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Bücher

Arno Pillwein: Rosen in der Mitte

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Arno Pillwein
Arno Pillwein

Das Göttliche in uns?

Dieses Buch von Arno Pillwein ist ein überarbeitetes und um einige Teilnehmerfragen ergänztes Manuskript zu einem Seminar mit dem Thema »vom Geheimnis der 'selbstlosen' Liebe«. Der Autor erläutert, dass er dabei einen Seelenvorgang beschreibt, »der zu einem radikal neuen Verhältnis zu sich selbst, zu den anderen und zur Welt führen kann.« Er meint auch, dass die vielen Worte eine schmerzliche Reduktion darstellten und konkrete Erfahrungen nicht ersetzen können. Sein Seminar vermittle erste Grunderfahrungen in einem Seelentraining.

Im ersten Kapitel geht es um »das Ego«, das sowohl eine Chance wie auch ein Hindernis sei. In erster Linie sei das Ego leider oft nur eine Ansammlung von Gewohnheiten, die aber durch Perspektivenwechsel zu durchbrechen seien. Zunächst sei zu bemerken »was ist«. Rudolf Steiner würde dies Imagination nennen. Mit dem Bemerkten in ein inneres Gespräch zu kommen sei Inspiration und die dritte Stufe der Inspiration sei erreicht »wenn ich ganz hinein steige in das Wahrzunehmende, wenn ich fast zu dem werde.« Mir scheint das eine simplistische Reduktion der Stufen der höheren geistigen Erkenntnis auf eine Psychotechnik.

Im zweiten Kapitel steht dann »die Geschlechtlichkeit, als mächtigste Prägung des Egos« im Mittelpunkt. Folgende Auszüge sprechen, denke ich, für sich. Nachdem Arno Pillwein meint, dass das Männliche das Weibliche vergewaltigen kann, das Weibliche aber könne das Männliche verführen, schreibt er »Frauen, die vergewaltigt werden, haben oft so etwas wie eine aktiv-passive Anziehung, die sie aber aus sich selbst heraus wie Angst empfinden. Das ist wie ein Vakuum, ein Saugen. Das Weibliche ist wie ein Heranziehen, das das Männliche heraus fordert, im wahrsten Sinne des Wortes!« An anderer Stelle heißt es »Einem Softie kann sich das Weibliche nicht hingeben. Vom Weiblichen muss Kraft gespürt werden, muss Drängen gespürt werden.« Der Autor berichtet dann, dass er seine Männlichkeit erstmals spürte, nachdem Blut floss. »Männern wird oft vorgeworfen, sie hätten ihr Gefühl nur in ihrem Lingam. Da ist was dran.« Selbstlose Liebe heißt zu erkennen, dass weiblich zu lieben etwas ganz anderes bedeute als männlich zu lieben. »Das Männliche, das liebt hinzu, zu etwas hin .... das Weibliche liebt herzu. Sehnt etwas herbei.«

Das dritte Kapitel über »die Präsenz und wie wir dahin finden«, bezeichnet Arno Pillwein als Kernpunkt oder Herzstück des Buchs. »Diese Präsenz ist so etwas wie das Göttliche in uns!« im Hier und Jetzt. Nach der Erklärung einiger Bibelzitate, schildert der Autor auf mehreren Seiten sein Einheitserlebnis. Anschauungsunterricht oder »Egoexhibitionismus«?

Wen – außer den Seminarteilnehmern – sollte dieses Buch interessieren? Ich finde darin nichts, das nicht schon unendliche Male dargestellt worden wäre. Es macht auf mich den Eindruck eines Esobuches aus Oswald Kolles Zeiten. Vielleicht habe ich aber auch nur nichts verstanden und das Ganze ist provozierender moderner Eso-Punk. Unter diesem Gesichtspunkt müsste ich es dann vielleicht ein zweites Mal lesen, wozu ich aber nicht den geringsten Impuls verspüre. Andere sind jedoch eingeladen, dies zu tun und sich ihr eigenes Bild zu machen.

Bewertung: enttäuschend

Alfred Groff

Arno Pillwein: Rosen in der Mitte. Winterwork 2009, 114 S., SC, 14 €

   
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