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Schaman-Rundbrief 1

Details

1. Editorial

Schamanismus ist »in«. Das war auch auf dem diesjährigen Rainbow-Spirit-Festival in Baden Baden zu bemerken. Zwischen all den Ständen von Engelstarot-Anbietern, Herstellern energetisierter Kleidung, von Buchverlagen und Künstlern, reihte sich der eine oder andere Schamane oder schamanisch Praktizierende mit seinem Tisch ein. Philipp Carr-Gomm, ein keltischer Druide aus England und Neubegründer des englischen Orden der Barden, Ovaten und Druiden hielt einen gut besuchten Vortrag. Stefan Ulbrich und Gerhard Popfinger sprachen über die Visionssuche. Weitere Schamanen gaben Workshops.

Viele, die sich schon seit vielen Jahren mit Schamanismus beschäftigen, beobachten diesen Trend mit gemischten Gefühlen. Einerseits freut man sich, wenn das, was man schon immer gut fand, endlich breite Anerkennung erhält. Andererseits setzt nun die Kommerzialisierung ein. Viele neue Anbieter sprießen wie Pilze aus dem Boden. Hier ein Anbieter für eine Zusatzausbildung im schamanischen Trommeln, dort ein Seminar »Wie werde ich Schamane in drei Tagen«. Leider ist auch der eine oder andere darunter, der aus dem neuen Trend schnelles Geld machen will.

Und wir von Connection? Wir bringen nun ein regelmäßig erscheinendes Sonderheft zum Thema Schamanismus heraus und ab jetzt einen (bisher noch kostenlosen) Newsletter. Wollen wir auch auf den Zug aufspringen? Wir wollen. Aber ebenso wie in connection Spirit und in unseren Tantra Specials achten wir dabei auf Qualität.

Ich bin zwar erst 31 Jahre alt, aber die Redaktion, für die ich arbeite, ist die »Älteste« eines deutschsprachigen spirituellen Magazins. Als solche sind wir nicht nur begeistert und hoffentlich auch begeisternd, sondern fühlen uns zu kritischen Entscheidungen verpflichtet. Vielleicht ein bisschen so wie die Ältesten eines Stammes, die in ihrem Blick über die Jahre mehr sehen als einer, der zu nahe dran ist und in seinem Enthusiasmus für das Neue auch mal ein bisschen übertreibt. Und ganz im Sinn der indianischen Forderung, bei allem, was wir tun, mindestens sieben Generationen voraus zu denken.

Herzlich

— Christine Höfig

Inhalt

  1. Editorial
  2. Nachrichten aus der Anderswelt
    Drei Meldungen aus dem Schamanismus
  3. Das Mädchen und der kranke Vogel
    Katja Neumann erklärt, wie schamanische Methoden die Psychotherapie ergänzen können
  4. Termine
  5. Nachrichten aus dem Vertrieb

2. Nachrichten aus der Anderswelt

Selbstgekrönter König Artus aus Stonehenge verbannt

Seit zehn Monaten protestiert ein selbsternannter König Artus vor Stonehenge in England, indem er mit seinem Wohnwagen an einer Straße am Rande des Steinkreises campiert. Mit diesem Protest will er erreichen, dass die Besucher des Kraftplatzes die Steine wieder berühren dürfen. Seit den 70er Jahren können sie das Relikt aus der Jungsteinzeit nämlich nur noch aus der Ferne betrachten: Nachdem sie 6,60 £ gezahlt haben, hält ein Zaun die Besucher auf Abstand, sehr zur Enttäuschung von so manchem Stonehenge-Begeisterten. Artus dazu: »Das hier war ein astronomischer Kalender und ein Heiligtum, jetzt ist es eine Geldmaschine.«

Stonehenge wurde vor etwa 5000 Jahren aus 80 tonnenschweren Steinen erbaut, die teilweise aus mehr als 200 Kilometer Entfernung herbeigeschleppt wurden.

»König Artus« wurde im Jahr 1986 von einem befreundeten Biker beiläufig gesagt, dass er ihn für die Reinkarnation des legendären König Artus halte. Wochen später hatte er seinen Namen amtlich geändert: King Arthur Uther Pendragon steht nun nicht nur auf seinen Visitenkarten, sondern auch in seinem Führerschein, Reisepass und seinem Mitgliedsausweis der Organisation Mensa (deren Mitglieder einen IQ von mindestens 130 haben).

Ein Gericht im südenglischen Salisbury hat den 55-jährigen selbsternannten König Artus vom Steinkreis verwiesen. König Artus kündigte jedoch Widerstand gegen das Urteil an: »Ich tue niemandem weh, und ich stehe auf einer öffentlichen Straße. Ich weiß nicht, warum ich mir damit unerlaubten Zutritt verschafft hätte.«

Nun winkt König Artus vielleicht doch noch der Sieg. Premierminister Gordon Brown schaltete sich ein und kündigte im Unterhaus die Umgestaltung des Geländes nach Artus' Vorgaben an. Sprich: Die Zäune müssen weg.

Quelle: DiePresse.com, SZ, 15. Mai

Papst entschuldigt sich für Missbrauch von Inuit-Kindern

Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre gab es in Kanada internat-ähnliche Schulen, in denen Kinder von Indianern oder Inuit (Eskimos) von ihren Eltern getrennt zur westlichen Kultur erzogen werden sollten. In den Schulen, deren Leitung der Staat meist den Kirchen übertrug, war es immer wieder in großem Maß zu sexuellen Übergriffen gekommen.

Eine kanadische Delegation besuchte nun den Vatikan, geleitet von dem Ureinwohner Phil Fontaine, dem »Grand Chief« ihres Dachverbandes, der »Assembly of First Nations«; für die Kirche nahm der Vorsitzende der Kanadischen Bischofskonferenz, Erzbischof James Weisgerber, teil. Beide hätten dem Papst über ihrer Erfahrungen und Sorgen berichtet, heißt es in einer anschließend veröffentlichten Erklärung des Vatikan.

»Der Papst äußerte seinen Schmerz über die Leiden, die einige Kinder der Urbevölkerung durch das beklagenswerte Verhalten von einigen Mitgliedern der Kirche im kanadischen Residential-School-System erfahren haben«, so die Presse-Erklärung weiter. Benedikt XVI. habe ihnen seine Sympathie und seine Solidarität bekundet. Mit Nachdruck habe er deutlich gemacht, dass »Missbrauchshandlungen in der Gesellschaft nicht geduldet werden dürfen«. Er bete dafür, dass alle Betroffenen Heilung erfahren, und er ermutige die Mitglieder der Ureinwohner, mit neuer Hoffnung in die Zukunft zu gehen.

Quelle: DiePresse.com

Ölkonzern versus Indigene

Ein Kanonenboot des peruanischen Militärs hat am 4. Mai eine Fluss-Blockade von Indigenen im nördlichen Amazonasgebiet von Peru durchbrochen. Die Blockade ist Bestandteil von Protesten der peruanischen Indigenen gegen die Regierungspolitik und das Eindringen multinationaler Konzerne in ihre Territorien. Die Proteste halten bereits seit Mitte April an.

Der Konzern Perenco, der nun Hilfe vom Militär erhalten hat, verfügt über eine Lizenz, die es dem Unternehmen erlaubt, in einer entlegenen Gegend von Peru, bekannt als »Lot (Landstück) 67«, nach Öl zu bohren. Diese über den Napo-Fluss zugängliche Gegend wird von mindestens zwei der letzten unkontaktierten indigenen Gruppen der Welt bewohnt. Das Unternehmen steht aufgrund von Protesten unter wachsendem Druck, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

Quelle: www.survival-international.de

3. Das Mädchen und der kranke Vogel
Verlust von Seelenanteilen durch Traumata

Dissoziation nennt man in der Psychologie den teilweisen oder völligen Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an traumatische Erlebnisse. Im Schamanismus spricht man vom Verlust von Seelenanteilen. Katja Neumann erklärt anhand eines Fallbeispiels, wie diese abgespalteten Seelenanteile wieder integriert werden können

Von Katja Neumann

Eine junge Frau sitzt vor mir und lässt die Schultern hängen wie ein kranker Vogel seine Flügel – und genau darum geht es auch: Sie kann nicht fliegen. Sie kann nicht. Sie würde so gerne, sie wollte doch mal, sie müsste eigentlich… vor allem funktionieren. Aber sie kann nicht. Sie hat keine Kraft, sie fühlt sich leer. Manchmal sitzt sie einfach nur da.

Eine Ausbildung hat sie nicht, Freunde eigentlich auch kaum. Sie mag nicht essen und das sieht man. Ihr schmeckt das Leben nicht. Es ist so mühsam, das alles …

Ich kann das große schwarze Loch – das Nichts – das sie ausstrahlt, das sie umgibt, fast mit den Händen anfassen. Es ist zu sehen, dass sie eigentlich nicht da ist, und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn so viele Seelenanteile fehlen. Da möchte der Rest der Seele, der noch anwesend ist, eigentlich nur hinterher, am Liebsten ganz weit weg, nach Hause.

Was ihr am meisten zu schaffen macht, ist, dass sie sich nicht erinnern kann. Sie weiß, irgendwas ist schief gelaufen, irgendwo hat sie sich verloren – so formuliert sie es und ist sich nicht bewusst, wie sehr das stimmt. Aber sie hat was gelesen über Schamanen, die Seelenanteile finden und zurückbringen, deswegen ist sie da. Ihre Psychotherapeutin unterstützt das sogar – obwohl die eigentlich »gar nicht so eso-mäßig drauf ist«. Übrigens eine zaghafte Entwicklung, die ich mit Freude registriere.

Sie selbst ist auch eher unbedarft, sie hatte bisher nur wenig Berührungspunkte mit spirituellen Themen. Es ist eher die Not, die sie treibt. Glauben tut sie vorsichtshalber erst mal an nichts, aber sie hofft auf ein Wunder.

Es geht eben nicht

Natürlich muss ich ihr sagen, dass genau das nicht passieren wird, jedenfalls nicht ohne ihre Mitarbeit. Ihr gar zu sagen, dass nur sie dieses Wunder vollbringen kann, dass sie es ist… nun ja, damit warte ich wohl noch ein bisschen.

Vermutlich wurde ihr schon so oft gesagt, dass sie doch einfach ihre Flügel ausbreiten soll, und dann klappt das schon. »Sie müssen nur wollen!« – Allein dieser Satz macht schon mutlos, oder nicht? Vermutlich ist sie auch schon hin und wieder einfach aus dem Nest geschubst worden in der Annahme, dass sie sich dann schon erinnert, wie es geht. Sie weiß inzwischen vor allem eins sehr gut: dass es eben nicht geht.

Wie soll sie sich erinnern, wenn sie gar nicht da ist – oder zumindest ein großer Teil ihrer Seele nicht, und dass sie keinen Zugriff mehr hat auf das, was sie ausmacht? Das macht ungefähr so viel Sinn, wie ein Kind, das wegen Krankheit nicht in der Schule war, zu fragen, was der Stoff der letzten Mathestunde war. Dieses Kind wird nicht darauf antworten können, und wenn man nicht mit ihm den Stoff nachholt, wird da eine Lücke bleiben, die vermutlich immer größer wird, weil alles in den nachfolgenden Mathestunden darauf aufbaut. Das Kind wird die Welt nicht mehr verstehen. Und dann kommt die Ohn-Macht: Das Kind würde ja gerne, aber es kann nicht… und es fängt an, sich davor zu fürchten und zu drücken. Und da sind wir wieder beim Thema.

Zu überleben ist ein Erfolg

Die junge Frau hat etwas erlebt, was für ihre Seele sehr schmerzhaft war, aber sie hat es überlebt, eben weil sich in dem Moment ein Teil ihrer Seele abgespalten und Schmerz und in ihrem Fall auch die Erinnerung an das Erlebte von ihr Abstand genommen haben, damit sie als »Basis-Essenz« erhalten bleibt. Den Spirits sei Dank! Natürlich sieht die junge Frau das nicht so optimistisch und positiv. Sie spürt vor allem das Defizit. Erst als ich ihr erkläre, welchen Schutz sie dadurch hatte und dass auch ein Nicht-Zerbrechen schon ein kleines Wunder sein kann, schaut sie mich mit großen Augen an. Es ist, als ob ihr zum ersten Mal im Leben jemand sagt, dass sie etwas gut gemacht hat.

»Wissen Sie, ich dachte immer ich bin ein wandelnder Fehler, ein Irrtum – und jetzt sagen Sie, dass ich stolz auf mich sein soll, dass ich noch da bin und ich »nur« gerade »nicht in der Ordnung« bin, weil mir Seelenanteile fehlen? So habe ich das noch nie gesehen.«

Ich erzähle ihr von einem meiner Lieblingsbilder, dass mir dazu immer einfällt: Wenn wir uns vorstellen, wir wären ein Auto mit – sagen wir – zwölf Zylindern, also richtig groß, aber leider fahren wir nur auf vielleicht vier »Töpfen« und leiden, weil wir eigentlich um unsere Stärke wissen, aber egal wie sehr wir Gas geben, es zieht nicht, wir kommen kaum vom Fleck, aber Sprit zieht es trotzdem… mehr als wir dann oft übrig haben.

Manchmal ist es auch so, dass wir schon so lange mit weniger als halber Kraft fahren, dass es für uns normal geworden ist und wir uns damit abfinden. Dann ist auch dies eine Entscheidung und legitim.

Die junge Frau nickt langsam und sagt: »Ich würde aber gerne wieder auf allen Töpfen fahren.«

Sie gibt mir also die Erlaubnis, für sie auf die schamanische Reise zu gehen. Das ist wichtig, denn nur dann darf ich für sie Seelenanteile zurückbringen. Aus eigenem Antrieb jemandem zu seinem vermeintlichen Glück zu verhelfen, ohne dass dieser das möchte oder gar davon weiß, ist genauso wenig zulässig wie wirksam. Außer natürlich, wie immer, in Ausnahmesituationen wie Bewusstlosigkeit, Unfall, Koma.

Die Voraussetzungen

Bevor wir mit der schamanischen Arbeit anfangen, ist es mir wichtig, sie darüber aufzuklären, dass die weitverbreitete Annahme oder zumindest insgeheime Hoffnung, dass es »puff« macht, und alles ist gut, nicht funktionieren wird – die Verantwortung für ihr Leben und was sie daraus macht, bleibt bei ihr.

Wenn jemand sehr verwirrt ist, unter Verfolgungsängsten oder starken Zwängen leidet, rate ich grundsätzlich ab. Auch werden nicht alle Seelenanteile, die sie je verloren hat, auf einmal zurückkommen, sondern nur die und genau so viele, wie sie jetzt braucht – und jetzt verkraftet! Wir sind es nämlich nicht mehr gewohnt, »heil« zu sein. Und wir leben inklusive der linearen Zeit in einer vierdimensionalen Welt – also sollten wir uns genau das geben: Zeit für den Heilungsprozess.

Unsere Helfer der Nichtalltäglichen Wirklichkeit passen da gut auf uns auf, und sie sind es auch, die entscheiden – nicht die junge Frau oder ich als Vermittler zwischen den Welten.

Die junge Frau hat sich entschieden, mir zu vertrauen, auch wenn sie nicht genau weiß, was ich da eigentlich tue. Das erleichtert mir natürlich die Arbeit, die schamanische Reise. Sie öffnet mir damit im wahrsten Sinne des Wortes die Türen in die Nichtalltägliche Wirklichkeit. Würde sie es zwar sagen, aber nicht so meinen, dann fühlte sich die Reise für mich zäh an und ich könnte nur wenig verrichten.

Die Seelenrückholung

Die junge Frau hat sich hingelegt, die Augen geschlossen und sieht einigermaßen entspannt aus. Ich mache mich nach meinen Vorbereitungen auf die Reise, finde sehr schnell ihr Krafttier, von dem ich mich dann auch leiten lasse. Ich bekomme insgesamt vier Seelenanteile gezeigt, von knapp einem halben Jahr Alter bis circa ihr elftes Lebensjahr. Sie zeigen sich in dem Alter, in dem sie gegangen sind oder abgespalten wurden und haben für mich oft das Gefühl um sich, wegen dem sie gegangen sind – also z.B. Angst, Schock oder Ohnmacht. Manchmal findet man sie an Orten in der Vergangenheit: im Elternhaus, in einer Schule, im Schwimmbad. Ich übergebe diese Seelenanteile der jungen Frau, indem ich sie über Herz und Scheitel einblase und ihr einen kleinen Stein in die Hand drücke, den sie die nächsten Tage auch noch bei sich tragen soll.

Sie hat während der Reise schon immer mal wieder leise vor sich hingeweint; bei der »Übergabe« kullern die Tränen nur so aus ihr raus. Gleichzeitig lacht sie aber auch ein, zwei Mal. Jetzt sieht sie tatsächlich entspannt aus. Die Denkfalten haben sich geglättet und die permanent hochgezogenen Augenbrauen sind endlich da, wo sie hingehören. Das Krafttier nimmt sie an wie einen verloren geglaubten Freund: ihr liebstes Stofftier als Kind war genau so ein Tier – und damit sind wir auch schon bei einem ihrer zurückgekehrten Seelenanteile. Eben dieses geliebte Stofftier wurde bei einer Läuse-Vernichtungs-Aktion verbrannt, da es zottelig, aus Wolle und nicht heiß waschbar war. Ein Drama für jedes Kind, aber besonders, wenn es sonst niemanden hat.

Dramen der Herkunft

Die junge Frau, geboren noch in der ehemaligen DDR, wurde mit knapp sechs Monaten in ein Wochenheim gegeben, war also von Montag bis Freitagnachmittag bei Erzieherinnen und nur am Wochenende zu Hause, weil die Eltern so wenig Zeit hatten. Daher auch dieses endlose Verlassenheits- und Einsamkeitsgefühl, das ich wahrgenommen habe bei dem jüngsten Seelenanteil.

In diesem Wochenheim brach dann eben auch die Läuse-Epidemie aus… Es sind oft Umstände, für die keiner was kann, oder die sich nicht einfach ändern lassen. Tatsache ist, dass auch die Herkunft bei diesen Reisen als Energie zu spüren ist. Manchmal sind es auch ganz andere Dramen, die die Menschen als Kinder erlebt haben – nicht schlimmer oder weniger schlimm, einfach anders.

Die junge Frau spricht dann eine Vermutung aus, die ich vom ersten Moment an hatte, und es ist gut, dass sie selbst darauf kommt. In ihrer Geschichte gibt es auch einen sexuellen Missbrauch, den sie geahnt hat, und der sich ihr nun gefühlsmäßig bestätigt. Sie kann es nicht erklären, sie weiß jetzt einfach, dass es so war, und sie empfindet es als Erleichterung, diese Gewissheit zu haben.

Sie hatte, während ich für sie gereist bin, mehrmals das Gesicht ihres Stiefvaters vor Augen, den sie das letzte Mal mit elf Jahren gesehen hat, als er und ihre Mutter sie auf ihren eigenen Wunsch zum Vater nach Bayern gefahren haben. Da war er schon sechs Jahre mit ihrer Mutter zusammen – und mit ihr auch…

Alte »Filme«

Bilder hat sie dazu kein einziges, nur so ein vages Gefühl, und ich gehe davon aus, dass da noch ein paar mehr Seelenanteile fehlen, die, um sie als Ganzes zu schützen, eben diese Bilder mitgenommen haben. Sie fragt mich prompt, ob es klug ist, noch mal zu kommen, und wenn ja wann, und wie lange ich glaube, dass es dauert. Sie sagt, sie hat Angst vor den Bildern. Da kann ich sie beruhigen. Ich habe seit vielen Jahren mit Menschen und deren Seelenanteilen durch Misshandlung und Missbrauch auf allen Ebenen zu tun und weiß, die Seelenanteile kommen sanft zurück, d.h., sie bringen das zurück, was zu dieser Seele gehört, die Potentiale, Gefühlsfähigkeit, Kreativität, eben all das, was zuerst schmerzt, aber sie lassen das, was von außen kam, draußen. Es gibt also keine Konfrontation mit den alten »Filmen«, die nunmal passiert sind und durchaus auch neue Traumata auslösen könnten. Dann könnte ich mich ja gleich wieder auf den Weg machen und den eben erst zurückgebrachten Seelenanteilen ein zweites und drittes Mal hinterher rennen.

Die Seele ist bestrebt zu wachsen, weiterzukommen, in Bewegung zu bleiben, dem »Heilwerden« oder der Erleuchtung in Baby-Schrittchen näher zu kommen – nur gibt es dazu vermutlich so viele verschiedene Pläne wie Seelen. Deswegen entscheide ich auch nicht, ob oder wie oft oder in welchen Abständen jemand zu mir kommt. So sage ich zu der jungen Frau, sie soll das einfach erst mal wirken lassen – und das kann dauern. Ich halte sechs Wochen für einen guten Schnitt, aber das ist mein Rhythmus. Während diesem Dauern, bin ich natürlich für Nachfragen, Feedbacks und Krisensitzungen da. Dann entscheidet sie, wie sie möchte, dass es weitergeht. Die Unverbindlichen freut das, die die Entscheidungen gerne abgeben, weniger. Sie gehört eindeutig zur zweiten Gruppe und macht deshalb ein langes Gesicht. Ich frage sie, warum. »Ich habe Sorge, dass ich es mir anders überlege, dass ich morgen lieber wieder so weitermachen möchte wie vorher.« – »Aber auch das ist Ihre freie Entscheidung. Alles andere wäre ja meine. Und außerdem: Wollen Sie wirklich nur auf vier Töpfen fahren?«

Nachwirkung und Nebenwirkungen

Schon drei Tage später ruft die junge Frau mich an. Zum einen hat sie das kleine Steinchen verloren, einen Rosenquarzsplitter, zum anderen ist ihr manchmal so merkwürdig. Ich erkläre ihr, dass sie den Stein wohl nicht mehr braucht, dass er sich verabschiedet hat und ihre Seelenanteile sicher nicht irgendwo auf dem Bürgersteig liegen. Sie ist ein wenig irritiert, dass ihre Sorge sich scheinbar in Nichts auflöst. Das ist sie nicht gewohnt.

Sie beschreibt mir ihren Zustand als leicht schwindelig, außerdem sieht sie »bunter«, die Farben kommen ihr kräftiger vor, und sie hat kaum noch Lust zu rauchen. Statt drei Schachteln, entspricht wohl 57, schafft sie jetzt nur noch ungefähr 15 Zigaretten. Weniger als ein Drittel. Ich frage sie, ob ich da einen Vorwurf raushöre. Sie stutzt und lacht – tatsächlich!

Aus schamanischer Sicht ist das, was sie beschreibt, ein gutes Zeichen. Die »Symptome« zeigen, dass sich die Seelenanteile integrieren, dadurch verschieben oder verstärken sich oft ein oder mehrere Sinne. So genannte Süchte, mit denen man vorher die Lücken in der eigenen Seele versucht hat provisorisch zu flicken und zu kaschieren, verlieren ihre Daseinsberechtigung. Natürlich ist nur eine vereinfachte Darstellung, schließlich hat das auch viel mit Gewohnheit, Konditionierung und Belohnung zu tun. Vermutlich wird die junge Frau die restlichen 15 Zigaretten nur mit guten Willen und Durchhaltevermögen los – wenn sie das überhaupt möchte. Und das weiß sie noch nicht. Bevor sie auflegt, sagt sie noch: »Es ist immer noch mühsam, morgens aufzustehen, aber ich glaube, meine Seele freut sich. Manchmal spür ich sie richtig hopsen.«

Drei Wochen später vereinbart sie den nächsten Termin.

Katja Neumann, Jg. 1972, nach dem Abitur Fernseh-Praktika, Uni (nicht sehr lang), Frisörin, Heilpraktikerin, Craniosacraltherapie-Ausbildung und schamanische Ausbildung durch die Foundation for Shamanic Studies bei Michael Harner, Paul und Roswitha Uccusic, Tom Cowan (Seminare, Dreijahresprogramm, Ausbildung zur schamanischen Beraterin nach Michael Harner, Fairy Doctoring). Seit ein paar Jahren gemeinsame Praxis mit ihrem Mann in Berlin.
www.katja-neumann.de

Weitere Texte zum Thema Schamanismus und Psychotherapie findet ihr in unserem akuellen Schamanismus Extra »Schamanismus und Psychotherapie«

4. Termine

Ausstellung über sibirischen Schamanismus

Das Linden-Museum Stuttgart zeigt bis 28. Juni 2009 in Zusammenarbeit mit dem Russischen Ethnografischen Museum St. Petersburg die Sonderausstellung »Schamanen Sibiriens: Magier, Mittler, Heiler«. Die Ausstellung präsentiert über 200 erstmals in Westeuropa zu sehende Objekte der Sibiriensammlung des Russischen Ethnografischen Museums St. Petersburg. Als Begleitprogramm gibt es Konzerte und Tanzperformances sibirischer Ensembles, Workshops, Filme und Vorträge.

Quelle: www.lindenmuseum.de

Aasivik Fire & Ice 2009

Vom 17. bis 19. Juli 2009 findet an der Westküste Grönlands die Zusammenkunft »Aasivik Fire & Ice 2009« statt auf Einladung der Föderation der Ältesten Grönlands und der Organisation »Ancient Wisdom for Earth« (AWE). In den Foren »Science meets Spirit« treffen Wissenschaftler mit Stammesältesten aus aller Welt zusammen, um die Stimmen der Naturvölker in den weltweiten Diskurs über den Klimawandel einzubringen. Die britische Schimpansen-Verhaltensforscherin Dr. Jane Goodall, die griechisch-amerikanische Evolutionsbiologin Dr. Elisabet Sahtouris, die Gründerin des Worldwide Indigenous Science Network Dr. Apela Colorado, alternative Nobelpreisträger und viele andere suchen diesen Dialog.

Botschafter der Stammesältesten Grönlands ist der bekannte Schamane Angaangaq. Seine Botschaft lautet: »Nur wenn das Eis im Herzen der Menschen schmilzt, werden wir eine Chance haben, uns zu verändern und unser Wissen weise zu nutzen.«

www.fireandice2009.com

Visionquest
Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

Was will ich aus meinem Leben machen? Mit dieser Frage verbringen wir einen Tag schweigend im Wald, nehmen Eindrücke auf, finden einen Platz, erkennen Zeichen. Am Lagerfeuer kann das Gefundene tiefer sinken und ausgesprochen werden. Ein Wochenende für Entscheidungen, Aufbruch und Neubeginn. Ein Workshop mit Wolf Schneider (Herausgeber von connection Spirit)

Datum:
18.–20. September 2009
Kosten:
180€
Ort:
Connectionhaus, Niedertaufkirchen
Anmeldung:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, +49 (0) 8639 983412

Weltkonferenz der Ethnotherapien

Vom 9. bis 11. Oktober findet in München an der Ludwig-Maximilians-Universität die Weltkonferenz der Ethnotherapien statt. An drei Tagen stellen am Vormittag in Vorträgen traditionelle Heiler und Schamanen des World Wide Healer Forums ihre Fertigkeiten und ihr Wissen vor. Wissenschaftler und Forscher von Universitäten aus Australien, Indien, Kolumbien, Nepal, Pakistan, Israel, Afrika, Indonesien, Mexiko, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Deutschland berichten von ihren Untersuchungen und Erkenntnissen. Am Freitag werden Einstiege in verschiedene Naturtherapien und Schamanismus in Verbindung mit medizinischen Traditionen und der Heilkräuterkunde und Ethnopharmakologie behandelt. Am Samstag gibt es einen Einblick in indigene Systeme Lateinamerikas und vergleichende Konzepte Europas. Am Sonntag werden therapeutische Aspekte der Musik und Musiktherapie behandelt und asiatische Heilpraktiken vorgestellt. In Workshops gibt es Gelegenheit, traditionelles Heilwissen praktisch zu erfahren und zu üben. Azteken-Medizinmänner, Sufis, Schamanen und klassisch indische Tänzer zählen zu den Referenten sowie internationale Wissenschaftler und Therapeuten.
www.institut-ethnomed.de

 

5. Nachrichten aus dem Vertrieb

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