislav Grof

Stanislav Grof kam am 1. Juli 1931 in Prag zur Welt. Nach dem Studium der Medizin und Medizinphilosophie an der Karls-Universität, begann er seine Arbeit im Dienste der Erforschung außergewöhnlicher Bewusstseinszustände, die zunächst mit psychedelischen Substanzen, z.B. LSD, induziert wurden, später dann mit anderen Methoden, wie dem von Grof entwickelten holotropen Atmen.

Nach schwierigen Anfängen, mit teils extremen, »sowohl intelektuell als auch emotional« herausfordernden Erlebnissen, wuchs in ihm mehr und mehr die Gewissheit, dass das traditionelle, monistisch-materialistische Weltbild der akademischen Wissenschaft eher einem engen Korsett als einer sinnvollen Beschreibung der Realität entspricht. »Meine anfänglichen Zweifel, was die Unzulänglichkeit der akademischen Theorien in Bezug auf das Bewusstsein und die menschliche Psyche anging, verdichteten sich im Laufe der vielen Jahre zur Gewissheit – bestätigt von Tausenden von Beispielen aus der klinischen Arbeit, aber ebenso von meinen persönlichen Erfahrungen.« (aus dem Vorwort zur »Die Psychologie der Zukunft«). Die sorgfältige Analyse eben dieser Beispiele und Erfahrungen mündete in eine Reihe neuer Erkenntnisse und Theorien, die ich hier kurz zusammenfassen möchte.

2007 wurde Stanislav Grof für sein Lebenswerk mit dem Vision-97-Preis der Dagmar-und-Vaclav-Havel-Stiftung ausgezeichnet, unter deren Preisträgern sich auch Umberto Eco, Philip Zimbardo und Zygmunt Bauman befinden. Seine Preisrede wurde in dem 2012 erschienenen Buch »Healing our Deepest Wounds« abgedruckt.

»In unserem postnatalen Leben reinszenieren wir ständig pränatale Erfahrungen. Diese werden zum Lebensthema, zur unbewussten 'Tinktur unseres Seins'«

Perinatale und transpersonale Ursachen

»Das Alte sagt: So wie ich bin, bin ich seit je. Das Neue sagt: Bist du nicht gut, dann geh.« (B. Brecht)

Um heilende außergewöhnliche Bewusstseinszustände von solchen pathologischer Natur zu unterscheiden, führte Stanislav Grof den Begriff »holotrop« (aufs Ganze ausgerichtet, von Griechisch holos = ganz; trepein = sich auf etwas zu bewegen) ein. »Holotrope Bewusstseinszustände zeichnen sich durch eine Veränderung der Wahrnehmung aus, die sich von der uns gewohnten fundamental unterscheidet.« Obwohl solche Veränderungen der Wahrnehmung bei vorindustriellen Kulturen höchste Wertschätzung genossen, stellen sie heute ein Tabu dar, stellt Groff fest: »Die traditionelle akademische Psychiatrie und die Psychologie verwenden ein Modell, das sich auf die Biologie, die postnatale Biografie und das freudsche individuelle Unbewusste beschränkt.« Es scheint allerdings immer klarer zu werden, dass wir diese drei Aspekte transzendieren müssen, wollen wir auf dem so wichtigen Weg des Verständnisses psychischer Prozesse voranschreiten.

Perinatale Phänomene

Das Transzendieren der postnatalen Biografie führt uns zum perinatalen Dasein (»griechisch-lateinische Wortkombination«: peri – »um etwas herum«; natalis – »die Geburt betreffend«). Stanislav Grof unterteilt den Geburtsprozess in vier grundlegende Stadien, die sogenannten perinatalen Matrizen, kurz BPM (Basic Perinatal Matrices). In »Die Psychologie der Zukunft« gibt er ihnen folgende Untertitel:

BPM I: Urverbindung mit der Mutter: Intrauterine Existenz, die Gebärmutterspasmen haben noch nicht eingesetzt.

BPM II: Kosmisches Verschlungenwerden und Ausweglosigkeit – die Hölle: Der Fötus wird in »periodischen Abständen durch Gebärmutterspasmen zusammengepresst, wobei der Muttermund noch nicht erweitert ist.« Der Fötus wird in seiner Existenz massiv gestört

BPM III: Der Kampf um Tod und Wiedergeburt: »…das Baby bewegt sich durch den Geburtskanal...Diese in höchstem Grade unangenehme, lebensbedrohliche Sitation ist von überwältigenden, unkontrollierbaren Angstgefühlen begleitet.«

BPM IV: Die Erfahrung von Tod und Wiedergeburt »Nach dem langwierigen und mühseligen Kampf durch den Geburtskanal erreichen wir plötzliche Befreiung und gelangen ans Licht.« In unserem postnatalen Leben reinszenieren wir ständig pränatale Erfahrungen. Diese werden zum Lebensthema, zur unbewussten »Tinktur unseres Seins« (W.Emerson). Grof untersucht seine vier Matrizen u.a. im Hinblick auf die zugehörigen psychopathologischen Symptome, die postnatalen Ereignisse, die Wiederholungen perinataler Erlebnisse darstellen und die zugehörigen Entbindungsstadien.

Portrait Stanislav Grof
Stanislav Grof

Transpersonale Phänomene

Im Gegensatz zu vielen Vertretern der pränatalen Psychologie bleibt Stanislav Grof jedoch nicht bei der Geburt stehen: Er meint die am tiefsten liegenden Ursachen emotionaler und psychosomatischer Störungen nicht im pränatalen, sondern im transpersonalen (»über das Persönliche hinaus reichend«) Bereich zu finden. Damit löst er das Bewusstsein von der Materie ab und untergräbt das akademische Weltbild unserer Zeit. Die transpersonalen Erfahrungen sind nach Grof in drei Gruppen zu unterteilen:

1. Erweiterung des Wahrnehmungsspektrums innerhalb des Raum-Zeit-Kontinuum. Hierbei verlassen wir die Grenzen des »hautumhüllten Ichs« (Alan Watts) und identifizieren uns mit anderen Personen, Gruppen oder gar der gesamten Menschheit. Wir können das Bewusstsein von Tieren, Pflanzen und Sphären annehmen oder in der Zeit zurückschreiten und uns mit Erlebnissen unserer Vorfahren identifizieren.

2. »Die zweite Kategorie transpersonaler Phänomene ist noch seltsamer: In holotropen Zuständen kann sich unser Bewusstsein in Bereiche und Dimensionen hinein ausdehnen, die man in der westlichen industrialisierten Kultur als nicht 'real' ansieht.« »In seiner weitesten Ausdehnung kann unser Bewusstsein alle Grenzen transzendieren und sich mit dem kosmischen Bewusstsein oder dem universalen Geist identifizieren (...) Die Erfahrung aller Erfahrungen scheint die Identifikation mit der supra- und metakosmischen Leere zu sein, der mysteriösen, uranfänglichen Leere, dem Nichts, das seiner selbst bewusst ist und die Wiege alles Seienden ist.«

3. Die dritte Kategorie erfasst sogenannte psychoide Phänomene, also subjektive psychische Erfahrungen die ein Korrelat in der objektiven physischen Welt haben. Grof nennt hier Synchronizitäten und Phänomene, die suggerieren, dass der Geist die Materie dominiert.

Grof versteht das Bewusstsein als etwas Grenzenloses, das die normalen Einschränkungen, die grundlegenden Koordinaten unserer Alltagswirklichkeit, transzendieren kann. Und er betont, dass seine Unterteilungen auf der systematischen Sammlung empirischer Daten beruhen: »Während meiner jahrzehntelangen therapeutischen Arbeit konnte ich verfolgen, wie die meisten der in diesem Schema aufgeführten Phänomene von vielen Personen direkt erlebt wurden. Und meine eigenen Sitzungen bilden da keine Ausnahme; die meisten dieser Erfahrungen habe ich persönlich erlebt und sie in meinen Büchern geschildert.«

Grof versteht das Bewusstsein als etwas Grenzenloses, das die normalen Einschränkungen, die grundlegenden Koordinaten unserer Alltagswirklichkeit, transzendieren kann

Coex-Systeme

In seiner Arbeit als Psychiater stieß Grof aber nicht nur auf das heilende Potenzial holotroper Erfahrungen, er fand auch heraus, dass Traumata in der Psyche grundliegend anders wirken als bisher angenommen, nämlich als »Systeme verdichteter Efahrungen« (systems of condensed experience, kurz Coex-Systeme). Dies ist der von Grof eingeführte Begriff für die Erkenntnis, dass »emotional relevante Erinnerungen (…) im Unbewussten nicht mosaikartig als einzelne, isolierte Prägungen gespeichert (sind), sondern in Form von komplexen, dynamischen Konstellationen.« – »In einem Coex-System sind emotional stark befrachtete Erinnerungen aus verschiedenen Lebensabschnitten vereint, die gefühls- oder empfindungsmässig eine ähnliche Qualität aufweisen. Dieses Grundthema durchzieht die verschiedenen, davon betroffenen psychischen Ebenen und offenbart sich im Verlauf des Lebens in zahlreichen Varianten.«

Um die potentielle Relevanz von Grofs Befunden für die Therapie hervorzuheben und die bisher dargestellte Theorie praktisch greifbar zu machen, möchte ich hier kurz ein Fallbeispiel anführen, das Grof in »Die Psychologie der Zukunft« vorstellt:

Der Mann hieß Norbert, war 51 Jahre alt, Psychologe und Pfarrer und kam auf Grund von unerträglichen Schmerzen in einer Schulter und den Brustmuskeln zur holotropen Therapie. Sämtliche medizinischen Befunde ergaben keine organischen Ursachen. Nach Beginn der ersten Sitzung wollte Norbert abbrechen, weil sein Zustand unerträglich wurde, es kostete Grof einige Mühe, ihn zum Weitermachen zu bewegen. Von hier an zitiere ich Grof:

»In den drei folgenden Stunden litt er unsägliche Schmerzen in Brust und Schulter, die immer stärker und schließlich unerträglich wurden. Norbert kämpfte und rang dabei, als stünde sein Leben auf dem Spiel, keuchte, würgte, hustete und schrie. Nach dieser stürmischen Phase beruhigte und entspannte er sich und empfand einen großen inneren Frieden. Mit Erstaunen stellte er fest, dass aufgrund dieses Erlebnisses die Spannungen in Schulter und Brust nachgelassen hatten und er nun frei von Schmerzen war. Später erzählte Norbert, dass sein Erlebnis auf drei verschiedenen Ebenen stattgefunden hatte, die alle mit seinem Schmerz in der Schulter und dem Gefühl des Erstickens in Verbindung standen.«

Die zunächst auftauchenden Erfahrungen waren der postnatalen Ebene zuzuordnen. Als Kind erstickte er fast beim Spiel mit anderen Kindern unter einem zusammengebrochenen Sandtunnel. Später bahnten sich perinatale Erlebnisse ihren Weg. Die Geburt »war sehr schwierig gewesen, da seine Schulter lange Zeit beim Schambein seiner Mutter stecken geblieben war. Erstickungsängste und starke Schmerzen in der Schulter begleiteten auch dieses Erlebnis.«

Im letzten Teil der Sitzung kamen transpersonale Ursachen von Norberts Schmerzen ans Licht. »Er begann Mitlitäruniformen und Pferde zu sehen ... Er befand sich in einer Schlacht, die zu Cromwells Zeiten in England stattgefunden hat. Auf einmal fühlte er einen stechenden Schmerz, eine Lanze hatte seine Schulter durchbohrt. Er fiel vom Pferd und fühlte, wie er von galoppierenden Pferden niedergetrampelt und sein Brustkorb zerdrückt wurde.«

Nach der Sitzung stellte Norbert fest, »dass er nun vollständig schmerzfrei war. Die Befreiung seiner jahrelangen Pein entpuppte sich als dauerhaft. Seit dieser Sitzung sind mehr als zwanzig Jahre vergangen, und die Symptome sind nie mehr zurückgekehrt.«

Psychotherapeutische Praxis und spirituelle Krise

»Wofür arbeitet ihr? Ich halte dafür, dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Mühseligkeit der menschlichen Existenz zu erleichtern« (B. Brecht)

In der traditionellen Psychiatrie bedeutet die Verstärkung eines Symptoms die Verschlechterung des Gesundheitszustands eines Menschen. Diese Einstellung führt in so mancher Therapie zu der Unterdrückung von Symptomen. In der holotropen Therapie hingegen ist »Symptomverstärkung meist ein Indiz dafür, dass wichtiges unbewusstes Material ins Bewusstsein dringt, und zeigt einen Fortschritt im Prozess an.« Dies erinnert an andere körperorientierte Therapien, z.B. die Bioenergetik von Alexander Lowen. Die von Stanislav Grof und seiner Frau Christina Grof entwickelte Therapie und Selbsterforschungstechnik, die sie »holotrope Atemarbeit« nennen, besteht aus dem Zusammenspiel aus einem etwas schnelleren und tieferen Atemrythmus als gewöhnlich, dem Einsatz ,,evokativer Musik" und unterstützender Körperarbeit. Nach Abschluss der jeweiligen Sitzung wird die Verarbeitung des Wiedererlebten durch Mandalazeichnen und Gruppen-Sharing gefördert.

Fragt man nach der Wirksamkeit von Grofs Ansichten in der Praxis, so muss v.a. die Spring-Grove-Studie genannt werden, der mutige Versuch einer psychedelischen Therapie bei unheilbar kranken Krebspatienten. Grof selbst hierzu: »Die Auswertung dieser Studie ergab, dass bei etwa 30 Prozent der Patienten eine dramatische, bei etwa 40 Prozent eine mässige Besserung resultierte, bei den restlichen 30 Prozent blieb der Zustand im Wesentlichen unverändert.«

Um Betroffenen die Methoden der traditionellen Psychiatrie (v.a. Tranquilizer) im Hinblick auf spirituelle Krisen zu ersparen, gründeten Christina und Stanislav Grof 1980 das Spiritual Emergency Network (SEN) und schrieben über die Handhabung spiritueller Krisen zwei Bücher: »Spirituelle Krisen, Chancen der Selbstfindung« und »Die stürmische Suche nach dem Selbst. Praktische Hilfe für spirituelle Krisen«.

Das kosmische Spiel

»Ich sage voraus, dass noch zu unsern Lebzeiten auf den Märkten von Astronomie gesprochen werden wird.« (B. Brecht)

Stanislav Grof bemühte sich immer wieder darum, die Erkenntnisse seiner Laufbahn als Forscher und klinischer Psychiater in einen interkulturellen und metaphysischen Kontext zu stellen. In diesem Zusammenhang veröffentlichte er zwei Bücher: »Das kosmische Spiel« und »Alte Weisheit und modernes Denken«. Es gelingt ihm überzeugend darzustellen, dass die Erkenntnisse, die Menschen in holotropen Zuständen gewinnen, grundsätzlich mit den Lehren der mystischen Traditionen zahlreicher Kulturen übereinstimmen. Was die Bedeutung pränataler und transpersonaler Phänomene für unsere Kultur anbelangt, so verfasste er einen bahnbrechenden Text über die »Psychological Roots of Human Violence and Greed« (nachzulesen auf www.primalspirit.com).

Den traditionellen Gelehrten zum Trotz integrierte er in sein System eine weitere Komponente, die von materialistisch gesinnten Forschern abgelehnt wird. »Seit Anbeginn der experimentellen Arbeit mit Psychedelika wurde nach einer Technik gesucht, mit der sich die Wirkung dieser Substanzen vorhersehen lässt (…) Nach Jahren frustrierender Suche fand ich die Antworten schließlich in einem Wissensgebiet, das ironischerweise noch umstrittener und noch kontroverser war als die psychedelische Forschung selbst – in der Astrologie.« Die Zusammenhänge zwischen außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen und Astrologie beschreibt Grof erstmals in »Die Psychologie der Zukunft«. Die Hoffnung besteht hierbei natürlich darin, holotrope Sitzungen besser planen, sie zum richtigen Zeitpunkt durchführen zu können.

Grof fand Antworten in einem Wissensgebiet, das ironischerweise noch umstrittener und noch kontroverser war als die psychedelische Forschung selbst: in der Astrologie

Kritik

»Groß ist nicht alles, was ein großer Mann tut. Und Galilei aß gern gut.« (B. Brecht)

Werfen wir abschließend einen Blick auf die wenigen uns bekannten Kritiker. Zu ihnen scheint mir Kevin Shepherd zu gehören, der auf seiner website, www.citizeninitiative.com u.a. Texte von Kate Thomas veröffentlichte. Diese beobachtete zahlreiche negative Auswirkungen der holotropen Therapie und schrieb für das Journal of the Scientific and Medical Network zwei kritische Abhandlungen, aus denen ich hier zitieren möchte: »Meine größte Sorge im Folgenden ist der Schaden, der (durch Grofs Arbeit) im Entwicklungspotenzial buchstäblich tausender vertrauensvoller Menschen angerichtet wird, ebenso in der physischen Gesundheit, weil zu viele Unfälle in Form von ernsthaften Nachwirkungen dem Gebrauch bestimmter Techniken und Praktiken folgten, vom Nervenzusammenbruch bis zur Verrücktheit (insanity).«

Von solchen »Zusammenbrüchen« hört man regelmäßig und von verschiedensten Quellen. Die Anhänger der holotropen Therapie verweisen gelegentlich darauf, dass diese lediglich Entwicklungsschritte sind und »spirituelle Notfälle«. Ein Kritiker merkt an dieser Stelle spitz an, dass Grof durch seine Therapie ironischerweise Notfälle kreiert, die ohne diese gar nicht auftreten würden.

In diesem Zusammenhang wird auch die Workshop-Kultur kritisiert. In einem Workshop hat der Therapeut nicht annähernd die Möglichkeiten der Vor- und Nachbereitung, also der Integration außergewöhnlicher Erfahrungen, wie es der Rahmen einer Therapie ermöglicht und wie Grof selbst es in der »Psychologie der Zukunft« beschreibt.

Gegner werfen Grof in diesem Zusammenhang außerdem die Vermarktung des Labels »holotrope Atemarbeit« vor: »Ich stelle deshalb stark die (hauptsächlich kommerzielle) Promotion der Hyperventilation und den Gebrauch psychoaktiver Substanzen als medizinisch sichere und wertvolle Methoden infrage, um zu transpersonellen Erfahrungen zu gelangen.«

In unserer Jan/Feb Ausgabe bringen wir einen Bericht von dem Seminar, das Stanislav Grof Ende Oktober in Basel abhält, voraussichtlich auch ein Interview mit ihm. Die Zitate von Bertold Brecht sind seinem Theaterstück Leben des Galilei entnommen.

Maxim Korman

Maxim Korman, geb. 1992 in Lviv (Ukraine), wuchs in Deutschland dreisprachig auf (russisch, ukrainisch, deutsch). Ehemaliger Schach-Bundesligaspieler. Autodidakt. Lebt in Trier und macht zur Zeit ein Fernpraktikum bei Connection. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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