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Was gehört mir? Wann bin ich gesättigt?

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»Was du verlieren kannst, war noch nie wirklich dein Eigenes.«

»Was du nicht bekommst, für das hast du dich noch nicht wirklich eingesetzt.«

Vielleicht brauchst du es aber auch gar nicht. Vielleicht ist das, was du nicht bekommst, das, was du nicht brauchst, zumindest jetzt. Wenn du es wirklich willst, musst du alles dafür tun. Du musst von deinem Wunsch zum Entschluss voranschreiten. Du musst deinen Willen aufs Höchste aktivieren. Du musst nur auf das Eine ausgerichtet sein und alles andere als Ablenkung hinter dir lassen.

An dieser Stelle wird es einigen Protest geben von Menschen, die für ihr spirituelles Selbstverständnis auf »Willenslosigkeit« pochen. Du kannst das Höchste nur erlangen, wenn du es nicht mehr willst, wenn du dein Begehren (deine Triebe, Wünsche, Vorsätze) ausgelöscht hast. Sogar über das Wesen des Entschlusses werden sie sagen: »Du kannst dich nicht entschließen, die Wahrheit zu empfangen.« Sehr wohl kannst du es, sage ich. Denn im Entschluss hebt sich das Ego selber auf. Nicht der Wille ist das Problem, noch war er es je, sondern deine Ansichten über das Ego. Jede Ansicht über das Ego und über Egolosigkeit ist ein Problem, das gelöst werden muss. Jede Beschäftigung mit dem Ego muss aufhören. Dann kann Wille geschehen, dann kann das Ego als Motiv, Vorsatz und Entschluss ungestört seine Tat vollbringen und sich erfüllen. Denn es geht um die Erfüllung des Ego, die volle Sättigung und gleichzeitige Auflösung.

Wie ist es mit Entspannung und Anspannung? Viele sagen: »Streng dich nicht so an, entspann dich, dann bekommst du alles, was du brauchst.« Das ist natürlich nicht die Wahrheit. Genau so wenig wie das Leben mit einseitiger Entspannung funktioniert, funktioniert es mit einseitiger Anspannung. Ist es nicht wieder die schon erwähnte Mischung? Vollständige Entspannung ist Bewusstsein, vollständige Intensität, Leidenschaft, Anspannung und Einsatz aller Kräfte ist Wille. Wenn beide zusammen kommen, wenn sie sich »lieben«, wenn sie sich vereinigen, dann kann es sein …

… dass ich alles bekomme, was ich brauche. »Das Leben gibt dir alles, was du brauchst, genau zum richtigen Zeitpunkt«, sagte die spirituelle Lehrerin Byron Katie einmal. Das Leben? Soll ich mich also nicht mehr anstrengen? Soll ich mir nichts mehr wünschen, nichts mehr beabsichtigen, nichts anstreben? Oh, die Kunst des Erreichens liegt in der Offenheit dafür, ob nun meine Tat und Leistungsbereitschaft gefordert ist, oder mein hingebungsvolles Warten und Mich-Entspannen. Dieser Punkt dazwischen, dieses Erfühlen, dieses intuitiv Erkennen, was nun angebracht ist, das ist es, dieser Wendepunkt vom Handeln zum Nichthandeln, vom Nichthandeln zum Handeln. In dieser Art göttlichen Intuition ist mein Wille voll da, aktiv, und gleichzeitig ist er still.

Intuition ist die göttliche Hochzeit von Wille und Bewusstsein. In mir bringt sie Frieden hervor, inmitten intensiven Wirkens.

Wie geht das praktisch, die volle Sättigung und Auflösung des Ego in einem einzigen Akt? Oder in einem Moment? Denn die Zeit kann darin keine Rolle spielen.


Bild: pixelio/JDBeutler

Und an welchem Ort findet dies statt? Im Körper? Tief innerhalb des Körpers, aber nicht in seinen äußeren Vorgängen und Empfindungen. Ich muss die Identifikation mit dem Körper aufgeben. Denn der Körper lebt und entwickelt sich in der Zeit. Alles braucht Zeit, was in der Welt und im Körper geschieht. Eine zeit- und raumlose Dimension, wo ist sie in mir? In der Seele? Wo treffen Wunschbild und Verwirklichung aufeinander und erfüllen sich vollkommen? Es kann nur in mir sein. Und wann? Dann, wenn bin ich zutiefst zufrieden bin.

Dann, wenn ich weiß, dass ich nicht mehr tun kann, dass ich alles gemacht habe, was in meiner Macht steht. Wenn es nicht mehr um Vollendung geht, sondern um das erfüllende Tun. Die Erfüllung, die im Tun selber liegt. Und damit einher geht die Befriedigung, die aus dem Bewusstsein kommt, aus dem Nicht-Tun. Ein Koan? Ein unlösbares Rätsel? Ein Widerspruch?

Nehmen wir an, ein Mensch wünscht sich zutiefst, dass es in der Welt keine hungernden Menschen mehr gibt. Wie kann er je zufrieden sein, wie kann er je empfinden, dass sein Wunsch in Erfüllung gegangen ist? Wo ist der Ort, wo dies tatsächlich stattfindet? Wann ist die Zeit, wo dies erfüllt wird?

Denn in dieser Welt wird der Wünschende es möglicherweise nicht mehr erleben. Diese Welt braucht Zeit.

Wo ist der Ort der Befriedigung, wenn Menschen tatsächlich noch Hunger leiden?


Bild: pixelio/Uli Carthäuser

Hier öffnest du die Babuschka und gelangst zu: »Vom Sterben und der Wiederauferstehung des Wünschens«
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