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Reiseberichte

Vom Friseur zum Entwicklungshelfer Teil 3

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Entwicklungshilfe in Nicaragua
Eine Impression von meinem Lieblingsmarkt:
Der Vulkan Mombacho im Hintergrund

Sex, Geschenke und offene Herzen

Vom Friseur zum Heilpraktiker für Psychotherapie bis zum Entwicklungshelfer in einem der ärmsten Länder der Erde, dem mittelamerikanischen Staat Nicaragua: Oliver Unger ist einen ungewöhnlichen Weg gegangen und berichtet für connection in regelmäßigen Abständen von seinen Erfahrungen in einer Einrichtung in Nacaragua, in der es um die Betreuung von Kindern geht, die auf der Straße leben, teilweise kriminell sind und auch Drogen nehmen. Er ist dort vom dem »Projekt Mosaik« hingeschickt worden, einem gemeinnützigen Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, internationale Freiwillige in viele verschiedene Organisationen und Projekte in Mittelamerika (Guatemala, Nicaragua, El Salvador) zu vermitteln. Teil 3

Der Schalter von linker auf rechte Hirnhälfte

In Gedanken bzw. mit dem Verstand seine Leistungsorientierung zurückzunehmen, sich selbst zu bremsen und sich zu Auszeiten zu zwingen ist das Eine. Das Andere ist die Heilung auf einer ganz tiefen Ebene. Diese findet für mich hier statt, glaube ich. Hier wird nämlich vollkommen anders gearbeitet als in Deutschland. Alles geht viel langasamer. Und trotzdem kommt was dabei raus. Es gibt kaum Organisation. Die Menschen hier können die Uhr lesen und halten auch die Zeiten ein -- gut. Aber keineswegs wird hektisch oder stressig dabei vorgegangen. Das fordert mich sehr und lädt mich total ein, meine rechte Hirnhälfte, die der Intuition einzuschalten. Und sobald ich das mache, indem ich mich auf die reche Hälfte meines Kopfes konzentriere, verstehe ich die Sprache sofort besser. Das ist sehr spannend.

Ich hatte in Bezug auf Sprache-Verstehen heute einen Moment, wo ich sozusagen "aufgegeben" habe. Es ging nichts mehr: Konzentration futsch, Sprache futsch, Präsenz futsch, Rapport mit dem Klienten futsch. Und da habe ich mir gesagt: Okay, lass dich einfach gehen. Und zack! Alles war plötzlich wieder da! Und es fühlte sich ganz anders an als vorher: weniger unter Kontrolle, etwas weicher, aber ich hatte auch Angst. Was wenn dieser Zustand nicht anhält? Und schwupps! Weg war er wieder. Und ich dachte: Ach so funktioniert das Gehirn. Schalte von links (Verstand, Ratio, Logik) auf rechts (Intuition) durch Loslassen, aber sobald du zweifelst schaltet es automatisch wieder um. Klare Ansage. Das ist also auch Teil der Übung hier!

Reiki

Ich praktiziere ja seit fast zwölf Jahren Reiki. Den zweiten Grad habe ich vor fast elf Jahren gemacht und das zweite Symbol, das für genau diesen Schalter, den ich oben beschrieben habe, eingesetzt wird, erfolgreich ignoriert, bis ich anfing Reiki vor etwa vier Jahren zu lehren. Aber die richtige Wende kam erst im Dezember 2009. Seit diesem Zeitpunkt, also nunmehr ein halbes Jahr, benutze ich das zweite Symbol jeden Tag mehrfach und freue mich über die wunderbaren Erlebnisse und Selbstheilungsfunktionen, die es mir beschert. Also: Alle, die den zweiten Grad nicht haben oder nicht benutzen: 'Ran an den Speck!

Nur so nebenbei sind alle im Zentrum "Jesus Amigo" mit Grippe infiziert. Und alle Deutschen, die z.B. durch das Projekt Mosaik hierherkommen, haben erstmal kräftig Durchfall. Ich esse im Übrigen das Amöben- und Bakterien-infizierte Essen, das auf der Straße verkauft wird, fast nichts kostet und gut schmeckt und bin gegen nichts geimpft. (Anmerkung an meinen Mann und Doris: Diesen Absatz für meine Mutter und Frau Stöter, meine Lieblingsärztin, bitte streichen, damit ich nach meiner Heimkehr friedliche Gespräche habe!) Dank Reiki habe und hatte ich bisher nichts! (trotzdem: Nachahmung auf eigene Verantwortung)

Sexual-Horror

Dass die Kinder und Jugendlichen hier sexuell auf verschiedene Weise missbraucht werden ist kein Geheimnis für mich gewesen. Mütter verkaufen ihre Töchter für ein paar Dollar an ausländische Männer- von Inzestfällen ganz zu schweigen. Das folgende Beispiel hat mich sehr berührt. Ich glaube das hängt damit zusammen, dass es eine Person ist, die mir am Herzen liegt und weil es um homosexuelle "Missbrauchssituationen" geht:

Jonathán ist der Protagonist der Geschichte. Er ist 20 Jahre alt. Er ist ein richtig süßer Junge und ganz naiv, was ich sehr sympathisch finde. Manchmal guckt er wie ein Äffchen drein, manchmal wie Enrique Iglesias. Leider spricht er sehr schlecht und ist geistig glaube ich auch weit zurück geblieben. Mir kommt er vor, als wäre er 5 oder so. In diesen Momenten, wo ich das denke, hält er mir zum Beispiel eine Mango entgegen und sagt: "Mango - lecker, ja?" Oder "Herr Lehrer, deutsche Mädchen schön, ja?" Oder er sieht mich irgendwas machen und fragt: "Schon fertig?" obwohl ich mittendrin bin.

Aber sein geistiger Stand scheint seine Freier nicht zu stören. Vielleicht machen gerade diese Eigenschaften ihn so interessant. Er hat mehrere Freier, im Moment zwei. Es sind Ausländer und sie zahlen ihm umgerechnet 7 Dollar pro "Nummer". Das sind hier schon ganz ansehnliche Summen. Für die Freier ist das Nichts. Außerdem spielt er in Pornofilmen mit, die man sich dann im Internet herunterladen kann. Ich habe wirklich kein Problem mit Prostitution aber ich frage mich: Wo sind da die Grenzen? Wenn jemand ganz offensichtlich nicht seines Alters gemäß entwickelt ist, darf man als "Kunde" bzw. Regisseur dann auf solch ein Geschäft einsteigen? Abgesehen davon ist Verkehr unter Männern in Nicaragua gänzlich verboten. Findet an dieser Stelle noch ein Austausch von "Nutzen" statt? Mit diesen Zeilen möchte ich einfach nur wachrütteln. Sexualität ist schön und wichtig. Auch Prostitution soll ihren Platz bekommen für alle diejenigen, die das in Anspruch nehmen möchten. Ich lerne grade auf tiefer Ebene, dass es unerlässlich ist, dass man sich für Sex "Seinesgleichen" sucht, was die Intelligenz, den Weitblick, die Verantwortung und die Reife betrifft. Sonst ist es, obwohl es vielleicht scheinbar abgesprochen bzw. ein Geschäft ist, Missbrauch, oder?

Wenn zwei Menschen ein Geschäft/Abkommen miteinander eingehen, trägt derjenige, der weiter sehen kann, als der andere, die Verantwortung für den Weniger-Sehenden mit. Die Sitzung, in der Jonathán seine Geschichte erzählt hat, hat mich erschreckt und berührt. Seine Seele ist so weich, kindlich und verletzt. Wenn ich "in ihn hineinfühle", spüre ich nur Herzschmerz als Resonanz. Aber er möchte nichts an der Situation verändern, weil das Geld für ihn so viel wert ist. Davon kann man hier als Straßen-Jugendlicher schließlich ein paar Tage leben.

Geben aus offenem Herzen

Wie mächtig Geld macht, bemerke ich jeden Tag daran, was mit mir passiert, wenn ich durch die Straßen zur Arbeit gehe und mir dort jemand eine Hand entgegenstreckt mit der Bitte um einen Cordoba (das sind 5 Cent). Als erstes entscheide ich immer wieder neu: Ist mein Herz grade offen für eine Gabe? Ihr müsst wissen, ich gebe grundsätzlich nur aus offenem Herzen. Ist mein Herz nicht offen, gebe ich nicht. Es kann sein, dass ich grade in Gedanken bin- dann ist mein Herz meist verschlossen. Oder es kann sein, dass ich frustriert bin. Auch dann ist es verschlossen. Aus diesem Zustand heraus zu geben erschafft genau diese missbräuchlichen Situationen mit Geld (und Macht), denen wir ständig ausgesetzt sind. Das ist der Grund, warum ich dann lieber vorbei gehe und mich scheinbar wie ein arrogantes Arschloch verhalte. Ich spüre dann aber auch, was in mir passiert, wenn ich das Geben verweigere. Und genau dieses Folgende möchte ich nicht mit anderen teilen. Es kommen nämlich Machtgedanken, wenn das Herz verschlossen ist, wie z.B. "Ich habe mehr Geld als die Person 'da unten'." Oder "Der soll doch arbeiten gehen." Hinzu kommen das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle: "5 Cent ist doch nichts, gib es doch! Wie kannst du nur so grausam sein?" All das bietet keinen guten Nährboden für das Geben. Nur das offene Herz erschafft eine Grundlage für gutes, ehrliches Geben. Mit offenem Herzen ist Geben = Teilen. Und dann verdoppelt sich das was man gegeben hat, damit für beide genug da ist.

Entwicklungshelfer in Nacaragua
Ein Unwetter mit schönen Farbkontrasten

Acht kleine Geschenke

1) Heute hat mir Jonathán eine blaue Perle geschenkt, die er bei der Gartenpflege gefunden hat.
2) Ich habe innerhalb von ein paar Metern auf der Straße ganz viele Münzen gefunden, sie ergaben insgesamt fast einen Córdoba (5 Cent).
3) Ich kann diese Münzen im Supermarkt "Palí" ohne weiteres benutzen und damit bezahlen.
4) Ich konnte mit Rodolfo heute eine kleine Trauma-Lösungs-Übung machen. Ihr erinnert Euch, er hat in der Gruppe riesige Widerstände und verschließt sich sowohl innerlich als auch äußerlich mit seinen Gesten. Aber heute kurz vor Feierabend habe ich ihn auf Du und Du angequatscht und ihm die Übung gezeigt. Zur Nachahmung sehr empfohlen:
Leicht den Solarplexus "massieren". Die frei werdende Energie durch sanfte, kaum sichtbare Bewegungen des ganzen Körpers (Rumpf, Wirbelsäule, Arme, Beine und Kopf) im Körper verteilen.
Das war toll dass er mir so vertraut. Außerdem hat er mir ein Buch geliehen, das, glaube ich, ganz toll ist. Mal sehen. Ich werde die Tage reinschauen.
5) Ich habe heute beim Freiwilligen-Treffen und gemeinsamen Limonadetrinken nicht nur nette andere Freiwillige kennengelernt, sondern auch mein Lieblings-"Monster" Erick bei seiner "Straßenarbeit" gesehen. Das war schön und scheiße. Scheiße war, dass er vollkommen zugeknallt oder betrunken war. Schön war: Er hat mich erkannt und mich im Nicaragua-Street-Style begrüßt (Handschlag und danach Fäuste aneinander schlagen). Das will was heißen! Und er verkauft selbstgebastelte "Tierchen" aus Palmblättern, was ich total toll finde.
6) Mein Eis: Jeden Tag das gleiche, aber immer wieder lecker: Eine Kugel Caramel und eine Kugel 'Tschocklaaade' (Schokolade).
7) Viele tolle Geburtstagsgrüße und andere mitfühlende eMails aus Deutschland. Da habe ich ein bisschen vor Rührung geweint.
8) Nach meiner gestrigen Straßen-Spanisch-Stunde hatte ich heute tatsächlich das Gefühl, ich verstehe die Jugendlichen besser.
Acht tolle Erlebnisse! Und das an nur einem Tag! Wow!

Zusammenbruch der Betreuer?

Die Betreuer im Zentrum sind in den letzten Tage sehr überfordert. Yahaira verzweifelt an den mangelnden Fortschritten und an der mangelnden Lust der Jugendlichen auf Therapie (was auch ich zu spüren bekomme). Sie hat seit drei Tagen Kopfschmerzen. Filadelfo erzählte mir, dass er auch sehr unmotiviert sei, weil die Lernfortschritte ausblieben und die Motivation der Jugendlichen, für ein besseres Leben zu kämpfen, sehr schlecht sei. Ihm brummte auch den ganzen Tag der Schädel. Das habe ich heute morgen schon bemerkt, als er eintraf. Da hatte ich sofort auch ein Brummen im Kopf und ich habe mich den ganzen Tag gefragt, wo es her kam. Als er heute so offen zu mir war, wurde es endlich klar.

Filadelfo erzählte weiter, dass der Betreuer William aus Überforderung bereits schwer krank geworden sei - irgendwas mit den Drüsen - hab es nicht genau verstanden. Sehr deutlich zu spüren ist, dass das Team auch dringend Hilfe braucht. Ich muss das mal sacken lassen, ob ich ihnen das anbieten möchte. Aber klar ist auch: Wenn das Team zusammenbricht, brechen auch die Jugendlichen zusammen. Der große Fehler, den die Betreuer machen ist, das schrieb ich bereits, dass sie die Jugendlichen "erziehen" wollen. Sie wollen sie formen. Das ist schön und gut, aber das machen die Kids eben nicht mit. Die sind auf Überleben gepolt. Ganz klare Kiste. Und es ist auch gut so. Jeder Versuch, aus ihnen "bessere", "angepasstere" Menschen zu machen, erinnert sie sofort an die Demütigungen, die sie zu Hause ertragen mussten und verstärkt meines Erachtens sowohl die Widerstände als auch das Suchtpotenzial. Ebenso vermittelt es ihnen den Eindruck, dass ihre bisherige Überlebensstrategie falsch war. Und offensichtlich war sie es ja nicht, denn sie leben ja noch. "Vorleben", Struktur vorgeben und Loslassen scheint mir die geschicktere Variante zu sein, aber ob das so einfach geht ... ? Ich muss das mal sacken lassen und sehen, wie man da weiter vorgehen kann. Ich habe ja noch 10 Wochen Zeit.

Psychotherapie auf der Straße

Ich kann mir vorstellen, mich am Wochenende in die Höhle des Löwen zu begeben und die Jungs und Mädels auf der Straße aufzusuchen, um mit ihnen "von hinten durch die Brust ins Auge"-Therapie zu machen. Dann ist es informell und nicht "so eine doofe Lehrstunde". Ich hoffe, sie machen dann nicht so zu. Wenn ich mir vorstelle, ich sei einer von ihnen und da kommt so ein ulkig aussehender alter Mann, der aber erst 33 ist, aus einem Land stammt, das kein Schwein kennt und der noch nicht mal meinen Slang kann und der mir dann auch noch erzählen will, dass ich ein Trauma habe (was ist das eigentlich?), dem würde ich auch innerlich erstmal den Vogel zeigen. Außerdem mag der kein Fussball, obwohl er "Alemán" ist. Und dann erzählt er auch noch, dass er es liebt, die Reaktionen des Nervensystems zu beobachten. Was für ein Quatsch! Selbst unsere Klienten im Ridaya denken manchmal, dass wir einen an der Pfanne haben, obwohl wir dort ja schon mit unseren Klienten die gleiche Sprache sprechen und ähnliche Ziele haben. Ich stelle mir also vor, dass es einfacher ist, mich in die jugendliche Straßen-Welt zu begeben und dann meine Welt behutsam mit einzubringen.

Trauma-Lösung im Garten

Lass dir gesagt sein: Wer einen Garten (oder ein Haustier) hat, braucht weniger Therapie. Wir haben heute den Garten aufgeräumt, weil morgen fünfjähriges Bestehen des Zentrums gefeiert wird. Gestern haben die Jungs und Mädels mit der Machete das Unkraut abgehackt und heute haben wir es mit Schaufeln, Rechen und Besen auf den Misthaufen transortiert. Ich muss etwas ausholen: Ich bin frueher als Junge und Jugendlicher von den anderen Heranwachsenden in meinem Dorf immer ziemlich gehänselt worden. Auf die Gründe möchte ich hier zum Schutze meiner Seele nicht genauer eingehen. Is' nix Schlimmes. Ich glaube, manche Menschen, so wie z.B. ich, sind einfach dazu bestimmt, Buh-Mann für andere zu sein. Robbie Williams im Übrigen auch- das hat mich sehr getröstet. Die Heilung aus einer solchen Misere ist im Übrigen ein Geschäft draus zu machen und entweder ein Mythos oder ein Popstar zu werden. Ersteres ist mein Plan ;-)

Jedenfalls habe ich von diesen Misshandlungen ziemliche Verletzungen in meiner Seele davongetragen, Angstzustände bekommen und mich daraufhin selbst lange Zeit sehr gehasst. Ich habe oft vermieden, dieses Thema in meinen Therapiestunden anzusprechen, weil es bis heute immer noch manchmal zu schmerzhaft ist. Und plötzlich stand ich da im Garten mit meiner vollgeladenen Mistgabel in der Hand und erschrak. Das ist kein Witz! Da fiel mir nämlich auf einmal auf, dass ich mich grade mitten in einem riesigen Haufen von potenziell gefährlichen und teilweise gewalttätigen Jugendlichen befinde. Ich hab echt einen Moment gebraucht, um aus dem alten Film auszusteigen. Und plötzlich machte es in mir "piff" und ich bemerkte: Vorbei! Es ist vorbei! Ich habe es überlebt und bin heute in einer anderen Position. Das war sehr sehr erleichternd.

Es mag komisch klingen, aber ich hatte vor diesem Schreck-Moment heute nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, dass die Jugendlichen hier mein altes Trauma triggern könnten, gechweige denn, dass es sich wiederholen könnte. Aber scheinbar werden wir im Sinne unserer Heilung auf ganz praktische Weise "geführt". (Das wusste ich zuvor natürlich auch schon, aber so deutlich waren die Zeichen bisher noch nicht!) Ich stelle mir das so vor: Da spricht dann einer mit seinem Mikro in dein Unterbewusstes: "So, lieber Oliver, interessier dich doch bitte jetzt mal eben schnell für Jugendliche in Nicaragua. Da wolltest du doch schon immer mal hin, oder etwa nicht?" (suggerier, suggerier ...) "Und dann besorge ich dir da einen Job, lasse dein Herz ein bisschen höher schlagen, damit du auch überzeugt genug bist." Und schon ist man drauf "reingefallen" und macht dann so komische Sachen, wie drei Monate Haus und Hof verlassen, um sein Trauma zu lösen, ohne dass man es bemerkt.

Gott und Francisco

Francisco (16) fand das mit den Reiki-Handpositionen sehr spannend, auch wenn er bei der Vorführung Witze gemacht hat. Er kam danach zu mir und bat mich, ihn zu heilen. Das war der Hammer! Und ich habe meine Hände an seine Fesseln gelegt, während er saß und seine Beine auf einem anderen Stuhl hochgelegt hat. Ich bin mit ihm in Resonanz gegangen und habe ihn angeleitet, mit ein paar sanften regenerierenden Körperbewegungen (Gelenke, Kiefer, Kopf, Finger und Füße) seinen Energiefluss zu verbessern. Das hat er alles mitgemacht ohne sich lustig zu machen. Als ich ihn fragte, ob und wie er den Energiefluss in seinem Körper wahrnehme, antwortete er "als Wärme". Ich hatte einen Schauer nach dem anderen. Präziser kann man es ja kaum ausdrücken! Ich habe ihm erklärt, was ich da mache und er fragte mich, wo man das lernen kann. Ich kam leider nicht auf die Idee, ihm zu sagen, dass ich es ihm beibringen könne. Das werde ich nachholen. Die Sitzung dauerte 15 Minuten. Danach wollte ich eigentlich nur pinkeln gehen, aber ich begann auf der Toilette so derart vor Rührung zu weinen, dass ich weitere 15 Minuten nicht aufhören konnte und auf der Toilette eingeschlossen verblieb.

Gott und Zenia

Zenia (29) hat es wirklich nicht leicht. Ihre Familie interessiert sich einen Sch ...-Dreck für sie, obwohl sie noch bei ihrer Mutter und ihren Geschwistern wohnt. Zenia hat in einer Therapie-Stunde ihre Familie auf ein Blatt Papier gezeichnet. Da sahen alle Figuren gleich aus und hatten alle leere Kreise als Augen und dreieckige Skelett-Nasen. Zenias Mutter ist zwar total niedlich, so wie Zenia selbst, aber vollkommen überfordert und daher "nicht zuhause", falls Du verstehst, was ich meine. Wenn Zenia daheim im Wohnzimmer Drogen nimmt, beachtet das niemand bzw.es wird nichts dazu gesagt. Zenia ist wohl gestern vom Fahrrad gefallen und hat sich die Lippe aufgeschlagen. Auch ein Zahn ist wohl beeinträchtigt und wackelt jetzt. Sie hatte tierische Schmerzen und lag den ganzen Tag nur irgendwo in einer Ecke rum. Ich habe ihr angeboten, ihr eine Behandlung mit Berührung zu geben und sie hat es erlaubt. Das war schön und berührend für mich, weil Zenia sehr rauh und in der Trauma-Runde sehr unsicher und abweisend ist. (Sonst ist sie offen mit mir). Man muss die Jugendlichen nicht mit Therapie verdrehen. Sie brauchen genau wie wir alle nur Zuwendung und Liebe. Ich konnte ganz viel Liebe mit Zenia teilen. Ich habe sanft ihren Kiefer berührt und ihren Kopf. Danach sah sie irgendwie anders aus, ein bisschen wie ein "Baby".

Gott und Carla

Gott ist in jedem Lebenwesen ein bisschen vorhanden, und zwar so viel, wie wir ihn zulassen können und wollen. Auch in Carla. Ich hatte ein bisschen Angst vor der Begegnung mit Carla, weil so ein Aufhebens um ihre Aggressionen gemacht wurde und wird. Als ich heute morgen im Büro saß und etwas für das morgige Fest bastelte, hat Filadelfo sogar die Tür von außen abgeschlossen (also mich eingeschlossen) mit den Worten: "Ich schließe besser ab. Es sind heute sehr schwierige Jugendliche da." (Man kann als Insasse von Innen die Tür durch einen Knopfdruck wieder öffnen, aber von außen ist sie versperrt). Da sieht man, was in deren Köpfen so abgeht. Draußen hörte ich Carla die ganze Zeit rumpöbeln. Das war so wie Markt-Schreien oder Asi-Sprache. Schwer zu beschreiben. Die Stimmen der Menschen hier sind unglaublich laut und kräftig, teilweise ganz rauh. Sie klingen irgendwie heiser. Die Jugendlichen sprechen außerdem in einem sehr abrupten Sprach-Rhythmus, vollenden die Sätze nicht, schmeißen nur mit einzelnen Worten um sich. Das macht das ganze noch "härter".

Während ich so bastelte und lauschte, was draußen geschah, habe ich mir den Luxus gegönnt, schon mal so ein bisschen "reinzufühlen", wie sie so drauf ist. Das war gut, denn ich spürte keine Tendenzen zur Aggression, sondern mehr zum Ausdruck von Emotion allgemein. Das hat mich etwas beruhigt. Irgendwann verließ ich das Büro nach getaner Arbeit. Carla sah mich und rief nur: "Wer ist dieser Gringo da?" (Gringo ist eigentlich ein Schimpfwort und bedeutet "Arschloch-Amerikaner", aber im Straßen-Slang ist es eine normale Bezeichnung für einen Hellhäutigen) Ich habe mich daraufhin bei ihr vorgestellt und ihr gesagt, dass sie eine berühmte Persönlichkeit sei. Sie sei in aller Munde und schließlich sähe man sie ja sogar auf Flyern vom Zentrum und so weiter. Von hinten durch die Brust ins Auge hatte ich mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie strahlte mich stolz an und das Eis war gebrochen.

Bei der Gartenarbeit hat sie sehr fleißig und unglaublich hartnäckig mitgeholfen. Das habe ich ausdrücklich gelobt. Dann hat sie mir stolz ihre Muskeln gezeigt. Sie sagte, sie habe jetzt schon 50 Schubkarren Gartenabfälle weggebracht und erzählte mir dann von ihrer Tochter. Nach der Mittagspause hat sie Musik angemacht und ganz laut mitgegrölt. Das war aus musikalischen Aspekten wirklich ohrenbetäubend und grausam. Aber ich spürte, um was es ihr ging. Ich habe daraufhin einfach auch laut mitgesungen. Und irgendwann haben wir zusammen gesungen, so als würden wir ein Duett auf der Bühne zum Besten geben. Das war wunderbar (auch wenn es sich bestimmt total schlimm angehört hat). Sie sagte, sie könne Gitarre spielen und würde es mir gerne zeigen. Carla zeigte mir daraufhin ein Foto von einem Freund, der kürzlich gestorben ist und sagte, sie sei darüber sehr traurig. Sie legte ihre Hand auf ihr Herz, so wie ich es in der Trauma-Gruppe gezeigt hatte. Sie schaute mich mit einem Blick an, der sagte: "Schau, mein Herz tut weh und ich lege die Hand darauf so wie du es mir gezeigt hast."

Ich war so gerührt von ihrer Offenheit. Schade, dass Ihr nicht dabei wart. Das sind wirklich einmalige Erlebnisse. Carla hielt daraufhin das Foto in der Hand. Sie hielt es so liebevoll, wie eine Mutter ihr Baby hält oder ein kleines Kind seine Lieblings-Puppe. Währenddessen hat sie für ihren Freund noch einmal das gleiche Lied gesungen, das wir zusammen gesungen haben ud sie hatte Tränen in den Augen. Ich bin so bewegt, während ich dies schreibe. Dieses Bild wird glaube ich für immer in meinem Herzen bleiben: Diese rauhe, vom Leben gezeichnete Frau, die mit so viel Verbundenheit auf das Foto schaut und singt: "Du hast mich gesehen. Du hast mich geliebt. Ich liebe dich mehr als mein Leben." Dann hat sie sich gesetzt, weitergesungen und ich habe sie währenddessen eine Weile einfach nur in meinen Armen gehalten. Was Carla mit ihrem Verhalten auslebt sind keine Aggressionen. Das sind die Folgen eines verletzten Herzens.

Gott und die Menschen, die wir "schwierig" finden

Menschen, die wir schwierig finden zeigen uns, an welchen Punkten wir noch nicht lieben können. So einfach ist das. Und so schmerzhaft für uns selbst. Damit kann man auf zweierlei Weisen umgehen: Du kannst diese Menschen verurteilen/oder dich selbst verurteilen, weil du nicht schaffst, mit ihnen umzugehen. Das hilft nicht! Dann spürst du zwar deinen Schmerz nicht mehr, aber du bleibst stecken. Oder du kannst einfach zu dir selbst sagen: An dieser oder jener Stelle bin ich noch nicht bereit, zu lieben, aber ich bin offen es zu lernen. Das hilft und bringt Bewegung in die Sache. Mehr dazu in meinem Buch "Endlich ehrlich zu mir selbst". (Windpferd-Verlag) Die Jugendlichen in dem Zentrum zeigen uns Betreuern genau, wo wir derartige Blockaden haben. Nur mal angenommen, es seien nicht sie, die verkorkst sind, sondern wir Betreuer. Was wäre dann anders? Woran müssten wir arbeiten? Die Jugendlichen bieten uns an, dass wir durch sie lernen, wie Liebe geht. Ich komme auf diese Idee, weil sie trotz ihrer schlimmen Erlebisse und Geschichten trotzdem noch leben. Also fließt ganz viel von Gottes Liebe durch sie hindurch. Anders kann es nicht sein.

Es ist an uns, dieses Angebot wahrzunehmen oder weiter zu "verurteilen", "umzuformen" oder zu "erziehen". Es wird mir außerdem immer klarer, dass Therapeuten, die sich selbst nicht "bewegen", auch niemand anderes "bewegen" können. Die Bewusstseins-Arbeit und die Liebe beginnt in uns selbst. Dafür braucht man kein Studium. Nur Offenheit und Mut! Ein wichtiger Gedanke des heutigen Tages: Wenn wir das Elend des Anderen nicht mit Liebe und Wachheit annehmen und dessen Schicksal nicht anerkennen können, hat das ausschließlich mit uns selbst und unseren eigenen Blockaden zu tun. Dann braucht nicht der andere Hilfe, sondern wir. Nehmen wir solche Hilfe für uns in diesem Moment nicht in Anspruch, können wir dem anderen aus seinem Elend auch nicht hinausbegleiten.

Perfektionismus

Heute bin ich nach der Arbeit wie ein Zombie nach Hause ... gegangen? ... gekrochen? Wir hatten heute im Zentrum eine kleine Feier. Fünfjähriges Bestehen. Dazu haben wir heute morgen um 7 Uhr begonnen zu dekorieren. Ich glaube, was mich zunächst fertig gemacht hat, war Yahairas Perfektionismus bzw. das, was er in mir ausgelöst hat. Ständig wollte sie noch dies und jenes anders haben und hier noch ein Schleifchen und da noch ein Bändchen ... Und der Wind hat dann immer wieder alles durcheinander gebracht und ich dachte die ganze Zeit: "Schätzelein, diese Feier dauert drei Stunden, wenn es hoch kommt, die Gäste werden die Jugendlichen mit ihren Eltern sein und danach wird eh wieder alles abgerissen. Scheiß doch was drauf."

Nur so nebenbei: Kauft Euch nie nigaraguanische Luftballons. Die muss man nur schief angucken, dann platzen die schon. Yahaira wollte von diesen Mist-Dingern an jedem Fenster drei. Und an der Eingangstür draußen solltes es unbedingt vier sein. Ich dachte: "Auch das ist doch vergebliche Liebesmüh- ein Windstoß und es platzen wieder etliche, dann hängt sowieso wieder an jedem Fenster eine andere Zahl." Das war schwierig für mich auszuhalten. Aber ich stelle mich hier in den Dienst des Zentrums und habe deswegen die Klappe gehalten. Leider kamen viel weniger Gäste als wir geplant hatten. Ich hatte das im Urin, als wir die Besprechung hatten. Die Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums ist sehr unkoordiniert und von der PR des Ridaya weiß ich, dass man sehr stringent vorgehen muss, wenn man viele Gäste haben möchte. Es kamen statt geplanter 60 nur 25. Immerhin. Irgendwie reichte das auch, weil davon 18 Jugendliche waren, die das ganze Zentrum mit viel Leben gefüllt haben. Alle Betreuer haben eine kurze Ansprache gehalten und spannend fand ich, dass die Jugendlichen am ruhigsten waren, als ich gesprochen habe. Hat das ganze Kommunikationstraining doch was gebracht!

Motivation und Entmotivation

Ein paar von den Lesern dieses Textes kennen mich und wissen, dass ich ein sehr sensibles Pflänzchen bin. Ein bisschen "Schwingung" auf einem Terrain von einem Hektar und schon hab' ich das an der Backe (bzw. in der Resonanz). Stellt Euch also vor: Ich befinde mich in einem Schwingungsfeld von unterdrückter Wut und unterdrücktem Perfektionismus der Betreuer, einem Feld, in dem viel Gewalt passiert ist (von den Jugendlichen) und in einem Feld von Sucht. Und zusätzlich noch in einem Feld von Kirche (die Einrichtung ist ja kirchlich). Entsprechend ist da eine ganze Menge los im Energiefeld des Zenrums und die Sensationen, die in meinem Körper aus der Resonanz heraus entstehen machen mich manchmal echt alle.

Die herzergreifende Erlebnisse der letzten Tage, vor allem die von gestern halten mich aber über Wasser. Ich bin weiterhin motiviert und habe immernoch die Hoffnung, dass es irgendwie etwas bringt, wenn ich hier meine Erfahrungen mit den Anderen teile. Allerdings arbeiten die Betreuer in dem Zentrum "bildlich gesehen" genau in die andere Richtung. Ich bin ja eher "Raum-gebend"- bzw. "Anerkennend, was ist"- orientiert und Filadelfo, William und Yahaira reden den Jugendlichen oft ein schlechtes Gewissen ein. Sie beengen sie manchmal auch mit den Regeln und den Konsequenzen, wenn sie gebrochen werden.

Oft denke ich, sie koennen die Jungs und Mädels nicht "sehen", weil sie selbst nicht klar mit ihrer eigenen Geschichte sind. Und sie sind einfach ausgebrannt. Sie halten sich "zusammen", als seien sie in einem Korsett. Aber wenn man dieses Korsett öffnet - was meine Arbeit macht - dann kommt zum Vorschein, dass das eigentliche natürliche Skelett innendrin vor lauter Stress schon ganz zu Gummi geworden ist. Alles sackt in sich zusammen. Mal sehen,was man da machen kann. Ich denke, das Angebot, auch mit den Kollegen zu arbeiten wird langsam obligat.

Systemik contra Pädagogik

Da gibt es bei uns dieses Mädchen mit dem Namen "Ana Yelis" (13), die aus Managua kommt. Sie ist von zu Hause weggelaufen, obwohl dort angeblich "alles in Ordnung ist". Alle Jungs im Zentrum sind verliebt in Ana Yelis. Das kann man verstehen, wenn man sie sieht. Sie ist eine starke Persönlichkeit, ist schön anzusehen und scheint sehr integriert zu sein. Sie flirtet mit den Jungs und stößt sie aber auch entsprechend wieder weg, wenn es ihr zu viel wird. Ich finde sie sehr autonom. Heute waren Ana Yeliz' Mutter und Schwester auf der Feier zu Besuch und in einem Gespräch im Anschluss haben wir versucht, Ana Yelis dazu zu bewegen, wieder mit zu ihrer Mutter nach Hause zu gehen.

Ich kam während des Gesprächs richtig in Konflikt. Sie als Mutter ist zwar auch total niedlich, aber ich wäre an Ana Yeliz' Stelle auch weggelaufen. Ich glaube, dass man die "Energie" dieser Familie nicht aushalten kann, wenn man ein bisschen sensibel ist. Da ist so viel Ignoranz und Abspaltung. Ich wäre fast eingeschlafen, als die Mutter gesprochen hat (das ist die Übertragungsreaktion). Ich glaube wirklich, dass das Leben auf der Straße hier einen Menschen zerstören kann. Aber ich glaube auch, dass es einen Menschen retten kann. Ana Yeliz hat vielleicht gar keine schlechte Entscheidung getroffen, von zu Hause wegzugehen. Sie kann autonom sein, wenn sie auf der Straße lebt. Geht sie zurück nach Hause, wird sie von der Nebelwolke ihrer Mutter wieder "eingewickelt". Das geht gar nicht!

Das Mädchen ist übringes nach dem Gespräch mit der Mutter und der Schwester mitgegangen. Die Betreuer fühlten sich efolgreich. Ich weiß, sie wird nicht bleiben!Aus systemischer Sicht sind viele Schicksale total klar und ich denke: Das Leben auf der Strasse ist einfach ein Ausdruck der jeweiligen familiären Verstrickung. Aber wie geht man damit "pädagogisch" um? Dies ist eine rhetorische Frage. Denn da ist auf der einen Seite das Wissen um diese Verstrickung. Man spürt: "Irgend etwas geht da nicht!" Und auf der anderen Seite will man auf bestmögliche Weise Struktur geben. Die Jugendlichen sollen ein Geländer bekommen, an dem sie sich entlang hangeln können. Man kann ja schlecht sagen: "Bleib mal schön auf der Straße." Dann haben sie keine berufliche Zukunft, weil sie keiner mehr will. Die Straßenkinder sind auch hier "Abschaum" und werden gesellschaftlich ausgestoßen. Also: Verstrickung contra sinnvolle Pädagogik.

Herz-Meditation

Filadelfo nimmt Beruhigungstabletten. Das ist für mich auch eine Meditation, das zu sehen und anzuerkennen. Außerdem klappt das Hirnhälften-Nutzen auch noch. Das ist eine super Meditation. Ich konzentriere mich auf die rechte Hirnhälte und kann sofort alles besser verstehen. Und wenn ich mich auf die Linke konzentriere, ist das nicht mehr der Fall. Wenn ich beide Hemisphären in Einklang halte, funktioniert es wieder. Zudem ich habe heute herausgefunden, dass ich mich manchmal sogar entscheiden kann, mein Herz zu öffnen oder verschlossen zu lassen. Noch nicht immer, aber heute ist es mir bewusst gelungen. Bei dem Dekorieren heute morgen hatte ich echt innerlich einen Wut- und Kotz-Anfall nach dem anderen. Aber ich bin damit in Meditation gewesen, sprich, ich habe die Arbeit verrichtet, wie sie mir aufgetragen wurde, mich eingebracht, so wie ich es für gut und richtig hielt und habe mich einfach dabei selbst beobachtet. Leider hat mein Herz irgendwann weh getan und mir fiel auf: Ich hatte da was vergessen, nämlich mein Herz zu öffnen, während ich mit meinen Gefühlen meditiere.

Und als ich entscheid, es zu öffnen, gingen sofort die Schmerzen weg. Und nach ein paar Sekunden auch meine innerliche Wut. Alles wurde leichter und heller. Dann war ich eigentlich erst im Zustand von Meditation. Mein Herz ist manchmal einfach verschlossen und wenn mir das nicht auffällt, öffnet es sich auch nicht. Aber dann ist alles, was ich mache anstrengend und wahrscheinlich auch "hohl" bzw.nicht gefüllt mit meinem "Saft". Weil ich das weiß, habe ich diese Übung mehrfach im Laufe des Tages wiederholt. Ich habe mein Herz dann durch meinen Wunsch geöffnet und schon war wieder alles leichter. Zum Beispiel das Zusammensein mit dem vibrierenden Erick. Oder die Gesprächsrunde mit Carla und den Betreuern. Das ist eine wunderbare Übung.

Erkenntnis des Tages: Ohne offenes Herz ist alles was man tut anstrengend. Ist hingegen das Herz offen, ist alles was man tut erfüllend und lehrreich. Auch das wusste ich schon vorher. Aber bisher habe ich die Zustände von offenem und verschlossenem Herzen nie so intensiv und klar voneinander abgegrenzt wahrgenommen.

Oliver Unger

weiter zu Teil 4

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