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Schaman-Rundbrief 02

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Editorial

Photo Christine Höfig

Proteste bringen doch etwas! Einem Konzern, der sich um einen Umweltpreis bemüht hatte, obwohl er alles andere als nachhaltig arbeitet, wurde der Preis nach Protestaktionen doch noch aberkannt: Vedanta Resources wurde der Golden Peacock-Award wieder aberkannt. Und auch in Peru, wo seit April die Indigenen gegen die Ölförderung im Regenwald protestieren, scheinen die Proteste endlich Wirkung zu zeigen. Doch leider war der Preis für diesen Erfolg sehr hoch: Es mussten erst mindestens 34 Menschen sterben, bis Präsident Alan Garcia sich gesprächsbereit zeigte.

Doch schaut man sich um in der Welt um, könnte man verzweifeln: Täglich sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten aus. Bei Wikipedia findet man seitenlange Prognosen über die katastrophalen Auswirkungen der globalen Erwärmung. Hierzulande vegetieren Rinder, Schweine und Hühner in Massentierhaltung dahin, die sich übrigens auch sehr negativ auf den Klimawandel auswirkt!

Wenn man sich jahre- oder gar jahrzehntelang mit diesen Problemen, dem langsamen Zugrundegehen unseres Lebensraumes beschäftigt, könnte man resignieren. Nichts scheint sich zu ändern. Oder doch? Immerhin bauen sich mehr und mehr Menschen Sonnenkollektoren auf die Dächer, Bio-Produkte boomen, und in Deutschland arbeiten heute bereits mehr Menschen im Umweltsektor als in der Autoindustrie. Endlich macht sich die Bedeutung des Umweltschutzes in den Köpfen vieler Menschen breit. Aber offenbar noch nicht ausreichend stark, um die Entscheider in der Wirtschaft zu bewegen, mehr zu ändern als nur die Kosmetik ihres Firmenimages.

Kann der Schamanismus-Boom helfen, einen Bewusstseinswandel in Bezug auf den Umgang mit unserem Biotop herbeizuführen? Die animistische Weltsicht, der der Schamanismus nahe steht, ist geprägt von tiefem Respekt gegenüber der Natur, denn Pflanzen und Tiere gelten in dieser Weltsicht als beseelt. Oft setzen sich Schamanen für den Schutz der Umwelt ein, wie zum Beispiel bei der Aasivik Fire&Ice-Zusammenkunft in Grönland. Hier wollen sich Stammesälteste aus aller Welt mit Wissenschaftlern treffen, um den Klimawandel zu diskutieren. Solche Aktionen können, gerade auch durch die dadurch erzeugte Medienaufmerksamkeit, nachhaltig etwas ändern. Dass in einigen Fällen Proteste doch etwas bringen, macht Hoffnung!

Herzlich

— Christine Höfig

Inhalt

  1. Editorial
  2. Nachrichten aus der Anderswelt
    Meldungen aus dem Schamanismus
  3. Licht und Schatten
    Autobiographische Erzählung einer modernen Schamanin
  4. Termine
  5. Nachrichten aus dem Vertrieb

2. Nachrichten aus der Anderswelt
Meldungen aus dem Schamanismus

Erfolge des Protests in Peru

Wasserfall im Regenwald
Bild: pixelio

Frohe Botschaft: In Peru wurden zwei Gesetze, die die Rechte der Indigenen einschränken sollten, wieder aufgehoben. Leider erst nachdem einige Demonstranten gestorben waren und einem internationalen Aufschrei.

Zum Hintergrund: Nach Brasilien besitzt Peru den größten Teil des Amazonasregenwaldes. Dieser ist von immenser Bedeutung für die Artenvielfalt und das globale Klima. Laut Schätzungen von Wissenschaftlern gibt es in Peru etwa 25.000 gezählte Pflanzenarten, was ungefähr 10 Prozent der gesamten Flora der Welt ausmacht. Außerdem kommen dort 1816 Vogelarten vor.

Für rund 7 % des peruanischen Amazonasgebiets sind bereits für Öl- und Gaskonzessionen vergeben worden. Im April gab es Proteste gegen den Ölabbau in Peru, Demonstranten stoppten den Pumpbetrieb der Erdölpipeline der staatlichen Ölfirma.

Am 9. Mai schließlich rief die peruanische Regierung unter Präsident Alan Garcia den Notstand aus – erstmal für 60 Tage. Militär- und Sondereinheiten der Polizei wurden losgeschickt, um die friedlichen Proteste gewaltsam zu beenden. Es kam zu Fällen von Gewalt, zahlreiche indigene Peruaner und Polizisten kamen ums Leben. Nun wurde in einer Kongress-Abstimmung entschieden, die beiden umstrittenen Gesetze wieder aufzuheben. Diese hatten zum einen die Rechte der indigenen Bevölkerung unterminiert und zum anderen ermöglicht, dass Außenstehende ihr Land für ihre Zwecke nutzen konnten.

Die interethnische Vereinigung zur Entwicklung im peruanischen Regenwald AIDESEP hat die Entscheidung der Regierung als »historisches« Ereignis bezeichnet. »Unser Kampf und die Tatsache, dass unsere Brüder und Schwestern ihr Leben gelassen haben, war nicht umsonst«, so AIDESEP Vizepräsident Daysi Zapata Fasabi. »[Diese Entscheidung] verdeutlicht, dass unser Kampf gerechtfertigt ist und dass wir uns nicht manipulieren lassen.«

Präsident Alan Garcia hat zugegeben, dass die Gesetze ohne vorherige Rücksprache mit der indigenen Bevölkerung in der Amazonasregion verabschiedet worden sind und dass es seitens der Regierung »einige Fehler« im Umgang mit den Protesten gegeben habe.

Nach offiziellen Angaben kamen 24 Polizisten und 10 Indigene ums Leben. Lokale Quellen sind jedoch der Ansicht, dass es viel mehr sind. Angeblich hat der Bürgermeister von Bagua gesagt, dass immer noch 60 Indigene vermisst werden. Der Sonderberichterstatter für indigene Völker der Vereinten Nationen James Anaya hat sich dafür ausgesprochen, eine unabhängige Kommission zu beauftragen, die die Vorfälle untersuchen soll.

Die Briefaktion der Organisation »Rettet den Regenwald« zur Unterstützung der Indigenen gegen die anglo-französische Ölgesellschaft Perenco und die peruanische Regierung kann man unter www.regenwald.org unterschreiben.

Quellen: www.regenwald.org, www.survival-international.de

Letzte Naturvölker in Gefahr

Urweinwohner
Bild: photocase

Die Organisation Survival International veröffentlichte einen Bericht, der fünf von der aktuellen Weltkultur »unkontaktierte« Gruppen auflistet, die kurz vor der Ausrottung stehen.

Es handelt sich dabei um: die Indigenen am Rio Pardo in Brasilien, die Awá in Brasilien, die indigenen Gruppen zwischen den Flüssen Napo und Tigre in Peru, die Indigenen am Envira-Fluss in Peru, und die Ayoreo-Totobiegosode in Paraguay.

Diese indigenen Völker stehen den zahllosen Eingriffen durch Holzfäller, Viehzüchter, Kolonisten und Ölfirmen in ihr Land hilflos gegenüber. Es besteht die Gefahr, dass sie aufgrund von Krankheiten, gegen die ihr Immunsystem wehrlos ist, weiter dezimiert werden. Survival International wandte sich an die Regierungen von Paraguay, Brasilien und Peru und forderte diese zu sofortigen Maßnahmen auf, die das Land der einzelnen Völker schützen sollen.

Quelle: www.survival-international.de

Bergbaukonzern Vedanta: Umweltpreis aberkannt

Der britische Bergbaukonzern Vedanta Resources musste Mitte Juni eine tiefe Demütigung hinnehmen: Eigentlich sollte er den Golden Peacock-Award für beispielhaftes Umweltmanagement erhalten. Doch nachdem Aktivisten Details über die Aluminiumraffinerien veröffentlichten, die auf dem Land der Kondh-Völker in Orissa (Indien) stark die Umwelt verschmutzen, wurde der Preis einen Tag vor der geplanten Verleihung aberkannt.

Demonstranten traten auf den Feierlichkeiten in Palampur (Indien) an das Pult und verurteilten Vedantas erschreckende Umweltbilanz. Von der Regierung beauftragte Umweltinspektoren äußerten sich ebenfalls zu dem »alarmierenden« und »wiederholten« Austreten von Giftmüll aus der Raffinerie. Die Kondh, die in der Nähe des Flusses wohnen, berichteten von aufgetretenen Hautproblemen, nachdem sie in dem verschmutzten Fluss gebadet hatten, von dem unter dem Staub der Raffinerie erstickten Getreide und den Kühen, die starben, nachdem sie aus dem Fluss getrunken hatten.

Die Raffinerie ist eng mit den Plänen des Unternehmens verbunden auf dem heiligen Land der Dongria Kondh, das sich direkt neben der Raffinerie befindet, eine Bauxitmine zu errichten. Dieses Vorhaben wird bereits näher von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) untersucht.

Quelle: www.survival-international.de

Kraftorte

Kraftort gesucht? Die Seite www.kraftort.org bietet eine praktische Übersicht über Kraftorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol, egal ob Quelle, Berg, ungewöhnliche Felsformationen oder von Menschen errichtete Monumente wie Steinkreise, Erdwälle etc. Die Liste ist geordnet nach Bundesländern. Wer zum Beispiel in Hessen wohnt, kann auf der Karte das Bundesland Hessen anklicken und gelangt dann zu einer Auflistung der Kraftorte mit Beschreibung und Wegbeschreibung.

3. Licht und Schatten
Autobiographische Erzählung einer modernen Schamanin

Völlig unerwartet ereilte die Psychotherapeutin Laura Bach der »Ruf«. Hier berichtet sie von ihrem steinigen Weg zu einer modernen Schamanin.


Jeder Mensch hat Licht- und Schattenanteile
Bild: pixelio

Wo ich sie her habe, diese Gabe des »dritten Auges«, das weiß ich nicht. Es gibt keinerlei Erzählungen von hellsichtigen Großmüttern in meiner Familie, oder sonst irgendwelchen paranormalen Fähigkeiten in der Reihe der Ahnen. Ich bin groß geworden in einer ganz normalen bildungsbürgerlichen Mittelstandsfamilie am Rande einer deutschen Großstadt, in der die Welt bis zum fünften Semester meines Psychologie-Studiums heil und in Ordnung schien. »Wenn so einer in eine Familie hineingeboren wird, dann muss etwas aufgedeckt und geheilt werden, so einer stiftet Unruhe«, erfuhr ich erst sehr viel später in der Beratung durch eine Astrologin, die die »Skorpion-Sonne mit Fische-Aszendent« in meinem Geburtshoroskop kommentierte.

Zu diesem Zeitpunkt – am Beginn meines dritten Lebensjahrzehnts – hatte ich schon ein paar Mal ungewollt »Unruhe« gestiftet. Eine der heftigsten Erfahrungen dieser Art war, als beim gemeinsamen Abendessen in der Hausgemeinschaft, in der mein Mann und ich mit einem befreundeten Paar lebten, die Ehe der beiden durch eine völlig »harmlose Frage« von mir offiziell »in die Brüche« ging. Robert (damals Vater eines zweijährigen Sohnes und eines Säuglings), hatte über seine Sehnsüchte nach Selbstverwirklichung und Freiheit gesprochen und ich wollte »nur« von ihm wissen, wie er sich das konkret vorstelle. Da äußerte er, dass er schon länger mit dem Gedanken spielen würde, seine Frau und die Kinder zu verlassen und sich eine eigene Wohnung zu nehmen. Claudia, seine Frau, fiel aus allen Wolken, zu ihr hatte er noch nie dergleichen gesagt. Wenige Tage später zog er aus.

In jenem fünften Semester Psychologie-Studium begann in mir zum ersten Mal der Verdacht zu keimen, dass in dieser perfekten Familie, wie meine Mutter sie, ohne Widerspruch zuzulassen, in unsere Köpfe gezeichnet hatte, vielleicht doch das eine oder andere zu beanstanden sei. Ich besuchte damals ein Seminar über Familiensysteme, in dem wir standardisierte Interviews und Interaktionsdiagnostik in verschiedenen Familien durchführten und auf Video aufzeichneten. In diesem Seminar vertrat der Dozent hartnäckig die These, dass keiner hier (im Psychologiestudium) sitzen würde, der nicht ein persönliches »Packerl« aufzuarbeiten hätte – die ersten Zweifel an der heilen Welt meiner Kindheit waren gesät.

Mein erster und einziger – leibhaftiger – Therapie-Lehrer


Bild: pixelio

Im letzten Jahr meines Studiums begegnete ich Thomas, dem ersten und einzigen wirklichen Lehrer, den ich in Gestalt einer lebenden Person hatte und akzeptieren konnte (aus Büchern habe ich auch danach noch viele Weisheiten gezogen). Erst sehr viel später begriff ich, dass er schon damals – sehr einsam – auf den »Weg des Schamanen« gekommen war, durch eine psychische Initiationskrise in seinen späten 20er Jahren.

Thomas ist acht Jahre älter als ich und zu dieser Zeit gerade dabei, sich aus allen vorgegebenen institutionellen Systemen zu lösen. Er hatte als Psychotherapeut einen Schnell-Start hingelegt; schon vor Beendigung des Studiums wurde ihm seine erste Stelle angeboten. Dann eröffnete er eine eigene Praxis und wurde Ausbilder in einer humanistischen Therapie-Gesellschaft. Sehr bald darauf machte er sich jedoch im eigenen Ausbildungsrahmen selbstständig. Unter seiner Anleitung unternahm ich meine ersten richtigen praktischen Gehversuche als Therapeutin, drei Jahre lang.

Mitte des ersten Ausbildungsjahres fuhren wir mit der kleinen Ausbildungsgruppe zu einem mehrtägigen Workshop auf eine Berghütte. Wir übten viel, zum ersten Mal längere Therapiegespräche untereinander. Während ich gerade Susanne, eine andere Gruppen-Teilnehmerin begleitete, stieß Thomas als Beobachter dazu. Sein Kommentar war: »Was machst du eigentlich hier, du kannst es doch schon …« Diese Belobigung wurde von einem anderen Teilnehmer beobachtet – und so bekam ich meinen ersten Neider und Intriganten.

Es zog mich immer wieder hin zu Thomas, bei ihm Kurse und Seminare zu besuchen, insgesamt etwa zehn Jahre lang. Zuletzt brachte er mir sein Können über Gruppen-Leitung und Ausbilder-Tätigkeiten bei, in dem er mich drei Jahre in seinem eigenen Ausbildungsinstitut als Assistentin und Co-Trainerin mitlaufen ließ. Danach war die Zeit in seinem Umfeld für mich beendet. Ich hatte ausgelernt, und die unterschwelligen Anfeindungen und offensichtlichen Intrigen gegen mich durch die Menschen, die unter Thomas' Fittichen etwas werden wollten, wurden für mich unerträglich.

Ziemlich am Ende unserer gemeinsamen Zeit – in einem mehrtägigen Workshop – erzählte er mir eines Morgens einen Traum. Er habe geträumt, ich sei in mein Unterbewusstsein eingebrochen und in eine massive psychische Krise geraten. Ich konnte nur lachen – ich doch nicht!

Praxistätigkeit

Etwa in dieser Zeit eröffnete ich meine erste eigene Praxis, arbeitete zunächst im Kellerraum unseres Hauses und teilte mir später mit einem Kollegen ein Zimmer in einer Praxisgemeinschaft. Viele Klientinnen hatte ich nie – es war mir immer ein Rätsel, wie andere KollegInnen es energetisch hinbekamen, mit 30 bis 40 Patientinnen gleichzeitig zu arbeiten. Für mich war und ist bis heute jede einzelne Therapie so etwas wie ein Gesamt-Kunstwerk, deshalb scheint mir auch der Begriff »Heil-Kunst« am angemessensten als Bezeichnung für die Tätigkeit, die ich ausübe. Patrick, mein Mann, sagt heute noch manchmal scherzhaft, ich hätte meinen ersten Job nach dem Studium – Therapieforschung – nie aufgegeben. Ich fühle mich immer wieder aufs Neue als Entdeckerin und Forscherin und komme aus dem Staunen über den Reichtum einer jeden therapeutischen Begegnung nicht heraus.

Die Initiationskrise

In meinem fünfunddreißigsten Lebensjahr begannen sich die Tore in meine eigene Unterwelt allmählich zu öffnen. Zunächst entwickelte ich körperliche Symptome, hatte ständig wechselnde Rückenschmerzen, Druckschmerzen im Oberbauch, fühlte mich oft schwindlig und ständig erschöpft. Am Ende eines sehr intensiven viertägigen Selbsterfahrungs-Workshops, den ich mit einem Kollegen zusammen gehalten hatte, erlebte ich zum ersten Mal ein Gefühl von Todes-Angst; nach etwa zwei Stunden schlossen sich die Schleusen wieder über diese Erfahrung.

Da die Erschöpfung nicht aufhörte und die Rückenverspannungen immer schlimmer wurden, wollte ich mir etwas Gutes tun und ging zu einem Körper-Therapeuten. Nach drei Sitzungen bei ihm gab es kein Zurück mehr, der Damm zum Unterbewusstsein war vollständig gebrochen. In mir entstand das Bild, dass ich über eine Treppe in meinen eigenen Keller gelangt und die Treppe hinter mir zusammengebrochen war. Die Treppe, das waren Schutz- und Verdrängungsmechanismen. Zuletzt ging es auch noch meinem Ego an den Kragen. Nachdem ich den Zusammenbruch mehr oder weniger akzeptiert hatte und mit meiner Schwester (Ärztin) alle Symptome – ohne körperlichen Befund – durchgegangen war, ließ ich mich ein auf eine innere Reise. Sie dauerte fast drei Wochen und endete im mystischen Nichts – einer dreitägigen Non-Dualitätserfahrung.

Während dieser Erfahrung liefen mein Stoffwechsel und Kreislauf auf Hochtouren. Mein Innenleben beanspruchte 98 % meiner Aufmerksamkeit, wobei sich spirituelle Einsichten und biographische Erinnerungen abwechselten. Die Frage, ob ich nun ver-rückt sei, stellte ich mir nur sehr kurz, da mir von Anfang an bewusst war, dass es in der ganzen inneren Karussellfahrt eine Instanz gab – heute nenne ich sie den »objektiven Zeugen« – die Abstand zu dem Geschehen hatte. Trotzdem machte mir das natürlich tierisch Angst und ich hatte keine Ahnung, was mit mir los war. Es tauchte auch niemand in meiner Umgebung auf, der mir das sagen konnte. Als dieser Spuk vorbei war, wandte ich mich wieder ganz normal meinem Leben zu und bemerkte erst nach und nach, dass nichts mehr so wie vorher war.

Die »Gesellen-Zeit« der Schamanin

In den darauf folgenden drei Jahren hieß es nach und nach die Reste dieses Wirbelsturms aufzuarbeiten. Ich arbeitete wenig und nahm mir zwischendrin viel Zeit, mich den inneren Themen zu widmen, die da hochgespült worden waren. Dabei entdeckte ich die heftigen Gefühle zu einem bisher unbearbeiteten Trauma aus meinem zweiten Lebensjahr und deckte (mit Hilfe meiner älteren Schwester) ein gut gehütetes Familiengeheimnis auf. Darüber hinaus legte ich mir eine viel ruhigere Lebensführung und eine regelmäßige spirituelle Praxis zu.

Die Therapien verliefen in dieser Zeit um einiges intensiver als früher. Ich meditierte regelmäßig vor den Sitzungen, und die Prozesse gingen schnell und leicht. Es fühlte sich einfach stimmig an, diese Arbeit zu tun, umso mehr wunderte es mich, dass es mich, gut drei Jahre nach meiner Initiationskrise, noch einmal – tiefer – nach innen zog.

Die Gabe »Unterscheidung der Geister«

In dieser Gesellenzeit öffnete sich auch mein drittes Auge. Ich bemerkte es daran, dass ich oft auf einer anderen Wahrnehmungsebene »Informationen« herein bekam, die ich bis dahin nicht kannte. Ich sah helle Strahlungen und dunkle Schatten neben der Alltagswahrnehmung auf einer Art intuitivem Informationskanal. Da ich ein nüchterner Mensch bin und auf solche Fähigkeiten nicht besonders abfahre, gab ich diesen Erfahrungen nicht allzu viel Bedeutung. Solange, bis ich in einem Gespräch mit einem evangelischen Pastor vom urchristlichen Charisma der »Unterscheidung der Geister« erfuhr und darüber hinaus auf die Schriften von Karlfried Graf Dürckheim hingewiesen wurde:

»Dass Menschen von großer Durchlässigkeit eine Strahlung besitzen, die sich bis zu konkreten Lichterscheinungen steigern kann, ist ein vielfach bestätigtes Faktum. Dass es, um sie zu sehen, eines besonderen Auges bedarf, nimmt ihrer Wirklichkeit eben sowenig weg wie irgendeiner Sinnesqualität der Umstand, dass sie eines sie Wahrnehmenden bedarf, um überhaupt zu sein. Aber der Sinn, der uns zum Wahrnehmen dieser besonderen Lichtqualität befähigt, kann entwickelt werden (S.103 ) … «

»Es gibt aber auch die dunkle Strahlung. Das ist etwas anderes als die negative Ausstrahlung eines Menschen, der unglücklich, verärgert, schlechter Laune ist oder angstbesessen und abweisend. Es gibt eine dunkle Strahlung transzendenten Charakters. … Auf dem initiatischen Weg ist es wichtig, das Organ für die negative Strahlung, die negative Transzendenz anzeigt, ebenso zu entwickeln wie für die positive. Der Mensch auf dem Weg muss vor allem seine Affinität zur negativen Transzendenz zu erkennen lernen. Die geheime Anziehungskraft des Bösen. Der Widersacher in uns, dieses Prinzip, das das Leben in seiner Dreieinheit als Kraft, Sinn und Einheit grundsätzlich in Frage stellt oder vernichtet.« — Karfried Graf Dürckheim in »Vom doppelten Ursprung des Menschen«, Herder, 1995, 3.Aufl., S.106.

Ab da akzeptierte ich, dass ich wohl die Fähigkeit besaß, unheilvolle Impulse und Blockaden treffsicher zu erkennen und von positiven Entwicklungen und Heilungsprozessen zu unterscheiden. Seitdem experimentiere ich damit, wie ich diese Begabung heil-bringend für andere Menschen einsetzen und in persönlichen Begleitungen nutzen kann.

Der Weg zur »Meisterschaft«

Es schien nun alles wieder einigermaßen im Lot zu sein, das Trauma war aufgearbeitet und geheilt, die neuen Fähigkeiten erobert und etabliert. Trotzdem führte der Weg nicht wieder »in die Welt zurück«. Ich konnte mir das selbst nicht gut erklären, hatte nur innerlich ständig das Bild von einer grauen Spirale, die sich »nach innen drehte«. Außerdem wurde die äußere Arbeit immer anstrengender; Workshops und Seminare kosteten unendlich viel Kraft.

In dieser Zeit schrieb ich folgenden Text in mein Tagebuch:

Den Auftrag annehmen

»Den Auftrag annehmen, das ist der nächste Schritt. Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet, mir kommt das alles zu groß vor, zu viel Verantwortung. Wie gern wäre ich wieder ein ganz normaler Mensch in einer kleinen, begrenzten, überschaubaren Welt.

Was heißt das: diesen Auftrag annehmen? Warum finde ich keinen Lehrer, der mir zeigt, wie das geht, weil er den Weg schon gegangen ist? Kann ich den Weg überhaupt ganz allein finden?

Der innere Meister kennt den Weg zur Meisterschaft, hat Dürckheim gesagt. Was aber muss passieren, um die Rolle des Meisters wirklich einzunehmen? Es geht jetzt darum, Meister zu werden, bisher war ich nur Schülerin – in der Lehre bei meinem eigenen Prozess.

Die Rolle einnehmen, Verantwortung übernehmen – das hat so etwas Endgültiges, etwas, das mir Angst macht, dem ich mich nicht gewachsen fühle. Zu groß, zu hoch, zu schwer!!

Kann es nicht ein bisschen kleiner, ein bisschen niedriger, ein bisschen leichter sein?«

Keine Ahnung, woher mein intuitives Bewusstsein wusste, was anstand. Und Gott-sei-Dank, dass mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war, dass der Weg zur »Meisterschaft« noch weitere zwölf – noch härtere – Jahre in Anspruch nehmen würde. Heute nenne ich ihn »das große Reinigungsprogramm« – die Gesellenzeit ist das kleine.

In dieser Phase wollte ich mich zunächst nur noch zurückziehen, nichts mehr arbeiten und viele Stunden am Tag meditieren. Meine Dünnhäutigkeit und Reiz-Über-Empfindlichkeit steigerten sich auf ein Maximum. Dieses extreme Rückzugsbedürfnis hielt etwa vier Jahre lang an, wobei ich mich in der zweiten Hälfte ständig in einer »Wolke des Nicht-Wissens« aufzuhalten schien. Irgendwann kam so etwas wie ein Wille wieder, und dann nach und nach auch alle anderen Ich-Funktionen, die vorübergehend nicht verfügbar gewesen waren. Das Selbst-Gefüge hatte sich umorganisiert, die verfügbaren »Funktionen« scheinen nun nicht mehr mit einem persönlichen Ich-Erleben in Verbindung zu stehen – sie tauchen einfach auf, wenn sie gebraucht werden.

Die Schamanen-Krankheit

Was hat es nun mit dieser Schamanen-Krankheit auf sich? Wieso soll sie aufhören, wenn man anfängt zu schamanisieren? Wie kann man sie überhaupt verstehen?

Mit der Öffnung der Tore zu meinem Unterbewusstsein ist die Angst in mein Leben gekommen – nicht eine Angst, sondern ich kenne mindestens 20 verschiedene Nuancen und Arten von Angst, wie ein Eskimo, der viele verschiedene Arten von Schnee kennt und unterscheiden kann. Man lernt sich zu orientieren in den vielen Jahren, in denen man das Unterbewusstsein durchschreitet.

Frei-flottierende Angst-Zustände und Panik-Attacken sind eher ein schwer zu therapierendes therapeutisches Feld. Die Dämonen der Unterwelt werden in der herkömmlichen Psychotherapie dadurch abgewehrt, dass man versucht, den Wächter an der Schwelle, das sogenannte »Ich« zu stabilisieren. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass diese Methoden gegen meine Ängste machtlos waren.

Jedes Loslassen einer früheren Ich-Identifikation erzeugt mulmige Gefühle, die sich bis zur Todes-Angst steigern können, wenn es um die Existenz des Egos geht. Diese Erfahrungen macht jeder, der den Weg des Kriegers geht, der mit den Mächten der Unterwelt ringt. Die Traumata, die auf diesem Weg zu heilen und zu beseitigen sind, erzeugen ihre je eigenen Schmerzen und Symptome, und keiner kann vorher sagen, welche Leichen in seinem Keller verborgen sind.

Wer den Weg der Heiler und Heilerinnen geht, lernt, sich auf die Unterstützung seiner inneren Helfer und Seelenkräfte zu verlassen. Er durchleidet Verwundungen und Schmerzen, oft bis an die Grenzen des Erträglichen, und erfährt dabei immer wieder, von unsichtbaren Kräften getragen und gehalten zu sein. Wie uns in der griechischen Mythologie die Geschichte Chirons zeigt, erwirbt der »verwundete Heiler« seine Heil-Kräfte und Weisheiten in der jahrelangen Beschäftigung mit den eigenen Wunden. Erlösung und Befreiung vom Leid geschiehen dabei – wie in der griechischen Mythologie – durch das Mysterium spiritueller Transformation.

Auf diesem Weg wird man frei und unabhängig von unheilvollen Prägungen. Man hört nach und nach auf, seinen kleinen Ich-Bezügen zu dienen und lernt, sich von einer höheren Instanz (jenseits des Individuellen) führen zu lassen. Selbstverständlich behält das alles eine individuelle Note – die eigenen Gene kann niemand ausradieren. Je ego-loser die inneren Bezüge werden, desto mehr Kraft bekommen die eigenen Handlungen. Wem das Talent und die Aufgabe des Heilens zugekommen ist, erfährt diese Kraft im Ausüben dieser Tätigkeit.

Laura Bach (50) lebt und arbeitet in Deutschland als approbierte psychologische Psychotherapeutin in freier Praxis. Sie verwendet in ihren psychotherapeutischen Begleitungen fachlich anerkannte Methoden aus humanistischen und transpersonal-psychologischen Therapie-Traditionen. Ihr Therapieverständnis und Heilwissen gründet aber letztendlich ausschließlich auf den Erfahrungen ihrer eigenen inneren Reise und den Trauma-Heilungen und Transformationsprozessen, die sie dabei erlebt hat.

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Mehr zum Thema Schamanismus und Psychotherapie in unserem aktuellen Schamanismus Extra

4. Termine

  • Alpenschamanen-Treffen

    Unter dem Motto: »Die Kraft der Berge« findet am 18. Juli 2009 ab 12 Uhr in der »Steinzeit Siegsdorf« bei Eisenärzt (Landkreis Traunstein, Oberbayern) wieder ein Alpenschamanen-Treffen statt.

    Zum fünften Mal in Folge laden Rainer Limpöck vom Alpenschamanischen Netzwerk und »Steinzeit Siegsdorf« zu einem öffentlichen Treffen der schamanisch Tätigen des Alpenraums ein. Erwartet werden auch dieses Jahr wieder viele Aktive aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie eine große Anzahl von Interessierten. Der Titel »Die Kraft der Berge« wurde gewählt, um aufzuzeigen, dass gerade in der schamanischen Arbeit die Verbindung mit den Bergen und den heimatlichen Wurzeln von besonderer Bedeutung ist.

    Kurzvorträge von 17 schamanisch Tätigen werden am Nachmittag im Mittelpunkt stehen.

    Höhepunkt am Abend des 18. Juli sind die Rituale für die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, die um 19 Uhr von vier Ritualleitern gestaltet werden. Im Anschluss daran wird Hubert Maria Dietrich mit seiner Frau und Mitgliedern der »Earthband« ein Unplugged-Konzert geben.

    Kleine Verkaufsstände mit Trommeln, Rasseln, Heilsteinen und Ähnlichem bereichern das Angebot. Auch die connection wird dort vertreten sein.

    Die heiligen Feuer im Diesselbachtal stehen in diesem Jahr in Resonanz mit den weltweiten »Sacred Fire Ceremonies« und insbesondere mit »Fire And Ice« auf Grönland.

    Weitere Info unter www.alpenschamanismus.de

  • Aasivik Fire & Ice 2009

    Vom 17. bis 19. Juli 2009 findet an der Westküste Grönlands die Zusammenkunft »Aasivik Fire & Ice 2009« statt auf Einladung der Föderation der Ältesten Grönlands und der Organisation »Ancient Wisdom for Earth« (AWE). In den Foren »Science meets Spirit« treffen Wissenschaftler mit Stammesältesten aus aller Welt zusammen, um die Stimmen der Naturvölker in den weltweiten Diskurs über den Klimawandel einzubringen. Botschafter der Stammesältesten Grönlands ist der bekannte Schamane Angaangaq. Seine Botschaft lautet: »Nur wenn das Eis im Herzen der Menschen schmilzt, werden wir eine Chance haben, uns zu verändern und unser Wissen weise zu nutzen.«

    www.fireandice2009.com

  • Visionquest
    Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

    Was will ich aus meinem Leben machen? Mit dieser Frage verbringen wir einen Tag schweigend im Wald, nehmen Eindrücke auf, finden einen Platz, erkennen Zeichen. Am Lagerfeuer kann das Gefundene tiefer sinken und ausgesprochen werden. Ein Wochenende für Entscheidungen, Aufbruch und Neubeginn. Ein Workshop mit Wolf Schneider (Herausgeber von connection Spirit und connection Schamanismus Extra)

    Datum:
    18.–20. September 2009
    Kosten:
    180 €
    Ort:
    Connectionhaus, Niedertaufkirchen
    Anmeldung:
    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, +49 (0)8639–983412
    Mehr:
    Visionquest
  • Weltkonferenz der Ethnotherapien

    Vom 9. bis 11. Oktober findet in München an der Ludwig-Maximilians-Universität die Weltkonferenz der Ethnotherapien statt. Am Freitag werden Einstiege in verschiedene Naturtherapien und Schamanismus in Verbindung mit medizinischen Traditionen und der Heilkräuterkunde und Ethnopharmakologie behandelt. Am Samstag gibt es einen Einblick in indigene Systeme Lateinamerikas und vergleichende Konzepte Europas. Am Sonntag werden therapeutische Aspekte der Musik und Musiktherapie behandelt und asiatische Heilpraktiken vorgestellt. In Workshops gibt es Gelegenheit, traditionelles Heilwissen praktisch zu erfahren und zu üben. Azteken-Medizinmänner, Sufis, Schamanen und klassisch indische Tänzer zählen zu den Referenten sowie internationale Wissenschaftler und Therapeuten.

    www.institut-ethnomed.de

5. Nachrichten aus dem Vertrieb

Irmi Hauer freut sich auf deine Bestellung: shop.connection.de oder an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel.(0)8639–9834–14

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