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Tiefenökologie: Dem Wandel Kraft geben

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Ausschnitt aus Heftseite

Eine Reise ins lebendige Leben mit Joanna Macy

Die Gesellschaft für angewandte Tiefenökologie hatte zu einer »Konferenz des Lebens« mit Joanna Macy eingeladen. Für die 200 Teilnehmer wurde es eine Entdeckungsreise ins lebendige Leben. Viele spürten die Kraft zu einem Neubeginn. Der Soziologie Wolfram Nolte, Gründer und Redakteur des Magazins Eurotopia und des gleichnamigen Verzeichnisses alternativer Gemeinschaften, schildert uns seine Eindrücke von dieser ganz besonderen Konferenz

Ich bin zu dieser Konferenz im Juni in einem Seminarhaus bei Paderborn gefahren, weil es für mich zur Zeit kein wichtigeres Thema gibt als das. Außerdem, weil so viele meiner guten Freunde und Bekannten von Joanna Macy schwärmten als einer Frau mit besonders starker Ausstrahlung – trotz oder wegen ihrer 79 Jahre. Ihre leuchtenden Augen und begeisterten Schilderungen machten mich neugierig. Was ist das für eine Frau, die seit vielen Jahren überall in der Welt auf so verschiedenen Gebieten aktiv ist: als Buddhistin, als Systemwissenschaftlerin, als Öko-Aktivistin, als Workshop-Leiterin?

Ankommen

Wir trafen uns am ersten Abend in einer Aula, die erst einmal so nüchtern wirkte wie eine Turnhalle. Auf einem grünen Tuch in der Mitte ruhte, von Lilien umgeben, eine Erdkugel, daneben eine brennende Kerze. Als Joanna auf uns 200 Menschen sah, die wir in drei großen Kreisen um diese Erdenmitte saßen, begrüßte sie uns: »Ich wünschte, ihr könntet sehen, wie schön ihr seid. Ihr seid wie die Blütenblätter einer riesigen Blume um die Erdkugel herum. Dann noch diese Abendsonne, die den Raum so wunderbar beleuchtet, es ist wie im Himmel.«

Es war mehr als eine gut gemeinte amerikanische Begrüßung. Es war ihr Blick, der uns und diesen Saal tatsächlich in ein Stück Himmel verwandelte und das war es auch, was das Magische dieser Reise ausmachte: dass wir mit neuen Augen sehen lernten.

Das Programm sah vor, uns auf den verschiedensten Ebenen an neue Wahrnehmungen und Erkenntnisse heranzuführen: an den Vormittagen Vorträge von Joanna, immer wieder verbunden mit Übungen. An den Nachmittagen kleine Übungs- und Interessengruppen, in denen jeder zu Wort kommen konnte. An den Abenden sollten Geschichten erzählt, auf einem Markt der Möglichkeiten die Samen des Wandels sichtbar gemacht, auf einem Fest getanzt und gefeiert werden.

Zum Abschluss dieses ersten Abends ging das Wort an jeden der 200 Teilnehmer: den Vornamen zu sagen, den Wohnort und was man schützen wolle. Bedrohte und geliebte Pflanzen und Tiere wurden genannt, Landschaften, die Meere und ihre Bewohner, und immer wieder die Kinder und die Kindeskinder. Ich fing an zu spüren, wie diese gemeinsame Liebe und Sorge uns tatsächlich miteinander und mit unseren Schützlingen zu verbinden begann. Mehr und mehr stimmte ich mich ein in das gemeinsame Singen: »Trommle mein Herz für das Leben, singe mein Mund den Frieden«.

Der Große Wandel

Wenn Joanna von dem Großen Wandel spricht, der begonnen hat, dann meint sie tatsächlich einen radikalen Epochenwandel. Die agrikulturelle Zivilisation, die vor 8000 Jahren begann, hat den Menschen zunehmend der Natur entfremdet. Mit dem Entstehen der industriellen Wachstumsgesellschaft vor 300 Jahren sind dem Menschen Mittel zugewachsen, die Natur in lebensbedrohlicher Weise auszubeuten. Klimawandel und Ressourcenknappheit stellen jetzt auch das Überleben der Menschheit in Frage. Wir fühlen es nicht nur, wir wissen auch aus der Systemtheorie, dass Systeme, die nur wenige Faktoren oder gar nur einen wie den Profit maximalisieren, Selbstmordsysteme sind, die mit Notwendigkeit kollabieren werden.

Die Dinge werden schlechter und schlechter und gleichzeitig besser und besser und das immer schneller

Der Große Wandel muss Fehlentwicklungen einer mehr-tausendjährigen Geschichte korrigieren und den Übergang in eine »Life Sustaining Society«, in eine langfristig sich selbst erhaltende Zivilisation, ermöglichen. Dieser Übergang muss in wenigen Jahren stattgefunden haben. Es gibt keine Garantie, dass der Große Wandel gelingen wird. Die Zerstörungskräfte gewinnen in der Zerstörung an zerstörender Kraft. Gleichzeitig gibt es die Wandlungskräfte, die das Netz des Lebens erhalten und wieder verknüpfen wollen. Die Dinge werden schlechter und schlechter und gleichzeitig besser und besser und das immer schneller.

Gibt es wirkungsvolle Mittel, mit denen wir den Kräften der Zerstörung begegnen können? Joanna erinnert an eine alte tibetische Prophezeiung: »Es kommt eine Zeit, in der alles Leben auf der Erde bedroht ist. Die Erde ist ein Waffenlager zerstörerischer Mächte geworden. In dieser Zeit taucht das Königreich Shambala auf. Es existiert nicht als Ort, es existiert in den Herzen und im Geist der Shambala-Krieger. Die Shambala-Krieger müssen in die Zentren der barbarischen Mächte gehen, um deren Waffen zu entschärfen. Ihre eigenen Waffen sind Mitgefühl und Einsicht. Das Mitgefühl gibt ihnen den Antrieb, die Kraft, etwas zu tun. Die Einsicht in die tiefe Verbundenheit allen Lebens gibt ihnen die Gewissheit, dass ihr Tun sich auswirkt in das Netz des Lebens hinein.« Ich verstehe diese Prophezeiung so: Shambala steht für alle Visionen einer befriedeten und lebenserhaltenden Kultur und findet in unseren Herzen und Vorstellungen statt. Hier wird der entscheidende Kampf mit Mitgefühl und Einsicht ausgetragen, aber auch mit der Entschiedenheit und Gewissheit eines Kriegers, einer Kriegerin.

Zeitreise

Glauben wir an Shambala, an uns als Shambala-Krieger? Was würden wir sagen, wenn zukünftige Generationen sich fragend an uns erinnern? Eine Teilnehmerin erlebte das so: »Tief berührt war ich von der Sensibilität in Übungen wie z.B. der Zeitreise, in der man sich paarweise gegenübersaß. Während eine Person sich vorstellt, aus dem Jahre 2208 zu stammen, bleibt der andere Partner im Jahre 2008. Diese Zukunftswesen schauen in der Übung still fragend, ihre Fragen sind hörbar durch die Stimme Joanna Macy's: ‹Unsere Ahnen erzählen uns und wir lesen in den Geschichtsbüchern von der Umweltverschmutzung, von der Ausbeutung der Erde, von den schmelzenden Gletschern und dem Aussterben der Arten, von der Schere zwischen Arm und Reich und den Kriegen und Hungersnöten. Man sagt uns, ihr wusstet darum. Ist das wahr?› Mein Partner war zutiefst betroffen, beide weinten wir stille Tränen, bis er schließlich in etwa sagte: ‹Ja, es ist wahr. Wir wissen darum, aber wir können nicht aufhören. Wir wissen nicht, wie wir das ändern sollen. Es ist so groß geworden, und es macht uns Angst. Wir wollten doch nur das Beste tun, für uns selbst und unsere Kinder …›«

Der »Große Wandel«

»Ja, wo ist denn der Große Wandel? Alles geht doch so weiter wie bisher oder wird sogar noch schlimmer. Ist das Reden vom Großen Wandel nicht wie das Pfeifen im dunklen Wald?« fragt Joanna provozierend in die Runde. Dann erklärst sie, wie wir beim Laser einen besonderen Referenzstrahl brauchen, um das Ganze wahrzunehmen, so brauchen wir auch beim Großen Wandel einen besonderen, verbindenden Blick, um ihn ganz zu sehen.

Der Wandel findet auf drei Ebenen statt. Einmal auf der Ebene des Widerstandes: Aktionen durchführen, um Zeit zu gewinnen und Schlimmeres zu verhindern. Dann auf der Ebene des Aufbaus von Alternativen: neue lebensfreundliche Strukturen schaffen, neue gemeinschaftliche Lebensweisen ausprobieren. Und schließlich auf der Ebene des Bewusstseinswandels: von einem atomistisch-mechanistischen Denken zu einem systemischen Denken übergehen, das primär die Zusammenhänge im Miteinander wahrnimmt und sich mit etwas Größerem als dem Ego identifiziert.

»Ich bin nicht mehr der Beschützer des Regenwaldes, sondern bin der Regenwald selbst, der sich durch meine Hände schützt«

Der Große Wandel kann nur stattfinden, wenn Menschen auf allen diesen Ebenen wirken und zusammenwirken. Jetzt gibt es immer noch zu viel Rivalität, Unverständnis und Ablehnung zwischen diesen drei Gruppen. Aber immer mehr Menschen merken, dass diese Bereiche zusammengehören. Sie engagieren sich in einem der Bereiche und finden sich plötzlich in einem anderen wieder. So auch in der Geschichte, die uns Joanna von John Seed erzählte, der in Australien von einem buddhistischen Hippie zu einem alternativen Farmer wurde. Er engagierte sich, um den Regenwald vor illegalen Einschlägen zu schützen und nahm dabei plötzlich sich selbst und den Regenwald ganz neu wahr: »Ich bin nicht mehr der Beschützer des Regenwaldes, sondern bin der Regenwald selbst, der sich durch meine Hände schützt«.

Eine Teilnehmerin hatte ein besonderes Erlebnis: »Bei diesem Satz von John Seed habe ich plötzlich verstanden, dass die Erde kein lebloser Gegenstand ist, sondern ein Teil von mir und ich bin Teil von ihr. In diesem Moment fühlte ich eine große Verbundenheit mit allem, war dankbar und voller Vertrauen, dass die Erde in Verbindung mit uns Menschen eine Chance hat, ihre Selbstheilungskräfte in Gang zu setzen.«

»Die Arbeit, die wieder verbindet«

… so nennt Joanna seit einigen Jahren das, was sie an den verschiedensten Orten der Welt praktiziert. Viele kennen ihre Workshops noch unter dem Namen »Von der Verzweiflung zur Ermutigung«. Mir gefällt die neue Bezeichnung besser, weil sie das Wesentliche so einfach zum Ausdruck bringt: Nichts brauchen wir mehr als Verbindung – zu uns selbst, zu den Mitmenschen, zu allen Wesen, zur Erde.

Diese Arbeit sei wie eine Reise ins lebendige Leben, wie die Bewegung einer Spirale, die immer wieder – mit immer höherer Energie – die Erfahrungen der Dankbarkeit, der Annahme, des Neuen Sehens und des Vorwärtsgehens durchlaufe. Sie erläuterte uns diese vier Prinzipien ihrer Arbeit und ließ sie uns in Übungen erleben.

Dankbarkeit

Die Arbeit, die wieder verbindet, beginnt mit Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens. Das Leben ist für uns Menschen so ungeheuer reich an Möglichkeiten, dass wir nur staunen können. Dieses Staunen macht uns wach, gibt uns die Präsenz für alles, was geschieht. Dankbarkeit verbindet uns mit der tieferen Kraft des Lebens und lässt uns in ihr ruhen. Dankbarkeit ist eine revolutionäre Handlung gegen den Ungeist der Konsumgesellschaft, die uns ständig unzufrieden macht. Würdigung gibt uns Würde.

Annehmen

Oft aber sind Trauer, Verzweiflung und Wut über das, was wir in der Welt an Grausamkeit und Zerstörung sehen oder erleben so groß, dass wir nichts mehr davon wissen wollen. Von Dankbarkeit keine Spur mehr, wir wollen uns nur noch ablenken mit den Angeboten der Konsumkultur. Aber der Schmerz und die Angst bleiben und wirken lähmend auf unser Denken und Fühlen. Wenn wir diesen Schmerz teilen – so die Botschaft von Joanna -, dann erleben wir, dass wir zusammengehören, erleben Verbundenheit in einer Tiefe, die uns wachsen lässt. Deswegen ist ihr die Verzweiflungsarbeit so wichtig.

Mit neuen Augen sehen

Dankbarkeit, Gegenwärtigkeit, Annehmen führen zu einem »Sehen mit neuen Augen«. Wir erkennen: »Die Erde ist ja ein lebendiges Wesen! Und wir sind ein Teil von ihr. Alles ist in gegenseitiger Abhängigkeit vernetzt!« Eigentlich ein ganz altes Wissen, den Naturvölkern bekannt und auch im Buddhismus noch lebendig. Dieses Wissen bringt sie in Verbindung mit den neuesten Erkenntnissen aus Systemtheorie, Quantenphysik und Holographie. Immer wieder betont sie, dass wir in einer großen Kette des Werdens stehen. Wir sind Wesen mit einer langen gemeinsamen Geschichte, die bis in die Anfänge des Universums zurückreicht und mit einer möglichen großen Zukunft.

So abstrakt diese Erkenntnisse oft sind, Joanna kann sie leicht vorstellbar, fühlbar und erlebbar werden lassen durch ihre Gestik, ihren Humor, ihren manchmal mädchenhaften Charme.

Die Angst überwinden

Sie warnt uns: Beim Vorwärtsgehen werdet ihr überall auf Angst stoßen. In uns und um uns wächst die Angst, je mehr wir sie zu verdrängen und zu verstecken suchen. Sie begegnet uns überall als Lähmung oder Panik. Jetzt ist die Situation noch gefährlicher geworden: Die Ressourcen werden immer knapper, die Lebensbedingungen immer schwieriger. Die Angst wird immer größer werden. Wie werden wir mit der Angst umgehen?

So wie die Menschen von Nowosybkow, der lange vergessenen Stadt? Über diese Stadt wurde eine radioaktive Wolke aus Tschernobyl zum Ausregnen gebracht, damit Moskau verschont bliebe. Alles veränderte sich für die Menschen, aber niemand wollte es wahrhaben und darüber reden. Das »Ereignis« wurde zum Tabu. Die Menschen flüchteten in die Vereinzelung. Ein unheimliches Schweigen breitete sich aus über der Stadt und umschloss die Herzen. Als Joanna in diese Stadt kam, fand sie kaum Zugang zu den Menschen. Überall stumme Verzweiflung, zerstörte Familien, Hoffnungslosigkeit. Mit viel Einfühlungsvermögen gelang es ihr dann doch, die Menschen über gemeinsames Tanzen zum Ausdruck ihrer Gefühle und ihrer Schmerzen zu bewegen. Sie sprachen über das Tabu und befreiten so ihre Schmerzen. Sie nahmen sich in die Arme und weinten lange. Sie fanden wieder zueinander. Sie besorgten sich Geigerzähler, um sich und ihre Familien so gut es ging zu schützen. Sie schrieben ein Buch darüber, wie man mit Radioaktivität leben kann. Auch ein Strahlenmuseum wurde eingerichtet, um die Wahrheit präsent zu halten.

Diese und andere Geschichten zeigen uns: Wir können die Angst besiegen, indem wir sie uns gemeinsam anschauen, indem wir mit anderen zusammenarbeiten, indem wir Solidarität üben, indem wir uns auf einer tieferen Ebene miteinander verbinden.

Einander sehen lernen

Zum Abschluss machten wir die Übung »Einander sehen lernen«. Sie ist von der buddhistischen Meditation der »Vier Wohnsitze des Buddha« abgeleitet: der Güte, des Mitleidens, der Mitfreude und der Gelassenheit.

Alle 200 gingen wir durch die große Halle, auf ein Zeichen hin blieben wir vor einem Menschen in unserer Nähe stehen. Während Joanna sprach, sahen wir uns stumm in die Augen. Bei der ersten Begegnung ging es darum, die Stärken des Gegenüber zu sehen, bei der zweiten die Schmerzen des anderen zu erahnen, bei der dritten sich vorzustellen, wie gut es wäre, mit diesem Menschen ein gemeinsames Projekt zu verfolgen. Alle diese Begegnungen berührten mich sehr tief, besonders aber die vierte, die letzte, in der ich einer jungen Frau begegnete. Wir schauten uns in die Augen, als ich Joannas Worte hörte:

»Zuletzt lass dein Bewusstsein in dich einsinken wie einen Stein bis unter den Bereich dessen, was Worte ausdrücken können, in das tiefe Geflecht des Lebens, in dem du getragen bist und durch das wir durch alle Zeit und allen Raum miteinander verwoben sind. Sieh den Menschen vor dir! Ihr beide wisst, dass eure Leben so vielfältig miteinander vernetzt sind wie Nervenzellen im Geist eines großen Wesens. Aus diesem unermesslichen Netz kannst du nicht herausfallen. Es ist das, was du bist. Überlass dich diesem Wissen. Überlass dich dem großen Frieden. Aus diesem Frieden heraus können wir handeln, können wir jedes Wagnis eingehen …«

Ja, so ist es. Ich war von einem tiefen Frieden erfüllt, und durch Tränen hindurch sah ich die Augen gegenüber. Ich hatte das Gefühl, dass das Leben sich selbst in einer unendlichen Spiegelung in die Augen schaut. Ja, es gibt nichts als dieses Leben. Es ist unzerstörbar und voller Wunder.

Nachklang

Einige Tage später erreichten mich Berichte von Teilnehmern, die ich hier gerne weitergeben möchte, aus Platzgründen leider nur von einigen und auszugsweise.

Natascha: »Ich habe vor Jahren aufgehört, mir die Nachrichten im Fernsehen anzuschauen und auch die Schreckensmeldungen in den Zeitungen zu lesen. Ich habe den Schmerz nicht ausgehalten und die Angst wurde immer größer. Ich konnte noch lachen, doch nicht all mein Lachen. Ich konnte noch weinen, doch nicht all mein Weinen. Im Laufe dieser Tage begab ich mich auf die Reise, wieder hinzuschauen und mit meinem ganzen Körper zu spüren, was auf diesem Planeten und mit uns Menschen geschieht. Ich blickte meinem Tod in die Augen, kam meinen Ängsten und dem tiefen Schmerz wieder sehr nahe. Doch es hatte sich etwas verändert, ich konnte hinter diesem angstvollen Körper eine andere Kraft spüren. Nun weiß ich, was es bedeutet, durch die Angst zu gehen. Dort, wo die Angst am größten ist, ist auch die größte Kraft.«

»Jetzt habe ich den Mut, dem Wandel Raum zu geben in meinem Leben«

Werner: »Als Steinbildhauer fehlen mir buchstäblich die Worte, um Joanna Macy, dieser Grande Dame der Hoffnung, in einer Beschreibung gerecht zu werden. Mir jedenfalls kommt es so vor, als wenn dieser gigantische Strom der Entwicklung menschlichen Bewusstseins in der Präsenz dieser Frau seinen positivsten Ausdruck gefunden hätte. Von allen die Schönste, Klügste und Mutigste, hat sie doch das Maß gefunden auf Augenhöhe zu bleiben und das, was sie sagt, auch zu leben. Und das ist und war sehr, sehr viel. Bisher stand ich zu dem Wort Tiefenökologie in einem etwas sperrigen Verhältnis. Dieser Tage aber bekam ich tiefste Resonanz mit dem Zauberwort Shambala-Krieger. Persönlich überstand ich die Initiation als Krieger in einer selbstverordneten Mutprobe, in dem ich ein kleines Trauma überwand und mich auf unserem Abschlussfest mit Mikrofon auf die Bühne stellte. Wieder zu Hause, ist der weitaus größere Teil der Veränderung dran. Gestern habe ich meine Wohnungseigentümerin angerufen, um zu kündigen! Das wollte ich schon seit zehn Jahren tun. Jetzt habe ich den Mut, dem Wandel Raum zu geben in meinem Leben«.

Infos zu tiefenökologischen Workshops: www.tiefenoekologie.de

Literatur:

Joanna Macy u. Molly Young Brown: Reise ins lebendige Leben – Strategien zum Aufbau einer zukunftsfähigen Welt, Junfermann 2003
Joanna Macy und Norbert Gabler: Fünf Geschichten, die die Welt verändern – Einladung zu einer neuen Sicht der Welt, Junfermann 2008

Wolfram Nolte, Jg 47, Soziologe und freier Journalist, Redakteur der eurotopia-Seiten in den Kurskontakten, lebt im Ökodorf Sieben Linden, www.eurotopia.de. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 


Titelseite connection spirit 09/08

Aus dem Heft connection spirit September 2008

   
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