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Bernhard Ludwig: Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit

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Photo Bernhard Ludwig
Foto: Bernhard Ludwig

Kabarett fürs Sofa mit Lachgarantie

Der österreichische Kabarettist Bernhard Ludwig schafft es, seit Jahren die Kabarett-Bühnen mit seinem Stück »Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit« zu füllen. Man weiß während der gesamten Aufführung nie, ob man nun in einem Kabarett oder doch in einem Seminar gelandet ist, zumal Ludwig eine Karriere in Medizin und Psychologie vorzuweisen hat. Doch was als Kabarett funktioniert, kann man das auch in Comic-Form geniessen. Andrea Semper sagt: ja, man kann!

Dieser Comicband mit seiner genial-orginellen Illustration bringt einem Ludwigs Kabarett-Programm heim aufs Sofa. Dauergrinsen ist genauso garantiert wie entsetztes Luft anhalten, wenn man sich immer wieder fragt, woher denn Herr Ludwig sein Detailwissen her hat. Ob er einem heimlich nachts durchs Schlafzimmerfenster schaut?

Der erste Teil enthält ein Sammelsurium an Facetten, die Männlein und Weiblein in ihren Begegnungen so drauf haben, um der sexuellen Unzufriedenheit einen nahrhaften Boden zu bereiten. Die Grundformel »Erwartetes dividiert durch Erreichtes« bietet schon das erste Aha-Erlebnis: »Schrauben Sie Ihre Erwartungen hinauf und was Sie erreichen, wissen Sie ja selbst.« Mit einem anderen Rechenmodell kann die persönliche Orgasmustorte ermittelt werden. Wie Männer und Frauen völlig unterschiedlich das Objekt ihrer Begierde wählen, zeigt die Ludwig'sche Marktsegmentierung. Diese reicht vom Prinzen über das Topmännchen bis zum Underdog – weibliche Entsprechung ist gegenübergestellt. Ein Mann hat kein Problem mit einer Sphinx ohne Geheimnisse (landläufig besser bekannt als pflegeleichte Tussi). Eine Frau genießt ihr Leben lieber alleine, als einen blöderen Partner zu wählen. Dafür bietet Frau dem gewählten Mann an ihrer Seite im zweiten Erziehungsweg die Chance, sich zu ändern. Sisyphus dürfte mit seinem Stein leichteres Spiel gehabt haben, als Frauen sich hier zumuten, denn Männer ändern sich nicht mehr nach der Pubertät! Einzige Ausnahme: Ihre Spielzeuge werden teurer. Hauptspiel der Männer auf dem Weg zum Herzinfarkt: Wer mit dem teuersten Spielzeug stirbt, hat gewonnen.

Im zweiten Teil darf man sich über Tipps zum Sexual Healing freuen: Doppelbett statt Stockbett als Erstmaßnahme gegen Lustlosigkeit. Das Thema Kinder im gemeinsamen Bett – erst als Spaltpilz, später als Schutzwall – bietet auch Veränderungspotential. Da es den einen Mann, der alle weiblichen Bedürfnisse befriedigt, nicht gibt, bietet ein Modell der provokativen Therapie den Frauen an, sich die Männer patchworkmäßig zusammen zu setzen. Als Therapie für alle Männer, die an eingebildeter Kleinschwänzigkeit leiden, empfiehlt Ludwig das hypnotische Spontan-Heilungsexperiment mit dem Filzstift. Wie Quietschenten oder Aprikosen als Trainingsgeräte für den weiblichen PC (Beckenbodenmuskel) funktionieren, kann ebenso staunend nachgelesen werden. Die Erkenntnis, dass Asymmetrien der Begierde (einer will öfter) oder der Bedürfnisse (beide wollen, aber jeder will was anderes) nicht nur Unzufriedenheitsgarantie sondern auch die Möglichkeit zur Aufweichung starrer Fronten bieten kann, nimmt man erleichtert und grinsend zur Kenntnis.

Eigentlich weiß man/frau ja schon alles, was in diesem Buch steht – nur ruft einem das keiner so treffend und witzig in Erinnerung, wie Bernhard Ludwig. In trauter Zweisamkeit unter der Decke gelesen, könnte das Werk sein therapeutisches Potential optimal entfalten. Denn auch »nur« gemeinsame Lachanfälle können heilsam sein.

Bewertung: fünf Sterne 5 von 5 Sternen

— Andrea Semper

Buchtitel »Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit«
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Bernhard Ludwig: Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit – Seminarkabarett-Comic, Ueberreuter 2005, 79 S., HC, 14,95 €

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