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Stefano Elio D´Anna: Die Schule für Götter

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Stefano Elio D´Anna
Stefano Elio D´Anna

Lerne zu träumen

Noch nie hatte ich solche Schwierigkeiten mit einer Buchbesprechung. Je länger ich las, desto mehr verlor ich den Abstand, den man als Rezensent eigentlich braucht. Der Autor selbst bezeichnet seine Erzählung als »Landkarte« und »Fluchtplan«. Damit ist das Dilemma des Lesers schon skizziert: Was soll jemand mit einer Landkarte oder einem Fluchtplan, wenn er nicht das Bedürfnis nach einer drastischen Veränderung in seinem Leben spürt? Und damit ist auch gleich gesagt, für wen dieses Buch geeignet ist und für wen nicht.

D´Anna erzählt seine Lebensgeschichte nicht, weil er sein Leben für besonders interessant hält, sondern weil er im Gegenteil sein eigenes Leben als warnendes Beispiel vorführen möchte. Familiäre und berufliche Einzelheiten sowie die Orte, an denen er lebt, sind nebensächlich. Wichtig ist, was im Inneren geschieht. Und da zeigt D´Anna, dass hinter seiner teils glänzenden Fassade viel Angst und Schrecken verborgen sind.

Seine eigentliche Botschaft: Du kannst aus dem Halbschlaf deines jetzigen Lebens erwachen, indem du anfängst zu träumen, denn »die Welt ist so wie du sie träumst«. Die andere Kernbotschaft: Wir brauchen, um aus unserem hypnotischen Verhältnis zur Welt herauszufinden, jemanden an unserer Seite, der sich schon befreit hat. D´Anna bekommt diese Chance: Er begegnet dem »Träumer« (über den man leider zu wenig erfährt), der ihn über die Jahre in vielen Begegnungen immer wieder an sich selbst erinnert, ihn immer wieder ermutigt, Mut zu zeigen, sich seiner wahren Bestimmung zu öffnen. Das, was im Volksmund »innerer Schweinehund« genannt wird, wird bei D´Anna konkretisiert: Das »negative Denken und Fühlen« erschafft unsere Probleme, hier muss die »persönliche Revolution« beginnen.

Dieser Prozess ist so zäh und so voller Rückschläge, er verlangt sowohl dem Leser einiges Durchhaltevermögen ab (kommt diesem doch leicht die Floskel in den Sinn: Da sieht man wieder, wie beschwerlich der Weg zur Erleuchtung selbst mit einem Meister ist!) als auch dem »Träumer«, der nicht müde wird, das immer Gleiche in immer neuen Wendungen auszudrücken: »Sei ein König und das Königreich wird kommen«, »in Wirklichkeit ist die Welt nur ein Spiegelbild ... Gedanken, Emotionen und Haltungen nehmen in der Welt der Ereignisse feste Gestalt an«, »die Welt ist nicht erschaffen ... die Welt ist erdacht«, »die Welt ist so, weil du so bist«.

Letztlich geht es wohl um die große Verantwortung, die wir übernehmen, wenn es denn wirklich so ist, dass wir selbst Götter sind: »Das Grauenhafte ist, dass wir Gott nach >außerhalb von uns< verlegt haben«. Der Träumer hat gut reden – fallen doch damit viele Entschuldigungen weg, die es uns ermöglichen, ein elendes Leben fortzusetzen.

Von D´Anna will der Träumer mehr: Er soll nicht nur sein eigenes Leben ändern, sondern darüber hinaus eine Schule gründen, die den Menschen das Träumen beibringt. Denn »der Traum ist das Wirklichste, das es gibt ... träume, und die Wirklichkeit wird folgen!« Diese Schulen gibt es heute tatsächlich – D´Anna hat offenbar nach Jahren voller Rückschläge das Träumen doch noch erlernt.

(Siehe zu diesem Buch auch den Artikel von Helmut Doerfler über »Stefano D' Annas >Schule für Götter< in connection 10/2010)

Bewertung: sehr gut

Volker Freystedt

Stefano Elio D´Anna: Die Schule für Götter. Kamphausen 2010, 421 S., SC, 24,95 €

   
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