Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Verlagsrundbrief 07/10

Details

connection Infobrief/Web-Zine 080, Juli 2010

Photo Wolf Schneider

Liebe Freunde von connection,

der folgende Text ist eine Art Stellenanzeige, denn wir suchen zwei Menschen, die in unsere kleine Gemeinschaft passen. Einen Hausmeister und eine Geschäftsführungsassistentin (es darf auch ein Geschäftsführungsassistent und eine Hausmeisterin sein).

Ich könnte mich dafür natürlich auch mit einer Kleinanzeige »Connection-Gemeinschaft sucht…« begnügen. Die Überlegungen beim Formulieren dessen, wen oder was wir da eigentlich suchen, haben mich jedoch dazu gebracht, mich bei bei dieser Gelegenheit mit einigen Aussagen über diese Gemeinschaft und meinem (bzw. unserem) Menschenbild zu outen. Das dürfte auch für alle die unter euch interessant sein, die gelegentlich selbst Personalentscheidungen zu treffen haben – und sei es die nach dem richtigen Lebens(abschnitts)gefährten. Und insbesondere diejenigen, die selber in einer Gemeinschaft leben, oder mit der Idee spielen, eines Tages vielleicht in einer solchen leben zu wollen.

Der Geist des Anfängers

Zunächst zu mir. Ich selbst habe weit mehr als 20 Jahre in »intentionalen Gemeinschaften« gelebt, also in Gemeinschaften, in denen Erwachsene, die nicht miteinander verwandt sind, absichtlich zusammenleben und so viel wie möglich am Wohnort miteinander arbeiten für »das Projekt«, das im Idealfall die Gemeinschaft ökonomisch trägt. In unserem Falle ist »das Projekt« ein Verlag, der die connection-Zeitschriften herausbringt, mit einem Seminarhaus als Ergänzung und Nebenerwerb. Dort lebe ich seit 19 Jahren. Habe davor in einem buddhistischen Kloster gelebt (1976 in Thailand), in verschiedenen Sannyas- und heterogenen Kommunen (als Hausmeister, Gästebetreuer, Gruppenleiter, Handwerker, Gärtner, PR-Mann, summer worker, Gründer, Leiter oder Gast). Einige Gemeinschaften habe ich beraten, als Freund oder gegen Geld, über einige habe ich geschrieben. Habe außerdem zwei Sonderhefte zu diesem Thema herausgebracht. Insofern fühle ich mich als Fachkraft auf diesem Gebiet, als einen unter höchstens 50 Leuten in Europa, die von solchen Gemeinschaften wirklich etwas verstehen. Und doch bin ich zugleich ein blutiger Anfänger, denn das Thema ist unendlich komplex. Keine normale Ausbildung führt zu diesem Wissen, und jede einzelne Situation verlangt immer wieder unerbittlich den »Geist des Anfängers«.

Ansicht Connectionhaus

Der Ort

Fangen wir also an. Es wohnen zur Zeit fünf Menschen hier im Haus. Zwei Männer, zwei Frauen, und ein kleines Kind (der Valentin, er ist ein paar Wochen alt). Wir haben Platz im Haus für zwei weitere Erwachsene (evtl. auch mit Kind) und wollen genau das: zwei weitere Erwachsene, die hier mit uns wohnen und arbeiten. Mitte der 90er Jahre haben hier im Connectionhaus etwa 15 Erwachsene und drei bis sechs Kinder gewohnt, es ist also Platz im Haus. Jetzt wollen wir nicht mehr so viele sein und brauchen für die Arbeit auch nicht so viele, die frei gewordenen Zimmer sind nun überwiegend Gästezimmer für den Seminarbetrieb. Der Garten hat sich in den letzten Jahren verschönert: Zu dem einen Teich ist ein zweiter hinzugekommen, das Haus ist von Efeu, Wein und Blauregen umrankt und sieht ein bisschen aus wie ein Märchenhaus, das sich in einem kleinen Gehölz versteckt, dabei ist es doch unübersehbar groß: 1300m² Wohn- und Nutzfläche, mit leider nur 2000m² Garten dabei, darin verschiedene Lauben, ein Zirkuswagen, und auf drei Ebenen je eine Terrasse. Wer hier wohnt hat im typischen Fall ein Zimmer für sich, teils ein zweigeschossiges (mit Treppe zum Loft) und lebt mit zwei bis drei anderen in einer der beiden WGs. Gemeinsam benutzen wir den großen Seminar-, Meditations- und Tanzsaal (88m²), die Sauna, die Bibliothek, die auch Fernseh- und Meetingraum ist und haben zwei kleine und eine große Küche.

Die Organisation

Gemäß dem föderalen Prinzip obliegen die Sauberkeit und das Küchenhandling (gemeinsame Kasse oder nicht) im Wohnbereich der »WG-Hoheit«. Von mir als Leiter des Projekts ist nur vorgeschrieben: vegetarische Küche (wer Fleisch essen will, kann das draußen tun); bewusster Umgang mit den Ressourcen (die AG zahlt alle Nebenkosten); fairer Umgang miteinander. Einmal die Woche Teilnahme am Hausmeeting. Sechs Mal die Woche an der Morgenmeditation (von 8 h bis 8.30 h, bestehend aus 12 min Yoga, 3 min Summen und 15 min Stillsitzen).

Im Arbeitsbereich hat jeder einen PC-Platz und ein Telefon. Wer will, hat ein eigenes Arbeitszimmer. Die Arbeitszeiteinteilung ist weitgehend frei. Es gibt einen Chef, das bin ich. Weil das Team so klein ist, gibt es zur Zeit keine Abteilungsleiter. Einige von uns sind fest angestellt, andere freie Mitarbeiter. Nicht alle, die mitarbeiten, wohnen im Haus, einige arbeiten nicht einmal im Haus, sondern von zuhause aus am PC. Ähnlich wie bei den NGOs (Greenpeace, Amnesty …) gibt es auch bei uns viele ehrenamtliche Mitarbeiter, zum Beispiel die Autoren zählen dazu.

Die Grundhaltung

Wir verstehen uns als »spirituelle Gemeinschaft«, wobei uns bewusst ist, wie schwammig dieser Begriff ist. Jedenfalls setzt unsere Gemeinschaft keine Bekenntnisse voraus, von der Art wie: Christ oder Buddhist zu sein, Atheist, Sannyasin, Freund des Schamanismus oder Tantriker Auch ich gehöre genau genommen keiner dieser Richtungen an, obwohl ich dem Buddhismus, der Sannyas-Bewegung und dem Tantra nahe stehe. Ich verstehe mich aber auch als (meditierender) Atheist oder Agnostiker, als Freigeist und spiritueller (nicht sozialer!) Anarchist. Die Heterogenität dieser Gemeinschaft hat uns über die Jahre viel zu schaffen gemacht. Mit einem enger definierten Konzept der Zugehörigkeit wäre es leichter gewesen, aber ich wollte das nicht, und so hatten wir in dieser Gemeinschaft viel Bewegung auszuhalten, auch einige Reibung, haben uns aber nicht verengt, sondern geweitet und gelernt mit einer großen, auch weltanschaulichen Vielfalt umzugehen.

Die Arbeit

Konkret suchen wir nun eine Person, die Haus, Garten und die technischen Geräte betreut. Wir nennen diesen Jobbereich Hausmeister/Techniker. Die Hausbewohner betreuen Haus und Garten auch selbst ein bisschen (als Anhaltspunkt gilt: 90 min/Woche für Müllentsorgung, Kompost, Pflanzen gießen u. ä.), aber der Hausmeister macht noch mehr: Autos, Waschmaschinen, PCs, Küchengeräte – falls er oder sie sich da auskennt. Grundkenntnisse in Computerbetreuung sind sehr von Vorteil. Auf jeden Fall ist es gut, ein Händchen für Technik zu haben. Das darf auch in den künstlerischen Bereich übergehen. Zum Beispiel sind unser zweiter, gerade jetzt in der Hitze sehr angenehmer Gartenteich und die Delfine, die als Türgriffe unseren Eingang schmücken, Werke unseres ehemaligen Hausmeisters Michael Horn.

Der zweite wichtige Job ist die »Geschäftsführungsassistenz«. Dafür suchen wir eine Person, die mir Arbeiten abnimmt, was auch immer für Arbeiten sie gut kann, gerne macht und mich damit entlastet. Fürs Schreiben, Themenfinden und Redigieren brauche ich keine Unterstützung, das geht mir leicht von der Hand, ich suche aber Unterstützung im Organisatorischen, Administrativen. Ein einfühlsamer Mensch mit Organisationstalent kann mir da einiges abnehmen – und lernt dabei sehr viel über das Organisieren (Zeit- und Projekt-Management) im Allgemeinen, die Szene, die Branche und die Leute, die darin agieren.

Wanted: common sense!

Wenn Leute hier anrücken und sich um Mitarbeit oder einen Platz in der Gemeinschaft bewerben, dann zeigen sie in der Regel ihren Lebenslauf und einige Arbeitszeugnisse. Das interessiert mich aber gar nicht so sehr, denn die von uns gesuchte Kernkompetenz ist common sense. Blödes Wort, ich weiß, es sagt eigentlich nichts Konkretes. Ich versuche es mal anders: Wir brauchen Menschen mit Alltagsweisheit und Sozialkompetenz, die offen und neugierig sind, außerdem bereit (und auch dazu fähig) sich auf etwas einzulassen und sich zu verpflichten. Also etwas ganz Normales, was auch überall sonst im Leben von Vorteil ist.

Freiräume

Eine Eigenschaft unseres Teams und Umgangs miteinander ist, dass es hier große Freiräume gibt. Das empfinden manche Menschen als positiv: Man darf so viel! Man kann sich selbst ausdenken und einrichten, wie man etwas macht. Andere empfinden das als negativ und klagen: Es gibt ja hier kaum Strukturen! Da weiß man nicht, wie man etwas machen soll und was richtig ist. Meine Antwort: Es gibt hier durchaus Strukturen, aber weniger als woanders. Menschen, die selbständig denken und handeln, blühen hier auf, weil sie die Freiräume schätzen und zu nutzen wissen.

An unserem Pin-Board im Bürobereich hängt ein Gedicht von Hans-Curt Flemming, das wir vor vielen Jahren mal zusammen mit einem sehr schönen Foto von Wolf Huber in connection veröffentlicht haben:

verwundert
bemerke ich
dass ich
immer noch
so lebe
als hätte ich
auf einen Freispruch
zu warten.

Das trifft es recht gut, finde ich. Das Connectionhaus lädt dazu ein, mit Freiräumen umgehen zu lernen. Und auch: etwaige eigene Täuschungen zu erkennen, man könne das bereits. Ein weiterer, dazu passender Punkt ist: Dies ist ein Platz für kreative Menschen (oder die es werden wollen), wobei ich mit Kreativität nicht bloß Malen, Singen und Basteln meine, sondern die sinnvolle Gestaltung und Nutzung der Freiräume.

Defizite

Als ich neulich die Kleinanzeige formulierte, wen wir suchen, dachte ich: Da suchen wir die eierlegende Wollmilchsau, und haben doch finanziell kaum etwas zu bieten. Wie soll das gelingen? Außerdem: Wer so hohe Ansprüche an die Bewerber stellt, muss ihnen doch mindestens selbst genügen, um Vorbild sein zu können. Die Wahrheit ist: Wir haben selbst Defizite (Ach, wer hätte das gedacht…). In glücklichen Momenten ist uns das auch bewusst. Trotzdem haben wir hohe Ansprüche an die Menschen, mit denen wir wohnen und arbeiten wollen und natürlich auch an uns selbst, aber wir können auch gut mit dem Scheitern umgehen, mit Mängeln und Defiziten. Wir sind krisenerfahren – und wünschen uns das von »den Neuen«. Wir haben Improvisationstalent – und wünschen uns das von den Neuen. Wir sind bereit zu lernen – und wünschen und das auch von den neu dazu Kommenden, denn das ist ein ganz besonderer Knackpunkt: das Lernen!

Learning by Doing

Ich selbst bin ich fast allem, was ich tue, Autodidakt. Außer einem guten Abitur, einem abgebrochenen Philosophie-Studium und dem Taxischein für München, der inzwischen verfallen ist, habe ich keine Ausbildungen vorzuweisen, die offiziell was hermachen. Meine Kenntnisse und Fähigkeiten habe ich mir autodidaktisch erworben, aus Neugier, oder weil ich das für meine Ziele gerade brauchte. Heute bilde ich Menschen aus in Bereichen, in denen ich selbst keine Ausbildung erfahren habe, außer eben diesem autodidaktischen »learning by doing«. Komisch. Aber irgendwie auch gut, finde ich. Das macht mein Vorgehen in vielem unkompliziert. Es kommt mir auf das Ergebnis an und auf den Aufwand, der dafür nötig ist, auf die Freude bei der Arbeit und die Wirkung für Mensch und Umwelt. Natürlich muss die Arbeit auch juristisch in Ordnung sein und leider auch manchmal bürokratischen Richtlinien entsprechen, aber, was mich betrifft, zählen vor allem das Ergebnis und die Freude, die auf dem Weg dahin entsteht.

Bildung

Mehr zu diesem Thema findet ihr im Schwerpunkt unsere Oktoberausgabe (»Bildung«). Jetzt, wegen unseres Jobangebots, das ja auch ein Ausbildungsangebot ist, nur noch eines: Eine internationale Universität hat mich voriges Jahr gebeten, zwei Ausbildungswege zu entwerfen, für die ich dann auch der Ausbilder/Lehrer bin. Entweder bei uns im Connectionhaus als Campus, oder per Fernstudium. Dort wird man dann die akademischen Grade des Bachelor (B.A.), Master (M.A.) und Doktor (Ph.D.) erwerben können, gemäß den internationalen Richtlinien der UNESCO. Die von mir angebotenen Fächer sind »Asiatische Weisheitswege« und »Medienarbeit«. Medienarbeit ist das, was ich seit 25 Jahren mache, vom Ideenfinden und der Marktrecherche bis zum fertigen Produkt. Das Besondere an unserer Ausbildung ist, dass hier nicht nur Welterkenntnis das Ziel ist (das Ideal einer bestmöglichen Objektivität), sondern auch Selbsterkenntnis (bestmögliche Subjektivität). Und im Fach der asiatischen Weisheitswege möchte ich die Essenz von Buddhismus, Zen, Advaita Vedanta und dem Sufiweg unterrichten – praktisch und theoretisch. Also auch wieder, neben dem Wissen über die Welt: Selbsterkenntnis. Wenn alles klappt, soll es im September 2011 damit losgehen.

Perspektive

Wer hier in die Gemeinschaft aufgenommen und bei uns Hausmeister oder Geschäftsführungsassistenz wird, muss im typischen Fall erstmal eine Probezeit von zwei Monaten mitmachen, in denen es hier im Haus freies Wohnen gibt, aber keine Entlohnung. Das Essen muss selbst bezahlt werden, auch später. Dann kommt die gegenseitige Entscheidung: Wollen wir miteinander? Wenn ja, gibt es normalerweise einen Lohn von 401 € (ca. 380 € netto), bei voller Sozialversicherung und weiterhin freiem Wohnen. Mit gegenseitigem Commitment für ein Jahr (menschlich, aber nicht juristisch bindend). Im zweiten Jahr erhöht sich der Lohn, ebenso im dritten. Höhere Löhne verhandelbar, allerdings sind mir da aufgrund unserer Einnahmen enge Grenzen gesetzt. Wir hier lebt und arbeitet, kann an den Ausbildungen der »Schule der Kommunikation« unentgeltlich teilnehmen, und dann auch, je nach Einzelfall, an der kommenden akademischen Ausbildung. Der wichtigste Grundkurs ist jedoch der Alltag, die Achtsamkeit im Alltag.

Autorität

Als alter Anarchist dachte ich mir einst: Am besten geht es ohne Autorität. Geht aber nicht. Es gibt immer Autorität, so wie es immer Bewertungen gibt, Atem und Sex. Wenn man sich diesen Themen und Phänomenen nicht stellt, verdrängt man sie, und dann poppen sie irgendwo anders wieder hoch, meist in verdrehter Form. Deshalb mache ich es jetzt so: Ich bin die Autorität hier im Haus und heiße andere Autoritäten willkommen, in dem Maße, wie das gut ist für unser Projekt. Eine Autorität überhaupt erst zu werden und Souveränität zu erlangen über das eigene Leben ist meist ein langer Prozess, der kaum einem in die Wiege gelegt ist. Wer zu uns kommt, kann auch das lernen: eine Autorität zu werden.

Damit ist auch das Guru-Thema erstmal aufgehoben. Insofern ich Lehrer bin, bin ich unvermeidlich Guru (das indische Wort für »Lehrer«), aber das Ziel meiner Lehre ist die Befreiung – von Konzepten, Fremdbestimmung und insofern auch von Lehrern. Unser Konzept (das der Gemeinschaft ebenso wie der Zeitschrift) ist: selbständig werden auch in spiritueller Hinsicht. Das bedeutet: die mystische, transpersonale Erfahrung. Religiös leben, geborgen im Universum, aber ohne dafür einen Vermittler zu brauchen. Du selbst bist das Zentrum deiner Welt.

Wasser verkaufen am Fluss

Kann man Weisheit unterrichten? Schon, aber … es nützt nichts. Obwohl doch Weisheit genau das ist, worauf es ankommt. Was ich deshalb versuche ist, eine Umgebung zu bieten, in der der Alltag uns lehrt – uns, die hier wohnen und arbeiten. Eine solche Umgebung bieten möchte ich auch mit unseren Medien: den Webseiten, Newslettern und Zeitschriften. Und weiß dabei doch, dass es den Lehrer eigentlich nicht braucht – der Alltag ist der Guru. Wasserverkäufer am Fluss, wozu sollen die gut sein, es kann doch jeder selbst trinken gehen!? Andererseits merken die meisten Menschen nicht, dass sie sich das Wasser selbst holen können – dazu ist dann doch wieder ein Wasserverkäufer gut. Am besten einer, der ab und zu daran erinnert, dass man auch selbst an den Fluss gehen kann, zum Trinken.

Flüchtlinge kommen zu uns

Was für Menschen sind das, die zu uns kommen? Und warum bleiben sie nicht? Viele Jahre lang dachte ich, die besonders fortschrittlichen und mutigen Menschen kommen zu uns – die Avantgarde, die eine solche Lebensweise wagt, wie ich sie da gerade beschrieben habe. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Die zu uns kommen, sind nämlich fast immer auch Flüchtlinge, das heißt Menschen, die aus Beziehungen und Arbeitsverhältnissen flüchten, die für sie unerträglich sind. Manchmal fliehen sie auch aus der Einsamkeit und kommen dann zu uns mit der Sehnsucht, hier ein soziales Nest zu finden, mit »spirituellen Menschen«, die voller Liebe sind, nichts bewerten und alles verzeihen, die also einem keinen Stress machen, denn die Welt des Rattenrennens ist es doch gerade, der wir etwas entgegen setzen wollten. Im Großen und Ganzen sind wir jedoch ganz normale Menschen mit ganz normalen Ansprüchen. Wir bewerten jedenfalls auch und manchmal »manchen wir Stress«, am ehesten dann, wenn wir unsere Ansprüche nicht erfüllt sehen. Und wir wissen ja, dass in der Regel Flüchtlinge zu uns kommen, die den Grund, warum es dort, wo sie waren, nicht geklappt hat, noch in sich tragen. Dieser Grund muss verstanden, überwunden und geheilt werden, sonst werden dieselben Probleme auch das Leben auch an dem neuen Platz sehr schwierig machen.

Connection als Trafo

Wenn die Heilung bei uns stattfindet, wird aus dem Arbeits- und Wohnverhältnis eine längere und gute Beziehung. Einige finden hier einen neuen Partner. Manche hier ihre Berufung oder den Sinn im Leben, der sie von da an bestimmt. Dann ziehen sie aus mit dem neuen Partner, oder sie realisieren ihre »Existenzgründung« an einem dafür geeigneten Platz. Im Connectionhaus sind viele langfristige Beziehungen entstanden, Berufungen gefunden worden, auch Kinder gezeugt worden und Familien entstanden. Trotzdem ist dieser Platz eine Art Trafo geblieben: für die meisten, die hier wohnen eine Durchgangsstation, keine Bleibe. Die langfristigsten Beziehungen zu diesem Platz, diesem Verlag und seinen Machern bestehen vor allem mit den Menschen, die nicht hier wohnen, sondern von ihrem Standort aus sich mit uns wie connecten. Das sind die Standhalter. Für die Flüchtlinge muss Connection als Trafo stark genug sein, damit es zu einer dauerhaften Beziehung kommt, sonst bleiben die Flüchtlinge Flüchtlinge.

Über dem Haus ebenso wie über dem Verlag hängt als eine Art unsichtbares Logo das Motto »Erkenne dich selbst«. Wer sich das zu eigen gemacht hat, dem geht es hier gut. Wer nicht, hat Schwierigkeiten.

Tantrische Lebensweise?

Manche kommen zu uns, weil sie unsere Tantra-Hefte gelesen haben. Dieser Blick auf das Themenfeld Liebe und Beziehung führt zu den verschiedensten Spekulationen über die Lebensweise im Connectionhaus. Das hat schon manchen davon abgehalten, herzukommen oder seinem Freund/seiner Freundin zu erlauben, eine (Praktikums-)Zeit mit uns zu verbringen. Wir leben hier jedoch im Großen und Ganzen »ganz normal«: als Paare oder Singles, mehrheitlich hetero, aber auch homo, bi oder undefiniert. Singles sind hier statistisch häufiger. Von den Paarigen haben manche einen festen Partner, der aber nicht hier ist, manchen kommen mit Partner, und manche finden hier einen. Auch die polyamore Lebensweise hat bei uns eine gute Basis, ist aber nicht dominant, und schon gar nicht gibt es eine Vorschrift dahin gehend oder sozialen Druck. Wir sind nicht nur weltanschaulich sehr heterogen, sondern auch, was die Beziehungsformen anbelangt.

Alltag

Was bleibt dann überhaupt noch an Gemeinsamkeit? Gute Frage. Ich meine, dazu gehört eine gute Portion Humor im Umgang mit sich selbst. Das tiefe, ernsthafte Interesse, sich selbst zu erforschen und zu verstehen. Die Bereitschaft zu kommunizieren – mit uns in der Gruppe, aber auch nach draußen, was dann zur publizistischen Tätigkeit führt.

Neulich sagte ich in einem unserer Meetings, unsere Ansprüche karikierend: Wir suchen Vollakademiker mit mindestens ein paar Erleuchtungserfahrungen, und was die beruflichen Kompetenzen anbelangt, wie gesagt die eierlegende Wollmilchsau. Andererseits sind wir mit einfachen Menschen, die ein gewisses Maß an Selbstverständnis und Sozialkompetenz mitbringen, schon zufrieden. Die sprechen können, wenn es irgendwo brennt (innen oder außen). Die ein Baby schaukeln können (unser Valentin ist gerade vier Wochen alt) und den Müll runtertragen, wenn der Eimer voll ist. Die nicht zu sehr die Schuld nur bei den anderen suchen, wenn etwas nicht klappt. Ich denke, dass das Connectionhaus ein gutes Trainingsfeld ist für das ganz normale, richtige, echte Leben. Dass dabei auch Erleuchtungserfahrungen passieren, gut, kann passieren. Wie in einer ganz normalen Mysterienschule eben. Aber davon wird nicht viel Aufhebens gemacht, das kommt beim Abwasch, Rasenmähen oder E-Mails erledigen, eine große Story machen wir daraus nicht.

Noch jemand interessiert? Dann schreib mir bitte eine E-Mail. Andernfalls habe ich vielleicht dazu beigetragen, dass du dir ein paar Gedanken machen konntest, wie dein eigenes Menschenbild aussieht. Für wen hältst du dich eigentlich? Mit wem willst du zusammenleben und arbeiten? Wichtige Fragen, finde ich. Auch wenn man gerade mal keine Mitarbeiter sucht oder eine Gemeinschaft gründen will.

Mit herzlichem Gruß

Wolf Schneider, Hrsg. von connection

  • Webtagebuch: www.schreibkunst.com
  • Persönliche Rückmeldungen an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • Verlagsrundbrief abonnieren
  • Kommentieren ↓

Veranstaltungshinweise

  • Schatz, wie hättest du's denn gern?
    Kommunikation in der Erotik – ein Tagesworkshop in Luzern

    21.08.2010–21.08.2010, 10.00–18.00 Uhr. Mehr: Kommunikation in der Erotik – Tagesworkshop

  • Herbstfest 2010

    10.–12. September. Mit Live-Musik, Biodanza, Esoterik-Kabarett und weiteren Highlights, darunter ein Konzert mit dem Sarod- und Tabla-Spieler Robert Thalmeier.

  • So ein Theater!
    Enneagramm-Workshop

    29.–31. Oktober. Mehr: So ein Theater!

Und hier eine Neuigkeit aus unserem Vertrieb

Abo-Illustration

Unsere Tantra- und Schamanismus-Sonderhefte gab es bisher nur einzeln und als Zwei- oder Drei-Jahres-Abos (für 30 und 42 € im Inland). Ab jetzt gibt es sie auch als Jahres-Abos: für 16 € – und trotzdem gibt es bei Neu-Abonnenten ein Special gratis dazu. Und wer das Abo mal vergessen hat zu kündigen: Ab dem ersten Jahr kann man es jederzeit kündigen und erhält den nicht genutzten Betrag zurück.

Für die Abonnenten im europäischen Ausland kosten die Abos unserer Sonderhefte: 18 € für ein Jahr, 33 € für zwei Jahre, 46 € für drei Jahre. Natürlich auch hier mit Prämie.

Jahresabo Tantra special · Jahresabo Schamanismus extra

Gib deine Bestellung direkt in unserem Shop ein oder an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, oder Tel. 08639–9834–14

Verlagsrundbrief abonnieren

Diesen Verlagsrundbrief kannst Du als E-Mail-Newsletter abonnieren. Es gibt noch zwei weitere Newsletter: Tantra und Schamanismus. Alle sind kostenlos. Der Verlagsrundbrief erscheint etwa monatlich.

{jcomments on}
   
© Connection AG 2015