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Gerhard Breidenstein: Zen-Meditation

Details

Gerhard Breidenstein
Gerhard Breidenstein

Ego-Trekking

Bist du an Meditation interessiert? Möchtest du in die Welt der Meditation einsteigen? Meditierst du? Hast du es schon einmal versucht, bist dann aber wieder davon abgekommen? Falls du eine dieser Fragen mit Ja beantworten kannst, möchte Bobby Langer dir dieses Buch ans Herz legen.

Weshalb diese uneingeschränkte Empfehlung? Bücher über Meditation gibt es wie Felsen im Himalaja. Meist werden sie aus der Perspektive dessen geschrieben, der zu wissen glaubt, wo es lang geht. Er beugt sich zu mir als Leser herab und will mich an die Hand nehmen. Das Thema steht dann wie ein Berg vor mir, und wenn mein Atem und meine Lesemotivation lang bzw. hoch genug sind, halte ich vielleicht durch bis zum Ende.

Bei diesem Buch ist es anders. Der Autor nutzt die Metapher der Hochgebirgstour zu dem Zweck, verschiedene Aspekte der Zen-Meditation zu erläutern. Seine Metapher lässt sich aber auch für den Lesevorgang nutzen, denn Breidenstein bahnt dem Leser Kapitel für Kapitel (zehn Kapitel und eine Zusammenfassung) einen immer neuen Verständnisweg ins anspruchsvolle Gelände. Und mit jedem dieser zehn Wege versteht man das Wesen des Gebirges ein wenig besser.

Aber eben nicht aus der Sicht des überlegen Wissenden schreibt der Autor, sondern aus der des Suchenden. Gerhard Breidenstein, evangelischer Theologe und seit über zwanzig Jahren auf dem Zen-Weg unterwegs, nimmt seine Leser mit auf seine Reise. Diese Reise dauert auch über dieses Buch hinaus noch an, sie hat aber schon zu vielen Einsichten, Erkenntnissen und Zwischenergebnissen geführt. Dazu nutzt er seine ausführlichen Tagebuchaufzeichnungen, die er nicht chronologisch, sondern thematisch zusammengestellt hat und durch Kommentare verknüpft und ergänzt.

Das ist interessant und spannend zu lesen, denn Breidenstein spricht einerseits von der Sehnsucht nach dem Weg und den Gipfelerfahrungen, spart aber auch die Schluchten und Unwetter nicht aus, die so ein Lebensweg zwangsläufig mit sich bringt. Man spürt auf jeder einzelnen Seite, dass das keine Theorie ist, sondern gelebte Erfahrung. Das jedem offenstehende Ziel ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Verlockung – das Ziel ist nämlich, kein Ziel zu sein, sondern ein Zustand, der dort beginnt, wo alle »Denkeleien« enden. Es ist ein Zustand jenseits (oder diesseits) des Benennbaren, ein Raum ohne Wände und Grenzen, eine Zeit ohne Anfang und Ende; ein schweigender, tiefer Friede.

Es ist diese Verlockung, diese existenzielle Chance, die einen als Leser zuverlässig durch die Seiten trägt; aber auch die spürbare Einladung des Autors an seine Leser, es doch ebenfalls zu versuchen, die inneren Stiefel zu schnüren und sich auf den Weg zu machen. Dazu und deshalb sind diese 120 Seiten gespickt mit nützlichen praktischen Hinweisen, wie man es richtig oder eben auch falsch machen kann, immer geboren aus der eigenen Erfahrung und deshalb nachvollziehbar und gut einzuordnen für den Leser. Ob dieser nun selbst den Weg des Zen beschreiten will oder sich einer anderen Form der Medita - tion zuwendet, spielt letztlich keine Rolle; nützlich sind die Anmerkungen des Autors allemal.

Dass er den Zen-Weg als evangelischer Theologe ging und geht, verleiht seinen Schilderungen eine besondere Würze. Das dürfte für Christen ebenso spannend sein wie für all jene, die sich im Christentum nicht mehr aufgehoben sehen, aber gerne wüssten, wohin ihr Weg denn sonst führen könnte. Gerhard Breidenstein würde vermutlich antworten »in die unmittelbare spirituelle Erfahrung, wie sie in der Meditation erlebbar wird«.

Bewertung: hervorragend

Bobby Langer

Gerhard Breidenstein: Zen-Meditation – eine Hochgebirgstour. Erfahrungen eines Schülers der Zen-Meditation. tao.de 2013, 120 S., SC, 14,99 €

   
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