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Verlagsrundbrief 06/10

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connection Infobrief/Web-Zine 079, Juni 2010

Photo Wolf Schneider

Liebe Freunde von connection,

mit dem Schwerpunkt unserer Juli-August Ausgabe bin ich zu einem Thema zurückgekehrt, das mich schon seit mehr als 30 Jahren beschäftigt. Spätestens seit ich auf meinen Reisen als trampender Backpacker (Rucksacktourist) in Asien Texte von Alan Watts und Thomas Merton las, wusste ich, dass es das ist. Das! Heute belustige ich mich als Kabarettist über das von Satsanglehrern – mehr noch ihren Kopien – stereotyp wiederholte »Es ist, was es ist«, oder »Es ist DAS«, vor allem dann, wenn es in Großbuchstaben daher geritten kommt. Dabei haben sie ja recht, diese Enthusiasten und Pathetiker. Es gibt nichts anderes als das! Wenn man davon einmal gekostet hat, verschmäht man andere Nahrung, denn die mystische Erfahrung saugt jede andere in sich auf, sie enthält jede andere. Kein Wunder, dass die Neuankömmlinge in diesem Land in so großen Tönen davon schwärmen, oft zur Belustigung der gaffenden Zuschauer, die nur die Wirkung sehen, aber den Nektar nicht kennen, den der Schwärmer offensichtlich in großen Zügen genossen hat, und nun torkelt er da herum, vor den Augen aller.

Embedded im Alltag

Bei meinen connection-Heften arbeite ich mich von Text zu Text durch. Meist kommen erst die Nebenthemen dran, dann die Schwerpunkttexte, dann mein eigener. Circa zwei Stunden brauche ich pro Text. Das Beschnuppern dauert nur ein paar Minuten, dann weiß ich in der Regel, ob ich ihn nehme oder nicht. Die darauf folgende erste gründliche Lesung ist bereits eine (oft auch: die) Bearbeitung. Dann Abgabe ans Layout, mit oder ohne Bilder. Meinen eigenen sechsseitigen Text schreibe ich zum Schluss. Dafür brauche ich einen ganzen Tag. Fast immer ist das der Samstag vor Abgabe an den Drucker. Auch diesmal: Schreiben über Mystik, dazwischen die Küche sauber halten, Essen zubereiten, ein paar Telefonate, ein paar Mails, Gäste, eine Einkaufsfahrt, ein paar Vorbereitungen für die Geburt (meine Freundin ist hochschwanger, seit zwei Tagen ist das Kind angesagt). Das Schreiben geschieht ja nicht im luftleeren Raum, es ist eingebettet in einen Alltag, irgendeinen Alltag, der auch besondere Ereignisse wie eine Geburt enthalten kann.

Unfassbar frei

Am Montag war fast alles fertig, inklusive der Korrekturen. Nur das Editorial fehlte noch. Soll ich dort nochmal das Schwerpunktthema aufgreifen? Oder nur auf unsere Leserumfrage hinweisen? Ich greife nochmal den Schwerpunkt auf, der politische Teil ist dort nämlich bisher zu kurz gekommen. Also schreibe ich über die Furcht der politisch-religiösen Autoritäten vor den Mystikern. Sie ahnen nämlich, dass der mystische Zugang zur Wirklichkeit den Menschen gegen jede Autorität immunisiert, weltliche ebenso wie religiöse. Aus dieser Furcht heraus werden Mystiker verketzert. Man kann sie als Untertanen nicht gebrauchen, eigentlich kann man sie überhaupt nicht gebrauchen, denn sie sind eigenwillig und nicht in der üblichen Weise manipulierbar. Jeder Mensch ist bestechlich, auch die scheinbar Aufrechten, alles nur eine Frage der Höhe der Bestechungssumme – außer an dem Punkt, wo ein Mensch von sich aus das Jenseits berührt, das ihn erst ängstigt, dann aber unendlich belohnt und unfassbar frei macht.

Schrei des Lebens

Habe gerade mit dem Editorial angefangen, da beginnen die Wehen. »Bringst du mich zur Klinik?« Klar, mach ich. Die Taschen sind schon gepackt, ich stecke nur noch Laptop und Handy in den Rucksack, dann geht es los. Die folgenden Stunden sind wir nur auf die Geburt eingestellt. Stuhl oder Badewanne? Stuhl. Liegen oder hocken? Hocken. Die Wehen kommen schubweise, quälend lang, dann Pause. Und die nächste … bis der Kopf sich zeigt. Dann ein Schrei, ich kann es nicht fassen, in all dem Schweiß und Schleim und Blut der Schrei des Lebens, das aus dem Wasser geborene Kind schreit in die Luft hinein, laut und durchdringend, sein erster Atemzug, wir weinen vor Freude.

Nachts um zwei zurück aus der Klinik – Väter dürfen dort nicht mit übernachten. Ich schlafe ein paar Stunden, dann schreibe ich das Editorial zu Ende. Wie fast immer brauche ich dafür ungefähr anderthalb Stunden. Gegenlesen und Endkontrolle, dann raus damit. Nun heißt die Überschrift »Religiöse Rebellen«, und ein Bild von Bodhidharma ist dazu gekommen. Valentin heißt unser Kind. Wenn es groß ist, werde ich ihm dieses Editorial zeigen.

Verzerrende Belohnungen

Noch Mal zurück zum Alltag: Wir haben eine Umfrage zusammengestellt, weil wir wissen wollen, wer ihr seid, liebe Leser. Ab 1. Juli steht sie online. Etwa 15 Minuten braucht man zum Ausfüllen. Ist das zu viel für den gehetzten Zeitgenossen? Für einen Menschen, der sich ein Leben lang die Frage stellt »Wer bin ich?«, sollte das nicht zu viel sein, meinen wir. Trotzdem sind wir dankbar für die Beantwortung und verlosen unter denen, die das tun und uns dann auch noch eine E-Mail hinterlassen (sonst können wir ja nicht antworten), zehn wertvolle Geschenke. Das Risiko dass dabei – die Statistik verzerrend – vor allem die antworten, die scharf auf die Geschenke sind, gehen wir gelassen ein, mit dem Hinweis, dass wir für die Selbstlosen (sorry: Egolosen) unter euch auf www.connection.de in Zukunft mindestens einmal im Monat eine Frage stellen wollen, deren Beantwortung nicht belohnt wird, wie etwa die folgende: Hast du schon mal etwas erlebt, das du eine mystische Erfahrung nennen würdest?

Mit herzlichem Gruß

Wolf Schneider, Hrsg. von connection

Webtagebuch: www.schreibkunst.com
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Veranstaltungshinweise

  • Schatz, wie hättest du's denn gern?
    Kommunikation in der Erotik – ein Tagesworkshop in Luzern

    21.08.2010–21.08.2010, 10.00–18.00 Uhr. Mehr: Kommunikation in der Erotik – Tagesworkshop

  • Herbstfest 2010

    10.–12. September. Mit Live-Musik, Biodanza, Esoterik-Kabarett und weiteren Highlights, darunter ein Konzert mit dem Sarod- und Tabla-Spieler Robert Thalmeier.

  • So ein Theater!
    Enneagramm-Workshop

    29.–31. Oktober. Mehr: So ein Theater!

Und hier die Highlights aus unserem Vertrieb

  • Jesus als Mystiker?

    Ja klar, Jesus war ein Mystiker. Auch wenn die Kirchen, die sich auf ihn berufen, so tun, als sei er ein Religionsgründer gewesen. In seinem Buch »Der Geist des Erwachens« entdeckt der Sozialwissenschaftler, Gestalttherapeut und Tänzer Peter Erlenwein Jesus neu aus dem Geist mystischen Erlebens.

    Peter Erlenwein, »Der Geist des Erwachens«, connection books 2004, HC, 255 S., 16,90 €. Das connection-Sonderheft »Religiöse Wege in West und Ost« gibt es gratis mit dazu!
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  • Religion und Gewalt

    In Zeiten da allerorten zum Krieg gegen den Terror aufgerufen wird und das Geldverdienen mit Rüstung und Waffenhandel wieder politisch korrekt ist, wirft Sam Harris einen nüchternen Blick auf den Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt. Sein Plädoyer gilt einer meditativen, mystischen Grundhaltung, die sich von machthungrigen religiösen Autoritäten nicht über die Augen wischen lässt.

    Sam Harris, »Das Ende des Glaubens«, edition Spuren 2007, HC, 342 S., 22 €. Das connection-Sonderheft »Buddhismus und Christentum« gibt es gratis mit dazu!
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  • Die erotische Verschmelzung

    Nichts führt leichter und natürlicher in die Erfahrung der Verschmelzung mit dem Ganzen wie die Liebe – auch und insbesondere die erotische. Mit Texten von Daniel Odier, Christoph Quarch, Wolf Schneider und anderen.

    Das connection-Special »Eros & Mystik« vom Dez. 2008, 100 S. DIN A 4, 9 €
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    Zwölf erotisch-mystische Geschichten – unverblümt, direkt, explizit und sehr poetisch. Von einem bekannten Psychotherapeuten in Süddeutschland, der diesmal lieber unter Pseudonym auftreten wollte.

    Tonio Kling, »Das Gebet – Liebesgeschichten aus Ekstasien«, connection books, 2. Auflage 2004, 6,99 €
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