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Editorial 05/06-13

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Aufbruch

Photo Wolf Schneider

Seit ein paar Jahren ist in Deutschland eine Öffnung für einen Bereich zu spüren, den viele mangels eines besseren Wortes »das Spirituelle« nennen. Da geht es um das Bewusstwerden von etwas, das bisher unbewusst war. So weit so gut. Aber das Bewusstmachen von Unbewusstem, das tut ja auch schon die Psychoanalyse, die Geisteswissenschaften tun es, und Sprache ganz allgemein macht uns Phänomene bewusst, die ohne sie unbewusst wären. Hier geht es um noch mehr: um den Kern des Bewussteins, den Beobachter alles dessen, was da bewusst ist, das Ich. Um unser Verständnis von uns selbst und das Gewahrsein der Idee von dem, wer »ich bin« (und du bist, und ihr und wir). Und die Untersuchung dessen, ob das, was mir bisher hierzu gesagt wurde oder ich irgendwo hierüber gelesen habe, wahr ist. Und dann die eigene, introspektive Erforschung: Bin ich das?

Die Gesellschaft ändert sich

Wir haben diesen Aufbruch zur Selbsterkenntnis und zum Verständnis von sich selbst diesmal »Erwachendes Bewusstsein« genannt, denn es sind mal diesmal nicht nur ein paar Individuen, in denen das Licht des Bewusstseins aufblitzt, sich vielleicht sogar dauerhaft einnistet und Weisheit sich entfaltet – es ist eine Massenbewegung geworden, die große Teile der ganzen Gesellschaft mit sich reißt. Auch diesen sozialen und politischen Aspekt streifen wir hier, nicht nur die individuelle Erfahrung der Bewusstwerdung, des Erwachens aus einer einschränkenden Trance.

Elf »Erwachte«

In diesem Heft haben wir nun mindestens elf von denen versammelt, die sich als »erwacht« bezeichnen und die als solche geschätzt, teils auch verehrt werden. Sie haben das erreicht, oder wenigstens einen guten Vorgeschmack davon bekommen, was Gautama Buddha damals vor 2500 Jahren das Erwachen oder die Erleuchtung nannte – oder vielmehr, in Pali, seiner Muttersprache und der seiner Lehrreden: Bodhi, Nirodha oder Nibbana. Es sind aber keine Buddhisten, die hier sprechen und die eine Jahrtausende alte Religion oder Philosophie verehren und ihr zu folgen versuchen, sondern Menschen wie du und ich, die sich selbst und ihre Wahrnehmung sehr genau beobachtet haben und hier darüber schreiben. Sie kommen aus sehr verschiedenen spirituellen Traditionen – oder aus gar keiner.

Gipfeltreffen und ein feierliches Ende

Nicht nur wegen dieses »Gipfeltreffens«, sondern auch, weil dies nach 28 Jahren möglicherweise die letzte Ausgabe von Connection ist, die als gedrucktes Heft erscheint, bin ich und können wir stolz darauf sein. Vielleicht ist es die historische Leistung dieser Zeitschrift, als »älteste spirituelle Zeitschrift auf deutsch« mitgeholfen zu haben, dass außerkirchliche, transkonfessionelle Spiritualität jetzt ein Massenphänomen geworden ist – und nun können wir abtreten. Dann wird dies nach diesen vier mal sieben Jahren das letzte Exemplar dieser Zeitschrift sein, das ihr hier in Händen halten dürft – ein gutes, würdevolles Ende, das zu feiern wir allen Grund haben.

… oder ein neuer Anfang?

Oder aber diese Zeitschrift wird noch immer gebraucht – vielleicht jetzt erst recht. Auch dann bin ich gut gelaunt dabei und werde diesen Auftrag erfüllen. Die Entscheidung liegt jetzt bei euch. Bitte erst lesen, reinfühlen, nachdenken und dann entscheiden. Auch: weitergeben, weitersagen und den Aufruf auf Facebook und in den anderen Netzwerken posten – und dann mitentscheiden. Wenn wir in den nächsten Wochen ausreichend viele Abos bekommen und noch eine Person, die unser Team ergänzt (s. S. 61), dann bin auch ich noch ein paar weitere Jahre mit dabei. Wenn nicht, auch gut. Manches ändert sich eben.

Wolf Schneider

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Aus dem Heft connection Spirit 05-06-2013

 

 

 

   
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