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Schaman-Rundbrief 03

Details

Editorial

Photo Christine Höfig

»Wenn ich das Wort Schamanismus höre, stell ich mir einfach nur einen Indianer vor«, gestand mir kürzlich eine Freundin. Ich musste unwillkürlich grinsen. Eigentlich hat sie ja recht. Selbst wenn der Schamanismus ursprünglich nur den Sibirischen meinte, stellt man sich doch meist einen Medizinmann vor, wie man ihn aus den Indianerfilmen kennt. Wahlweise auch den alten Weisen eines sibirischen oder afrikanischen Volksstammes.

Kann es dann eigentlich hier in Europa Schamanen geben? Die vielen Schamanismus-Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sagen: Ja, wir bilden aus! Puristen würden sagen: Nein, Schamane wird man nur, wenn man von den Geistern berufen wurde; nicht, wenn man irgendein Seminar belegt hat. Wohl auch deshalb hat sich die Bezeichnung »Schamanisch Praktizierende/r« eingebürgert.

Die Traditionen und Rituale werden dann oft in einen europäischen Zusammenhang eingebettet, also schamanische Techniken in einen jüdisch-christlich-agnostischen Rahmen eingewoben. So mancher schlägt bei solchem Patchwork-Schamanismus die Hände über dem Kopf zusammen. Andere sehen das lockerer: Wir leben nunmal im 21. Jahrhundert, die Globalisierung lässt uns Sibirien ganz nah erscheinen, und Schamanen und solche, die es werden wollen, lernen einander über Internet-Foren kennen. Cyber-Schamanen sozusagen.

Baum an Felsen
Bild: pixelio

Und was ist eigentlich mit unseren europäischen Wurzeln? Den Druiden und Hexen? In Großbritannien gibt es seit langem eine Renaissance der »Pagans«, der Druiden und Hexen. Philip Carr-Gomm, das Oberhaupt des englischen Orden der Barden, Ovaten und Druiden, wird durch seine Bücher und Vorträge langsam auch bei uns bekannt.

Was also ist ein Schamane? Was macht einen Schamanen aus? Ist es die Art der Ausbildung, der »Ruf« durch die Geister, der Zugang zur Anderswelt? Der Respekt vor Mutter Erde und der Natur, das ökologische Bewusstsein, das animistische Weltbild? Ganz ehrlich – ich weiß die Antwort nicht. Aber macht nichts, denn ich vermute, dass es darauf wohl so viele Antworten gibt wie Geister, die ein Schamane rufen kann.

Herzliche Grüße

— Christine Höfig

Inhalt

  1. Editorial
  2. Nachrichten aus der Anderswelt – Meldungen aus dem Schamanismus
  3. Auf den Grund gehen: ein offener schamanischer Abend bei Shaman-Willee
  4. Termine
  5. Institute
  6. Nachrichten aus dem Vertrieb

2. Nachrichten aus der Anderswelt – Meldungen aus dem Schamanismus

David gegen Goliath im Regenwald

Urwald
Bild: pixelio

Malaysias Regierung lässt derzeit im Regenwald einen Staudamm zur Stromerzeugung bauen. Die Ureinwohner wehren sich gegen das Projekt, denn sie werfen der Regierung vor, sie nicht darüber informiert zu haben und den Regenwald als reines Spekulationsobjekt zu sehen. Die ARD befragte die Dayaks, so der Name des Volksstammes, nach den Motiven für ihren Kampf.

»Es geht um unseren Regenwald. Für uns ist das unsere Heimat«, sagt Alim Ga Mideh. »Unsere Stämme leben vom Wald, er spendet uns das Baumaterial für unsere Hütten, gibt uns Essen und Trinken und sogar die Medizin – doch nun müssen wieder vier Dörfer weichen, weil hier der Staudamm gebaut werden soll.«

Die malaysische Regierung baut für 62 Millionen Euro einen von zwölf neuen Staudämmen für Elektrizitätswerke. Das bedeutet: Viele Hektar Regenwald werden überflutet, viele hundert Ureinwohner müssen umsiedeln.

»Niemand hat uns etwas von dem Damm erzählt, nicht mal der Abgeordnete von hier. Plötzlich waren die Bagger hier, erst Monate später haben wir gehört, dass wir unsere Dörfer verlegen müssen. Wohin wir dürfen, wissen wir nicht, auch nicht, wie viel Entschädigung wir bekommen werden«, sagen zwei Dayaks der ARD. »Wir Dayaks sind Menschen zweiter Klasse, das ist das Problem. Die Regierung macht Geschäfte mit chinesischen Firmen, und wir leiden darunter. Für uns ist der Regenwald unser Zuhause, für sie ist das reine Geldspekulation,« sagt Dr. John Brian Anthony von der Dachorganisation Sarawak Dayak National Union, die sich für die Rechte der Ureinwohner einsetzt.

Quelle: www.tagesschau.de

Birdwatchers startet in deutschen Kinos

Ein für schamanisch oder ökologisch interessierte Menschen interessanter Film startet diese Tage in den deutschen Kinos: »Birdwatchers – Das Land der roten Menschen«.

Der Film zeigt Farmer in Brasilien, die riesige, mit genmanipuliertem Getreide bepflanzte Plantagen besitzen und Touristentouren veranstalten. Die Guarani Kaiowá, die ursprünglichen Bewohner dieser Felder, leben nun unter unwürdigen Zuständen an den Grenzen dieser Ländereien.

Nachdem sich zwei Guarani Kaiowá erhängt haben, beschließt Nadio, der Anführer einer kleinen Gruppe, das Reservat zu verlassen und auf ihr früheres Land zurückzukehren – gegen den Widerstand des Großgrundbesitzers.

Quelle: Survival International

Kampf gegen Vedantas Mine

Survival International hat zwei Appelle eingereicht, in denen die Einstellung des Betriebs einer heftig umstrittenen Bauxitmine in Indien gefordert wird. Survival hat sowohl die Vereinten Nationen als auch die indische Menschenrechtskommission dazu aufgerufen, die Stilllegung der Mine von Vedanta Resources in den Nyamgiri Hills im indischen Bundesstaat Orissa zu veranlassen. Der Grund: Die Mine zerstört den heiligen Berg des Volkes der Dongria Kondh und die Wälder, in denen sie leben, und damit die Lebensgrundlage des indigenen Volkes.

Die Regierung von Orissa hat sich offenbar dazu entschlossen die Rechte der Dongria Kondh im Namen des »Fortschritts« zu unterminieren. Survival bat den UN-Fachausschuss gegen rassistische Diskriminierung den Fall so schnell wie möglich zu untersuchen und umgehend Maßnahmen zu ergreifen um die Mine stillzulegen, bevor den Dongria Kondh unwiderruflicher Schaden zufügt wird.

Die britische Regierung geht derzeit einer Beschwerde nach, der zufolge Vedanta Resources’ Umgang mit den Dongria Kondh gegen die Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verstößt. Der norwegische Pensionsfonds zog seine Investitionen in Vedanta bereits zurück. Nachdem Demonstranten auf die erschütternden Folgen von Vedantas Projekten in Orissa aufmerksam gemacht hatten, wurde vergangenen Monat ein Umweltpreis für den Konzern in letzter Minute nicht vergeben (wir berichteten).

Quelle: Survival International

3. Auf den Grund gehen
Ein offener schamanischer Abend bei Shaman-Willee Regensburger

Willee mit einem Seminarteilnehmer

Nein, er wohnt nicht in Regensburg, er heißt Regensburger, Shaman-Willee Regensburger. Diesmal fand nicht allzu weit von meinem Wohnort, in seinem Atelierin der Nähe von Traunstein, ein offener schamanischer Abend statt.

Recht abgehetzt kam ich dort an – erst eine Umleitung, dann hatte ich mich verfahren. Macht nichts, sagte Shaman-Willee, das passiert hier leicht. Etwas über 20 Leute verschiedener Altersstufen saßen bereits auf ihren Plätzen, mir hatten sie einen Stuhl freigehalten.

Es ging um Erfahrungen, positive oder negative, die sich immer wieder wiederholen. Shaman-Willees These: Diese Erfahrungen wurden nicht vollständig gelebt und wiederholen sich deshalb so lange, bis man sie eben doch voll gelebt hat.

Am Boden aufprallen

Irgendetwas hindert einen, die Erfahrung vollständig anzunehmen. Im negativen Fall ist das ja auch verständlich. Jeder versucht, die Erfahrung des Scheiterns abzuwenden. Als Beispiel führt er Süchte an: Ein Alkoholiker muss sich erst eingestehen, dass er süchtig ist; er muss quasi am Boden aufprallen, um die Sucht überwinden zu können.

Ebenso ist es mit dem Erfolg: Wer den Erfolg nicht anzunehmen weiß, wird sich immer wieder davon abhalten, ganz erfolgreich zu sein. Aber auch der größte Erfolg im Leben lässt sich nicht wiederholen. Ein Nobelpreisträger wird den Nobelpreis kaum zweimal erhalten.

Ich überlege, woher dann wohl meine Geldprobleme kommen. Ich habe zwar immer genug zum leben, aber nie so viel, dass ich nicht überlegen muss, was ich mir leisten kann. Bedeutet es nun, dass ich die Erfahrung reich zu sein noch nicht vollständig genommen habe, oder aber die Erfahrung, arm zu sein? Mir gefällt das nicht; gerade mache ich mir Sorgen um meine berufliche und finanzielle Zukunft, und nun weiß ich nicht, ob ich hier bin um zu lernen, das Scheitern anzunehmen. Ich will aber nicht scheitern und am Boden aufprallen!

Shaman-Willee macht nun eine schamanische Reise mit uns. Wir schließen die Augen und lauschen seiner Stimme. »Du stehst vor einer weißen Wand. In der Wand ist eine Tür.« Hinter der Tür, erklärt er uns, ist das, was uns bisher daran hindert, die Erfahrung – welche auch immer wir gewählt haben – vollständig zu leben. Wenn wir wollen, können wir die Tür nun öffnen. Wir können sie aber auch verschlossen lassen, das bleibt uns überlassen.

Am Abgrund

Mann am Abgrund
Bild: pixelio

Natürlich bin ich viel zu neugierig, um sie verschlossen zu lassen. Ich öffne also die vielen Sicherheitsschlösser und Ketten, die die Tür bisher geschlossen gehalten haben und gehe hindurch. Ich sehe... einen Baum. Einen Baum? Ich verstehe nicht wirklich, was der zu bedeuten hat. Es ist ein Herbstbaum, die Blätter glänzen rotgolden im Sonnenlicht. Daneben führt ein Pfad entlang und ich folge ihm bis zu einem Abgrund. Ein wirklich tiefer Abgrund im schroffen Hochgebirge, Grand-Canyon-artig ist die Landschaft.

Was nun? Ich lasse mich einfach fallen.

Es ist ein Gefühl als würde ich fliegen. Nur, dass es klar nach unten geht. Irgendwann kommt der Aufprall. Ich spüre ihn fast, hart und klar. Blutend liege ich am Grund, dann setze ich mich auf.

Zurück in der realen Welt

Benommen öffne ich die Augen. Ich bin wieder in Shaman-Willees Atelier, die anderen kehren auch gerade von ihrer Reise zurück. Ein wenig verwirrt bin ich. Was sollte das nun bedeuten?

Ich denke, es hat mit meiner Angst vorm Scheitern zu tun. Jede Entscheidung bringt Chancen, aber auch Gefahren. Was also rät mir die Reise? Einfach mal den Sprung wagen und schauen, was passiert? Selbst wenn ich abstürze, geht es irgendwie weiter...

Zum Abschluss wird noch gemeinsam getrommelt. Das erdet, bringt mich wieder auf den Boden zurück, merke ich. Bevor ich gehe, unterhalte mich noch kurz mit Shaman-Willee. Er wirkt sympathisch, auf eine freundliche, nicht-autoritäre Weise. Ich denke, wenn er wieder eine Veranstaltung in meiner Nähe abhält, werde ich sie mir nicht entgehen lassen.

Willee Regensburger, geb 1954, arbeitete als Sanitäter, Krankenpfleger, Heilpraktiker und Gartenbauingenieur. Studium der Volkskunde, Ethnologie und Semitistik an der LMU München.
Seit 1977 freischaffender Künstler, seit 2000 Schamanische Praxis mit Vorträgen, Seminaren, Einzelsitzungen und Ausbildungen.
www.shaman-willee.de

Christine Höfig, geb. 1977, ist leitende Redakteurin des connection Schamanismus Extra und des Schamanismus Newsletter. Außerdem ist sie seit 2006 redaktionell an der Entstehung der Zeitschriften connection Spirit und connection Tantra Special beteiligt. Ab Herbst arbeitet sie als freischaffende Journalistin und Lektorin.

4. Termine

  • Kurzfilmabend
    Die Guaraní Mbyá – die letzten Nomaden des Atlantischen Regenwaldes

    Das Forum Brasil in Berlin zeigt am 28. Juli um 19:30 Uhr einen Kurzfilm über die Guaraní Mbyá, die letzten Ureinwohner von Rio de Janeiro. Heimat, Lebensraum und Lebensader ist der Atlantische Regenwald, Mata Atlântica genannt, der sich einst von Nordargentinien bis Nordostbrasilien erstreckte.

    In den Filmen kommen die Guaraní Mbyá selbst zu Wort. Trotz 500 Jahre Kolonisation und Landraub haben sich die Guaraní-Mbyá ihre Kultur, Sprache und Lebensweise erhalten können. Doch heute stehen sie vor einer neuen Bedrohung: Strassenbau und der Einzug der Konsumgesellschaft.

    Daneben werden noch vier weitere Kurzfilme gezeigt. Eintritt 3 €.

    Info: www.forum-brasil.de

  • WaldWelt Festival

    Vom 14. bis 16. August findet in D-94327 Rattiszell das WaldWelt-Festival statt. Auf dem Programm stehen neben Lagerfeuer und Beisammensein Blockhausbau, Workshops in Numerologie, Klangschalen und Glocken, Seelengesang, Systemisches Stellen im Medizinrad, Einführung ins Kartenlegen, Göttinnenzyklus, der Waldzauberer Karli, Live-Musik, Nachtwanderung, Kuschelparty, und vieles, vieles mehr.

    Weitere Info unter waldwelt-festival.de

  • Visionquest
    Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

    Was will ich aus meinem Leben machen? Mit dieser Frage verbringen wir einen Tag schweigend im Wald, nehmen Eindrücke auf, finden einen Platz, erkennen Zeichen. Am Lagerfeuer kann das Gefundene tiefer sinken und ausgesprochen werden. Ein Wochenende für Entscheidungen, Aufbruch und Neubeginn. Ein Workshop mit Wolf Schneider (Herausgeber von connection Spirit und connection Schamanismus Extra)

    Datum:
    18.–20. September 2009
    Kosten:
    180 €
    Ort:
    Connectionhaus, Niedertaufkirchen
    Anmeldung:
    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, +49 (0) 8639–983412
    Mehr:
    Visionquest
  • Weltkonferenz der Ethnotherapien

    Vom 9. bis 11. Oktober findet in München an der Ludwig-Maximilians-Universität die Weltkonferenz der Ethnotherapien statt. Am Freitag werden Einstiege in verschiedene Naturtherapien und Schamanismus in Verbindung mit medizinischen Traditionen und der Heilkräuterkunde und Ethnopharmakologie behandelt. Am Samstag gibt es einen Einblick in indigene Systeme Lateinamerikas und vergleichende Konzepte Europas. Am Sonntag werden therapeutische Aspekte der Musik und Musiktherapie behandelt und asiatische Heilpraktiken vorgestellt. In Workshops gibt es Gelegenheit, traditionelles Heilwissen praktisch zu erfahren und zu üben. Azteken-Medizinmänner, Sufis, Schamanen und klassisch indische Tänzer zählen zu den Referenten sowie internationale Wissenschaftler und Therapeuten.

    www.institut-ethnomed.de

Institute und Seminaranbieter

Siehe aktuelle Liste:

6. Nachrichten aus dem Vertrieb

Irmi Hauer freut sich auf deine Bestellung: shop.connection.de oder an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel.(0)8639–9834–14

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