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Menschenhandel in Deutschland (Teil 1)

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Tantra 94
Foto: The common wanderer flickr.com

Ist Connection ein Forum für die Prostitution?

Zum Artikel »Prostitution und Sexarbeit nun doch ein 'schmutziges Geschäft'?«, von Michael König im Connection Tantra Special Nr. 94...

Ist Connection ein Forum für die Prostitution? 500.000 Menschen, meist weiblich, so wurde von der UN schon 2011 geschätzt, werden jährlich von Bulgarien, Rumänien, dem Balkan nach Westeuropa verschleppt. Davon sind der Großteil Mädchen und Frauen, die zuerst mal vergewaltigt werden, bis sie »freiwillig« als Prostituierte arbeiten. Das ist Sklavenhandel im 21. Jahrhundert. Und die Zahlen stammen von den Vereinten Nationen, nicht von Alice Schwarzer, die eine der Prominenten ist, und von vielen Organisationen und Menschen, die sich gegen diese verbrecherischen Zustände in der BRD wehren.

Die Mädchen(!), die bisher verschleppt werden, sind häufig 13, 14, 15, 16, 17 Jahre alt.

Sicherlich sind auch einige darunter, die 18 oder älter sind. Pädophilie wird das in Deutschland genannt. Dass keine einhellige Entrüstung von den deutschen Bundesbürgern artikuliert wird, liegt vielleicht daran, dass es ja eh nur »Ausländer« sind. In altdeutscher Tradition, wo es ab 1933 versucht wurde, Sinti und Roma auszurotten, kommt nun eine neue Methode zum Einsatz: Sklavenhaltung für den deutschen Mann, ein Freifahrtschein ins Kinderpuff, und das bisher ohne Strafe.

Verbrecherisches Geschäft

Menschenrechte scheinen für ausländische Prostituierte nicht zu gelten. Man kann getrost davon ausgehen, dass 80% aus dem Osten stammen. Nein, es ist kein schmutziges Geschäft, es ist ein verbrecherisches Geschäft, weitab jeglicher Moral und Achtung vor den Nächsten, und die Kriminellen sind nicht nur die Zuhälter aus dem Osten, die Puffbetreiber in Deutschland, sondern auch und ganz besonders die deutschen Männer, die sich an Kindern vergehen.

Das alles ist skandalös genug, und ich kann nur hoffen, dass die geltenden Gesetze so wie in Schweden oder Frankreich schnellstens abgeändert werden. Aber ich verstehe nicht, weshalb sich die Zeitschrift Connection zum Fürsprecher derart skandalöser Praxis macht. Oder machen lässt? Ich dachte, Tantra wäre auf beiden Seiten freiwillig? Gehört ein pro-Prostitution-Artikel in eure Zeitung? Wäre es nicht besser, zu unterscheiden, dass unsere tantrische Praxis nicht, aber auch rein gar nichts, mit Prostitution zu tun hat, und schon gar nicht mit dem Zwang und der Sklaverei, die dort herrschen?

Tantra hat nichts mit dem Rotlichtbereich zu tun

Ich selbst massiere tantrisch, aber in meinem Bekanntenkreis kann ich nicht häufig genug darauf hinweisen, dass dies nichts mit dem Rotlichtbereich zu tun hat. Connection lese ich ab und zu, und um so mehr wundert es mich nun, dass Fürsprecher des »entfesselten, profitorientiertem Kapitalismus«, wie das in eurem Bericht des Autors M. König deutlich wird, eine Zuhörerschaft und ein Forum in Connection bekommen.

Nachdem in verschiedenen Foren und Zeitungen schon alle negativen Ausprägungen beschrieben wurden und oft genug dokumentiert wurde, dass es Sex mit Minderjährigen in Deutschland gibt, und dies von Freiern gewünscht und toleriert wird, erscheint mir der Artikel von Michael König wie Hohn und Spott auf das Leid der ausländischen, meist minderjährigen Prostituierten, die aus ihrer unvorstellbaren Armut in ein Sklavenleben im Westen gebracht werden, aus dem sie sich vielleicht erst wieder mit 20 oder später befreien können, weil sie dann Selbstbewusstsein genug haben, sich dagegen zu wehren. Hoffentlich.

Und ich wünsche mir, dass eine tantrische Zeitschrift diese Facette der Unterdrückung, der neuen Sklaverei in Deutschland nicht propagiert. Es ist ein weiterer Schlag ins Gesicht von Minderjährigen, die sich dagen nicht wehren können.

Karl-Heinz Hofmann-Grandke

Das Connection Tantra Heft Nr. 94 über »Sex, Lust und Ethik«, in dem sich u.a. der von Karl-Heinz Hofmann-Grandke kritisierte Artikel befindet (und ein zweiter, zu demselben Thema, von Angela Blanc) ist noch erhältlich. Hier geht es zur Antwort von Michael König auf die Kritik von Karl-Heinz Hofmann-Grandke (und der Überschrift »Das Muster der moralischen Empörung«.) und hier zur Antwort von Angela Blanc.

Karl-Heinz Hofmann-Grandke, D-79100 Freiburg, grandke1gmx.de

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Aus dem Heft Tantra 94

   
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