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Die Großen und die Kleinen? Nein.

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Die Großen und die Kleinen? Nein

Friede sei mit uns – und beiden Seiten ein Wohlgefallen

Warum der mit »Die Großen und die Kleinen« überschriebene Text aus Connection 11-12/2012, der gerade noch hier online stand, am 16. November gelöscht wurde

Bis heute morgen, 16. November 2012, stand hier noch der Artikel »Die Großen und die Kleinen« aus unserer Nov./Dez. Ausgabe. Vorigen Montag jedoch, am 12. November, schrieb mir Jörg Hausendorf, der Geschäftsführer der Bauer Women GmbH (zuständig für tina, bella, Laura, Alles für die Frau, Fernsehwoche, mein tv & ich, Maxi, Happinez, MYWAY, tina woman, tina Land&Leute und tina Garten&Leute) eine freundliche Mail, in der er sagte, er habe versucht mich telefonisch zu erreichen, was ihm aber nicht gelungen sei. Ich war unterwegs, und ich bin sowieso viel leichter per E-Mail zu erreichen (dies hiermit gleich an alle, dir mir künftig Nachrichten, Abmahnungen, Drohungen oder überschwängliches Lob schicken wollen, es geht wirklich per E-Mail viel leichter).

Er wolle versuchen zu verhindern, schrieb er, dass wir jetzt auch wegen meiner Darstellung unseres Rechtsstreites auf unserer Webseite (www.connection.de) juristisch aufeinander losgehen müssten. Nobel, dachte ich. Zwar ein bisschen spät, denn der Rechtstreit war ja nun beigelegt, und ich hatte nur über den Verlauf dieses Streits und seine Beilegung ganz sachlich berichtet. Dieser sachliche Bericht aber gefiel ihm nicht.

Ich antwortete ihm noch am selben Tag (vorigen Montag) per E-mail, dass ich »für friedliche Einigungen immer zu haben« sei, woraufhin er mir am Dienstag sein Anliegen präzisierte. Meinen Bericht habe er als ein »Nachkarten« empfunden, schrieb er, dabei hatte er jedoch Verständnis dafür, dass ich mich ihm gegenüber (bzw. happinez oder dem Heinrich Bauer Verlag gegenüber) in einer David-gegen-Goliath Position »wähnen« würde. Der Kreis sei markenrechtlich geschützt, und es sei »nicht richtig und auch kein Versehen«, dass ich den »kopiert« hätte. Dagegen müsse er sich jetzt »juristisch zur Wehr setzen, weil dieser Artikel rufschädigend wirkt – für die Marke und für unser Haus«.

Die Großen und die Kleinen? Nein

Er bat mich dann ganz freundlich »den aktuellen Artikel vom Netz zu nehmen und auch künftig jede Äußerung zu unserer Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit zu unterlassen«. Sorry, Herr Hausendorf, hiergegen verstoße ich jetzt gerade. Aber nicht, um Ihren Ruf oder den des Hauses Bauer oder den der Zeitschrift happinez zu schädigen. Im Gegenteil: Ich muss Sie sogar des öfteren in Schutz nehmen gegen Behauptungen, der Heinrich Bauer Verlag wolle meine Zeitschrift »platt machen«, oder er sei dem Wahn verfallen, die Form den Kreises sei markenrechtlich schützbar. Ein mir gut bekannter Journalist titelte dieser Tage tatsächlich »Bauer beansprucht Urheberrecht auf den Kreis« (noch unveröffentlich), was ja ganz witzig formuliert ist, aber doch, etwas genauer betrachtet, an der Sache ein bisschen vorbei geht, denn der Heinrich Bauer Verlag beansprucht nur, dass die Kreisform auf dem Titel der Zeitschrift happinez markenrechtlich schützbar ist, wobei er meint, sie anderen verbieten zu können, wenn sie regelmäßig (und damit stilprägend) auf dem Titel einer anderen, insbesondere zielgruppenmäßig nahe stehenden Zeitschrift gebracht wird, und hat diesen Anspruch soeben meinem Verlag gegenüber juristisch durchgesetzt, sogar in einer Weise, dass die Connection AG diese Kreisform nun kein einziges Mal mehr auf dem Titel irgendeiner ihrer Zeitschriften bringen darf.

Nochmal: Ich finde, dass happinez eine gute Zeitschrift ist, und zwar eine, die von Connection Spirit so verschieden ist, in so vieler Hinsicht, dass wir uns auf dem Markt überhaupt nicht ins Gehege kommen. Wir nehmen einander nichts weg, im Gegenteil, wir können einander gut ergänzen. Ich habe auch nicht die Titelgestaltung von happinez kopiert. Ich habe mich davon inspirieren lassen, wie von so vielem, was ich sehe. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Connection die Kreisform auf den Titel bringt, wir haben das z.B. schon 1997 getan, lange bevor es happinez überhaupt gab. Wir haben es nur nicht regelmäßig getan und nicht stilprägend, und in dem Moment, wo ich merkte, dass es den Machern von happinez nicht gefiel, dass wir im Sommer 2012 die Kreisform mehrfach hintereinander brachten, habe ich sofort einen Rückzieher gemacht. Eine Mail von Ihnen, Herr Hausendorf oder irgendwem aus der Redaktion oder Verlagsleitung von happinez hätte dazu genügt.

Die Großen und die Kleinen? Nein
Ein Connection Cover von 1997,
lange bevor es happinez gab,
da durften wir sowas noch.

Ich bin in solchen Fällen immer für friedliche Lösungen, und für solche Lösungen braucht man in der Regel auch keine Anwälte oder gar Richter zu beschäftigen, das kostet nur Geld und zieht sich dann auch noch oft monate- oder gar jahrelang hin, bis man, manchmal über mehrere gerichtliche Instanzen eine Lösung gefunden hat. Deshalb diese Art von offenem Brief an Sie, Herr Hausendorf.

Obwohl ich nicht glaube, dass der markenrechtliche Schutz der Kreisform des Covers von happinez juristisch durchsetzbar ist, habe ich nachgegeben. Obwohl ich in meinem Text über »Die Großen und die Kleinen« in unsere Nov.-Dez. Ausgabe keine unwahren und auch keine ehrenrührigen Aussagen Ihnen gegenüber, happinez gegenüber, dem Heinrich Bauer Verlag (oder der Bauer Women GmbH) gegenüber gemacht habe, habe ich diesen Text nun von unsere Webseite nehmen lassen. Diejenigen, die das interessiert, haben ihn sich sowieso längst kopiert, manche haben ihn auf ihre eigenen Webseiten gestellt, weil sie ihn hochinteressant fanden. Einige werden das wohl auch mit dem tun, was ich hier schreibe, aus der Befürchtung heraus, der nächste Schritt aus dem Hause Bauer würde sein, mir auch diesen Text zu verbieten. Oder sagen wir es höflicher: der nächste Schritt wäre, dass Sie den Wunsch äußern, ich möge auch diesen Text von unserer Webseite nehmen.

Im Falle meines Textes über »Die Großen und die Kleinen«, haben Sie das in sehr freundlicher, wenn auch entschiedener Weise getan und mit Terminsetzung – so in Ihrer Mail vom Dienstag, da schrieben Sie mir: »Wenn Sie das umgehend veranlassen (Website) – also in dieser Woche – bis Freitag 12.00 Uhr – werde ich von einer weiteren juristischen Bearbeitung dieser Angelegenheit absehen, was Ihnen und uns viel Ärger und Kosten ersparen würde.« Darüber sachlich zu berichten, so wie ich es hier tue, ist keine Rufschädigung, es sei denn, Sie würden Ihr eigenes Verhalten rufschädigend nennen – und das werden Sie ja wohl nicht tun.

Ein bisschen rufschädigend sind meine Texte in dieser Angelegenheit allerdings beide. Nicht gegenüber dem Hause Bauer, nicht gegenüber der Person Jörg Hausendorf und gewiss nicht gegenüber der Zeitschrift happinez. Sondern gegenüber einem juristischen System, dass den Großen (mit viel Geld und einer Rechtsabteilung) es so viel leichter macht, ihre Vorstellung von dem, was sie für rechtens halten, durchzusetzen, als den Kleinen. Dieses System klage ich an, nicht Sie, Herr Hausendorf, und auch nicht das Haus Bauer. Ihr Verhalten ist systemkonform und wird sicherlich von vielen in Positionen, die der Ihren ähneln, gutgeheißen. Ich glaube, dass es Mut braucht, um aus einem solchen durchaus üblichen, systemkonformen Denken auszuscheren (»Mut« war doch gerade das Thema, das unsere beiden Zeitschriften synchron gebracht hatten) und zu sagen: Hier schießen wir mal nicht mit Kanonen auf Spatzen. Obwohl wir es könnten, die Kanonen haben wir ja. Aber die Angst im Manager sagt vielleicht: Wer weiß, vielleicht wird aus einem Spatz ja mal ein Rabe oder ein noch viel größeres Ungeheuer und frisst uns alle auf.

Und noch eine Kleinigkeit, an alle Juristen, die dies vielleicht lesen: Wenn irgendwer von Ihnen (von euch) mal ein Problem auf schnelle und unkomplizierte Weise außergerichtlich lösen will, schickt bitte keine Faxe. Schickt Mails! Die Zeiten haben sich geändert. Wir redaktionell und verlegerisch Verantwortlichen sind doch fast alle (werk)täglich online und in dringenden Sachen oft sogar stündlich zu erreichen. Das ist der Lösungsweg, und nicht die gefaxte Abmahnung in ein sommerlich leeres Büro (manche Verlage haben ja nicht mal mehr ein Faxgerät), und auch nicht die Einstweilige Verfügung, die ja immer ohne Anhörung der Gegenseite zustande kommt. Per Mail kann man die Gegenseite anhören – meist tagesaktuell schnell, und wenn man dazu bereit ist, auch sehr friedlich und effektiv.

Wolf Schneider

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Aus dem Heft connection spirit 11/12-12

   
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