Archiv connection.de bis 2015

Besuche das aktuelle connection-Blog

Abonniere den Newsletter:

Bücher

Georg Rohrecker: Die Kelten.

Details

Georg Rohrecker
Georg Rohrecker: Die Kelten

Auf Spurensuche in Österreich

Georg Rohrecker widmete sich in seinen Büchern dem Keltentum in Europa. Zu Beginn seines letzten Buches »Die Kelten« beschäftigt er sich mit der Frage, warum man heutzutage fast automatisch annimmt, die Vorfahren der Österreicher seien Germanen; eigentlich, so schreibt er, hätten südlich vom »Weiß - wurscht-Äquator« hauptsächlich Kelten gelebt.

Im 18. und 19. Jahrhundert habe eine Art »Germanisierung « stattgefunden, das keltische Erbe sei für ein imaginiertes germanisches verdrängt worden – bestärkt im 20. Jahrhundert noch von den Nationalsozialisten. Doch so langsam setzt sich die Vorstellung durch, dass die Germanen sich südlich des »Weißwurscht-Äquators« nur vereinzelt niedergelassen haben und in Österreich und Südbayern vor allem Kelten gelebt haben.

Ein wenig missionarischer Eifer ist aus dem letzten Werk des 2009 verstorbenen Rohreckers zu spüren. Eifrig beweist er, dass die Kelten fähige Handwerker und keineswegs rückständige Barbaren waren. Die Oberschicht, so schreibt er, war sehr gebildet, auch wenn in der keltischen Kultur ein Schrift-Verbot herrschte. Und die keltische Sprache sei sehr kunstvoll gewesen. Ein wenig amüsiert mich Rohreckers fast mis sionarischer Eifer, aber vielleicht kommt dieser auch daher, dass der 1947 geborene Autor noch Zeiten miterlebt hat, in denen das Klischee vom barbarischen, keltischen Krieger vorgeherrscht hatte. Heute ist man weiter, heute weiß man von keltischer Eloquenz, ihrem Straßenbau und ihren anderen handwerklichen Fähigkeiten.

Lange Kapitel widmet Rohrecker der keltischen Glaubenswelt. Während das Christentum eine lineare und dualistische Sicht weise vertritt, ist das Kelten - tum von zyklischem Denken bestimmt. Der Tod war für die Kelten nur eine vorübergehende Phase, in der sie in den Schoß der Erde zurückkehrten, um dann wieder geboren zu werden. Auch war die Glaubenswelt der Kelten eher matriarchalisch geprägt: Zunächst gab es nur eine Muttergottheit, später wurden der Göttin männliche Gottheiten in Form von Liebhaber-Söhnen beigestellt. In lexikon-artiger Form beschreibt Rohrecker einzelne keltische Gottheiten, dann geht er dazu über, Rituale und Jahreskreis-Feste, Heilige Orte und keltische Sagen zu beschreiben. Das Buch ist reich bebildert mit keltischen Kunstschätzen und Landschaftsaufnahmen und damit auch ein wahrer Augenschmaus. Gelegentlich frage ich mich beim Lesen, ob Rohrecker die Kelten nicht zu sehr idealisiert. Wie dem auch sei, man kann viele interessante Informationen aus dem Buch herausziehen. Für Kelten- Fans ein Muss!

Bewertung: sehr gut

Christine Höfig

Georg Rohrecker: Die Kelten. Auf den Spuren unseres versteckten Erbes. Pichler 2011, 240 S., HC, 24,95 €

   
© Connection AG 2015