Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Schaman-Rundbrief 05/10

Details

Editorial
Eigentlich bin ich ganz anders …

Photo Christine Höfig

… ich komm nur so selten dazu. Eigentlich wollte ich Anfang April schon einen neuen Schamanismus-Newsletter schreiben. Doch wie es so häufig kommt, kam mir alles Mögliche dazwischen. Neben der connection arbeite ich ja noch an anderen Projekten, auch da kommt manchmal unerwartet viel auf einen zu.

Und als hätte ich nicht schon genug zu tun, wurde auf einmal ein kleines Kätzchen, vielleicht sechs Wochen alt, vor meiner Haustür ausgesetzt, mitsamt Katzenkorb und Katzenklo. Wie die Jungfrau zum Kinde kam ich also zur Katze… da hieß es Fenster sichern, dass sie vor lauter Energie nicht rausfällt (zweiter Stock), Katze zum Impfen bringen, zerbrechliche Gegenstände verräumen…

junge Katze

Von Tieren kann man auch viel lernen, wie jeder Schamane weiß. Gesunden Egoismus, zum Beispiel. So kann die Katze sich nun zwar gerne neben den Laptop legen, wenn ich arbeiten will, aber nicht auf der Tastatur rumturnen – das musste sie lernen.

Nun ist es also schon einen Monat her, dass das neue connection Schamanismus Extra, Schamanismus und Schulmedizin, erschienen ist. An jedem gut sortierten Kiosk zu finden, außerdem gibt es hier Leseproben.

Im November 2010 soll dann unser nächstes Schamanismus Extra erscheinen, Schamanismus und Ökologie. Ein vielfältiger, aktueller Themenkomplex, ich freue mich schon auf die Artikel, die mir dazu ins Haus flattern werden. Einen kurzen Vorgeschmack geben wir schon mal mit Katja Marzahns Bericht über einen Vortrag mit Henri Red Cloud.

Inhalt

  1. Editorial
  2. Nachrichten aus der Anderswelt (diese Nachrichten stehen auch in der gedruckten connection Spirit 5/10)
  3. Der Büffel kehrt zurück: Henri Red Cloud über Landnutzungsprojekte in Süd-Dakota
  4. CD-Tipp
  5. Institute und Lehrer
  6. Nachrichten aus dem Versand

2. Nachrichten aus der Anderswelt

Staudamm am Omo-Fluss in Äthiopien

Das italienische Bauunternehmen Salini Costruttori hat Anschuldigungen gegen die NGO Survival International erhoben, die sich für Indigene weltweit einsetzt. Salini ist mit dem Bau von Afrikas höchstem Staudamm beauftragt. Das Bauprojekt an Äthiopiens Omo-Fluss hatte heftige Kritik ausgelöst.

Salini beschuldigt Survival, die Größe der Staubecken des Damms um ein 15-faches übertrieben zu haben. Als Reaktion hat Survival Salini dazu aufgefordert, die Anschuldigung zu belegen oder zurück zu ziehen. Das Bauunternehmen hat sich bisher nicht dazu geäußert.

Der Staudamm, bekannt als Gibe III, würde die Lebensgrundlage von 200.000 Indigenen zerstören, diese sind auf den Fluss und seine jährlichen Überschwemmungen angewiesen. In einer Pressemitteilung behauptet Salini, dass die Indigenen von Gibe III profitieren würden. Ein Zusammenschluss von Experten, einigen internationalen Organisationen und zahlreichen Ethnologen widerspricht jedoch dieser Aussage.

Quelle: Survival International

Internationaler Göttinnen-Kongress

alt

Seit langer Zeit bekannt ist die Goddess Conference im englischen Glastonbury. Vom 28. bis 30. Mai gibt es auch einen »Goddess Kongress« im Hambacher Schloss zwischen der Rheinebene und dem Pfälzerwald. Es geht dort um feministisch-matriarchale Spiritualität, um die Entwicklung einer tiefen, inneren Verbindung zum Leben, um Achtung, Wertschätzung und Fürsorglichkeit gegenüber allem Existierenden. Vorträge und Workshops halten unter anderem: Dorothee Sirilya von Gagern, Dr. Heide Göttner-Abendroth, Gila Antara und viele mehr. Auch gibt es Raum und Zeit für Kunst und Musik, Vorstellung verschiedener Projekte, Tänze, Performances und Rituale. www.internationalergoddesskongress2010.de

Wiederaufleben des Asatru

Asatru nennt man das Heidentum nordisch-germanischer Ausprägung. Die Asatru-Anhänger versuchen sich auf ihre germanischen Wurzeln zu besinnen. Neben der Anrufung germanischer Gottheiten in Ritualen beschäftigen sie sich auch gerne mit Runen und sehen sich, wie die Anhänger anderer Richtungen des Heidentums, auch als animistische Naturreligion.

1972 wurde Asatru in Island als offizielle Religion anerkannt; 0,4 Prozent der isländischen Bevölkerung bekennen sich zu dieser Religion. Auch in Norwegen hat Asatru mittlerweile den Status einer anerkannten Glaubensgemeinschaft, in Dänemark seit 2003. Einen schwierigeren Stand hat Asatru in Deutschland, da sich auch viele Rechtsradikale wie der NPD-Politiker Jürgen Rieder zu diesem Glauben bekennen. Das schadet natürlich dem Ruf der deutschen Asatru-Anhänger. Die meisten der Asatrus distanzieren sich von rechter politischer Gesinnung und wollen mit der NPD und anderen braunen Gruppen nichts zu tun haben.

Quelle: wikipedia.de

3. Der Büffel kehrt zurück
Der Lakota-Indianer Henri Red Cloud über Landnutzungsprojekte in Süd-Dakota

Photo Henri Red Cloud

Es ist der 16. März. Im Hof des Projekthauses lodert ein Feuer. Darum versammelt vertilgen die Besucher vorzügliche Steinofenpizza. Nach und nach locken indianische Gesänge und Trommelklänge sie in den Seminarraum, in dem gleich die ersehnte Veranstaltung beginnt.

Henri Red Cloud, ein Lakota-Indianer aus dem amerikanischen Pine Ridge Reservat in Süd-Dakota, möchte den Besuchern von der schwierigen Lage seines Volkes im Reservat berichten. Mit ihm auf Vortragstour sind die deutsche Organisatorin Conny aus Freising, Dave, der amerikanische Vorsitzende von Village Earth, und Ralf, ein Deutscher, der in Colorado lebt und Daves und Henris englische Worte glänzend übersetzt. Zusammen mit der Hilfsorganisation Village Earth setzten sie sich dafür ein, dass Henri Red Clouds Landsmänner wieder auf – und von – ihrem eigenen Grund und Boden leben können. Damit könnte der horrend hohen Arbeitslosigkeit, Armut und Unzufriedenheit der Indianer in der Region zu Leibe gerückt werden. In einem kurzen Film erfahren die Projekthaus-Besucher, dass 73 Prozent der ca. 30.000 Bewohner des Pine Ridge Reservats zwar über eigenes Land verfügen, dieses aber de facto nur auf dem Papier kennen und deshalb nicht nutzen können. In Kleinstparzellen aufgeteilt wird es für Spottpreise an Weiße verpachtet. Die Indianer selbst leben in ärmlichen, von der Regierung eingerichteten Siedlungen.

Nach dem Film berichtet Dave vom langjährigen Engagement seiner Organisation in Pine Ridge. Er reicht den von Village Earth herausgegebenen, speziellen Atlas des Reservates herum, der die indianischen Landbesitzer in die Lage versetzt, ihr Land geographisch zu identifizieren. Aber auch bei allen weiteren rechtlichen, organisatorischen und praktischen Fragen zur Wiedererlangung und Bewirtschaftung des Landes steht die Organisation mit Rat und Tat zur Seite. Um für diese weitreichende Arbeit zu werben, sind Conny, Dave, Ralf und Henri Red Cloud heute hier. Sie verkaufen Postkarten, Bücher, Schmuck und DVDs zum Thema und bitten um finanzielle Unterstützung, die direkt in die Förderung der Pine Ridge Landnutzungsprojekte fließt. Ökologie und Nachhaltigkeit spielen dabei eine wesentliche Rolle, angedacht sind unter anderem naturgerechte Bebauung und Landwirtschaft.

Photo Bison

Rückkehr der Büffel

In diesem Rahmen soll nun auch der in der kulturellen Tradition der Lakota so bedeutsame Büffel zurückkehren. Ein Viertel der Bewohner könnte sich vorstellen, von der Bisonhaltung zu leben – die Anschaffung von Kälbern zur Gründung einer Herde will jedoch erst einmal finanziert sein. Deshalb bietet Village Earth Bisonpatenschaften an, mit denen man den Indianern maßgeblich bei der Existenzgründung helfen kann. Conny betont jedoch, dass auch jede andere, noch so kleine Spende willkommen und wichtig ist.

Am Ende seiner Schilderung erzählt Dave, wie er Henri Red Cloud das erste Mal begegnet ist: Und zwar, während er begleitet von einem anderen Lakota mit einem großen Handbohrer nach Wasser für einen Brunnenbau grub – also »als einen Mann der Tat«. Und als dieser setzt Henri sich seitdem sowohl in seiner Heimat als auch auf den alljährlichen, 3-wöchigen Vortragsreisen durch Deutschland für die Belange seiner Landsleute im Pine Ridge Reservat ein.

Das Projekthaus, das Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie »infoe e.V.«, Village Earth und verschiedene Förderer haben dafür gesorgt, dass Henri heute hier gastiert. Am Vormittag war er schon in der Potsdamer Freien Schule am Schlaatz zu Gast. Und auch heute Abend sind sehr viele Kinder dabei, um einmal einen »echten Indianer« zu sehen und zu hören, was er zu berichten hat.

Henri Red Cloud, ein Nachfahre des berühmten Indianers Red Cloud, wirkt sehr ernst, hat aber durchaus Humor, der sogar in seinem Vortrag über die leidvolle Geschichte der Lakota immer wieder aufblitzt. Zwei pechschwarze, dünne geflochtene Zopfe fallen über seine Schultern, eine Feder hat er sich hinten in die Haare gesteckt. Er wählt die Worte mit Bedacht und strahlt würdevolle Kraft aus.

Geschichte der Lakota

Seine indianische Rahmentrommel begleitet ihn, zwei Mal stimmt er äußerst ergreifend ein Lied an. Henri spricht von der Ankunft der Europäer in Nordamerika und wie diese den Indianern nach und nach ihr von jeher angestammtes Territorium streitig machten. Von Kanada bis Mexiko lebten einst unzählige Indianervölker friedlich und im Einklang mit der Natur. Dann kamen »die Weißen« und drängten mit Hilfe von scheinheiligen Verträgen die Indianer immer weiter zurück – bis in die heutigen Reservate – ein winziger Bruchteil des Landes, auf dem sie einst zu Hause waren. Ein Vertrag nach dem anderen wurde von den neuen Siedlern gebrochen, erklärt Henri Red Cloud betroffen, und »auf ewig« zugesicherte Gebiete den Indianern doch wieder genommen. Damit einher gingen die ebenso unrechtmäßige Ausrottung ihrer angestammten Kultur und Lebensweise.

Ursprünglich lebten die Oglala Lakota als Nomaden: Frei umherziehend, mit und vom Bison, der einen wichtigen Teil ihrer Schöpfungsgeschichte umfasst. Diese Lebensweise machte sie »glücklich und gesund«, so dass sie alle vier Lebensalter, vom Kind bis zum Greis erleben konnten und nicht selten 100 Jahre alt wurden, schwärmt Henri. – Etwas, was heute nicht mehr passiert. Als die Weißen kamen, wurden tausende und abertausende heilige Bisons von ihnen respektlos einfach abgeknallt – wie auch die Indianer selbst, als sie sich zu wehren begannen. Henri Red Cloud schildert ergreifend diese traurige Zeit seiner Urgroßväter und die bekannten Schlachten am Little Big Horn (1876) und Wounded Knee (1890). Während am Little Big Horn mehrere Indianerstämme unter ihren Anführern Sitting Bull und Crazy Horse die US-amerikanischen Truppen vernichtend schlugen, fand in Wounded Knee, einem Ort im heutigen Pine Ridge Reservat, ein beispielloses Massaker an den Lakota statt.

Als zentral begreift Henri Red Cloud die Angst der europäischen Eindringlinge vor dem Unbekannten – ein Grund, warum sie die ihnen fremden Indianervölker als »unzivilisiert« und »wild« abtaten. Viele falsche Mythen seien damals generiert und verbreitet worden – so die Legende vom Skalpieren, einer Praxis, die dem Vortragenden zufolge allenfalls von weißen Fallenstellern und Jägern dieser Zeit her stammte und später von Hollywood auf die Indianer übertragen wurde. »Und ja, wir tanzen ums Feuer und stoßen komische Laute aus«, erzählt Henri, »aber nicht, weil wir wild und barbarisch sind, sondern um unsere Verbindung mit dem Großen Geist und Mutter Erde zu feiern und unserer einzigartigen Seele Ausdruck zu verleihen.« Und er singt, begleitet von seiner Trommel, ein besonderes Lied für unseren »Spirit« – die Seele, unsere Individualität.

Immer wieder bindet Henri Red Cloud die Lauschenden lebendig in seinen Vortrag mit ein. Er macht deutlich, wie ungerecht die spätere Aufteilung des Landes in private Parzellen ablief. Die Indianer, denen das Konzept von Besitz und Geld an sich völlig fremd war, wurden plötzlich mit Pamphleten und Steuerpflichten konfrontiert. Viele verloren ihr Land, weil sie damit nichts anfangen konnten. Anderen wurde es genommen, weil die Regierung sie einfach als »unfähig« einstufte, ihr Land auch bewirtschaften zu können. Die Zwangsverpachtung erfolgt auch jetzt noch für einen Bruchteil des Geldes, den weiße Bürger für dieselbe Fläche Land erhalten.

In Henris Vortrag wird klar, wie die heutige Lage vieler Indianer historisch von den europäischen Eroberern verschuldet ist. Wut und Traurigkeit klingen durch, wenn er erzählt. Und doch will er weder anklagen noch in einer Opferhaltung verharren. Denn »wir Indianer werden mit unseren Nöten und Forderungen nur gesehen und gehört, wenn wir hier und jetzt selbstbewusst in Aktion treten, egal wie viel Unrecht uns widerfahren ist«. Die eigene Existenzgrundlage wieder selbstständig zu sichern, ist maßgeblich für ein nachhaltiges »Empowerment«. Und genau da setzen die Landnutzungsprojekte in Pine Ridge an.

»Good things take their time – Gut Ding will Weile haben« sagt Henri Red Cloud. Die von ihm und Village Earth angestrengte Veränderung im Reservat wird wohl eine ganze Generation lang dauern. »Aber es ist wichtig, hier und heute dafür zu kämpfen«. Zum Schluss schüttelt der Lakota jedem im Publikum mit einem berührenden »Thank you« die Hand. Dann strömen viele Besucher zu den aufgebauten Ständen und es wird eifrig signiert. Einige lassen am Feuer mit Henri Red Cloud und seinem Team die Veranstaltung ausklingen – lachen, plaudern, und schauen in die Glut. Fragen können gestellt, Erlebnisse und Meinungen ausgetauscht werden. Zwischendurch erreicht Henri eine freudige Nachricht: Auch das Projekthaus wird eine Bison-Patenschaft übernehmen. Die wird diesmal, so erklärt er, seinem Nachbarn im Pine Ridge Reservat zu Gute kommen.

Mehr Info: www.villageearth.org, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Katja Marzahn, Jg. 1981, geboren in Strausberg. 2003–2007 Studium der Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder). 2008 in der Auvergne, Frankreich. Praktikantin im Content Management eines Reise-Internetportals in Berlin. Malt, tanzt und betreibt die schöpferische Verbindung von (Lebens-) Kunst, Mystik und Naturspiritualität.

4. CD-Tipp
Geführte Meditationen durch die Elemente

Photo CD-Cover

Der englische Druide Philip Carr-Gomm ist groß im Kommen. Ich hab ihn einmal live erlebt, letztes Jahr am Rainbow Spirit Festival. Mir war er sehr sympathisch, ihn seiner britisch-witzigen und zugleich bodenständigen Art. Nun hat der Aurum Verlag ein Hörbuch mit geführten Meditationen von ihm herausgebracht: Wilde Weisheit Meditationen – Die vier Elemente unserer Natur.

Auf zwei CDs finden sich jeweils 20-minütige Meditationen zum Thema Erde, Wasser, Luft und Feuer, und zum Abschluss eine fünfte Meditation: »Der Segen der vier Elemente«. Die Sprecherin Jennie Appel spricht mit angenehmer Stimme die ins Deutsche übersetzten Texte von Philip Carr-Gomm.

Sehr entspannend sind die vier Meditationen, genau das richtige nach einem langem Arbeitstag, oder auch zwischendurch in stressigen Zeiten. Empfehlenswert!

— Christine Höfig

Philip Carr-Gomm: Wilde Weisheit Meditationen. Die vier Elemente unserer Natur. Aurum 2009, 2 Cds, 14,80 €

5. Institute und Berater

Siehe aktuelle Liste:

6. Nachrichten aus dem Versand

alt
Bestellen

Schamanismus Powerpack

  • connection extra 1: Schamanismus heute
  • connection extra 2: Schamanismus & Psychotherapie
  • connection special 56: Schamanische Wege der Heilung

Der connection-Schamanismus-Rundbrief ist einer von drei regelmäßig erscheinenden E-Mail-Rundbriefen des Connection-Verlags.
Alle Rundbriefe sind kostenlos.

{jcomments on}
   
© Connection AG 2015