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Die Illusion erotischer Einvernehmlichkeit

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Die Illusion erotischer Einvernehmlichkeit
Foto: Mike Cogh flickr.com

Du willst es doch auch...

Die Forderung der Einvernehmlichkeit jedweder sexuellen Handlung hat die Männer verunsichert. Viele trauen sich nun kaum mehr, beim Flirt und im Sex die Initiative zu ergreifen, weil sich ja nie voraussagen lässt, ob das für die Frau schon eine Belästigung oder gar einen Übergriff darstellt. Saleem Matthias Riek schlägt stattdessen vor, Erotik und Sex als einen Tanz zu begreifen, bei dem das Bewusstsein des Risikos jedes einzelnen Schrittes nie in den Schatten gedrängt werden sollte...

Soll jeder nach seiner Façon selig werden. Was der Alte Fritz vor mehr als zweihundert Jahren als Losung zur Religionsfreiheit ausgab, gilt heute in unserer Kultur weitgehend auch für unsere Sexualität. Die Errungenschaft sexueller Freiheit ist jedoch alles andere als selbstverständlich. In Russland beispielsweise stehen positive Aussagen über Homosexualität unter Strafe, in manchen afrikanischen Staaten steht auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe, und in Afghanistan wird derzeit erwogen, Ehebruch wieder mit öffentlicher Steinigung zu bestrafen. Bei uns hingegen gibt es kaum eine sexuelle Praktik, die nicht talkshowfähig wäre. Wenn zwei sich einig sind, was sie miteinander treiben, was sollten wir dagegen einzuwenden haben? Einvernehmlichkeit heißt dabei das Zauberwort.

Grenzen der Toleranz

Es gibt aber offensichtlich Konstellationen, wo Einvernehmlichkeit als Bedingung unserer Toleranz nicht ausreicht. Am deutlichsten wird dies beim Sex mit Minderjährigen. Ab welchem Alter billigen wir Kindern oder Jugendlichen zu, ihre Grenzen selbst setzen zu können oder zu dürfen? Wie sieht es aus beim Sex gegen Geld? Alice Schwarzer würde ihn am liebsten wieder verbieten lassen. Und was halten wir vom Sex zwischen Erwachsenen in ungleicher Beziehung, z.B. zwischen Chefin und Mitarbeiter oder – um ein für die Leser dieser Zeitschrift naheliegendes Beispiel zu wählen – zwischen einem Tantralehrer und seiner Seminarteilnehmerin?

Es gibt also Ausnahmen. Um diese soll es jedoch in diesem Text nicht gehen, sondern um die Begegnung zweier potenziell ebenbürtiger erwachsener Menschen. Wenn keiner den anderen belästigt, nötigt oder drängt, sondern sich beide einig sind, was sie wollen, dann kann doch nichts mehr schief gehen, oder?

Immer nur einvernehmlich?

Leider ist es nicht so einfach. Denn ob beide das gleiche wollen, lässt sich – wenn überhaupt – nur im Nachhinein feststellen. Schon die erotische Kontaktaufnahme bringt ein unvermeidbares Risiko mit sich. Was der eine als charmantes Werben oder erfrischend-männlich-dominantes Auftreten versteht, kommt beim anderen vielleicht schon als Übergriff oder Belästigung an. Vor nicht allzu langer Zeit ging ein Aufschrei über die allgegenwärtige sexistische Anmache durch die Medien, wobei als Maxime immer wieder gefordert wurde, jeder erotische Kontakt müsse von Anfang an einvernehmlich sein. Ich wage hier die These: Dieser Forderung im Sinne einer Regel voll und ganz nachkommen zu wollen, wäre das Ende jeder Erotik, nicht jedoch das Ende von Belästigung.

Es gibt im Leben Situationen, die sind mit klaren Regeln sinnvoll steuerbar, wie z.B. der Straßenverkehr. Wer bei Rot über die Ampel fährt, weiß, dass er eine Regel bricht und mit Konsequenzen rechnen muss. Aber wie sieht es aus, wenn ich jemanden attraktiv finde und dies offen zum Ausdruck bringe? Übertrete ich dadurch vielleicht schon die Grenzen des anderen? Wie würde ein durch und durch antisexistisch sozialisierter Mann das Ganze angehen? Vielleicht so wie in folgendem kleinen Dialog?

Anmache mit Ampelkarten

Er: »Entschuldige bitte, dürfte ich der Kommunikation mit dir eine leicht erotische Färbung geben?«
Sie (mit leicht säuerlichem Ausdruck): »Wie bitte?«
Er (zieht etwas aus der Tasche): »Ich habe hier drei farbige Karten dabei, eine grüne, eine gelbe und eine rote. Würdest du so nett sein, während unseres Zusammenseins immer die entsprechende Karte nach oben zu legen, so dass ich sofort mitbekomme, wenn ich dich bedränge oder schon zu weit gegangen bin?«
Sie: »Hahaha! So eine originelle Anmache habe ich ja noch nie erlebt.«
Er (freudig erregt): »So? Da bin ich aber froh!«
Sie (lacht immer noch): »Zu mir oder zu dir?«
So glatt wird es für unseren freundlichen Antisexisten wohl eher selten laufen. Vielleicht fängt er sich auch nach dem ersten Satz schon eine Ohrfeige ein oder zumindest eine eindeutige Abfuhr. Wenn er jedoch so weit kommt, mit den Ampel-Karten seine erotisch-ethische Korrektheit unter Beweis zu stellen, wer weiß, vielleicht antwortet sie dann:
»Weißt du, Schätzchen, ich stehe nicht auf Typen, die sich einschleimen. Wenn du mit mir ins Bett willst, dann mach mich an und komm mir nicht mit Verkehrsregeln.«

Der Forderung nach Einvernehmlichkeit im Sinne einer Regel voll und ganz nachkommen zu wollen, wäre das Ende jeder Erotik, nicht jedoch das Ende von Belästigung

Eros ohne Risiko gibt's nicht

Sex ist kein Vertrag, den zuerst beide unterschreiben, um dann zur Tat zu schreiten. In der Annäherung gibt es immer eine Phase, in der Einvernehmlichkeit erst ausgelotet oder über sie verhandelt wird. In dieser Phase existiert sie noch nicht. Anders gesagt: Anmache – oder weniger anrüchig ausgedrückt: erotisch-sexuelle Initiative – beinhaltet unvermeidbar ein Risiko. Ohne dieses Risiko kommt keine sexuelle Begegnung zustande. Ich kann nicht vorher wissen, ob meine Initiative auf Gegenliebe stößt, ich kann höchstens kleinschrittig vorgehen, aber auch das kann ungut ankommen. Und es kommt noch schlimmer: Das Risiko besteht nicht nur bei der Kontaktaufnahme, sondern genau genommen von Anfang bis Ende jeder erotischen Begegnung, und noch darüber hinaus. Da Einvernehmlichkeit eben nicht bedeutet »Wer A sagt, muss auch B sagen«, ist Sex ein einziges, großes Risiko. Sex ist die stete verbal unausgesprochene, aber mit dem Körper kommunizierte Frage und Aufforderung: Willst du auch, was ich gerade will?

Wer das Risiko des in jedem Moment möglichen Auseinanderdriftens im akuten Begehren nicht sieht, legt damit bereits den Grundstein für spätere Übergriffe oder Missbrauch. Einvernehmlichkeit existiert, wenn überhaupt, nur in der Gegenwart und kann nur in jedem Moment neu errungen werden. Wer sich dieses Risikos nicht bewusst ist, übersieht schnell mal körpersprachlich signalisierte rote Ampeln.

Die Illusion erotischer Einvernehmlichkeit
Foto: Artem Fuman fotolia.com

Verunsicherte Männer

Zusammen mit Rainer Salm arbeite ich derzeit an einem Buch über Männersexualität, für das wir intime Gespräche mit fünfzehn Männern führten, die sich weit über die Grenzen der bekannten Klischees männlicher Sexualität hinaus gewagt haben. Bei der Arbeit an diesem Buch wird uns immer deutlicher, wie sehr Männer als sexuelle Wesen verunsichert sind, und wie oft Männer in ihrer Sexualität offen oder subtil abgewertet werden. Sehr viele Männer haben diese Abwertung so tief verinnerlicht, dass sie sie selbst schon gar nicht mehr bemerken. Aber sie macht sich natürlich dennoch bemerkbar, vor allem im Ringen um die Frage: Kann und darf ich als Mann meinen sexuellen Impulsen, Wünschen und Sehnsüchten trauen?

Dieses Ringen hat viele Facetten, die den Rahmen dieses Textes bei weitem sprengen, aber es lässt sich an der Frage zuspitzen, um die es hier geht: Kann, darf, soll oder muss ich als Mann die sexuelle Initiative übernehmen? Wie viele Frauen wünschen sich, dass er sie fragt, bevor er sie küsst? Im Internet wird diese Frage teilweise heiß und kontrovers diskutiert. Durchaus nicht jede Frau will vorher gefragt werden. Manche Frau wünscht sich, dass mann sensibel zu unterscheiden vermag, wann eine vorsichtige Vorabanfrage und wann mutiges Handeln angesagt ist. Allerdings, es ihr immer nur recht machen, das soll er nun auch wieder nicht. Da fehlt frau dann das echte männliche Begehren …

Der große blinde Fleck

Der Grat zwischen zu viel und zu wenig Begehren ist schmal, so schmal, dass manche Männer lieber auf ihr Begehren verzichten oder auf vermeintlich sichere Territorien wie Pornografie oder Prostitution ausweichen. Eine kleine Minderheit, deren Datingkunst aus den USA zu uns herüber schwappt, geht einen anderen Weg: Die Pickup-Artists stellen sich bewusst dem Risiko sexueller Anmache und machen daraus teilweise eine Art Sport. In Seminaren lernen sie alles über sexuelles Selbstvertrauen, in Foren tauschen sie die wirkungsvollsten Tricks aus, mit denen sie eine Frau ins Bett bekommen. Der Aufschrei in manchen Medien ist groß, einigen gelten die Pickup-Artists als frauenverachtend. Aber warum fallen Frauen auf deren Tricks herein? Könnte es sein, dass wir es hier mit einem riesigen blinden Fleck zu tun haben, den weder Frauen noch Männer bislang ausreichend in den Blick genommen haben? Dieser blinde Fleck heißt: Wer ist denn zuständig, und wer haftet für das Risiko sexueller Initiative und unterschiedlichen Begehrens?

War Julian Assange übergriffig?

Seit mehr als einem Jahr sitzt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Er wird in Schweden der sexuellen Nötigung beschuldigt, und es wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der Fall wurde in den Medien breit diskutiert und ist zu komplex, als dass ich hier dazu Stellung nehmen möchte. Ein Aspekt scheint mir aber für unser Thema der Erwähnung wert. In manchen Diskussionsbeiträgen wird das schwedische Strafrecht so ausgelegt, dass sich ein Mann bereits dann einer Straftat schuldig gemacht hat, wenn eine Frau sich nach dem Sex benutzt fühlt. Wenn die Pickup-Artists mit ihrem Tunnelblick auf den kurzfristigen sexuellen Erfolg den einen Pol unseres blinden Flecks verkörpern, dann stellt diese vermeintlich feministische Position wohl den Gegenpol dar: Was immer der Sex bei einer Frau anrichtet, der jeweilige Mann muss dafür zur Verantwortung gezogen werden. Was in diesen beiden gegensätzlichen Positionen ausgeblendet wird, ist das, was im einzelnen geschieht, wenn es erotisch oder sexuell wird und die Beteiligten noch nicht wissen (können), ob sie einander wollen, wie sie einander wollen, oder was sie gegebenenfalls eben nicht wollen.

Sex ist kein Vertrag, den zuerst beide unterschreiben, um dann zur Tat zu schreiten

Ja, nein, mehr oder tschüss

Eine der beliebtesten, von manchen aber auch gefürchteten Übungen in meinen Kursen geht so: Du bewegst dich durch den Raum, und wenn du jemandem begegnest, darfst du sie oder ihn berühren. Die Berührung kann, muss aber nicht gegenseitig sein. Und nun das entscheidende Element dieser Übung: Wann immer du berührt wirst, sagst du kontinuierlich eines der folgenden vier Worte: ja, nein, mehr oder auf-Wiedersehen. Dein Wortschatz ist auf diese vier Vokabeln reduziert. Diese sehr einfache Struktur bringt Muster und Verhaltensweisen ans Licht, die wir rund um das Thema Kontakt aufgebaut haben, ohne dass dieser unbedingt erotisch sein müsste. Aber sobald er erotisch wird, treten die Muster verstärkt auf den Plan. Manche vermeiden, ›nein‹ oder ›auf Wiedersehen‹ zu sagen, bei anderen ist es genau anders herum, sie vermeiden alles, wofür sie ein Nein kassieren könnten. Besonders spannend sind die vielen kleinen und subtilen Manöver, mit denen wir klarer und wahrhaftiger Kommunikation ausweichen, zum Beispiel indem wir ›ja‹ sagen, obwohl wir ›mehr‹ meinen, oder indem wir ein Nein als Vorwurf oder Zurückweisung auffassen und uns gleich verabschieden. Dabei bedeutet ein Nein nur: Diese Berührung mag ich nicht, aber vielleicht eine andere …

Der Tango der Annäherung

In einer solchen Übung wird schnell deutlich, dass der Reiz eines erotischen Kontaktes im Spiel mit dem Risiko liegt. Ich zeige dir mein Wollen und Begehren und bin neugierig gespannt, wie du darauf antwortest. Risikovermeidung heißt: Ich zeige mein Begehren nicht, oder ich achte kaum oder gar nicht auf die Resonanz, die ich bei dir auslöse. Auch in der empfangenden Rolle können wir das Risiko vermeiden, indem wir den anderen über unsere wahre Resonanz im Unklaren lassen, zum Beispiel um es uns nicht zu verscherzen. Erotischer Kontakt lebt vom Spiel aus Annäherung und Zurückweisung, so prickelnd wie ein argentinischer Tango. Wenn dieses erotische Spiel uns überfordert, dann finden wir das nicht mehr lustig, dann wird es ernst, und wir retten uns in unsere Muster der Risikovermeidung. Der Tanz verliert seine Anmut, wird mechanisch oder einfach fad. Vielleicht schaffen wir es noch, uns in die richtige Schrittfolge zu retten und gute Miene zum enttäuschenden Spiel zu machen, aber die Magie ist verloren.

Gelassen sein mitten im Risiko

Interessanter Weise verbinden viele Menschen diese Magie eher mit Erotik als mit Sex. Viele Frauen und Männer erleben beim Übergang von der Erotik zum Sex einen Bruch, so als sei die Sensibilität für die gegenseitige Resonanz verzichtbar, sobald sich zwei Menschen einig sind, miteinander schlafen zu wollen. Es kann einem so vorkommen, als schalte das Gehirn auf einen gröberen, animalischen Modus um. Sex wird aber umso erfüllender, je mehr das Spiel mit dem Risiko bis zum Schluss und sogar darüber hinaus erhalten bleibt, auch inmitten wilder Geilheit, auch mitten im Orgasmus. Wenn uns dies überfordert, werden wir die bedrohliche Intimität echter Resonanz zu vermeiden wissen, und wenn wir uns dies nicht eingestehen, werden wir die Verantwortung gerne dem anderen zuschieben. Die – zugegeben – wenig erotisch klingende Formel lautet: Die Qualität sexuellen Kontakts ist direkt proportional zum Ausmaß an Risiko, das wir mit ausreichend Gelassenheit einzugehen bereit sind. Wenn wir also besseren Sex wollen, ist dies unsere Chance und Aufgabe: gelassener zu werden im Umgang mit der Tatsache, dass wir vorher nie wissen können, wie unser Begehren ankommt, und mit dieser Unvorhersehbarkeit tiefe Freundschaft zu schließen.

Sackgasse Einvernehmlichkeit

Fassen wir zusammen: Die Forderung, Erotik und Sex sollten stets einvernehmlich sein, ist nur auf den ersten Blick einleuchtend. Im Grunde ist sie zutiefst irreführend, denn sie suggeriert, das Risiko sexueller Initiative sei vermeidbar. Da dies aber lebensfern ist, bleiben all die unbewussten Manöver, mit denen wir die Risiken vermeiden, im Schattenbereich unserer Psyche, um von dort aus Übergriffe, Manipulation, Schuldzuweisung und Resignation zu befördern, die wir mit unserer Orientierung an Einvernehmlichkeit doch eigentlich vermeiden wollten. Letztere stellt sich als eine Kraft heraus, die stets das Gute will und doch …

Es geht darum, gelassener zu werden im Umgang damit, dass wir vorher nie wissen können, wie unser Begehren ankommt, und mit dieser Unvorhersehbarkeit tiefe Freundschaft zu schließen

Die Lösung: Zweivernehmlichkeit

Was ist die Alternative? Zweivernehmlichkeit! In einem Kontakt, an dem zwei Menschen beteiligt sind, braucht es nicht Ein-, sondern Zweivernehmlichkeit. Wenn beide sich Gehör verschaffen und aufeinander hören, wird daraus zwar kein Schuh, aber ein lebendiger Tanz. Dann entwickeln wir eine Kultur, in der die Aufforderung zum Tanz als ein Angebot, als ein Geschenk verstanden wird, das wir annehmen, aber stets auch dankend ablehnen dürfen. Vielleicht wird manche Frau, die dies liest, empört aufschreien und mich der Ignoranz bezichtigen, wie demütigend und verletzend sexuelle Belästigung durch Männer manchmal sei, vor allem an Orten wie dem Arbeitsplatz, wo sie nicht damit rechnen will, jederzeit angemacht zu werden. Es mag sein, dass mir hier die letzte Einfühlung fehlt. Aber könnte es nicht auch sein, dass durch eine grundlegende Wertschätzung erotisch-sexueller Initiative ein bewussterer, kultivierterer und respektvollerer Umgang zwischen Männern und Frauen erleichtert wird und wir besser differenzieren lernen, was ein eindeutiges Angebot ist – und was eine Belästigung oder Nötigung? Vielleicht müssten wir uns dann auch am Arbeitsplatz nicht mehr erotisch gesehen in Neutren verwandeln.

Die Chance der Männer

Wir Männer sind in dieser Thematik einer weitreichenden Schizophrenie ausgesetzt. Auf der einen Seite stehen wir unter kollektiv-brüderlichem Generalverdacht, kein Gespür für den angemessenen Respekt zu haben, mit dem wir uns doch bitte, wenn überhaupt, dem anderen Geschlecht annähern sollen und dürfen. Auf der anderen Seite wird Shades of Grey zum Megahit bei Frauen, und wir erfahren, was wir schon immer geahnt haben: Wenn es drauf ankommt, ist politische Korrektheit so erotisch wie Sex mit Ampelschaltung. Anstatt nun aber zu verzweifeln oder den Frauen ihre Doppelbotschaften vorzuhalten, können wir darin unsere Chance entdecken und diese auch ergreifen: Wenn wir es den Frauen nie ganz recht machen können, dann könnten wir doch lernen, mit ihnen zu tanzen, dabei zuweilen das Risiko der Initiative und Führung übernehmen und fasziniert-neugierig-sensibel dafür werden, wie sie darauf antwortet. Vielleicht übernimmt sie sogar mal selbst das Risiko der Führung. Werden wir das dann zu schätzen wissen?

Saleem Matthias Riek

Saleem Matthias Riek, Jg. 59, leitet seit mehr als zwanzig Jahren Seminare und Trainings zu Liebe, Sexualität und Tantra. Im Rahmen seiner »Schule des Seins« bildet er auch Gruppenleiter aus, vor allem in einer das Leben in seiner Unvorhersehbarkeit ehrenden Grundhaltung. Er ist Autor mehrerer Bücher zum Thema und schreibt derzeit an einem Buch über Männersexualität und an seinem ersten Roman. www.schule-des-seins.de

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