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Bücher

Brad Warner: Sex, Sünde und Zen

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Brad Warner
Brad Warner

It's only Rock'n Roll

Das Buch von Zen-Meister Brad Warner liest sich ganz locker. Man kann es konsumieren wie eine interessante Illustrierte oder eine der besseren Harald Schmidt-Shows. Mal geistreicher, mal platter, aber für Unterhaltungszwecke überdurch-schnittlich. Werbeeinblendungen gibt es Gott sei Dank keine, dafür ein für meinen Geschmack etwas zu lange geratenes Interview mit Nina Hartley, die man anscheinend kennen muss, wenn man während des Pornovideo- Booms in den 1980ern groß geworden ist. Da war ich allerdings schon ausgewachsen.

Die meisten Kapiteltitel klingen reißerisch, sicher durchaus beabsichtigt. Zum Beispiel: Alle Wesen erlösen … von meinem Schwanz!, Das Loch füllen – wenn du weißt, was ich meine!, Wie kann ich mich selbst befriedigen, wenn ich gar kein Selbst habe?, Ich ficke, also bin ich, was ich ficke? Sogar die Fußnoten sollen lustig sein: He, he! Ich sagte ›tiefer in heiße Bräute eindringen‹! Entweder mag man das, oder eben nicht. Der Autor berichtet viel aus seinem eigenen Leben als Punkmusiker, als Kolumnist für die Suicide-Girls-Webseite oder als verlassener Mann. Brad Warner lebte elf Jahre in Japan und wurde dort zum Zen-Meister ausgebildet.

Er erklärt den Buddhismus aus einer persönlichen Sicht auf eine ganz liberale Art und Weise: »Zazen ist kein Mittel zu irgendeinem Zweck. Es ist keine Methode, um spirituelle Erleuchtung oder sonst irgendwas zu erlangen. Es ist einfach, was es ist.« Warner findet, dass in Asien der Zugang zum Thema Sex immer unbeschwerter ist als im Westen. Das Bodhi sattva-Gelübde bedeutet für ihn, in Bezug auf Sexualität zu geloben, kein Arschloch zu sein. Weitere Themen des Buches sind zum Beispiel: Amma, Indiens weltberühmte Umarmungsheilige, deren heißer Atem Brad irgendwie antörnte, sowie orgasmische Meditation, Frauen im Buddhismus, Zen-Mönche und Huren oder auch Homosexualität, Abtreibung, Eheberatung und Sexskandale im Buddhismus. Das Buch, das eine Sicht des heutigen amerikanischen Zen beleuchtet, endet mit dem Satz: »Also, viel Spaß und tu niemandem weh, auch nicht dir selbst.«

Bewertung: gut

Alfred Groff

Brad Warner: Sex, Sünde und Zen – Eine buddhistische Entdeckungsreise in Sachen Sex. Aurum in J. Kamphausen 2012, 355 S., SC, 18,95 €

   
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